Foto: SV 98 08.04.2025 / Nachhaltigkeit & Soziales,Verein
SVD Beaumont zu Gast bei den Lilien
In den vergangenen Tagen durfte der SV 98 ganz besondere Gäste begrüßen. Vereinsverantwortliche, Trainer und Spieler des SVD Beaumont Texas besuchten die Lilien im Rahmen der Partnerschaft beider Vereine, die insbesondere die soziale Kraft des Fußballs in den Vordergrund stellt. Den perfekten Abschluss der Visite bildete der Heimsieg der Profis gegen die SpVgg Greuther Fürth (5.4.). Wir blicken noch einmal auf ereignisreiche Tage zurück.
"Eine besondere Verbindung"
Wie kommt es dazu, dass ein texanischer Fußballverein die Trikots vom SV Darmstadt 98 trägt?
Die Antwort liegt in der Kindheit von Jaime Roesch, Präsident des SVD Beaumont Texas, begründet. Der US-Amerikaner lebte als Bub einige Jahre in Deutschland, ein Teil seiner Familie wohnt in Gräfenhausen, im Landkreis Darmstadt-Dieburg. „Als Junge habe ich viel Zeit hier verbracht. Daher kommt die besondere Verbindung zu den Lilien“, erzählt uns Roesch mit einem strahlenden Lächeln.
Seine Lilien-Liebe nimmt er mit in die USA, wo er ein sogenanntes „Coed-Team“ gründet, also eine Amateurmannschaft, bei der jeder unabhängig von Geschlecht, Alter und Bildung mitspielen kann. In den USA ist das nämlich nicht selbstverständlich. „Spieler von unserem Coed-Team wollten damals bei einem richtigen Fußballverein in Houston spielen und hatten dort auch Try-Outs. Generell habe ich jedoch mit dem Einstieg für Personen in den US-Vereinsfußball keine guten Erfahrungen gemacht und dachte, dass ich das einfacher gestalten kann.“
Deshalb ruft Roesch den SVD Beaumont Texas ins Leben. Als Spielkleidung kommen für ihn nur die Triktos des SV 98 in Frage – aufgrund seiner Verbundenheit mit der Stadt und dem Verein.
Nach einigen Jahren im Lilien-Dress sucht Roesch dann den Kontakt zum SV 98, um die Möglichkeiten einer Kooperation auszuloten. „Dass der Verein unser Projekt unterstützt, hätte ich allerdings nie im Leben gedacht.“
Soziale Aspekte im Vordergrund
Doch Roesch rennt bei den Lilien offene Türen ein, wie Lilien-Geschäftsführer Martin Kowalewski erklärt: „Wir haben schon über einen längeren Zeitraum eine hohe Anzahl an Trikotbestellungen aus Beaumont registriert und dann auch mitbekommen, dass immer wieder Texaner bei uns im Merck-Stadion bei Spielen anwesend waren. Nach der Kontaktaufnahme durch Jaime war es uns wichtig, den Verein genauer kennenzulernen. Und wir waren uns direkt sympathisch. Entsprechend schnell haben wir uns dazu entschieden, unsere Unterstützung anzubieten.“
Diese Unterstützung stellt insbesondere die sozialen Aspekte in den Vordergrund, wie Kowalewski hervorhebt: „Wir wollen Jugendlichen aus sozial benachteiligten Verhältnissen den Zugang zum Fußball ermöglichen, weil es in den USA schwieriger ist, einfach mal Fußball zu spielen.“
Anders als in Deutschland, wo der Fußball längst ein Sport für jeden ist, ist der Einstieg in den „Soccer“ in den USA mit hohen Kosten verbunden. „Das ist vergleichbar mit Golf oder Tennis in Deutschland“, so Kowalewski.
Gemeinsam wollen die Lilien und der SVD Beaumont die verbindende Kraft des Fußballs nutzen, um über den Sport soziale und gesellschaftliche Themen vermitteln. „Unser Ziel ist es, die Vereinskultur der Lilien als Vorbild für unsere eigene Identität zu nehmen“, verät Roesch, bevor er anfügt: „Der Besuch in Darmstadt vermittelt auch in dieser Hinsicht ganz neue Eindrücke und macht unsere Gruppe in gewisser Weise zu Botschaftern, weil wir unsere Erfahrungen in Beaumont an alle anderen weitergeben können.“
20 Personen umfasst die US-Reisegruppe, die zunächst das Auswärtsspiel der Lilien beim SSV Ulm besuchte und im Anschluss eine Woche lang den SV 98, Darmstadt und Umgebung und die Vereinskultur der Lilien näher kennenlernen konnte. Wir blicken im Folgenden noch einmal auf einige Higlights der Visite zurück.
Ein Blick hinter die Kulissen
Ein Programmpunkt, der bei einem internationalen Besuch natürlich nicht fehlen darf: Die Stadionführung durch das Merck-Stadion am Böllenfalltor.
Für die Gäste vom SVD Beaumont Texas begann die Tour in der Geschäftsstelle, wo sie von Kowalewski persönlich begrüßt wurden. Über die traditionsreiche Südtribüne bis in den VIP-Bereich des Stadions wurden in der Folge alle Tribünenbereiche des Lilien-Wohnzimmers besucht. Anschließend führte der Weg zwei Etagen tiefer – hinein in den Pressekonferenzraum und die „heiligen Katakomben“ des Böllenfalltors, verbunden mit einem exklusiven Einblick in die Heimkabine des SV Darmstadt 98.
Zum Abschluss durften die texanischen Besucher sogar den Innenraum des Stadions betreten und auf der Heimbank Platz nehmen – die perfekte Gelegenheit für Erinnerungsfotos.
„Es ist beeindruckend, was sich alles in so einem Stadion verbirgt und wie viele kleine Details überall zu finden sind“, so Roesch im Nachgang der Führung.
Training mit Junglilien
Ein wichtiger Teil des Besuchs bestand zudem aus der Eingliederung von sechs Jugendspielern des SVD Beaumont Texas in die Nachwuchsmannschaften des SV 98. Eine Woche lang wirkten Juan, Said, Jose, Braxton, Diego und Coy bei Trainingseinheiten von U17, U19 und U21 mit und bekamen darüber einen Eindruck vom Niveau und der umfassenden fußballerischen Ausbildung im Jugendbereich eines Zweitligisten.
Darüber hinaus wurde das texanische Sextett in individuellen Trainingseinheiten im technischen und athletischen Bereich gefordert und dürfte sicherlich eine wichtige Erfahrungswerte zurück in die amerikanische Heimat nehmen.
Selbiges gilt für die mitgereisten Trainer, die nicht nur über das Besuchen der Traingseinheiten, sondern insbesondere über den umfassenden Austausch mit den Lilien-Coaches viele neue Erkenntisse gewinnen konnten.
Meet and Greet mit Fraser Hornby
In einem Meet and Greet hatten die Spieler vom SVD Beaumont Texas die Möglichkeit, Lilien-Stürmer Fraser Hornby mit ihren Fragen zu löchern. Besonders interessiert waren die Akteure am Alltag und den Routinen des 25-Jährigen und erfragten zahlreiche Tipps zur Trainingsvor- und Nachbereitung, einer optimalen Erährung und den wichtigsten Attributen eines Stürmers.
Im Anschluss an die Fragerunde blieb für die Texaner noch genug Zeit für Fotos und Autogramme.
Den Profis über die Schulter gucken
Neben dem Besuch im Nachwuchsleistungszentrum und dem Kennenlernen mit Fraser Hornby durften die Gäste auch echte Profi-Luft schnuppern – bei zwei Trainingseinheiten der Mannschaft des SV Darmstadt 98. Dabei beobachteten die Texaner das Geschehen auf dem Platz mit großem Interesse und nahmen viele Eindrücke mit: Von effektiven Trainingsübungen über die taktische Ausrichtung bis hin zum Pressingverhalten der Profis – es gab reichlich Inspiration für die eigene sportliche Entwicklung.
Und was gehört zu einem unvergesslichen Trainingserlebnis natürlich auch dazu? Richtig: Die Chance, Autogramme von Spielern und Trainern zu ergattern, jede Menge Erinnerungsfotos zu machen und einen kurzen Plausch mit den Spielern oder Cheftrainer Florian Kohfelt zu halten.
Mit dem E-Scooter durch Darmstadt
Am Freitagnachmittag (4.4.) stand ein weiteres Highlight auf dem Programm: eine Stadtführung auf dem E-Roller durch Darmstadt – druchgeführt von Alexander Lehné, Fanbeauftragter des SV Darmstadt 98.
Die Tour begann auf dem Marktplatz im Herzen der Stadt und führte über den Karolinenplatz zum traditionsreichen Hochschulstadion. In der Innenstadt bestaunte die Gruppe unter anderem die Heiner Statue und das Residenzschloss, bevor es durch den Herrngarten weiter zum Schlossgartenplatz ging.
Weitere Stopps auf der abwechslungsreichen Route waren die Mathildenhöhe – UNESCO-Welterbe und kulturelles Wahrzeichen –, der idyllische Große Woog und das Hundertwasserhaus. Kurz bevor die Akkus der E-Roller an ihre Grenzen kamen, durfte zum krönenden Abschluss ein Besuch der Orangerie natürlich nicht fehlen.
Hautnah beim Heimsieg
Den perfekten Schlusspunkt ihres Aufenthalts in Darmstadt erlebten die Gäste aus Beaumont am Samstagnachmitag (5.4.) beim Heimspiel des SV Darmstadt 98 gegen die SpVgg Greuther Fürth. Nachdem sie eine Woche zuvor beim Auswärtsspiel in Ulm im Gästeblock standen, durften die Besucher nach einer Woche voller Eindrücke und Begegnungen das Merck-Stadion am Böllenfalltor in seiner gesamten Spieltagsatmosphäre erleben – und das bei einem spannenden, hart umkämpften Spiel.
Der 1:0-Heimsieg der Lilien setzte dem Besuch die sprichwörtliche Krone auf. Die mitgereisten Texaner jubelten auf der Tribüne begeistert mit. Der optimale Abschluss einer ganz besonderen Woche. Sowohl für die Besucher aus den USA, aber genauso für die Lilien.
Viele Eindrücke vom Stadionbesuch der Gäste bekommt Ihr mit unserem Video.