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10.10.2025 / Verein

Was macht eigentlich Freddy Heß?

Freddy Heß kam 1987 von Südwest Ludwigshafen zum SV Darmstadt 98 ans Böllenfalltor und blieb sechs Zweitliga-Jahre, in welchen er 231 Spiele für die Lilien absolvierte. Leicht auszurechnen, dass er da kaum ein Spiel verpasste... Zehn Tore schoss er in der Zeit und zeichnete sich als kompromissloser Verteidiger aus. Im Sommer 1995 wechselte er zum SV Edenkoben und im Jahr 2000 weiter zum SC Hauenstein, wo er seine Spielerkarriere beendete. Wie blickt Heß auf seine Darmstadt-Zeit zurück? Wie landete er überhaupt bei den Lilien? Und was macht er heute? Das verrät uns der frühere Lilien-Verteidiger in einem Interview für unsere Rubrik „Was macht eigentlich…?“.

sv 98.de: Gude, Freddy! Zum Einstieg direkt mal eine Eisbrecherfrage: Ich habe Bilder von dir früher als Spieler gesehen – war das eigentlich eine Dauerwelle oder waren die Locken echt?

Freddy Heß: Die Locken waren tatsächlich echt! (lacht) Heute sehe ich zwar etwas glatter aus, aber die Haarpracht von damals war keine Dauerwelle, sondern naturgegeben.

sv98.de: Wann und wie bist du zum SV Darmstadt 98 gekommen?

Das ging damals ziemlich schnell. Ich kam vom SV Südwest Ludwigshafen und wurde nach einem Mallorca-Urlaub von Klaus Schlappner angerufen. Er suchte für die kommende Zweitliga-Saison noch einen Innenverteidiger. Ich war völlig überrascht, da ich eigentlich fest im Berufsleben stand. Innerhalb von 14 Tagen war der Wechsel perfekt, ich unterschrieb einen Zweijahres-Vertrag. Das Kündigen meines Jobs war allerdings knifflig – meine Kündigungsfrist hätte mit dem Trainingsstart kollidiert. Schlappner rief kurzerhand bei meinem Arbeitgeber an und überzeugte ihn, sodass ich pünktlich beim Trainingsauftakt dabei sein konnte.

sv98.de: Kannst du dir vorstellen, wie Darmstadt damals auf dich aufmerksam wurde?

Ja, das hing direkt mit Klaus Schlappner zusammen. Als er von Waldhof Mannheim zu den Lilien wechselte, fragte er den damaligen Waldhof-Schreiber Horst Konzok, ob er ihm einen Innenverteidiger empfehlen könne. So kam mein Name ins Spiel.

Freddy Heß lacht in die Kamera.

Freddy Heß

Aktuelle Tätigkeit: Kaufmännischer Angestellter
  • Geburtsdatum: 07.03.1964 (61)
  • Größe: 1,81 m
  • Position beim SV 98: Verteidiger
  • Nation: Deutschland

sv98.de: Du hast 231 Spiele für die Lilien absolviert. Was hat dich so lange beim SV 98 gehalten?

Ich war von Beginn an Stammspieler, habe kaum Spiele verpasst und war selten verletzt. So konnte ich mich früh ins Rampenlicht spielen. Zwar haben wir den Aufstieg in die Bundesliga knapp verpasst, aber ich hatte die Chance, viele Jahre auf hohem Niveau zu spielen. Ein geplanter Wechsel zum MSV Duisburg platzte, woraufhin ich meinen Vertrag bei den Lilien verlängerte. Wären wir nicht abgestiegen, hätte ich wahrscheinlich meine gesamte Karriere dort verbracht. Auf die vielen Spiele in dieser Zeitspanne bin ich sehr stolz.

sv98.de: Welche Lilien-Momente wirst du nie vergessen?

Definitiv die Relegationsspiele gegen Waldhof Mannheim um den Bundesliga-Aufstieg im Juni 1988 – auch wenn wir den Kürzeren gezogen haben. Dann das Spiel gegen Schalke vor 70.000 Zuschauern in der Saison 1990/91. Besonders in Erinnerung geblieben ist auch der 1:0-Sieg im DFB-Pokal gegen den damaligen UEFA-Cup-Sieger Bayer Leverkusen im September 1989. Sehr schmerzhaft hingegen war der Abstieg 1992/93. Für mich war es ein Highlight, für Darmstadt 98 zu spielen, deshalb habe ich lange an diesem Moment geknabbert.

sv98.de: Welche Person hat dich in Darmstadt am meisten geprägt?

Ganz klar Klaus Schlappner. Er hat von Anfang an an mich geglaubt und mir den Weg in den Profifußball geebnet. Ohne ihn wäre ich nie Profi geworden. Natürlich musste ich meine Leistung bringen, aber er hat mir das Vertrauen gegeben.

Freddy Heß in Aktion Foto: Herbert Krämer
Freddy Heß in Aktion Foto: Herbert Krämer

sv98.de: Was würdest du deinem jüngeren Ich heute raten?

Ratschläge an sich selbst sind schwierig. Ich habe alles dafür getan, um leistungsfähig zu sein. Warum es für die Bundesliga nicht gereicht hat, weiß ich nicht. Aber ich habe aus meinen Möglichkeiten das Beste gemacht. Und ja – ich habe mir alles über Fleiß und harte Arbeit erkämpft. Ich bin ein Kämpfer, der nie aufgibt. Das hat mich geprägt, auch wenn es manchmal viel Kraft gekostet hat.

sv98.de: Wenn du auf die Entwicklung des Vereins seit deiner Zeit blickst – was beeindruckt dich am meisten?

Die Art, wie die Verantwortlichen den Verein wieder groß gemacht haben. Der Aufstieg 2014/15 hat mich unglaublich gefreut. Auch die Stadionentwicklung ist bemerkenswert – mit früher nicht mehr zu vergleichen. Der Verein hat in allen Bereichen riesige Schritte gemacht.

sv98.de: Lebst du heute noch die Verbundenheit zum Verein aus?

Ja, auf jeden Fall. Ich lebe in Landau in der Pfalz, schaffe es aber zwei- bis dreimal pro Saison ans Böllenfalltor – besonders bei Spielen gegen Kaiserslautern. Außerdem bin ich regelmäßig mit der Traditionsmannschaft unterwegs. Für mich war Darmstadt nie nur ein Job.

sv98.de: Was machst du heute beruflich?

Seit 28 Jahren arbeite ich in einem großen Schuhunternehmen als kaufmännischer Angestellter. Bald gehe ich in Rente.

Vereinshistorie
Saison Verein
1995/96 – 99/00 SC Hauenstein
1993/94 – 1994/95 SV Edenkoben
1987/88 – 1992/93 SV Darmstadt 98
1983/84 – 1986/87 SV Südwest
-1982/83 ASV Landau

 

 

 

sv98.de: Wie verlief der Übergang vom Fußball ins Berufsleben?

Ich hatte durch meine Profi-Zeit ein kleines finanzielles Polster, aber nach dem Abstieg musste ich wieder ins „normale“ Leben zurück. In Edenkoben konnte ich parallel zum Fußball eine kaufmännische Ausbildung machen – das war für meine Familie damals der richtige Weg.

sv98.de: Was macht dir an deinem Job am meisten Freude?

Der tägliche Umgang mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich, dass ich durch die Arbeit meine Rente abgesichert habe und bald Zeit für meine Enkel haben werde.

Freddy Heß bei der Traditionsmannschaft. Foto: Privat
Freddy Heß lacht in die Kamera. Foto: Privat
Freddy Heß und die Traditionsmannschaft posieren vor dem Mannschaftsbus. Foto: Privat
Freddy Heß bei der Traditionsmannschaft. Foto: Privat

sv98.de: Womit verbringst du heute deine Freizeit?

Ich reise gern mit meiner Frau, verbringe viel Zeit mit Kindern und Enkelkindern. Wandern am Tegernsee oder in Oberstdorf, ein Badeurlaub auf den Kanaren – das reicht mir vollkommen. Dazu Fußball schauen – das ist meine große Leidenschaft.

sv98.de: Sind deine Enkelkinder auch Lilien-Fans?

Natürlich! Beide tragen das Lilien-Trikot. Mein Enkel spielt selbst Fußball und meine Enkelin trägt ihr Trikot mit Stolz – auch wenn das hier in der Pfalz nicht immer leicht ist (lacht).

sv98.de: Und zum Schluss: Was war für dich das schönste Lilien-Trikot?

Mir hat besonders das weiße Nadelstreifen-Trikot mit dunkelblauen Einsätzen gefallen, das wir im Relegationsspiel gegen Waldhof Mannheim getragen haben. Schlicht, aber besonders.

sv98.de: Danke für deine Zeit und das Gespräch, Freddy!

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