Foto: ALFRED HARDER 05.09.2025 / Verein
Was macht eigentlich Nico Beigang?
Nico Beigang feierte in der Saison 2000/01 sein Profidebüt für den SV Darmstadt 98 – bei einem fünfminütigen Kurzeinsatz im Regionalligaspiel gegen den VfR Mannheim (1:1). Der gelernte Stürmer blieb den Lilien acht Spielzeiten lang treu und erzielte in 152 Punktspielen insgesamt 45 Tore. Im Sommer 2007 wechselte er zu den Stuttgarter Kickers, 2008 weiter zum SSV Jahn Regensburg, 2010 zu den Sportfreunden Lotte und schließlich ein halbes Jahr später zur SpVgg Weiden. Bei diesen vier Stationen kam Beigang auf weitere 86 Pflichtspieleinsätze und 16 Tore. Wie blickt Nico Beigang auf seine Darmstadt-Zeit zurück? Wie landete er überhaupt bei den Lilien? Und was macht er eigentlich heute? Das verrät uns der frühere Stürmer der 98er im Interview für unsere neue Rubrik „Was macht eigentlich…?“.
sv98.de: Gude, Nico! Wann und wie bist du zum SV 98 gekommen?
Nico Beigang: Ich bin in der Darmstädter Gegend aufgewachsen, nachdem meine Eltern aus Berlin nach Darmstadt gezogen sind – da war ich acht Jahre alt. Angefangen hat meine Fußball-Karriere bei der TuS Griesheim. Bis zur B-Jugend habe ich anschließend bei meinem Heimatverein Groß-Bieberau gespielt. Dort trafen wir auch auf den FC Alsbach, der unter Trainer Harald Exner eine sehr starke B-Jugend-Landesliga-Mannschaft hatte – unter anderem mit Hanno Balitsch, der ein Jahr älter war als ich. Als dessen Jahrgang zu den A-Junioren aufrückte, suchte der FC Alsbach gezielt nach talentierten Spielern, um in der Landesliga konkurrenzfähig zu bleiben. In einem Freundschaftsspiel gegen Alsbach erzielte ich damals fünf oder sechs Tore – dadurch wurde man dort auf mich aufmerksam. Nach meiner Zeit in Groß-Bieberau wechselte ich zum FC Alsbach.
Nico Beigang
Aktuelle Tätigkeit: Kriminalhauptmeister bei der KPI Regensburg- Geburtsdatum: 24.08.1982 (42)
- Größe: 189cm
- Zeit beim SV 98: 1999 – 2007
- Position beim SV 98: Stürmer
- Nation: Deutschland
sv98.de: Wie ging es nach deiner Zeit in Alsbach für dich weiter?
Am Ende der Saison dort erhielt ich Angebote von den Regionalligisten Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt 98, da ich in dieser Saison Zweiter der Torjägerliste wurde. Bei beiden Vereinen konnte ich in der damals höchsten Jugendliga spielen und ich wollte mich eigentlich den Lilien anschließen. Dort konnte ich jedoch den damaligen Trainer Gernot Lutz nicht über das Telefon erreichen und sprach ihm nur auf die Mobilbox. Kurz darauf rief mich meine Schwester an und überzeugte mich, es bei der U19 von Eintracht Frankfurt zu versuchen. Daraufhin kontaktierte ich Gernot Lutz erneut und zog meine Zusage zurück. Ein halbes Jahr später wechselte ich dann doch zum SV Darmstadt 98, da ich mich bei Eintracht Frankfurt nicht wirklich durchsetzen konnte – und auch, weil der organisatorische Aufwand für meine Familie zu groß war. Darmstadt war für uns deutlich einfacher zu erreichen. An dieser Stelle bin ich meinen Eltern unendlich dankbar für ihre Unterstützung.
sv98.de: Was fehlt dir am meisten an der Stadt Darmstadt?
Am meisten fehlen mir meine Freunde von damals. Ich hatte in Darmstadt einen sehr großen Freundeskreis, der mir viel bedeutet hat. Zwei sehr gute Freunde aus dieser Zeit habe ich bis heute behalten: Einer war bei meiner Hochzeit zu Gast, der andere war sogar mein Trauzeuge. Am meisten fehlt mir in Darmstadt aber auch das Stadion, an dem ich mit Sicherheit die meiste Zeit verbracht habe. Nachdem ich Darmstadt verlassen hatte, war ich ganze zehn Jahre nicht mehr am Böllenfalltor. Als ich dann zurückkam war das ein sehr emotionaler Moment für mich. Meine jetzige Frau hat mich damals sogar heimlich gefilmt, um mich später ein bisschen aufzuziehen – denn ich hatte Tränen in den Augen.
sv98.de: Apropos Tränen in den Augen… Welche Lilien-Momente wirst du nie vergessen?
Leider waren uns die ganz großen Momente, wie der Aufstieg in die 2. Liga, nicht vergönnt – aber trotzdem durften wir viele schöne Erlebnisse feiern. Mein ganz persönlicher Lilien-Moment war das Aufstiegstor aus der Oberliga zurück in die Regionalliga in der Saison 2003/04 gegen den KSV Baunatal. Auch wenn es kein besonders schönes Tor war, war es das entscheidende – und für mich unvergesslich. Die anschließende Aufstiegsfeier war ein echtes Highlight. Eigentlich war die Feier erst für die Woche darauf geplant. Doch auf dem Schlossgrabenfest standen plötzlich schon die ersten Spieler auf der Bühne – obwohl wir eigentlich noch gar nicht durften – und berichteten von rund 2.000 Darmstadt-Fans vor der Tribüne. So kam es, dass wir am Ende gleich zwei Aufstiegsfeiern hatten. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.
Weniger feiern!
sv98.de: Gab es noch weitere unvergessliche Momente?
Auch meine ersten Einsätze für die Lilien werde ich nie vergessen. Ich war damals immer unglaublich aufgeregt – genauso wie bei meinen ersten Toren. Was mir außerdem tief in Erinnerung geblieben ist, ist die Lilien-Hymne von Alberto Colucci. Ich höre sie heute noch gerne – sogar während meiner Zeit bei den Sportfreunden Lotte wurde sie öfters abgespielt, einfach weil die Jungs das Lied so gefeiert haben, obwohl sie damit eigentlich nichts zu tun hatten (lacht). Und da ich heute noch gelegentlich für die Traditionsmannschaft spiele, kommen immer wieder neue Lilien-Momente dazu.
sv98.de: Welche Person aus deiner Lilien Zeit hat dich am meisten geprägt?
Ich denke, am meisten geprägt hat mich Bruno Labbadia. Unter ihm habe ich meinen Durchbruch geschafft – er war der Trainer, der mir das Vertrauen gegeben hat. Aber auch andere Personen waren entscheidend für meinen Weg. Besonders Michael Müller, mein damaliger A-Jugend-Trainer und Co-Trainer von Hans Werner Moser, hatte großen Anteil an meiner Entwicklung. Von ihm wurden wir quasi in die Profimannschaft hochgedrückt.
sv98.de: Was würdest du heute deinem früheren Ich bei Darmstadt raten?
Wahrscheinlich würde ich meinem jüngeren Ich das raten, was wohl jeder erfahrene Spieler sagen würde: Weniger feiern (lacht). Im Ernst – ich werde öfter gefragt, ob ich es im Nachhinein bereue, durch das Feiern vielleicht ein Stück meines Potenzials verschenkt zu haben. Natürlich ist es schade, dass ich mein Ziel, in der 2. Liga zu spielen, nie erreicht habe. Aber rückblickend würde ich das meiste genauso wieder machen. Dass ich heute immer noch Fußball spielen kann, ohne dass mir alles wehtut, zeigt mir, dass ich auch einiges richtig gemacht habe. Ich war zehn Jahre lang Fußballprofi, hatte in dieser Zeit unglaublich viel Spaß und musste auf nichts verzichten.
sv98.de: Nachdem du sieben Jahre bei den Darmstädtern warst, hast du danach innerhalb von elf Jahren bei zehn anderen Klubs gespielt. Unter anderem Stuttgarter Kickers, Jahn Regensburg oder auch Sportfreunde Lotte. Was war der Grund, dass du damals so oft gewechselt bist?
Mein großes Ziel war es immer, in die 2. Liga zu kommen. Doch mit Darmstadt sind wir damals aus der Regionalliga in die Oberliga abgestiegen. Im Sommer meines letzten Vertragsjahres hätte mich der Wuppertaler SV gerne verpflichtet. Der Verein ließ mich jedoch nicht gehen – was sicher auch ein Zeichen der Wertschätzung war.
sv98.de: Wie ging es dann weiter für dich?
Ich wusste, dass ich den Verein nach Ablauf meines Vertrags verlassen werde. Leider bin ich sportlich danach nirgendwo mehr so richtig angekommen. Anfangs lief es zwar immer gut – ich habe getroffen und überzeugt – doch in den unvermeidlichen Schwächephasen gelang mir nie der endgültige Durchbruch. In Regensburg habe ich mich menschlich sehr wohl gefühlt, aber fußballerisch habe ich mich eigentlich nur in Darmstadt wirklich „zuhause“ gefühlt – auch wenn ich beispielsweise in Regensburg oder bei den Sportfreunden Lotte eine tolle Zeit mit vielen großartigen Menschen hatte. Ab 2010 war ich dann nicht mehr bei Profivereinen aktiv. Die Vereinswechsel ab diesem Zeitpunkt hatten meist berufliche oder private Gründe – meine Lebenssituation und Bedürfnisse hatten sich verändert. Während meiner Zeit beim Freier TuS bot sich mir dann die Chance, als Spielertrainer zu arbeiten – eine Möglichkeit, die ich unbedingt nutzen wollte. In dieser Phase habe ich auch meine Trainerlizenzen abgeschlossen.
| Saison | Verein |
| Seit 2025/26 | FC Troschenreuth |
| 2024/25 | FSV Prüfening |
| 2019/20 – 2023/24 | SV Wenzenbach |
| 2017/18 – 2018/19 | Sulzbach/Donau |
| 2016/17 | SpVgg Plattling |
| 2015/16 – 2016/17 | TSV Bogen |
| 2012/13 – 2014/15 | Freier TuS |
| 2011/12 | Tegernheim |
| 2010/11 | DJK Vilzing |
| 2010/11 | SpVgg Weiden |
| 2009/10 – 2010/11 | Sportfreunde Lotte |
| 2007/08 – 2009/10 | SSV Jahn Regensburg |
| 2007/08 | Stuttgarter Kickers |
| 1999 – 2006/07 | SV Darmstadt 98 |
| – 1999/00 | Eintracht Frankfurt |
sv98.de: Wenn du auf die Entwicklung der Lilien seit deiner Zeit blickst – was beeindruckt dich am meisten?
Was ein Verein mit den richtigen Leuten und über viele Jahre erreicht hat, ist wirklich beeindruckend. In Darmstadt ist dabei spürbar viel in die Infrastruktur investiert worden – besonders in den Stadionumbau. Wenn ich an die Bedingungen denke, unter denen wir damals trainiert haben, wirkt das heute fast unvorstellbar. Zu Beginn meiner Zeit bei den Lilien habe ich noch auf einem Hartplatz trainiert. Die Kabinen waren zwar groß, aber extrem alt. Das war eine ganz andere Welt. Heute ist dort eine enorme Professionalität und Modernität eingekehrt. Auch die Fanbase hat sich stark verändert. Viele, die mich früher belächelt haben, weil ich für Darmstadt gespielt habe, sind mittlerweile selbst Lilien-Fans. Das zeigt, wie sehr sich der Verein etabliert und wie stark er gewachsen ist.
sv98.de: Was machst du heute beruflich?
Seit 2017 bin ich bei der Polizei und seit September letzten Jahres bin ich bei der Kriminalpolizei in Regensburg im Einsatz.
sv98.de: Wie verlief der Übergang vom Profifußball zu deiner aktuellen Tätigkeit?
Zunächst war ich fünf Jahre lang selbstständig und habe eine Salatbar betrieben. Leider lief das nicht so, wie ich es mir erhofft hatte – das war eine große Umstellung im Vergleich zum Leben als Profifußballer. Während der anschließenden Ausbildung bei der Polizei konnte ich dann wieder viel Sport machen. Auch das Gemeinschaftsgefühl kam durch die Klassengruppen zurück – ein bisschen wie in einer Mannschaft. In dieser Hinsicht ist die Polizei dem Fußball deutlich näher als die Selbstständigkeit, was mir den Übergang natürlich erleichtert hat.
sv98.de: Was macht dir am meisten Spaß an deiner aktuellen Tätigkeit?
Ich bin aus einem ganz bestimmten Grund zur Polizei gegangen: Weil ich einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit habe. In meinem ganzen Leben habe ich mich noch nie geprügelt – auch wenn ich auf dem Sportplatz manchmal ein bisschen unangenehm sein konnte und eine große Klappe hatte (lacht). Aber wenn etwas nicht passt, sage ich meine Meinung. Das war schon immer so. Als ich meinen Freunden und Bekannten erzählt habe, dass ich zur Polizei gehe, meinten viele sofort: „Das passt total zu dir.“ Und genau das ist es auch, was mir an meinem Job am meisten Freude macht – dass ich mit meiner Arbeit etwas Gutes tun kann.
sv98.de: Womit verbringst du momentan hauptsächlich deine Freizeit?
Der Mittelpunkt meines heutigen Lebens? Hauptsächlich mein Hund – und natürlich meine Frau. Meine Frau hatte bereits einen Hund, als wir zusammengekommen sind, und ich wollte selbst schon immer einen haben. Das ist mit der Zeit zu einem gemeinsamen Lebensmittelpunkt geworden. Leider ist der Seelenhund meiner Frau letztes Jahr verstorben. Kurz nach unserer Hochzeit haben wir uns dann einen neuen Begleiter geholt: eine junge tschechoslowakische Wolfshündin. Sie ist toll, aber auch ziemlich herausfordernd. Da meine Frau in Nürnberg arbeitet und ich als Spielertrainer beim FC Troschenreuth aktiv bin, bleibt uns beiden nicht viel gemeinsame Zeit. Ich würde sagen: Ich verbringe den Großteil meiner Zeit auf der Autobahn – mit dem Hund und mit meiner Frau. In genau dieser Reihenfolge.
sv98.de: Zum Abschluss. Was ist das schönste Lilien-Trikot in dem du gespielt hast?
Mein persönliches Lieblingstrikot war tatsächlich das schwarze Auswärts-Trikot von Nike, das wir unter anderem in der Saison 2005/06 getragen haben – mit dem „Wella“-Schriftzug auf der Brust. Zugegeben: Mit den Vereinsfarben hatte das nicht viel zu tun. Aber rein optisch fand ich es am schönsten.
sv98.de: Danke für deine Zeit und das Gespräch, Nico!