FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Abpfiff im Fritz-Walter-Stadion. Und ein Bild fasst diese verrückte Partie sofort zusammen: Direkt am Mittelkreis stehen Phillip Tietz und Boris Tomiak, im Hintergrund haben sich Patric Pfeiffer und Lars Bünning positioniert. Die Oberkörper der beiden vorderen Protagonisten sind gen Boden geneigt, mit ihren Armen stützen sie sich auf den Knien ab. Dahinter zwei Spieler mit aufrechtem Stand, die Arme in die Hüfte abgelegt, ihre Blicke leer. Vier Akteure, zwei unterschiedliche Mannschaften. Und trotzdem irgendwie die gleichen Gefühlslagen auf dem Spielfeld.
Wenige Sekunden nach Ende der Partie spürte man bei beiden Teams eine gewisse Enttäuschung und eine große Unentschlossenheit. Haben wir Punkte verloren? Haben wir einen Zähler gewonnen? Unausgesprochen schwebte diese Frage durch den Innenraum des Betzenbergs.
Beantwortet wurde sie von den Fanlagern beider Teams. Auf besondere Art und Weise. Und losgelöst vom reinen Resultat. Während sich die Lilien in Richtung des prallgefüllten Gästeblock aufmachten, spazierten die Spieler des 1. FC Kaiserslautern auf ihre Fankurve zu. Und aus beiden Blöcken bekamen sie das gleiche zurück: Aufmunternden und dankenden Applaus dazu lautstarke Fangesänge. Denn die mehr als 38.000 Zuschauer – davon eine gut 5.000 große Anhängerschaft aus Südhessen – bekamen auf dem Betzenberg ein waschechtes Fußballfest geboten. Ein Spektakel, ein 3:3 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Darmstadt 98.
Wild und unterhaltsam
„Es war ein wildes Spiel“, erklärte auch Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach der Partie. Ein Duell, in dem sich beide Teams über 90 Minuten lang nichts, aber mal so gar nichts schenkten. Die gleiche Toranzahl, eine ausgeglichene Zweikampfquote (50:50 Prozent). „Beide Mannschaften haben sich alles abverlangt“, führte der Cheftrainer des SV 98 weiter aus und hob die besondere Atmosphäre hervor, für die beide Fanlager zuvor gesorgt hatten. Wild ja, aber dadurch auch extrem unterhaltsam. Kein Wunder also, dass der gegnerische Trainer zu einer nahezu identischen Analyse kam. „Beide Teams haben sich nichts geschenkt. Mitunter war es ein wildes Spiel, das man sich als neutraler Zuschauer richtig geil anschauen konnte“, erklärte Dirk Schuster.
Doch auch ein Spektakel will eingeordnet werden. Keine leichte Aufgabe für alle, die sich dieser Herausforderung stellten. Schließlich gaben die Lilien eine 2:0-Führung aus der Hand. Der FCK drehte diese zwischenzeitlich in einen eigenen 3:2-Vorsprung, ehe dem SV 98 in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang. Phillip Tietz versuchte sich in der Mixed-Zone des Fritz-Walter-Stadions mit einer unverblümten Zusammenfassung seiner Gefühlslage: „Einerseits ist es ein glückliches Gefühl, weil wir kurz vor Schluss noch den Ausgleich erzielt haben. Andererseits ist es auch ein Scheißgefühl, weil wir es nicht geschafft haben, unsere Zwei-Tore-Führung über die Bühne zu bringen.“
„Darf uns nicht passieren“ | „Moralisch eine Wahnsinnsgeschichte“
Trotz zwei Führungen sprang aufgrund später Gegentreffer gegen Heidenheim kein Dreier heraus, trotz Vorsprung gegen Bielefeld reichte es nach spätem Nackenschlag gegen Bielefeld nur zu einem Remis. Und auch in Kaiserslautern sorgte eine Führung nicht für drei Punkte. „Es darf uns nicht passieren, dass wir Kaiserslautern so ins Spiel zurückholen“, monierte Fabian Holland und merkte an: „Nach rund 70 Minuten waren wir nicht mehr so fleißig wie zuvor, waren nicht mehr ruhig genug im Spielaufbau und haben die zweiten Bälle nicht mehr bekommen.“ Fehler, die im Profifußball direkt bestraft werden. Die Folge? Drei Gegentreffer binnen 13 Minuten.
Bemerkenswert war aber, wie der SV Darmstadt 98 noch einmal zurückkam. Den Schock schnell abgeschüttelt, den Schlusspunkt gesetzt. Und die auf dem Betze so wichtige Mentalität gezeigt. „Nach den drei Gegentreffern war das 3:3 am Ende für uns dann moralisch gesehen eine Wahnsinnsgeschichte“, lobte Lieberknecht den Kampfgeist und Glauben seiner Mannschaft. Und das gerade vor dem Hintergrund der späten Nackenschläge aus den vergangenen Partien. Die auf dem Betzenberg gezeigte Moral spricht für die Blau-Weißen. Genau, wie die danach geäußerte Selbstkritik und Enttäuschung trotz des Last-Minute-Punktes im Tollhaus Fritz-Walter-Stadion.
Hadern über nicht noch mehr Punkte spricht für die gezeigten Leistungen
Eine gewisse Unzufriedenheit trotzt einer Serie von nun sieben Spielen ohne Niederlage. Kein anderer Verein der 2. Bundesliga ist aktuell so lange ungeschlagen. Zudem haben die Darmstädter mit 15 Punkten aus acht Spielen sogar fünf Zähler mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Doch die Aussagen der Akteure zeigen, dass sich der SV 98 mittlerweile auf einem hohen Niveau ärgert. Das Wissen, dass trotz dreier Punktgewinne gegen Heidenheim, Bielefeld und Kaiserslautern mehr möglich war, sprechen auch für die Qualität und die gezeigten Auftritte des SV 98. Ebenso wie das gelegentliche Hadern im Umfeld über „verschenkte Punkte“ oder das Vorbringen einer hypothetischen Tabelle, in der die Lilien all die Führungen über die Zeit gebracht hätten. Es spricht für die Arbeit des Gesamtvereins, dass nunmehr ebendiese Diskussion dort geführt werden, wo auch in der jüngeren Vergangenheit oftmals ausschließlich auf die magischen 40 Punkte als Ziel verwiesen wurde. In gewisser Weise ist es also positiver Ärger, der nach den Spielen gegen Bielefeld und in Kaiserslautern herrschte. Trotzdem ist auch dieser kleine Bruder des Frust ein verzichtbarer.
Und deshalb werden die Südhessen das Verspielen von Führungen nun ansprechen und analysieren. Nach vorne blicken, fokussiert an Fehlern arbeiten und diese abstellen. „Wir müssen lernen, Spiel nach Vorsprung über die Bühne zu bringen“, forderte Tietz noch in den Katakomben des Lauterer Stadions. Die nächste Chance es besser zu machen, bietet sich dem SV Darmstadt 98 bereits am kommenden Samstag (17.9./13 Uhr) im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Das Merck-Stadion am Böllenfalltor? Das Bölle ist ebenfalls wie der Betze bekannt für Fußballfeste bei ganz besonderer Atmosphäre. Genau an diesem Ort wollen die Lilien nach drei Unentschieden in Folge nun wieder dreifach punkten.