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19.07.2021 / Allgemein

Alles Gude, Böllenfalltorstadion!

Helvetia Frankfurt. So hieß er. Der erste Gegner, auf den der SV Darmstadt 98 im Böllenfalltorstadion traf. Gespielt wurde am 24. Juli 1921 – die 98er siegten mit 4:1. Viel wichtiger als das Ergebnis war aber das Ereignis: Die offizielle Eröffnung des Stadions im Rahmen einer Sportwoche anlässlich des 21. Verbandstages des Süddeutschen Fußballverbandes. 100 Jahre später befindet sich die Heimat des SV 98 noch immer an der Stelle, die damals als Wirkungsstätte der Lilien auserkoren worden war. Der Traditionsstandort Böllenfalltor. Um zu verstehen, was sich in diesen zehn Jahrzenten in diesem Areal abgespielt hat, muss man sich auf eine Zeitreise begeben. Wir wollen Euch anlässlich des nahenden Jubiläums mitnehmen auf eine verschriftlichte Stadionführung, einen Ausflug durch 100 Jahre.

Fotos: Alfred Harder

In den 20ern bot das Stadion bot nach seiner Eröffnung rund 8.000 Zuschauern Platz und umfasste eine 380 Meter lange Aschenlaufbahn. Das Spielfeld war 65 Meter breit und 105 Meter lang. Auf der Ostseite befand sich die Gegengerade mit einer Erdterrasse, von der aus man auf das Haupt- und auf das Hockeyfeld schauen konnte und die Zuschauer neben- und übereinander standen. Die Nordkurve war ebenerdig. Die Südkurve befand sich auf dem Niveau der teilweise überdachten Sitztribüne auf der Westseite, die sechs Etagen umfasste und 80 Meter lang war.

Ab 1933 begann die komplette Umstrukturierung des deutschen Sports durch Gleichschaltung der Vereine, um dem nationalsozialistischen Regime in diesem gesellschaftlich wichtigen Bereich mehr Einfluss zu geben. Nach Kriegsende im Mai 1945 durfte das Stadion allerdings nicht weiter benutzt werden. Erst Ende der 40er Jahre wurden dann die Bemühungen verstärkt, das Böllenfalltorstadion wieder zurückzubekommen und umbauen zu dürfen. Nach viel Mühe wurde das Stadion zur sportlichen Nutzung zurückgegeben und in den Jahren 1950-1953 neu gebaut. Das Stadion wurde zwar 1952 in Betrieb genommen, es fehlten jedoch noch die Laufbahn und das Tribünendach. Deren Einbau und Einweihung erfolgten 1953. Die Sitztribüne war 90m lang, das Stadion bot ca. 25.000 Zuschauern Platz.

Nachdem sich in den 60ern im Stadion selbst infrastrukturell nicht viel tat, mussten die Lilien im darauffolgenden Jahrzehnt einiges tun: Sportlich waren die 70er eine erfolgreiche Zeit für den SV 98. Für die Teilnahme an der Bundesliga musste der Verein in der Sommerpause 1978 die Stadionkapazität lt. DFB-Statuten auf 30.000 Zuschauer erhöhen. 1981 schaffte man auch dank (zu) großer finanzieller Anstrengungen den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Eine Auflage des DFB zum Aufstieg veränderte das Stadionbild bis heute: für 1,8 Mio. Mark wurde die Flutlichtanlage installiert. Heute ist sie eine der identitätsstiftenden Merkmale des Stadions und eine der letzten Überbleibsel aus dem alten Stadion beim derzeitigen Neubau.

Die 1990er Jahre waren eine durch und durch schwere Zeit für den Verein. Es war ein Jahrzehnt des Zuschauerschwundes, in dem das Böllenfalltorstadion primär als Ort der sportlichen Ernüchterung fungierte. Infrastrukturell gab es nahezu keine Veränderungen oder Arbeiten am Stadion. Auch in den 2000ern veränderte sich das Bild des Böllenfalltorstadions quasi überhaupt nicht. Allein die Installation einer Anzeigetafel und der Einbau neuer Sitze sorgten für minimale Eingriffe in das Gesamtbild.

Ganz anders das anschließende Jahrzehnt: Die Entwicklung der Lilien in diesem Jahrzehnt war unbeschreiblich, die Veränderungen am und rund um das Böllenfalltor massiv. Mit dem sportlichen Erfolg wurden die Gegebenheiten vor Ort immer schwieriger und an immer größere Auflagen geknüpft. Im Oktober 2016 wurden die beiden neuen Kopftribünen am Böllenfalltor eingeweiht – der Auftakt zum umfassenden Umbau im Bestand, der bis zum heutigen Tage andauert. Im Dezember 2018 erfolgte der Startschuss zum Abriss der altehrwürdigen Gegengerade, die mittlerweile als fertiggestellter Neubau auf imposante Weise in den Darmstädter Himmel ragt. Aus einem baufälligen Ort ist Schritt für Schritt ein zeitgemäßes Stadion mit modernem Funktionsgebäude und Trainingsplätzen entstanden. Der Standort Böllenfalltor wurde einem Make-Over unterzogen, ohne dabei sein Geschichte und Tradition zu verlieren.

Ein Sprung in die Gegenwart: Es wirkt, als würde rund um die Uhr am finalen Bauabschnitt gewerkelt, am Neubau der Haupttribüne. In kurzer Zeit ist aus der alten und maroden Tribüne ein Bauwerk geworden, das mit jedem Tag mehr und mehr Gestalt annimmt und erahnen lässt, worauf sich die Bölle-Besucher im Spätsommer 2022 freuen können. Mit der Fertigstellung der Haupttribüne ist dann auch der Umbau im Bestand vollzogen. Und trotzdem sieht man auch heute deutlich sichtbar die Spuren der Vergangenheit.

Das Böllenfalltorstadion. Der Standort selbst, der manche Geschichten sofort preisgibt, während andere erst über Umwege in Erfahrung gebracht werden können. Über Menschen, die alle ihre Geschichte mit dem Bölle haben. Über Fotos, die dokumentieren, wie sich dieser Ort verändert hat. Wie sich die Welt um ihn herum verändert hat. 100 Jahre Böllenfalltorstadion. Eine unfassbare Zeitspanne. Und trotzdem fast zu kurz für das, was in all den Jahren passiert ist. Wir freuen uns auf die Zukunft. Auf neue Geschichten mit unserem Bölle. Und darauf, immer wieder zurückblicken zu können. Auf alles, was seit dem 24. Juli 1921 passierte. An diesem Ort voller Magie.

Quelle: Vereinshistorisches Lektorat SV 98

Am kommenden Samstag (24.7.) erhalten alle Mitglieder des SV Darmstadt 98 einen digitalen Bildband zum 100-jährigen Jubiläum des Böllenfalltorstadions. Dieser Bildband wird im Laufe der folgenden Woche für alle Nicht-Mitglieder käuflich zu erwerben sein.

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