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17.12.2019 / Allgemein

Als Einheit

Es läuft die 78. Minute, als Philipp Förster den Ball beim Stand von 1:1 an den Pfosten setzt – Glück gehabt. Doch die Szene ist noch nicht vorbei: Der Abpraller landet direkt auf dem Fuß von Santiago Ascacibar. Der Argentinier knallt das Spielgerät auf das Lilien-Tor, vermutlich hätte es sogar geklingelt. Ein Darmstädter aber hat etwas dagegen: Immanuel Höhn. Voller Überzeugung, voller Leidenschaft wirft sich der Innenverteidiger aufopferungsvoll in die Schussbahn und kratzt den Ball von der Torlinie. Eine sensationelle Rettungstat. Und wirklich jeder im Stadion spürt die Energie, die diese Aktion noch einmal freisetzte. Höhn springt auf, ballt beide Hände zur Faust und schreit seine Freude heraus, während ihm Keeper Marcel Schuhen für einen kurzen Moment um den Hals fällt.

Bedingunsloser Einsatz. Es ist eine sinnbildhafte Szene für das, was der SV 98 am Montagabend ausstrahlte. Die Mannschaft warf sich in jeden Ball, in jeden Zweikampf. „Diese Mentalität brauchen wir und wir haben sie über 90 Minuten auf den Platz gebracht“, betonte Höhn. Kämpfen, kratzen, beißen. Also die Tugenden, die die Lilien seit jeher auszeichnen und die sie am Montagabend, gepaart mit mutigen Offensivspiel, so stark machten. „Es hat sehr gut geklappt, uns in jeden Ball reinzuwerfen und gleichzeitig auch guten Fußball zu spielen. Nur so kann man in dieser Liga bestehen“, stellte die Nummer 21 des SV 98 klar.

„Jeder hat alles gegeben. Solche Abende machen dann immer großen Spaß, besonders wenn man sich wenigstens mit einem Punkt belohnt“, erklärte Yannick Stark nach dem 1:1 gegen den Bundesliga-Absteiger. Dass die Lilien solch großen Kampf an den Tag legen konnten, lag vor allem auch an der besonderen Atmosphäre, die das Merck-Stadion am Böllenfalltor unter den Scheinwerfern der vier Flutlichtmasten entfachte.

Team und Fans als Einheit

Unglaubliche Unterstützung. „Ich hoffe, dass wir den Funken vom Platz auf die Tribüne überspringen lassen, um hier ein schönes Spiel zu erleben“, hatte Dimitrios Grammozis noch vor der Partie verlauten lassen. Gesagt, getan. Mannschaft und Fans wurden an diesem Montagabend zu einer echten Einheit. Eine Einheit, die für mächtig Eindruck sorgte und sich auch nicht von Rückschlägen wie dem Stuttgarter Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff aus der Ruhe bringen ließ. Ganz im Gegenteil. „Spätestens nach unserer Führung waren alle Fans voll da und haben uns gepusht, so kenne ich unser Stadion. Genau das brauchen wir. Es war ein geiler Abend“, schwärmte der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:0 der Lilien, Tobias Kempe. Auch sein Trainer zeigte sich von der Unterstützung von den Rängen beeindruckt. „Dieses Zusammenspiel war ein ganz wichtiger Faktor, um gegen so einen Gegner zu bestehen“, so Grammozis. Es zeigt eindrucksvoll, was am Böllerfalltor alles möglich ist – eben auch ein Punktgewinn gegen die Großen, gegen den Tabellendritten.

Ziel: Mehr Punkte in der Rückrunde

Unbändige Gier. Diese ist nach dem 1:1 aber längst nicht gestillt. Zwar haben die Lilien nun 20 Punkte nach 17 Hinrundenspielen gesammelt und belegen somit den zwölften Rang, doch Zufriedenheit? Fehlanzeige. „Wir haben 20 Punkte geholt, ja. Aber das ist mir zu wenig für die Leistungen, die wir gezeigt haben. Da waren mehr Punkte drin“, resümierte Höhn. Dennoch ist die Ausbeute die beste seit der Aufstiegssaison 2014/2015. Die Punktzahl aber viel eher Anreiz als Erfolg. „Das muss uns Ansporn geben, noch mehr Punkte in der Rückrunde zu holen. Denn die halbe Miete sind 20 Punkte vermutlich nicht. Daher gilt für uns, das Maximale aus der Rückserie herauszuholen“, betont Grammozis, der damit schon am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen den Hamburger SV (21.12./13 Uhr) beginnen will.

Damit das gelingt, braucht es erneut bedingungslosen Einsatz, den unbedingten Willen, sensationelle Unterstützung sowie die unbändige Gier. Nur so funktioniert es gegen die Großen der Liga. Das hat das Stuttgart-Spiel eindrucksvoll gezeigt, weil sich alle im Dress der Lilien aufopferungsvoll und voller Leidenschaft in wirklich jeden Ball und Zweikampf warfen. So wie es Höhn in der 78. Minute tat.

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