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09.12.2019 / Allgemein

Auch in Unterzahl: Kurs gehalten

Eine Kaperfahrt sollte es werden, und die Rahmenbedingungen waren hervorragend: Per Auto, per Bahn oder per Schiff waren die Anhänger angereist. Insgesamt 4000 Lilienfans waren es, die die Partie in der BRITA-Arena in ein Heimspiel verwandelten, darunter allein 600, die mit dem Liliendampfer angedockt hatten. Unterstützung, die auch die Besatzungscrew auf dem Spielfeld erreichte.

„Unsere Fans haben für eine tolle Atmosphäre gesorgt, sie haben uns extrem unterstützt und es verdient ein Riesenkompliment, dass sie sich so zahlreich auf den Weg gemacht haben“, befand beispielsweise Marcel Heller angesichts des Supports der fanatischen Darmstädter. „Das ist einfach überragend und macht uns Spieler und den Verein stolz“, ergänzte Keeper Marcel Schuhen.

Und dass die Protagonisten, bestärkt von diesem akkustischem Rückenwind, frühzeitig Kurs in Richtung Auswärtssieg nehmen wollten, das war ihnen vom Anpfiff weg anzusehen. Hohes Anlaufen, schnelles Umschalten und, um in der Symbolik zu bleiben, abgefeuerte Kanonen in Richtung Wehen-Keeper Heinz Lindner. 

„Wir haben nicht auf 0:0 gespielt, sondern wollten gewinnen“, verdeutlichte Schuhen insbesondere angesichts der ersten 45 Minuten, in denen allein Lindner eine Führung der Lilien verhinderte. Auf der anderen Seite wäre nach 22 Minuten beinahe Torjäger Manuel Schäffler zu einem weiteren Treffer gekommen, wäre da nicht dieser krakenartige Reflex Schuhens gewesen, der Schäfflers möglichem Jubelsturm den Wind aus den Segel nahm.

Auf Distanz gehalten

Das torlose Remis zur Pause – es war primär der Leistungen beider Torhüter zu verdanken. Nach Wiederanpfiff verebbten die Angriffswellen auf beiden Seiten dann ein wenig, auf den Rängen behielten die Lilienfans akkustisch klar die Oberhand, auf dem Feld wurde die Partie zunehemend ausgeglichener. Spätestens, als Victor Palsson nach 75. Minuten per Platzverweis von Bord gehen musste, wurde das 0:0 für die Darmstädter zu einem Ergebnis, mit dem sie an Tag konform gehen konnten. „Unser Minimalziel war der Punktgewinn, um den Konkurrenten tabellarisch auf Distanz zu halten. Das ist uns gelungen, auch wenn es mit drei Punkten natürlich schöner gewesen“, resümierte Heller, der sein 198. Spiel für die Lilien bestritt.

Das Minimalziel erreicht, den Kurs gehalten und defintiv keinen Schiffbruch erlitten. Insbesondere aufgrund der dezimierten Besatzung in den abschließenden 20 Spielminuten. Allein der verpasste Torerfolg trübte das durchaus positive Gefühl dann doch ein wenig: „Wir hatten uns viel vorgenommen und hatten bis zur Roten Karte viele Möglichkeiten, einen Treffer zu erzielen“, so Dimitrios Grammozis, dem Torhüter Schuhen beipflichtete: „Wir haben gerade in der ersten Halbzeit sehr druckvoll gespielt, wollten fußballerisch Lösungen finden und haben uns dadurch viele Chancen erarbeitet.“

Und selbst in Unterzahl setzte der SV 98 immer wieder kleine Nadelstiche. „Kompliment an meine Mannschaft, die für den Punktgewinn gefightet hat. Selbst mit zehn Mann haben wir nichts mehr zugelassen“, lobte Grammozis, der bewusst – auch aufgrund der Roten Karte – von einem Punktgewinn sprach.

Zumal der Gegner am Spieltag zuvor beim 1. FC Nürnberg gewonnen und dementsprechend selbstbewusst in das Hessen-Duell gegangen war. Schlussendlich blieben die Lilien im vierten ihrer vergangen fünf Auswärtsspiele ungeschlagen und erstmals seit dem 1:0-Auswärtssieg beim FC St. Pauli in der Fremde ohne Gegentor. „Die Fans waren überragend. Vielleicht haben wir auch deswegen zu Null gespielt“, erklärte Schuhen angesprochen auf die weiße Weste, die der SV 98 zusätzlich zum Auswärtspunkt mit auf die kurze Heimreise nahm.

Jahresabschluss im Heimathafen

Mit nun 19 Punkten kratzen die Lilien energisch an der 20-Punkte-Marke, die dann im eigenen Heimathafen bestenfalls durchbrochen werden soll. Zum Abschluss des Jahres treffen die Lilien am Böllenfalltor noch auf die Spitzenteams aus Stuttgart und Hamburg. Schwierige Aufgaben, doch der SV 98 hat speziell vor eigener Kulisse bereits unterstrichen, dass dort auch die raue See gemeistert werden kann. 

Und so bleibt das Motto: Segel setzen, Kurs halten und die Ausgangsposition für die Rest-Rückrunde in 2020 weiter verbessern.

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