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29.10.2017 / Allgemein

Auf Kosten des Spektakels

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor stand in den letzten Wochen für Spektakel. Dem 4:3-Erfolg gegen Arminia Bielefeld folgte das nervenaufreibende 3:3 gegen Dresden und die nicht minder packende 3:4-Pleite beim Gastspiel des 1. FC Nürnberg. Tore satt schienen also garantiert beim Aufeinandertreffen der besten Heimoffensive aus Darmstadt gegen die treffsichersten Auswärtsfahrer aus Kiel. Schlussendlich fielen nur zwei Treffer, fair verteilt auf beiden Seiten. Denn defensive Stabilität wurde bei den Lilien am Samstag groß geschrieben. Auch auf Kosten des Spektakels.

Dabei hatte das Aufeinandertreffen mit dem Tabellenzweiten aus dem hohen Norden so begonnen, wie es von den Meisten erwartet worden war – mit einem Tor. Felix Platte narrte bereits nach fünf Zeigerumdrehungen Gegenspieler Patrick Herrmann und traf aus spitzem Winkel in die Maschen.
„Wir sind sehr gut in die Partie gekommen“, resümierte Cheftrainer Torsten Frings dementsprechend und zeigte sich auch mit der Phase nach dem Führungstreffer zufrieden, in der seine Mannschaft „defensiv gut stand“ allerdings bei zwei Möglichkeiten von Platte „das 2:0 verpasste.“
Zwei starke Abwehrreihen in Halbzeit 2
Und so verlagerten die Störche aus Kiel das Spielgeschehen nach und nach in die Hälfte der Lilien, ohne allerdings zu wirklich klaren Chancen zu kommen. Wirklich gefährlich wurde es erst in der 42. Minute, in der prompt der Ausgleichstreffer durch Dominick Drexler fiel. „Nach dem Ausgleich waren wir ein bisschen angeknockt und mussten die Minuten bis zur Pause überstehen“, gab Frings nach Abpfiff zu, froh darüber, dass Top-Torjäger Ducksch in der 44. Minute das Netz nur von außen traf.
Ansonsten hatte die Lilien-Defensive Ducksch absolut im Griff und auch Drexler zeigte sich nur noch einmal gefährlich vor dem Tor, als Joël Mall in der 54. Minute einen Rückstand verhinderte. Es sollte die letzte hochkarätige Chance der Gäste bleiben.  
Defensiv gut gestanden, aber zu Lasten der Offensive
„Die Offensive von Kiel ist sehr gut, da ist es klar, dass wir uns auch darauf konzentrieren mussten. Das ist uns auch gut gelungen“, zog Geburtstagskind Yannick Stark daher ein defensiv positives Fazit, gab aber zu: „Diese Kompaktheit war auch ein Grund, der zu Lasten unseres Offensivspiels ging.“
Und so kamen auch die Lilien nur durch Sirigu (49.) und den eingewechselten Steinhöfer (69.) zu erfolgsversprechenden Abschlüssen. „Wenn man defensiv stark gefordert ist, fehlen oftmals auch die Körner nach vorne“, fand Stark eine Erklärung für die beidseitige Chancenarmut und lag damit auf einer Wellenlänge mit Torhüter Mall, der mit Ausnahme der Drexler-Chance nach dem Seitenwechsel nur noch bei einem späten Distanzschuss eingreifen musste: „Die Kieler sind brandgefährlich, wir hatten viel Defensivarbeit und da hat uns zum Schluss vielleicht die Kraft für die Offensive gefehlt.“
Verhehlen wollte der Schweizer aber nicht, dass sich die Lilien speziell im zweiten Durchgang mehr offensive Durchschlagskraft erhofft hatten: „Im Umschaltspiel hatten wir zu viele schnelle Ballverluste und Felix war vorne oft auf sich alleine gestellt. Da haben wir nicht das abgerufen, was wir draufhaben. Wir müssen uns einpflanzen, dass wir mutiger nach vorne spielen.“
Psychologisch wichtiger Punkt
Und so sprach nicht nur Mall „von einem Punkt, den wir mitnehmen“, der schlussendlich aber genauso viel zählt wie der spektakuläre Zähler gegen Dresden und naturgemäß sogar mehr als die Niederlage gegen Nürnberg, bei der die Lilien selbst drei Mal ins Netzt getroffen hatten. Es war ein Punktgewinn, der auf Kosten des Spektakels ging, nach den drei Niederlagen zuvor aber wieder Zählbares bedeutete. Und damit auch ein psychologisch wichtiger Punkt. Denn nach den vergangenen Partien gegen Nürnberg und Düsseldorf, in denen sich die Lilien für ihre Leistung nicht belohnten, steht nun ein Punkt auf der Habenseite. Damit reisen die Lilien mit insgesamt 16 Zählern nach Braunschweig.
Wo sich die Darmstädter offensiv steigern wollen – die Defensive aber erneut eine große Rolle auf dem Weg zu möglichen Auswärtszählern spielen wird, wie Mall logisch darstellte: „Wenn wir zu Null spielen, punkten wir dort sicher.“

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