Nürnberger bleibt in Darmstadt
Der SV 98 kann weiterhin auf die Dienste von Fabian Nürnberger bauen. Die Lilien haben den auslaufenden Vertrag mit dem bulgarischen Nationalspieler verlängert.
Mit der Ankunft in Darmstadt am Sonntagvormittag begann für Florian Kohfeldt ein kleiner Marathon. Verbunden mit einer Welle an neuen Eindrücken. Das Merck-Stadion samt angrenzendem Funktionsgebäude, Trainingsplätze, Räumlichkeiten. Der 41-Jährige lernte seinen Arbeitsplatz im Schnelldurchlauf kennen, gab sein erstes Interview und führte zahlreiche Gespräche mit den Mitgliedern des Staffs. Am Montag folgten Spielergespräche, die erste offizielle Pressekonferenz und insbesondere die Premiereneinheit mit der Mannschaft. Anlaufzeit? Gibt es nicht. Dafür ist die Spanne bis zum ersten Spiel gegen Braunschweig zu kurz. Also gilt es, jede einzelne Minute zu nutzen. Und das tut Kohfeldt auf eindrucksvolle Art und Weise.
Ich hoffe, dass wir am Samstag in Grundzügen sehen, wofür diese Mannschaft stehen soll
„Ich hoffe, dass wir am Samstag in Grundzügen sehen, wofür diese Mannschaft stehen soll“, erklärte der neue Cheftrainer mit Blick auf die kommende Begegnung und verdeutlichte auf Nachfrage auch seine Spielidee in drei prägnanten Sätzen: „Zielgerichteter, dominanter Ballbesitzfußball. Immer auf der Suche nach Tempoaktionen. Und mit dem Ziel, den Ball so schnell wie möglich wiederzubekommen.“
Der erste Eindruck: Kohfeldt hat genaue Vorstellungen und konkrete Ansätze, wie er diese umsetzen möchten. „Mir wurde schnell klar, dass Florian sehr strukturiert ist und viel Klarheit besitzt“, so Paul Fernie, der am Montag Einblicke in die Gespräche mit dem Übungsleiter gab. Er habe gewusst, dass Kohfeldt mit seiner Spielweise „grundsätzlich nach Darmstadt passen könnte.“ Die endgültige Überzeugung gewann der Sportdirektor dann im persönlichen Austausch: „Florian hat mich beeindruckt.“
Bei allen Lilien ist dieser Tage zu spüren, dass der Blick nur noch nach vorne geht. Auch Kohfeldt hat das absolut verinnerlicht. „Ab jetzt ist egal, was gestern oder vor fünf Jahren war. Ab jetzt zählt, was wir ab Samstag mit der Mannschaft auf den Platz bringen.“
Es sind Worte, denen schon am Montagnachmittag Taten folgten. Lautstark und sehr kommunikativ coachte Kohfeldt seine erste Einheit mit der Mannschaft, immer wieder nahm er Spieler zur Seite und sprach explizit über Details. „Kleinigkeiten“, war ein Wort, das der gebürtige Siegener vermehrt benutzte. Körperstellung, Laufwege, Passschärfe. Kohfeldt und seine Team wollen ihre Spielidee vermitteln, dabei aber keine Themen vernachlässigen, nur um Zeit zu sparen.
Wie wichtig dem neuen Trainer die Minuten auf dem Platz sind, wurde schon in der ersten Einheit sehr deutlich. Knapp 70 Minuten hatten die Lilien bereits trainiert, als ein heftiges Gewitter samt Donner und Blitzen dafür sorgten, dass Kohfeldt das Team aus Sicherheitsgründen in das Annex-Gebäude schickte. Ein frühzeitiges Ende der Premiere? Keineswegs. Knapp 15 Minuten später ging es für den SV 98 zurück auf den Platz, die verbleibenden 20 Minuten des ursprünglichen Programms wurden noch absolviert. Auch das bekräftigte den Eindruck: Kohfeldt lässt sich auch von Widerständen nicht aus seiner Struktur bringen.
Der Trainer selbst hatte in den ersten Gesprächen „eine große Lust auf Siege“ wahrgenommen, „keinerlei Verzweiflung“ gespürt und zudem die Lilien als „familiären, harmonischen aber gleichzeitig sehr professionellen Verein“ erlebt.
Der erste Eindruck ist wichtig. Er passt. Für alle, die Kohfeldt nun erstmals bei seiner Arbeit erleben. Und umgekehrt auch für den Cheftrainer selbst, der sich in seinem anfänglichen Gefühl bestätigt sieht, dass er gut mit Darmstadt 98 harmonieren könnte. Klar ist aber auch: Die ersten positiven Impressionen helfen, sie holen aber keine Punkte. Diese werden am Samstag im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig vergeben. Ein Sieg wäre die beste Lösung, um auch bei der Premiere einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.