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10.09.2026 / Profis

Bielefeld im Gegnercheck

Arminia Bielefeld empfängt den SV Arminia Hannover und liefert eine Vorstellung ab, die bis heute unerreicht ist. Mit 11:0 fegt der DSC über die Gäste hinweg. Es ist nicht nur ein außergewöhnlicher Kantersieg, sondern bis heute der höchste Erfolg in der Geschichte der 2. Bundesliga.

Foto: Bundesliga/Getty Images/Reinaldo Coddou H.

Doch dieser eine Nachmittag war nur die Spitze einer historischen Saison. Die Mannschaft aus Ostwestfalen dominierte die Zweitliga Spielzeit 1979/80 und stellte dabei gleich mehrere Bestmarken auf. Die Arminia blieb 28 Partien in Folge ungeschlagen. Ein Ligarekord, den sich die Bielefelder bis heute mit dem FC St. Pauli teilen. Bemerkenswert dabei: Der DSC schaffte diese Serie innerhalb einer einzigen Saison.

Auch die Bielefelder Alm wurde zur nahezu uneinnehmbaren Festung. 18 Heimsiege gelangen der Arminia in jener Spielzeit, womit sie den damaligen Zweitliga Rekord des FC 08 Homburg einstellte. Noch beeindruckender war der Blick auf das Torverhältnis: Am Ende stand eine Tordifferenz von unglaublichen +89.

Symbolisch für die enorme Offensivkraft standen vor allem Christian Sackewitz und Norbert Eilenfeldt. Beide knackten in dieser Saison die Marke von 30 Treffern. Eilenfeldt erzielte 30 Tore, Sackewitz sogar 35. Bis heute ist es das einzige Mal in der Geschichte der 2. Bundesliga, dass zwei Spieler desselben Vereins in einer Saison jeweils mindestens 30 Tore erzielten.

Die Saison 1979/80 gehört damit bis heute zu den außergewöhnlichsten Spielzeiten der Bielefelder Vereinsgeschichte. Eine Mannschaft im Rekordrausch, eine Alm als Festung und Zahlen, die selbst mehr als vier Jahrzehnte später noch Bestand haben.

Formkurve

Auswärts konnte das Team von Oliver Kirch weder im Pokal noch in der Liga siegen. Vier Punkte aus den bisherigen Heimspielen bedeuten für die Arminia aktuell Tabellenplatz zehn.

Gegnerische Mannschaft Endergebnis Punkteausbeute
St. Pauli (H) 2:2 1
FC Nürnberg (A)  1:4 0
Sonnenhof Großaspach (A) (Pokal) 2:5 n.E. Ausgeschieden
Energie Cottbus (H) 3:0 3
Karlsruher SC (A) 1:2 0

TOP SCORER - 2. Bundesliga

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Joel Grodowski – 4 Tore Henri Koudossou – 1 Assist
Marvin Mehlem – 1 Tor  Isaiah Young – 1 Assist
Marius Wörl – 1 Tor Jonas Kersken – 1 Assist
Jannik Rochelt – 1 Tor    

   

Der Trainer

Oliver Kirch

Cheftrainer vom Arminia Bielefeld
  • Geburtsdatum (Alter): 21.08.1982 (44)
  • Geburtsort: Soest
  • Nationalität: Deutsch
  • Im Amt seit: Juli 2026
  • Vorherige Trainerstationen: Arminia Bielefeld Jugend, Hamburger SV U19, Borussia Mönchengladbach II und U19

Prunkstück

Eigentlich lässt Arminia Bielefeld defensiv kaum etwas anbrennen. Gerade einmal 3,98 Expected Goals ließ der DSC in dieser Saison zu, der beste Wert der gesamten Liga. Wer gegen die Ostwestfalen zum Abschluss kommt, findet also nur selten eine wirklich vielversprechende Position vor. Das Problem aus Bielefelder Sicht: Aus wenig machen die Gegner bislang erstaunlich viel. Acht Gegentreffer musste Arminia trotz des niedrigen xG Werts bereits hinnehmen, mehr als doppelt so viele, wie anhand der Chancenqualität zu erwarten gewesen wären. Die Kirch Elf verteidigt ihre Gegner damit zwar erfolgreich aus den gefährlichen Räumen heraus, wurde bislang aber für nahezu jeden Fehler bestraft.

All Eyes on ...

22 Jahre alt und schon eine echte Identifikationsfigur bei Arminia Bielefeld. Das ist Marius Wörl. Dabei führte ihn sein Weg nach Ostwestfalen ursprünglich nur auf Leihbasis. Im Sommer 2023 wechselte der Mittelfeldspieler von Hannover 96 zur Arminia, ein Jahr später wurde die Leihe verlängert. Spätestens nach der historischen Saison 2024/25 war Wörl aus Bielefeld kaum noch wegzudenken. Im August 2025 machte der DSC den Transfer schließlich dauerhaft. Auch in der laufenden Spielzeit gehört Wörl wieder fest zum Bielefelder Mittelfeld und erzielte in den ersten vier Zweitliga-Partien bereits einen Treffer.

Dabei begann seine fußballerische Reise weit entfernt von der Alm. Aufgewachsen im oberbayerischen Gosseltshausen, kickte Wörl zunächst beim TSV Rohrbach, ehe er bereits als Kind in den Nachwuchs des FC Bayern München wechselte. 2018 ging es weiter zum TSV 1860 München, wo er später auch seine ersten Schritte im Profifußball machte. Über Hannover führte sein Weg schließlich nach Bielefeld – und dort erlebte der ehemalige deutsche U20-Nationalspieler seine bislang größten Momente. In der Saison 2024/25 feierte er mit der Arminia die Meisterschaft in der 3. Liga und den Aufstieg. Gleichzeitig marschierten die Bielefelder sensationell bis ins DFB-Pokalfinale. Wörl steuerte auf dem Weg nach Berlin drei Tore und drei Vorlagen bei und traf unter anderem beim Halbfinalsieg gegen Bayer Leverkusen zum zwischenzeitlichen 1:1.

Seine außergewöhnliche Pokalsaison brachte ihm später eine ganz besondere Auszeichnung ein: Wörl wurde als „Pokalheld der Saison“ geehrt, seine Fußabdrücke sind seitdem auf dem DFB-Pokal Walk of Fame am Berliner Olympiastadion verewigt. Auch in Bielefeld hat der Mittelfeldspieler längst Spuren hinterlassen – wortwörtlich: An der Osttribüne der SchücoArena erinnert ein riesiges Graffiti an Wörl und die historische Pokalsaison. Trotz dieser Erlebnisse ist der gebürtige Bayer seiner Heimat eng verbunden. Wörl bezeichnet sich selbst als Familienmenschen, seine Eltern nehmen für seine Heimspiele regelmäßig den langen Weg aus Bayern auf sich. Und irgendwann nach der Karriere könnte es ihn sogar zurück nach Gosseltshausen ziehen. Bis dahin dürfte sein sportlicher Lebensmittelpunkt aber erst einmal weiter auf der Bielefelder Alm liegen.

Marius Wörl
Foto: Eibner/Daniel REINELT

Blick in die DSC-Vitrine

  • Deutscher Zweitligameister: 77/78, 79/80, 98/99, 19/20
  • Deutscher Drittligameister: 14/15, 24/25
  • Westdeutscher Pokalsieger: 65/66, 73/74
  • Westdeutscher Meister: 1922, 1923
  • Landespokal-Westfalen-Sieger: 1907/08, 31/32, 90/91, 11/12, 12/13, 23/24, 24/25

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