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10.06.2021 / Allgemein

„Brenne dafür, hier an der Seitenlinie zu stehen“

Torsten Lieberknecht ist neuer Cheftrainer des SV Darmstadt 98. Am heutigen Donnertag (10.6.) wurde der 47-Jährige offiziell im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Zusammen mit Carsten Wehlmann, dem sportlichen Leiter der Lilien, beantwortete Lieberknecht die Fragen der anwesenden Journalisten. Dabei ging es um die Spielidee, das Auftreten an der Seitenlinie sowie über Identifikation. sv98.de hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Torsten Lieberknecht

… 

Ich beginne mit einem ‚Gude‘ an alle. Ich glaube, ich war noch nie so schnell an einem Arbeitsplatz wie hier, als der erste Kontakt zustande kam. Ich bin mit großem Enthusiasmus in Richtung Darmstadt gefahren, weil mich die Aufgabe wahnsinnig interessiert hat, so einen Verein übernehmen zu dürfen. Deswegen habe ich mich ins Auto gesetzt und bin sofort hierhergefahren. Leider zu folgendem Leidwesen: Die erste Post, die die Geschäftsstelle des SV Darmstadt 98 erhalten wird, sind zwei Blitzer. Aber es war alles noch im Rahmen (lacht). Der Klub hat mich einfach direkt angefixt dazu die Tatsache, hier einen sehr ambitionierten Zweitligisten übernehmen zu können. Ich habe die letzten Jahre die bewegte Geschichte des Vereins verfolgt. Mir war es wichtig, in den Gesprächen mit meiner authentischen Art diesen Eindruck rüberzubringen, dass ich dafür brenne, hier als Trainer an der Seitenlinie zu stehen.

… über seine Herangehensweise als Trainer:

Ich bin ein authentischer und emotionaler Trainer. Doch mit am wichtigsten ist, was am Ende draußen auf dem Platz zu sehen ist. Nach unserem ersten Gespräch war für uns sehr schnell klar, dass wir eine ähnliche Auffassung haben. Ich will darauf aufbauen, was man hier in den letzten Spielzeiten gesehen hat – ohne aber eine Kopie von irgendjemanden zu sein. In Details sehe ich sicherlich einige Dinge anders, wie man gegen oder mit dem Ball spielen kann. Ich will unsere Spielweise noch ein Stück weit verfeinern. Wir wollen mit einer klaren Idee weiterspielen und nicht alles umzustülpen.

… über seine Spielidee:

Es ist einfach so, dass du alle Phasen in einem Spiel abdecken musst – egal, ob Konteraktion, das Verteidigen oder das Spiel mit dem Ball. Meine Grundidee ist, dass der Ballbesitz eine große Rolle spielt. Das soll aber kein Zirkus sein. Der Ballbesitzfußball, der mit vorschwebt, ist einer, der schnell sowie zielorientiert in Richtung des gegnerischen Tores geht. In der Defensive gibt es Muster, die ich im Detail der Mannschaft in den nächsten Wochen näherbringen möchte.

Ich bringe eine gewisse Spielerfahrung von der dritten bis zur ersten Liga mit. Ich habe viele Systeme in der Praxis umgesetzt und kennengelernt. Es gibt Prinzipien, wie man sich auf dem Platz verhalten soll. Das ist das wichtigste. Das Zahlenspiel – ob 4-2-3-1- oder 4-1-4-1-System – spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Du musst in jedem System wissen, was du machen musst – sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Ich habe mit allen Systemen meine guten Erfahrungen gemacht, kenne aber auch die jeweiligen Schwachpunkte.

… über mögliche Neuzugänge:

Wir wissen, dass wir diese Positionen neu besetzen müssen. Wir sind schon mitten in der Arbeit. Das ist aber auch immer eine Chance, für die Jungs, die bereits da sind und neu dazukommen, sich weiterzuentwickeln. Die Historie hat auch gezeigt, dass die Lilien es immer geschafft haben, Abgänge zu kompensieren. Für mich ist das kein Problem. Es gibt andere Spieler und andere Jungs, die die Chance bekommen, sich zu präsentieren und sich zu zeigen. Wenn wir Spieler verpflichten, spielt der Charakter eine große Rolle. Außerdem müssen die Spielerprofile so dazu passen, wie wir spielen wollen.

… über bereits bekannte Gesichter:

Fabian Schnellhardt kenne ich aus meiner Zeit in Duisburg. Phillip Tietz war mein Nachbarskind, wir haben nebeneinander gewohnt und ich habe öfters mit ihm draußen auf der Straße gekickt. Phillip ist dann über den Braunschweiger Nachwuchs den Weg zu den Profis gegangen. Braydon Manu kenne ich ebenfalls aus Braunschweig, er hat dort erste Erfahrung in Richtung Profifußball gemacht, dann aber einen anderen Weg eingeschlagen hat. Alle anderen kenne ich aus meiner Zeit als gegnerischen Trainer.

… über die Lilien-Hymne:

Ich bin ein Fan der Darmstadt-Hymne. Ich habe mich schon damals als gegnerischer Trainer ertappt, dass ich die Hymne mitgesummt habe. Ich hoffe, die Hymne wird in der nächsten Saison oft gespielt. Denn ich weiß, dass das Lied auch immer dann läuft, wenn wir Tore schießen.

… über die Identifikation mit seinem Arbeitgeber:

Es ist ganz wichtig, dass du Nähe und Identifikation zu den Fans und der Stadt aufbaust, dich nahbar zeigst und kein Trainer bist, der nicht anfassbar ist. Eine wichtige Komponente ist es eben auch, dass man Darmstadt 98 nicht nur sportlich, sondern auch außerhalb des Platz repräsentiert – mit Bodenständigkeit und Nähe. Etwas, was die Fans und die Anhänger verdienen. Das ist etwas, was ich mitbringe. Ich sauge einen Klub, die Stadt und Fans direkt auf. Das ist mir total wichtig. Nur so habe ich Energie und kann für die Sache brennen. Weiter sehe ich den SV Darmstadt 98 nicht als Sprungbrett. Für mich ist es wichtig, so lange wie möglich erfolgreich bei einem Verein zu arbeiten. Meine Verträge, die ich unterschreibe, will ich auch erfüllen.

… über die kommende Zweitliga-Saison:

Ich freue mich erst einmal darauf, meine Mannschaft kennenzulernen und den Fokus auf Darmstadt 98 zu legen. Klar, ist diese Liga eine Herausforderung. Umso schöner wäre es natürlich, am Ende den einen oder anderen großen Klub hinter sich zu lassen.

… über sein Auftreten an der Seitenlinie:

An der Linie werde ich mich nicht großartig verändern. Ich bin authentisch und jemand, der für seine Mannschaft sowie seinen Verein durchs Feuer geht und seine Spieler unterstützt. Schließlich haben wir alle ein Ziel vor Augen, wir sind Profisportler. Dementsprechend müssen wir uns auch präsentierten.

… über das Saisonziel:

Es ist noch zu früh, eine konkrete Zielsetzung auszugeben. Wir wollen ambitioniert bleiben und uns nicht kleiner machen als wir sind. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre sicherlich eine gute Sache. Der einzige einstellige Tabellenplatz, der total beknackt ist aus meiner Sicht, ist Platz vier. Der wäre nicht erstrebenswert (lacht).

Carsten Wehlmann

… zur Entscheidung für Torsten Lieberknecht:

Nachdem klar war, dass wir uns auf Trainersuche begeben mussten, haben wir für uns ein Anforderungsprofil festgelegt und intensive Analysen durchgeführt. Wir wollen den Weg weitergehen, den wir eingeschlagen haben. Es geht darum, die spielerische Idee weiterfortzuführen – unseren aktiven Ansatz mit und gegen den Ball beizubehalten – und darüber hinaus, die Spieler weiterzuentwickeln. Wir sind dann auf Torsten gestoßen und haben schnell das erste Gespräch geführt. Torsten hat uns seine Spielweise erklärt und dargelegt. Er hat genau die Punkte angesprochen, die wir vorab auch für uns festgelegt hatten. Es war relativ schnell klar, dass Torsten unser Wunschkandidat war, den wir in den nächsten Jahren an der Linie am Böllenfalltor sehen wollen. Wir sind froh, dass Torsten hier ist. Der ganze Verein freut sich auf die Zusammenarbeit. Denn Torsten steht für Kontinuität. Das ist das, was wir uns von ihm erhoffen. Er bringt Leidenschaft mit und verkörpert unsere Werte. Ich bin davon überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren erfolgreich zusammenarbeiten können.

… über einen möglichen neuen Co-Trainer:

Was die Co-Trainer-Thematik betrifft, sind wir im Austausch. Auf der Position wird sicherlich noch etwas passieren – auch wenn wir vom Staff her bereits gut aufgestellt sind.

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