FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Als Marcel Heller im Juli 2013 zu den Lilien wechselte, war er für viele einer der Spieler, der an anderer Stelle den Durchbruch nicht geschafft hatte. Mittlerweile hat der 32- Jährige 150 Pflichtspiele für die Lilien absolviert und seine Rückkehr aus Augsburg sorgte für großen Jubel bei den Lilienfans. In der Orangerie sprach die neue und alte Nummer 20 über veränderte Voraussetzungen, den Verlauf seiner Karriere und den Anspruch, eine Führungsrolle zu übernehmen.
Lilienkurier: Marcel, wir treffen uns heute in der Orangerie. Ein Ort, der dir gefällt?
Marcel Heller: Absolut. Es gibt nicht viele Orte in einer Stadt, die so grün sind und an denen so viele schöne Blumen und Pflanzen wachsen. Es ist immer einen Ausflug wert, auch, um mit dem Hund eine kleine Runde zu drehen.
Lilienkurier: In Darmstadt kennst du dich mittlerweile sehr gut aus. Hast du absolute Lieblingsplätze oder Cafés, die du regelmäßig besuchst?
Marcel Heller: Ich bin überall unterwegs, immer an unterschiedlichen Orten. Ich bin generell viel in der Stadt, setze mich in Cafés oder gehe abends ins Restaurant. Da gibt es viele schöne Orte in Darmstadt.
Lilienkurier: In Magdeburg hast du dein 150. Pflichtspiel als Lilie absolviert. Eine Zahl, die dir bewusst gewesen ist?
Marcel Heller: Bewusst war es mir nicht, aber es ist eine Anzahl, auf die ich schon stolz bin. Aber damit soll natürlich nicht das Ende erreicht sein. Ich möchte noch möglichst viele Spiele auf diese 150 draufpacken.
Lilienkurier: Aus den bisherigen 150 sind den Fans viele besondere Heller-Momente im Kopf geblieben. Dein Solo in Karlsruhe, der Doppelpack gegen Hannover oder auch der Treffer beim BVB. An welche Szenen denkst du gerne zurück?
Marcel Heller: Das würde den Rahmen sprengen. (lacht) Die ersten drei Jahre hier waren unglaublich erfolgreich, und auch das 2. Jahr in der Bundesliga war für den Verein und mich etwas Besonderes. Aber noch stärker als die Momente auf dem Platz ist mir die Unterstützung der Fans im Kopf geblieben. Sie tun immer alles, um uns bestmöglich zu Supporten und haben teilweise verrückte Auswärtsfahrten auf die Beine gestellt. Sie sind mit dem Flugzeug, Schiff oder in Sonderzügen angereist, überall waren unsere Fans dabei. Daran denke ich sehr gerne zurück, aber ich freue mich auch sehr darauf, weitere tolle Momente mit diesem Verein zu erleben.
Lilienkurier: Zudem bist du der einzige Spieler mit einem eigenen Song. Eine besondere Ehre?
Marcel Heller: Natürlich bin ich stolz darauf, dass mir die Band ein Lied gewidmet hat und dieses auch im Stadion läuft.
Lilienkurier: Beim Test gegen Kerkrade bist du bereits lautstark besungen worden, die Fans freuen sich über deine Rückkehr. Freust du dich umgekehrt, wieder vor ihnen zu spielen?
Marcel Heller: Ich wurde hier immer toll unterstützt, es gab viel Positives, ich konnte nie etwas Schlechtes über sie sagen. Sie kommen immer zahlreich und ich bin froh, jetzt wieder in dieser Atmosphäre auflaufen zu dürfen.
Lilienkurier: Wenn du den aktuellen Ist-Zustand mit dem Jahr 2013 vergleichst, als du nach Darmstadt gekommen bist. Was hat sich signifikant verändert?
Marcel Heller: Einiges, allein durch die beiden Bundesligajahre, die den Verein wirtschaftlich vorangebracht haben. Die Kabine ist neu, die Duschen wurden gemacht, aktuell wird ein Funktionsgebäude gebaut. Dann natürlich die beiden Trainingsplätze, die auf Bundesliga-Niveau sind und die ganze Saison genutzt werden können. Es gibt mehr Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, der Verein entwickelt sich immer weiter. Und ich hoffe, dass wir als Mannschaft weiterhin durch erfolgreichen Fußball dazu beitragen können, dass dieser stetige Fortschritt weiter fortgesetzt werden kann.
Lilienkurier: Speziell bei den Trainingsplätzen wirst du mit einem leichten Schmunzeln an deine Anfänge in Darmstadt zurückdenken…
Marcel Heller: (lacht) Da liegen Welten dazwischen. 2013 gab es unzählige Löcher, es gab nur den Platz hinten im Wald. Wir mussten immer wieder auf andere Plätze ausweichen. Da haben wir nun absolute Top-Bedingungen, die Entwicklung ist klar zu sehen.
Lilienkurier: Und deine persönliche Entwicklung in diesen 5 Jahren? Als Spieler, aber vielleicht auch als Mensch?
Marcel Heller: Ich habe als Spieler überall dazugelernt. Und sicherlich bin ich auch in meiner Persönlichkeit gewachsen. Ich bin mittlerweile auch über 30, bin viele Jahre in dem Geschäft Profifußball dabei und möchte meine Erfahrung an jüngere Spieler weitergeben. Da sehe ich mich nun auch in der Pflicht, eine Führungsrolle zu übernehmen.
Lilienkurier: Nicht verändert hat sich deine Art auf dem Platz. Gestikulieren, monieren, ein wenig schimpfen. Das gehört einfach zum Spieler Marcel Heller, oder?
Marcel Heller: Jeder Spieler hat seine Eigenschaften und Eigenarten. Ich bin extrem emotional auf dem Platz, auch wenn meine Art für viele nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Ich verstehe auch die Leute, die mir sagen, schalte da doch ein wenig zurück. Aber ich brauche es für meine Spielweise, für meinen Fokus und ich werde dadurch stärker auf dem Platz. Bislang bin ich damit sehr gut gefahren, daher wird sich daran auch nichts mehr ändern. Der eine ist ruhiger, der andere emotionaler auf dem Platz. Ich gehöre sicherlich zur zweiten Kategorie (lacht).
Lilienkurier: Wer dich nur vom Fußballplatz kennt, der wird wahrscheinlich nur schwer glauben können, dass du deine Freizeit eher ruhig verbringst …
Marcel Heller: Daran wird deutlich, dass ich als Fußballer ein anderer Mensch bin. Auf dem Platz bin ich total im Tunnel, für mich gibt es dann nichts anderes als den Erfolg. Generell kann ich nicht gut verlieren, auch bei FIFA oder Gesellschaftsspielen fällt mir das sehr schwer (grinst). Das ist eine Eigenschaft von mir, aber sonst bin ich ein sehr ruhiger Mensch. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Freundin, Freunden oder unserem Hund. Da kann ich sehr gut zwischen Fußball und Privatleben trennen.
Lilienkurier: Nach deinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt 2007 ist schnell ein gewisser Hype um dich entstanden. Bist du damals ebenfalls ruhig geblieben, oder bestand als junger Spieler die Gefahr, dass du abheben könntest?
Marcel Heller: Im Fußball geht alles sehr schnell. Heute ist der Hype um die jungen Talente noch extremer als damals. Natürlich musste auch ich aufpassen, dass ich nach meinen ersten Bundesligaspielen auf dem Boden bleibe und nicht durchdrehe. Aber ich habe ein gutes Umfeld und war vom Kopf gut darauf eingestellt. Vor meinen Freunden und Bekannten habe ich natürlich schon mal einen Spruch gemacht und mich als Bundesliga-Spieler gefeiert (lacht). Aber man sollte immer aufpassen, nicht abzuheben, zumal es auch extrem schnell wieder vorbei sein kann. Da muss jeder Spieler klar im Kopf bleiben und weiter arbeiten, damit der Traum Fußballprofi möglichst lange erhalten bleibt.
Lilienkurier: Hat es dir auch geholfen, dass du in der Jugend freiwillig auf einen namhaften Verein verzichtet und sehr lange in deiner Heimat in Quadrath-Ichendorf gespielt hast? Sogar mit einigen Einsätzen im Aktivenbereich …
Marcel Heller: Ich hatte in meiner Jugend nie die Absicht, unbedingt Fußballprofi zu werden. Ich habe meine Ausbildung gemacht und nebenbei Fußball gespielt. Daran hatte ich Spaß und diese Einstellung hat mir immer geholfen. Die Freude am Spiel selbst war immer der Antrieb. Natürlich kann es jemanden verändern, wenn man plötzlich aus dem Nirgendwo zum Fußballprofi wird. Aber dafür hatte ich eben nicht das Umfeld. Ich hatte die Freunde, mit denen ich von klein auf bis in die A-Jugend gekickt habe und ein Elternhaus, in dem ich mir viel selbst erarbeitet habe. Dass ich damals nicht alles in den Hintern geblasen bekomme habe, hat es leichter gemacht, auf dem Boden zu bleiben.
Umgekehrt gab es mit deiner Rückenverletzung dann auch relativ zeitnah einen Rückschlag. Hast du damit lange gehadert?
Marcel Heller: Zu Beginn habe ich daran stark zu knabbern gehabt. Es ging gut los für mich und dann kam eine Diagnose, die mir niemand zeitlich genau eingrenzen konnte oder die optimale Behandlung kannte. Ich war gerade dabei, in der Bundesliga Fuß zu fassen und sich dann schwer zu verletzten, hat mich zunächst schon zurückgeworfen. Insgesamt hat mich diese Zeit aber weitergebracht, speziell im Kopf und im mentalen Bereich. Ich bin daran gewachsen und habe gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Es war damals nicht einfach, aber ich habe es durchgestanden und mich zurückgekämpft.
Lilienkurier: Bei der Eintracht hattest du durch die Verletzung aber ein wenig den Anschluss verpasst. Nach Stationen in Duisburg, Dresden und Aachen bist du schließlich am Bölle gelandet. Fußballer werden schnell hochgejubelt, umgekehrt wird bisher Geleistetes aber auch schnell vergessen. Zu Beginn warst du in Darmstadt für viele der Spieler, der es in Frankfurt nicht geschafft hat. Eine zusätzliche Motivation, zumal ihr einige Spieler mit ähnlicher Vita in der Mannschaft hattet?
Marcel Heller: Es ist schon ein Antrieb, wenn die Leute dich schon vorher abschreiben. Es wurde gesagt, der war doch früher ein großes Talent und Juniorennationalspieler, warum ist der so abgesunken? Da möchte man es natürlich den Leuten zeigen. Wir haben gezeigt, dass wir doch alle Fußball spielen können und waren extrem erfolgreich mit einem Verein, in dem die Mittel beschränkt waren und weiterhin sind. Das war dann zunächst eine Genugtuung, aber mittlerweile spielt es für mich keine große Rolle mehr, was andere Leute denken. Das war mir eine längere Zeit meiner Karriere wichtig, aber heute genieße ich es einfach, Profifußball zu spielen und alles für mein Team zu geben.
Lilienkurier: Begleitet hat dich in der jüngeren Vergangenheit auch immer die Underdog-Rolle. Mit Darmstadt warst du in jeder Liga Abstiegskandidat Nummer eins, bei dir persönlich wurde immer wieder angezweifelt, ob du den nächsten Schritt gehen kannst. Auch nach deinem Wechsel nach Augsburg gab es Zweifel, ob du auf Spielzeit kommen würdest. Auch wenn dir die Meinung anderer mittlerweile nicht mehr so wichtig ist. Ist es schön, dass du immer den Schritt auf das nächste Level meistern konntest?
Marcel Heller: Wenn ich auf meine Karriere gucke, dann gibt mir das schon ein gutes Gefühl. Es ging schnell nach oben, aber dann kamen Rückschläge, verschieden Stationen und teilweise auch mal Zweifel, ob es noch einmal reichen würde. Da tut es gut zu sehen, dass ich mich zurückkämpfen konnte. Dass ich mittlerweile mehr als 100 Bundesliga-Spiele absolviert habe und speziell mit Darmstadt große Erfolge feiern konnte. Auch in Augsburg habe ich 24 von 34 Spielen absolviert, da hat meine Statistik absolut gepasst. Insgesamt kann ich sagen, dass ich mit meiner Karriere sehr zufrieden bin und gerne zurückblicke. Die Wege, die ich eingeschlagen habe, waren teilweise schwierig und ungewöhnlich, und es können nicht viele behaupten, es nach vielen Rückschlägen noch einmal geschafft zu haben.
Lilienkurier: Jetzt ist die Ausgangsituation ein wenig anders. Du kommst zurück zu einem Verein, in dem jeder deine Leistungen kennt und viele hohe Erwartungen an dich haben. Ändert das etwas an deiner Herangehensweise?
Marcel Heller: Nein, da verändert sich nichts. Ich weiß, was von mir erwartet wird, was verlangt wird und dass einige sich vielleicht auch „Wunderdinge“ erhoffen. Mein Anspruch ist es, der Mannschaft zu helfen, Aktionen auf dem Feld zu haben, die dem Team gut tun. Dafür arbeite ich und es ist mein Ziel, in jedem Spiel alles rauszuhauen, was in mir steckt und gute Szenen zu haben. Ich weiß aber auch, dass nicht immer alles funktionieren wird, so wie es auf St. Pauli der Fall gewesen ist. Wir sind Menschen, keine Roboter, da wird es immer Spiele geben, mit denen einige nicht zufrieden sein werden. Damit kann ich umgehen und ich weiß, dass wir als Team eine gute Saison spielen können. Ich will meinen Teil dazu beitragen und mir ist bewusst, dass du im Fußball an einem Tag der Held und am nächsten der Depp sein kannst.
Lilienkurier: Du hast schon angedeutet, dass du nun auch als erfahrener Spieler ein wenig in eine Führungsrolle schlüpfen willst und junge Spieler an die Hand nimmst. Auch eine der Aufgaben, die du dir nun selbst gibst?
Marcel Heller: Da sehe ich mich in der Pflicht. Ich habe sehr viele Spiele im Profifußball gemacht und bin sicherlich auch in der Lage, jungen Spielern weiterzuhelfen. Teilweise auch helfen zu müssen. Ich weiß, wie schwer es ist, ein junger Spieler zu sein und in den Profibereich zu kommen. Teilweise wird einem die Schuld gegeben, obwohl man in diesem Moment nichts dafür kann. Da sollten die erfahrenen Spieler zur Seite stehen und auch Mut zusprechen. Ein junger Spieler lässt auch mal schnell den Kopf hängen, das ist nie gut für den weiteren Werdegang. Wir haben einige erfahrene Spieler im Kader, die diese Rolle sehr gut ausfüllen können.
Lilienkurier: Viele Spieler kennst du noch aus der Vergangenheit.
War es schön, am ersten Tag nach der Rückkehr so viele bekannte Gesichter in der Kabine zu sehen?
Marcel Heller: Ich habe mich nicht als Neuzugang gefühlt. Nach einem Wechsel kennt man oftmals überhaupt niemanden in der Mannschaft, dann ist es erstmal ein komisches Gefühl. Hier kenne ich fast jeden Spieler, fast jeden Mitarbeiter und den Verein in- und auswendig. Die anderen haben schon gesagt, es fühlt sich nicht so an, als sei ich eine Saison lang weg gewesen. Auch deshalb habe ich mich sofort wieder wohlgefühlt und konnte mich auf das Sportliche hier konzentrieren.
Lilienkurier: Haben die Jungs dich teilweise auch bearbeitet, um deine Rückkehr voranzutreiben?
Marcel Heller: Als es erstmals in den Medien stand, haben mich schon ein paar Jungs gefragt, ob sie sich Hoffnungen machen können. Ich habe immer gesagt, dass Darmstadt eine Option ist, ich aber noch einen Vertrag in der Bundesliga habe, den man auch nicht einfach so aufgibt. Schlussendlich habe ich mich aber für den Schritt entschieden, weil ich mich hier immer unheimlich wohl gefühlt habe. Es ist mein Wohnzimmer, mein zweites Zuhause. Für dieses Wohnzimmer habe ich auf die große Bühne Bundesliga verzichtet (grinst). Jetzt bin ich wieder bei meinem Verein und die zweite Liga hat eine sehr hohe Qualität mit tollen Vereinen.