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11.10.2021 / Allgemein

„Das ganze Land fiebert dem Spiel entgegen“

Mit 15 Punkten aus sieben Spielen stehen Klaus Gjasula und die Nationalmannschaft Albaniens aktuell auf Platz zwei der WM-Qualifikationsgruppe I. Dieser Platz würde den Einzug in die Playoffspiele zur WM 2022 bedeuten. Am Dienstag (12.10/20.45 Uhr) steigt in Tirana das womöglich vorentscheidende Spiel gegen den Drittplatzierten Polen. Wir haben zuvor mit Gjasula gesprochen.

Foto: imago images

sv98.de: Erst einmal Glückwunsch zum Sieg in Ungarn. Ein besonderer Erfolg, oder?

Gjasula: Auf jeden Fall. In diesen wichtigen und engen Spielen entscheiden oftmals Kleinigkeiten. Umso geiler fühlt es dann an, als Sieger vom Platz zu gehen. Wir mussten bis zum Schluss ein wenig zittern, entsprechend groß war dann die Freude nach Abpfiff.

sv98.de: Mit 15 Punkten aus sieben Spielen steht ihr weiterhin auf dem zweiten Platz vor Polen und habt Ungarn nun ein wenig distanziert. Habt ihr selbst mit so einer starken Qualifikation von euch gerechnet?

Gjasula: Wir wussten, wie wichtig die Spiele in Ungarn und die kommende Partie gegen Polen für uns sind. Über die Ausgangslage nach sieben Spielen sind wir sehr froh und mit einem Sieg gegen Polen könnten wir einen riesigen Schritt machen und den zweiten Platz schon fast sichern. Damit konnte man vorher nicht rechnen, weil Polen und Ungarn international sicherlich einen größeren Namen haben als wir mit Albanien. Wir sind der Underdog, aber wir haben uns bislang sehr stabil gezeigt und wurden sicherlich auch teilweise unterschätzt. Insgesamt können wir stolz darauf sein, zum jetzigen Zeitpunkt auf diesem Tabellenplatz zu stehen.

sv98.de: Die Leute in Deutschland haben größtenteils wahrscheinlich keinen genauen Überblick über den Kader Albaniens. Ihr habt aber wirklich eine starke Truppe zusammen…

Gjasula: Wir haben viele Spieler, die in internationalen Topligen spielen und bei richtig guten Vereinen unter Vertrag stehen, speziell in der Serie A. So  etwas ist wichtig und es hilft, wenn Spieler dabei sind, die bereits Erfahrungen in der Europa League oder sogar Champions League gesammelt haben.

sv98.de: Wie siehst du deine eigene Rolle im Team?

Gjasula: In erster Linie bin ich stolz, Teil der Nationalmannschaft sein zu dürfen. Meine Rolle ist ähnlich wie in Darmstadt. Ich bin einer der älteren Spieler und versuche, mit meiner Mentalität voranzugehen. Ich spreche viel auf dem Platz und spüre auch den Respekt der Jungs, obwohl viele in namhafteren Vereinen aktiv sind. Aber für mich spielt es keine Rolle, wo jemand sein Geld verdient, sondern es ist mein Naturell, immer alles zu tun, um der Mannschaft bestmöglich zu helfen.

sv98.de: Du hast bereits zwei Qualifikationsspiele aufgrund einer Gelbsperre verpasst. Ist es sinnhaft, dass Spieler nach zwei Karten schon aussetzen müssen?

Gjasula: Ich finde das ein wenig hart. Jetzt habe ich gegen Ungarn wieder Gelb gesehen und wurde schon von einem Betreuer darauf angesprochen, dass ich ja immer nur zwei Spiele mache und dann wieder pausiere (lacht) Es ist schon eine schwierige Regel. Wir haben insgesamt zehn Spiele in der Qualifikation, da kommen zwei Karten schnell zusammen. Ich hatte mir fest vorgenommen, gegen Ungarn keine Karte zu kassieren, weil nach dem Polen-Spiel dann im November noch die Begegnung in Wembley gegen England auf uns wartet. Das wäre natürlich ein Highlight meiner Karriere, aber darauf werde ich gegen Polen nicht achten können.

sv98.de: Du sprichst das extrem wichtige Heimspiel gegen Polen an…

Gjasula: Das ganze Land fiebert diesem Spiel entgegen, der Sieg in Ungarn hat das noch einmal verstärkt. Die Atmosphäre wird sicherlich beeindruckend und ich hoffe, dass wir mit den Fans im Rücken ein positives Ergebnis erzielen werden. Wir wissen, dass es sehr schwer werden wird, weil Polen über enorme Qualität verfügt. Da reicht schon der Name Lewandowski aus, mit ihm haben sie den besten Stürmer auf der Welt in ihren Reihen. Da wissen wir, was auf uns zukommt. Trotzdem freuen wir uns extrem auf diese 90 Minuten in Tirana vor ausverkaufter Hütte.

sv98.de: Mit einem Sieg würdet ihr einen großen Schritt in Richtung Playoff-Spiele machen. Spürt man da schon eine besondere Anspannung?

Gjasula: Die Anspannung ist da, wir bekommen mit, was in den Medien und im ganzen Land los ist. Wir können Großes erreichen, auch wenn der Weg noch ein weiter ist. Nur sehr wenige haben damit gerechnet, dass wir überhaupt diese Ausgangssituation erreichen könnten, das macht das ganz zu etwas Besonderem. Wenn du einmal Blut geleckt hast, dann will man es auch schaffen. Wir werden alles tun, um unser Land stolz und glücklich zu machen. Ich persönlich hatte nur wenige Spiele in meiner Karriere, die eine derart große Bedeutung hatten.

sv98.de: Rein hypothetisch: Was würde eine WM-Qualifikation für Albanien bedeuten?

Gjasula: Eine WM-Teilnahme wäre unglaublich. Albanien war noch nie bei einer Endrunde dabei, wir würden Geschichte schreiben. Teil dieser Geschichte zu sein, das wäre grandios. Die Menschen in Albanien haben nicht so viel, wie wir in Deutschland, Corona hat hier zusätzlich nochmal einiges verändert. Wir könnten dem ganzen Volk unglaublich viel zurückgeben. Viele haben einen ähnlichen Migrationshintergrund wie ich oder eine Vielzahl meiner Mitspieler, entsprechend fiebern überall auf der Welt Leute mit unserem Team. Allein deshalb würde es mir noch mehr bedeuten, unser Land vor der ganzen Welt repräsentieren zu können.

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