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28.10.2024 / Profis

Das Geduldsspiel in der Analyse

+1! Der SV Darmstadt 98 hat nach dem 1:1 gegen den SSV Ulm einen weiteren Punkt auf dem Konto. Einen Zähler, den die Lilien so mitnehmen. Aber auch ein Punkt, mit dem die Blau-Weißen zwar leben können, mit dem sie aber auch nicht wirklich zufrieden waren. In unserer Analyse beleuchten wir, warum es nicht für einen weiteren Heimsieg reichte. Wir schauen uns die Szenen des Spiels an und analysieren die positiven wie negativen Aspekte der Lilien-Leistung am 10. Zweitliga-Spieltag.

Szene des Spiels:

Das Gegentor zum 1:1. Viel zu früh, viel zu schnell. „Das war der Knackpunkt“, monierte Marcel Schuhen die prompte Antwort des SSV Ulm nach dem Führungstreffer der Lilien. Fraser Hornby hatte den SV Darmstadt 98 zuvor nach 16 Zeigerumdrehungen mit einem platzierten Rechtsschuss mit 1:0 in Führung gebracht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass der Abwehrriegel der zweitbesten Auswärtsdefensive der 2. Bundesliga erfolgreich geknackt wurde. Doch brauchten die Ulmer nur wenige Wimpernschläge, um den Treffer der Darmstädter zu egalisieren. Gerade einmal zwei Minuten hielt die Führung des SV 98 an. „Das war einer der ganz wenigen taktischen Fehler, der uns aber heute den Sieg gekostet hat“, ärgerte sich auch Florian Kohfeldt und teilte dabei wohl die Meinung aller Lilien-Fans.

Ein strittiger Nicht-Pfiff. Es war vielleicht nicht die entscheidende Szene des Spiels. Diese spielte sich viel mehr – wie oben beschrieben – in der 18. Minute ab, zumal die Lilien aus ihrer dominanten Spielweise noch mehr Ertrag hätten herausschlagen müssen. Und doch hätte wohl ein Strafstoß-Pfiff in der 71. Minute die Chancen auf einen weiteren Heimsieg deutlich erhöht. „Ich war mir sicher, dass es Elfmeter gibt“, so Clemens Riedel. Aber diesen gab es nicht. Und dass, obwohl der Ball – aus kurzer Distanz – einem Ulmer im Strafraum an die Hand sprang und somit dessen Flugbahn in Richtung des Tores der Gäste unterbrach. Schuhen: „Der Ball wäre auf das Tor gegangen, die Situation war für mich vergleichbar mit der Szene aus dem Deutschland-Spiel gegen Spanien. Für mich ist es ein klarer Elfmeter und damit eine Fehlentscheidung.“

Das lief gut:

Stabil geblieben. Die 90 Minuten im Merck-Stadion am Böllenfalltor? Ein Exempel für ein Geduldsspiel. Während der SSV Ulm tief in der eigenen Hälfte verteidigte und auf Umschaltaktionen samt Kontermöglichkeiten lauerte, hatte der SV Darmstadt 98 mit knapp 70 Prozent Ballbesitzanteil über weite Strecken das Spielgerät in den eigenen Reihen. Und genau darin bestand die Crux dieser Partie: Immer wieder Möglichkeiten kreieren, dabei aber geduldig bleiben und vor allem hinten nichts zulassen. „Vor ein paar Wochen hätten wir so ein Spiel vielleicht noch verloren“, hatte Schuhen dabei auch die Gesamtentwicklung des SV 98 im Blick. Denn die Lilien zeigten sich gegen den SSV Ulm enorm stabil, verteidigten im Defensivverbund sehr erwachsen. Selbst vom Gegentor 1:1 ließen sich die Mannen vom Böllenfalltor nicht verunsichern, zeigten viel mehr eine sehr reife Reaktion darauf. „Vor ein paar Wochen wäre wir unter keinen Umständen in der Lage gewesen, bewusst die Kontrolle zu behalten“, lobte auch Kohfeldt die erkennbare Entwicklung seiner Mannschaft.

Das erneute Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft. Etwas, was sich spätestens seit dem Auswärtsauftritt in Karlsruhe und dem überzeugenden Heimerfolg gegen Köln bei besonderer Bölle-Atmosphäre immer weiter festigt. Auch ein Grund dafür, warum der SV Darmstadt 98 seit nun drei Ligaspielen in Folge ungeschlagen ist. Dabei war das Duell gegen den Zweitliga-Aufsteiger aus Ulm nicht nur für die blau-weißen Protagonisten auf dem Rasen ein kompliziertes Spiel. Auch die Darmstädter Massen auf den Rängen mussten stets geduldig bleiben, während der SV 98 versuchte, die kaum vorhandenen Räume gegen einen kompaktstehenden Gegner zu finden. Und doch machten sie das Merck-Stadion am Böllenfalltor zumindest phasenweise erneut zum „Hexenkessel“, wie selbst Ulm-Trainer Thomas Wörle befand. Immer wieder pushten die Lilien-Fans aus allen Ecken des Stadions ihre Mannschaft nach vorne. „Bis zur letzten Sekunden waren alle da und alle standen hinter uns“, lobte Kohfeldt und fügte siegesgewiss an: „Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft solche Spiele gemeinsam in unsere Richtung ziehen werden.“

Das lief nicht gut:

Präzision und Geschwindigkeit. Die Lilien wollten mit einem Sieg in die Englische Woche starten. Ein Vorhaben, welches man an ihrer dominanten Spielweise ablesen konnte. Doch fehlte es dem SV 98 an der nötigen Durchschlagskraft in der Offensive. Hinzukamen immer wieder zu unsaubere Aktionen, um das Ulmer Abwehrbollwerk noch öfter vor Probleme zu stellen. „Wir haben es geschafft, aus einer guten Struktur geduldig und manchmal schnell zu spielen – leider nicht häufig genug, um noch mehr Torchancen zu kreieren“, monierte daher auch der Darmstädter Cheftrainer. Umso kleiner die Räume wurden, umso beständiger hätten die Südhessen den Druck hochhalten müssen. Ein Punkt, der weiterer Entwicklung und Trainingsarbeit bedarf. Hier hätten noch mehr Automatismen greifen müssen, um mit wenigen Kontakten den Ball durch die eigenen Reihen laufen zu lassen und so gefährliche Räume zu öffnen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es der SSV Ulm einfach überragend machte. Als „unglaublich gut“ beschrieb Schuhen die Verteidigungsarbeit der Gäste. Nie verlor der Aufsteiger die Organisation. Kein Durchkommen damit für die Blau-Weißen.

Zitat des Tages:

Grundsätzlich ist ein Punkt immer besser als eine Niederlage.

Clemens Riedel sagt, wie es nun mal ist.

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