FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Nach mehr als drei Wochen konnte Marcel Schuhen erstmals wieder auf dem Trainingsplatz am Böllenfalltor stehen. "Und einfach wieder das Gras auf dem Platz riechen", erzählt der Torhüter schmunzelnd im Interview mit sv98.de. Wir haben mit ihm über den Alltag im Home-Office, Zeit mit seiner Frau und den Einklang von Profifußball und BWL-Studium gesprochen.
Schuh, die ersten beiden Trainingstage am Böllenfalltor liegen hinter Dir. Wie war es für Dich, endlich mal wieder auf dem Platz zu stehen und die Jungs wiederzusehen?
Marcel Schuhen: „Ich habe leider nicht allzu viele der Jungs gesehen, weil wir in kleinen Gruppen aufgeteilt waren. Aber es hat einfach total gut getan, wieder Fußball spielen zu dürfen und endlich mal wieder einen Ball in der Hand oder am Fuß zu haben. Und einfach wieder das Gras auf dem Platz zu riechen (lacht). Deswegen war ich total dankbar für die ersten beiden Tage und bin sehr froh, dass wir wieder auf den Platz durften.“
Wie sah das Programm für Euch Torhüter in den ersten Einheiten aus?
Schuhen: „Wir haben jeweils ungefähr eine Stunde lang trainiert und vorwiegend an den Basics gearbeitet. Es ging mehr ums Wiederreinkommen. Wir haben die Beweglichkeit trainiert, um nach der Pause, in der wir kein torwartspezifisches Training machen konnten, wieder in den Rhythmus zu finden.“
Wie bist Du mit den zahlreichen Hygiene-Vorschriften und Verboten zurechtgekommen?
Schuhen: „Wir als Mannschaft wurden bereits am Dienstag über die ganze Thematik informiert, die extrem wichtig ist, damit wir überhaupt wieder auf den Platz dürfen. Das war für uns insgesamt schon sehr merkwürdig. Jeder von uns hat seine eigenen Stationen, an denen wir uns aufhalten dürfen. Außerdem müssen wir schon fertig umgezogen zum Training kommen, um dann direkt auf den Platz gehen zu können und im Anschluss geht es direkt wieder nach Hause. Das ist schon eine spezielle Situation. Aber momentan geht es nicht anders. Ich bin daher froh, dass wir überhaupt wieder unseren Job ausüben dürfen. Und dafür gibt es in der aktuellen Situation Regeln, an die man sich halten muss – und das machen wir.“
Welche Gefühle hattest Du, als du gemerkt hast, dass es ganz langsam wieder losgeht?
Schuhen: „Ich bin ein leidenschaftlicher Fußballer. Das wusste ich schon vor der Zwangspause. Aber diese Leidenschaft wird gerade nochmal viel stärker und intensiver. Ich habe die letzten Wochen zuhause gesessen und mir Bundesliga-Classics oder Zusammenfassungen unserer Spiele geschaut, einfach nur um wieder Fußball zu sehen. Es macht einfach Spaß, wieder Fußball zu spielen. In dieser speziellen Situation ist es natürlich aber noch einmal ganz anders: Zum Fußball gehört eben auch das Teamgefüge und der Teamgedanke. Deswegen ist der Fußball in unserer Gesellschaft so beliebt. Es geht halt nicht nur um einen Einzelnen, sondern um ein Gemeinschaftsgefühl. Und das ist momentan in der Form noch nicht möglich. Aber ich hoffe natürlich, dass das im Laufe der Zeit irgendwann wieder möglich sein wird.“
Wie waren denn für Dich die letzten drei, vier Wochen im HomeOffice? Wie sah Dein Alltag aus?
Schuhen: „Ich habe probiert, meine Trainingseinheiten – so gut es ging – in den Vormittag zu packen, sodass ich einen geregelten Ablauf hatte. Die restliche Zeit habe ich in erster Linie zusammen mit meiner Frau verbracht. Wir haben keine Zeit mit Freunden oder Familie verbracht, weil wir niemanden gefährden wollten und uns natürlich an die Regeln halten, so wie es jeder machen sollte. Wir haben die Zeit stattdessen gemeinsam genutzt. Uns beiden war klar, dass wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren – unabhängig davon, wie es bei ihr oder mir beruflich weitergeht – nie mehr so viel Zeit miteinander haben. Das haben wir uns relativ schnell klar gemacht und dementsprechend die Zeit zu zweit auch genossen.“
Wie sah Dein Trainingsplan aus? Für Torhüter ist es im Home-Office sicherlich gar nicht so einfach…
Schuhen: „Unser Trainingsplan kam dem Plan der Spieler schon sehr nah. Es waren viele Laufeinheiten dabei, aber auch Kraft- und Stabilisationsübungen. Das tut uns Torhütern auch mal ganz gut (lacht). Der Plan ähnelte ansonsten dem einer Sommer- oder Winterpause – sprich der Zeit, in der man nicht beim Verein ist.“
Nun hattest Du durch den ausgesetzten Trainings- und Spielbetrieb den Kopf frei für andere Dinge. Du studierst in einem Online-Studiengang. Hast Du die Zeit auch genutzt, um Dich intensiv Deinem BWL-Studium zu widmen?
Schuhen: „Genau. Auch im Studium ist es momentan schwierig, weil es nicht erlaubt ist, Prüfungen zu schreiben. Deswegen habe ich mich in der freien Zeit an meine Hausarbeiten gesetzt. Ich habe probiert, die Hausarbeiten so gut es ging runterzuschreiben. Zwei Stück habe ich jetzt bis zum Ende meines Studium noch offen. Der Alltag in den letzten drei, vier Wochen war ein Mix aus Training, Zeit mit meiner Frau und dem Studium. Aber natürlich gehörte es auch dazu, einfach mal nach getaner Arbeit auf dem Balkon zu chillen.“
An welchem Punkt Deines Studiums befindest Du Dich gerade?
Schuhen: „Ich bin relativ weit fortgeschritten. Ich habe jetzt noch drei Klausuren und zwei Hausarbeiten offen. Danach geht es an die Bachelorarbeit. Mein Ziel war es, nach dem Semester alles fertig zu schreiben. Es ist natürlich schwierig, weil ich erstmal abwarten muss, wie es weitergeht. Aber ich möchte zumindest meine Hausarbeiten fertig machen, sodass ich das schon mal erledigt habe. Ich hoffe, dass ich zum Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres dann komplett mit meinem Studium fertig bin.“
Wie gut gelingt es Dir, Profifußball und Studium unter einen Hut zu bekommen? Was ist dabei entscheidend?
Schuhen: „Ich bin ganz ehrlich und es ist ja auch kein Geheimnis: Wir haben als Fußballer schon viel Zeit. Es gibt natürlich Zeiten – vor allem in der Sommer- und Wintervorbereitung – wo es schwierig ist, etwas fürs Studium zu machen. Wenn zwei bis drei Einheiten anstehen, dann kann man seinem Kopf nichts mehr weiter zumuten. Aber im normalen Wochenrhythmus hat man eben schon zwei, drei Tage, an denen man auch intensiv für das Studium arbeiten kann. Ich möchte aber nochmal ganz klar betonen: Mein Hauptfokus liegt natürlich auf dem Fußball, weil es mein Job ist. Aber wenn man ein vernünftiges Zeitmanagement hat und sich die Zeit vernünftig einteilen kann, bleibt genug Zeit, um sie fürs Lernen und Studieren zu investieren.“
Zurück zum Fußball. Wie sehr fieberst Du dem Zeitpunkt entgegen, endlich wieder ein Pflichtspiel für die Lilien in der 2. Bundesliga zu bestreiten?
Schuhen: „Ich glaube, es geht jedem so: Wir warten sehnsüchtig darauf. Momentan ist aber alles noch sehr ungewiss. Man weiß nicht, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen es weitergeht. Deswegen verfolge ich tagtäglich die Nachrichten. Aber natürlich freue ich mich, bald wieder mit der Lilie auf der Brust aufs Feld zu laufen. Denn wenn wir mal ein paar Wochen zurückdenken, hätten wir gesagt: ‚Boah, Spiele ohne Zuschauer? Muss das sein?‘ Und jetzt würde sich jeder über nicht öffentliche Partien freuen, weil es gar nicht anders geht. Deswegen hoffe ich einfach, dass der Ball in den Stadien bald wieder rollt.“