FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Jonas Grüter und Christopher Nguyen Für die Eschborner Spieler Jonas Grüter (27) und Christopher Nguyen (25) gibt es beim Hessenpokal-Spiel am kommenden Donnerstag ebenso wie für Patrick Hilser und Velibor Velemir ein Wiedersehen mit dem alten Verein.
Christopher Nguyen -seine familiären Wurzeln liegen in Vietnam -spielte in der Jugend des SV 98 und kam 2008/09 fest in die erste Mannschaft der Lilien, nachdem er bereits in der Saison zuvor im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt II debütiert hatte. Im Jahr darauf wechselte der schnelle Außenbahnspieler zum Karlsruher SC, wo er vor allem in der 2. Mannschaft eingesetzt wurde, aber auch bei den Profis sieben Zweitliga-Einsätze vorzuweisen hat. Nach Karlsruhes Abstieg aus der 2. Bundesliga führte ihn sein Karriereweg zum KSV Hessen Kassel und schließlich nach Eschborn. Für die Lilien hat er 26 Spiele absolviert und ein Tor erzielt.
Jonas Grüter wechselte vor der Lilien-Aufstiegs-Saison 2010/11 von Bayern Alzenau ans Böllenfalltor und war in der Innenverteidigung mit ein Garant für den unverhofften Erfolg. Der gebürtige Frankfurter erhielt seine fußballerische Ausbildung bei der Eintracht und spielte schließlich in den 2. Mannschaften der SGE und des SV Wehen Wiesbaden. Nach dem Aufstieg mit den 98ern wurde er jedoch nur noch zweimal eingesetzt und wechselte zur Saison 2012/13 nach 32 Spielen für die Lilien zum 1. FC Eschborn.
www.sv98.de: Hallo Jonas, Hallo Christopher, mit welchem Gefühl werdet Ihr am kommenden Donnerstag den Rasen betreten, wenn es im Hessenpokal gegen Euren Ex-Verein geht?
Jonas Grüter: Das wird natürlich ein schönes Gefühl sein. In Darmstadt hatte ich eine tolle Zeit, an die ich oft zurück denke und freue mich sehr auf das Spiel.
Christopher Nguyen: Ich freue mich generell auf Duelle gegen Clubs von früher, es ist schön, vertraute Gesichter zu sehen und motivierend, sich zu beweisen. Anders als im Testspiel vor der Saison geht es im Pokal natürlich um ungleich viel mehr.
Christopher, Du hast lange Jahre bei den Lilien gespielt und bist einer derjenigen, die den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft geschafft haben. Welche Erinnerungen hast Du an Deine Zeit am Böllenfalltor und wie kam der "Sprung" zustande?
CN: Sehr viele schöne Erinnerungen, vor allem aus der Jugend, die ich ja ganz lange durchlaufen und unheimlich viel gelernt habe. Vor allem Andreas Zdarsky und Jürgen Petermann haben mich extrem gefördert, auch dann die Trainer Zivojin Juskic und Gerhard Kleppinger. Schon während der B- und A-Jugend-Zeit habe ich immer mal wieder oben mittrainiert und kam sogar schon bei Testspielen in der Zeit von Gino Lettieri zum Einsatz. Zivo Juskic war ja zunächst Trainer im Nachwuchsbereich, als er dann Cheftrainer war, kamen dann außer mir auch Pascal Pellowski und Elia Soriano in den Kader der ersten Mannschaft. Mit den beiden habe ich noch guten Kontakt. Natürlich muss immer das Sportliche die Grundlage für so einen Sprung sein, das hat bei uns gepasst.
Genau Ihr drei Jungen wart bei Deinem Tor gegen den Waldhof beteiligt. Pellowski geht links durch und flankt auf Soriano, der mit dem Kopf weiterleitet -und Du schießt ihn volley rechts unten rein. Was war das für ein Gefühl?
CN: Großartig natürlich! Dabei war es ganz witzig, dass wir zuvor im zweitägigen Trainingslager in Seeheim-Jugenheim solche Situationen geübt hatten. Trainer Zivo Juskic baute mich vor dem Spiel noch auf und meinte, dass die Außen immer mit in den Sechzehner stoßen sollten, wenn wir auf einer Seite durchkommen. Dass das dann gleich klappt und auch noch im Derby gegen Mannheim, war einfach unbeschreiblich -eigentlich mit das Highlight der Karriere bis jetzt…!
Jonas, als Du aus Alzenau ans Böllenfalltor kamst, hatten die Lilien gerade so den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft. Du warst dann Teil des Aufstiegs-Märchens 2011. Wie hast Du diese Saison erlebt?
JG: Das war schon eine super Sache, vor allem diese unglaubliche Serie am Ende. Die ganze Stimmung im Verein, der Kontakt zu den Fans, das war überragend und sicherlich mein größter Erfolg im Herrenbereich.
Ab wann habt Ihr daran geglaubt, dass es mit dem Aufstieg klappen könnte?
JG: Ein Schlüsselspiel war auf jeden Fall das gegen Kassel, als wir noch das 0:2 drehen konnten. Mit dem Sieg in Worms war dann klar, dass wir es packen würden.
Viele Fans halten Dich für einen der wichtigsten Spieler in der Aufstiegssaison“, weil Du immer konstant Deine Leistung abgerufen hast. Unvergessen wird für alle Zeiten die Grätsche in höchster Not im Spiel bei Wormatia Worms bleiben. Die Verwunderung unter den Fans war dann groß, dass Du in der 3. Liga nur so wenig zum Einsatz gekommen bist…
JG: Ja, da hätte ich mir auch mehr erwartet und hatte größere Hoffnungen. Ich kam eigentlich ganz gut in die Saison, habe mich dann aber verletzt, sollte dann wieder spielen, kam aber nicht so ins Laufen. Schließlich sagte mir der Trainer, dass er nicht mehr mit mir plant. Somit habe ich am Böllenfalltor beide Seiten erlebt -die Höhepunkte mit dem Aufstieg und dann eben diese Situation. Ich hätte liebend gerne gespielt, aber mit dieser Entscheidung musste ich mich abfinden. Das war schon schwer, weil ich mich in Darmstadt sehr wohl gefühlt habe und ich auch den hohen Stellenwert bei den Fans gespürt habe.
Deine anschließende Station beim KSC führte Dich, Christopher, sogar kurzzeitig in die 2. Bundesliga. Wie kam es dazu, denn eigentlich warst Du ja für die 2. Mannschaft "vorgesehen"…
CN: In den Gesprächen mit dem Verein sollte ich als Perspektivspieler aufgebaut werden, in der 2. Mannschaft Spielpraxis sammeln, um dann an das Profiteam herangeführt zu werden. Doch es war keine einfache Zeit, weil Trainer Rainer Krieg, der mich geholt hatte, kurz darauf entlassen wurde. Markus Kauczinski, der jetzt Trainer der 1. Mannschaft ist, übernahm damals die Regionalliga-Mannschaft, dort hatte ich dann meinen Stammplatz. In der Vorbereitung zur zweiten Saison verletzte sich dann ein Spieler der Profis, so kam ich auf die Bank und trainierte dann auch oben mit. Gegen Cottbus kam dann mein erstes Zweitliga-Spiel.
Du warst dann ja auch als gebürtiger Dieburger bei unserem nordhessischen Rivalen Hessen Kassel. Konntest Du Unterschiede in der nord- und südhessischen Fußballkultur ausmachen?
CN: Die Kulturen unterscheiden sich gar nicht so großartig. Darmstadt hat in Südhessen herausragende Zuschauerzahlen und ein großes Potenzial. In Kassel ist das eigentlich dasselbe Spiel -nur eben im Norden. Hier wie dort ist die Euphorie schnell groß, wenn es läuft -aber auch der Unmut, wenn nicht. Zur Zeit macht Kassel aber -wie Mannheim und Offenbach -eine sehr harte Zeit durch. Ich würde mir wünschen, dass sie den Weg zurück schaffen, vom Potenzial hätten es alle verdient und eine 3. Liga oder höher mit Darmstadt, Kassel, Mannheim und Offenbach wäre für alle grandios.
Ihr habt beide deutlich höherklassig gespielt als nun mit Eschborn in der 5. Liga. Wie kamen Eure Wechsel zustande? Nutzt Ihr diese Zeit, um Euch nebenbei ein berufliches Standbein aufzubauen?
CN: Ich bin ja schon im letzten Jahr nach Eschborn gekommen und das mit dem beruflichen Standbein ist genau der Punkt. Obwohl ich nach der Zeit in Kassel schon noch andere Angebote aus der Regionalliga hatte, was dann aber mit längeren Fahrten verbunden gewesen wäre, habe ich mich entschlossen, mein Studium voranzutreiben. Ich studiere an der Darmstädter TU Lehramt für Sport und Politik und Wirtschaft -die Vorlesungen sind meistens tagsüber, das Training in Eschborn findet dann abends statt. Eschborn bietet da eine ideale Kombination: Einerseits ein hohes Niveau, andererseits aber auch passende Voraussetzungen für das Studium oder andere Berufe.
JG: Genau der gleiche Gedankengang war es bei mir. Mir war klar, dass ich mir etwas anderes aufbauen musste und konzentriere mich jetzt neben dem Fußball mehr auf berufliche und private Dinge. In Eschborn kann ich trotzdem weiter auf einem guten Niveau spielen. Zwar hätte es auch bei mir nochmal andere sportliche Alternativen gegeben, aber mir war das dann zu unsicher und auch zu aufwändig mit einem weiteren Umzug. Jetzt mache ich eine Ausbildung und freue mich auf die vielfältigen Berufsmöglichkeiten.
Mit dem 1. FCE steht Ihr auf dem 2. Platz in der Hessenliga. Letztes Wochenende musstet Ihr unglücklich in der Nachspielzeit das 1:1 per Elfmeter hinnehmen. Ist der Aufstieg in die Regionalliga Süd Euer Saisonziel oder sammelt Ihr -wie die Lilien -auch erst einmal Punkte im Kampf um den Klassenerhalt?
CN: (lacht) Wir sind ja in der vergangenen Saison unglücklich abgestiegen, aber unser Kader ist weitestgehend zusammen geblieben. Insofern peilen wir schon die Rückkehr in die Regionalliga an.
JG: Auf jeden Fall wollen wir weiter oben mitspielen, der Aufstieg ist schon unser Ziel, aber wir müssen das nicht mit aller Gewalt schaffen.
Sicherlich verfolgt Ihr die Entwicklung der Lilien. Klassenerhalt am grünen Tisch, Pokaleuphorie und der Höhenflug in der Liga. Wie beurteilt Ihr die aktuelle Situation und was traut Ihr Eurem Ex-Club in dieser Saison zu?
JG: Tja, diese Frage wäre vor zwei Spieltagen noch heißer gewesen… Die Mannschaft hat gezeigt, dass ihr alles zuzutrauen ist und sie Qualität hat. In der engen Liga kann eben jeder jeden schlagen. Wenn die Lilien in die Erfolgsspur zurück finden, wird es sicherlich noch eine spannende Saison… Viel mehr als den sofortigen Aufstieg würde ich mir eine nachhaltige Entwicklung wünschen, damit die Grundlage geschaffen ist, sich auch irgendwann einmal in der 2. Bundesliga halten zu können. Andererseits: Wenn sich jetzt die Chance böte, wer weiß…
CN: Der bisherige Verlauf ist ja für alle überraschend positiv. Ich hoffe, dass sich die Lilien oben festbeißen können, auch wenn es für den Aufstieg vielleicht noch zu früh ist. Mit dem Abstieg solltet Ihr aber nichts mehr zu tun bekommen, Trainer Dirk Schuster wird da die richtigen Mittel finden und der Kader hat eine hohe Qualität.
Habt Ihr noch Kontakte nach Darmstadt und kann man Euch ab und zu im Stadion auf der Tribüne sehen?
CN: Im Stadion bin ich eher nicht, weil wir meistens zeitgleich selbst spielen. Aber Rudi Hübner und Uwe Hesse kenne ich natürlich noch, und wenn man sich in der Stadt mal trifft, gibt es immer netten Smalltalk…
JG: Ich war auch schon länger nicht mehr im Stadion, unsere Spiele sind ja meistens auch samstags. Aber ich verfolge den Liveticker und bin mit dem Herzen schon noch dabei. Mit einigen Leuten schreibe ich noch und ab und zu sehen wir uns in der Stadt.
Ihr beiden seid nicht die einzigen aus dem Eschborner Kader, die schon das Lilientrikot getragen haben. Auch Patrick Hilser und Velibor Velemir sind am Böllenfalltor bekannt. Ist das Duell gegen die Lilien nochmals Extra-Motivation für Euch alle?
JG: Wir haben uns natürlich gefreut, für die ganze Mannschaft ist das ein tolles Los, daheim gegen die Lilien spielen zu können. Dass so viele auch schon dort gespielt haben, macht das sicherlich besonders.
CN: Klar ist das Spiel bei uns schon länger Thema, aber für uns ist vor allem wichtig, dass wir in der Liga gut dastehen. Das Pokalspiel ist eine willkommene Abwechslung, denn wegen unserer Voraussetzungen treten wir in der Liga schon häufig dominant auf. Da werden am Donnerstag andere Qualitäten gefragt sein…
Im Pokalspiel am Donnerstag sind die 98er als Drittligist sicherlich favorisiert. Doch schon aus dem nur knapp gewonnenen Testspiel vor der Saison sind die Lilien gewarnt -und haben ja selbst mit Mönchengladbach schon einen höherklassigen Gegner aus dem Pokal gekegelt. Was für ein Spiel erwartet Ihr?
CN: Naja, ich hoffe, dass Darmstadt sich selbst als Favorit sieht und uns vielleicht ein kleines bisschen unterschätzt. Dann wollen wir natürlich unsere Qualitäten einbringen, die vor allem in der Offensive liegen, Nadelstiche setzen und den Favoriten so lange wie möglich ärgern.
JG: Die Lilien haben uns ja vorgemacht, dass der Pokal eigene Gesetze hat. Wenn wir unser Spiel durchdrücken, werden wir schon Chancen haben. Wir werden versuchen, Darmstadt das Leben so schwer wie möglich zu machen.
Vielen Dank, Jonas und Christopher, für das ausführliche Interview!
Das Gespräch führte Markus Sotirianos (FuFa).