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20.03.2014 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken

Heute: Stefan Reisinger Stefan Reisinger (32) kam in der Winterpause von Fortuna Düsseldorf zur Stärkung der Offensive ins Saarland. Der gebürtige Landshuter hat in seiner bisherigen Karriere über 300 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga absolviert und dabei 71 Tore erzielt. Stationen seiner Laufbahn waren die SpVgg Greuther Fürth (zweimal, unter anderem trainiert von Bruno Labbadia), Wacker Burghausen, TSV 1860 München und der SC Freiburg. Im Interview spricht er über die aktuelle Situation in Saarbrücken und den Unterschied zu den höheren Ligen.

www.sv98.de: Herr Reisinger, wie geht es Ihnen momentan? Haben Sie solch eine Situation in Ihrer Karriere schon einmal erlebt?
Stefan Reisinger: Im Moment ist das schon eine schwierige Phase, das habe ich so auch noch nicht erlebt. Eigentlich ist der Verein ja mit ganz anderen Erwartungen in die Saison gegangen. In der Winterpause kamen dann noch viele neue Spieler dazu. Dann kam der Trainerwechsel, leider noch nicht mit dem gewünschten dauerhaften Erfolg.
Wie sehen Sie das Spiel gegen Borussia Dortmund II (0:1, Anm. d. Red.)? Sie hatten vor dem frühen Gegentreffer eine gute Chance.
Das war eine gute Möglichkeit, aber ich hatte leider Pech, da der Schuss noch abgeblockt wurde. Das war schade. Unabhängig davon haben wir es leider nicht geschafft, das Spiel noch zu drehen.
Die Fans in Saarbrücken gelten als sehr leidenschaftlich. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Mannschaft und Anhängern?
Wir waren alle mit der Leistung nicht zufrieden. Da ist es klar, dass die Fans enttäuscht sind. Es war ein wichtiges Heimspiel und wir haben es nicht geschafft, den Bock umzustoßen. Es ist nie einfach, wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben, für uns ist jetzt aber nur eines wichtig: alles in die ausstehenden Spiele zu investieren!
Der Kader ist von den Namen her sehr gut besetzt. Wieso geschieht es immer wieder, dass ein gutes Team in den Abstiegsstrudel herein rutscht und sich schwer tut, da herauszukommen?
Da kommen viele Dinge zusammen. Als Spieler kann man nur versuchen, dass man seine Leistung bringt und dass wir als Team funktionieren. Den Rest kann man nicht beeinflussen.
Sie sind sehr erfahren, haben über 300 Spiele in den ersten beiden Ligen absolviert. Sind die Top-Teams der Dritten Liga vom Niveau her weit weg von Liga 2?
Das Niveau ist schon höher. Als Aufsteiger musst du dich aber generell vor niemandem verstecken, holst meist am Anfang durch die Begeisterung viele Punkte. Aber man sieht auch, dass Bielefeld derzeit als Aufsteiger unten drin steht. RB Leipzig zum Beispiel, die haben sicher die Mittel, sich noch einmal richtig zu verstärken.
Aber generell kann in der Dritten Liga jeder jeden schlagen, das sieht man ja im Moment an Darmstadt. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zu letztem Jahr doch nicht groß verändert, oder!?
…es gab keinen Radikalumbruch, aber viele Zugänge haben sofort eingeschlagen und sich in die Stammelf gespielt.
Da passt es wohl von der Mannschaftszusammenstellung. Auch der Trainer Schuster leistet da gute Arbeit, vermittelt wohl einen klaren Plan. Und mit den positiven Ergebnissen steigt dann das Selbstvertrauen. Da kommen die Ergebnisse von allein.
Wir hatten sehr viele Wechsel, drei verschiedene Trainer. Da ist es schwierig, bei ausbleibendem Erfolg eine gewisse Konstanz reinzukriegen.
Am Samstag steht das Spiel in Darmstadt an. Wie gehen Sie in diese Begegnung?
Wir müssen das umsetzen, was wir uns vornehmen. Hinten stabil stehen, um endlich mal keinem Rückstand hinterher laufen zu müssen. Und die Chancen, die sich uns bieten, müssen wir dann nutzen. Da gibt’s keinen Schönheitspreis mehr.
Sie haben in Fürth unter Trainer Bruno Labbadia trainiert, der aus Darmstadt kommt und eine große Vergangenheit bei den "Lilien" hat. Wie war es unter ihm?
Er war ein Trainer, unter dem ich viel gelernt habe. Sehr ehrgeizig, sehr akribisch, er will immer attraktiven Fußball spielen lassen. Wir waren körperlich in einem sehr guten Zustand. Auch hinsichtlich Professionalität und Einstellung war er immer ein Vorbild und hat seine Forderungen vorgelebt. Für mich war diese Zeit sehr lehrreich und auch durch ihn habe ich es in die Bundesliga geschafft.
Sie haben meist im Süden Deutschlands gespielt, da stellt die Zeit in Düsseldorf eine Ausnahme dar. Die Rheinländer gelten als positiv verrückt. Haben Sie diesen Unterschied in der Mentalität wahrgenommen?
Die Zeit in Düsseldorf war sensationell. Die Stimmung, die Fans, die Stadt -das war unfassbar. Das einzige Problem war, dass wir abgestiegen sind. Aber das Jahr in der Bundesliga war unbeschreiblich. Die Fans haben uns unterstützt, das war irre. In Dortmund waren fast 15.000 Fans dabei. Was ich da noch mal erleben durfte, war unglaublich. Der Abstieg war sehr bitter, wir standen 33 Spieltage nicht auf einem Abstiegsplatz.
Sie haben den Schiedsrichterschein, kennen somit auch die andere Seite. Gehen Sie mit den Schiedsrichtern weniger hart ins Gericht?
Das weiß ich nicht. Ich habe den Schein als Jugendlicher gemacht. Ich wollte den Fußball mal aus einer anderen Perspektive erleben. Es macht viel Spaß und wenn ich Zeit habe, leite ich im Sommer auch das ein oder andere Spiel. Den Trainer-A-Schein habe ich auch schon. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von der Art, wie man Fußball spielen lässt. Und das reizt schon, das mal weiterzugeben.
Stefan Reisinger, vielen herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.
Das Interview führte Colin Mahnke (FuFa).

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