FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Anton Fink Anton Fink (25), der Mittelstürmer des Chemnitzer FC, verbreitet in den gegnerischen Strafräumen Angst und Schrecken. Hinter dem Bielefelder Fabian Klos (17 Tore) steht er derzeit mit 16 Treffern auf Rang 2 der Torjägerliste der 3. Liga an (dazu kommen noch 8 Assists). Doch nicht nur in dieser Spielzeit zeigte sich der gebürtige Dachauer stark im Abschluss: mit 53 Toren ist er Spitzenreiter der ewigen Torjägerliste der 3. Liga.
Bereits mit neun Jahren kam er zum TSV 1860 München und durchlief dort alle Jugendteams. Nach mehreren Jahren dort in der 2. Mannschaft wechselte er im Sommer 2008 zur SpVgg Unterhaching, erzielte dort 21 Tore in 38 Spielen und wurde damit Torschützenkönig. Das erregte die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen des Karlsruher SC (damals 2. Liga), die ihn dann 2009 in den Wildpark holten. Der ganz große Durchbruch klappte hier -trotz 11 Treffern in 55 Spielen jedoch nicht. Zur Rückrunde 2010/11 wechselte er leihweise zum VfR Aalen und trug mit seinen 6 Toren wesentlich zum Klassenerhalt des Teams von der Ostalb bei. Seit genau einem Jahr trägt Fink nun das Trikot der „Himmelblauen“: Nach der Winterpause der letzten Spielzeit sorgte er mit seinen 10 Toren sogar für Aufstiegsträume bei den vor seiner Verpflichtung noch abstiegsbedrohten Chemnitzern.
www.sv98.de: Hallo Anton Fink! Das Jahr 2012 haben Sie persönlich ja sehr erfolgreich beendet -wurde Ihr 50. Drittliga-Treffer im letzten Spiel vor Weihnachten gegen Burghausen schon mit der Mannschaft gebührend gefeiert?
Anton Fink: Ach, das ist ja nur ein statistischer Wert. Es freut mich zwar schon sehr, aber das wichtigste ist natürlich, dass die Mannschaft Erfolg hat. Deshalb haben wir das jetzt nicht groß gefeiert…
Sowohl in Unterhaching, Aalen und Chemnitz haben Sie als Neuzugang gleich Ihre Tore gemacht. Brauchen Sie wenig Eingewöhnungszeit? Häufig müssen sich doch gerade Stürmer an die Pass- und Laufwege der Mitspieler gewöhnen…
Ich hatte das Glück, immer auf intakte Mannschaften zu treffen, die mich super aufgenommen haben. Mir fällt es recht leicht, mich in neue Gruppen zu integrieren und dann kommt das Fußballerische von ganz alleine dazu. Vor allem, wenn man das Gefühl hat, gebraucht zu werden und der Mannschaft weiter helfen zu können.
Sie kamen im letzten Winter nach Chemnitz und bewahrten den CFC mit vielen wichtigen Toren vor einer zittrigen zweiten Saisonhälfte. Solch einen Spieler hofft der SV 98 gerade mit Freddy Borg gefunden zu haben… Haben Sie einen Tipp für uns, wie man sich langsam aus sportlich schwierigen Situationen befreit?
Das ist schon nicht ganz leicht, da gehört auch viel Glück dazu, dass das so passt. Sicherlich braucht man Geduld und viel harte Arbeit, um aus dem Keller herauszukommen. Mit Marcus Steegmann, den ich noch aus Unterhaching kenne, habt Ihr aber noch einen zweiten richtig guten Spieler für vorne. Schade, dass er wegen seiner Verletzung so schwer in die Saison gefunden hat.
In Karlsruhe kamen Sie zwar schon zu vielen Einsätzen, waren aber trotzdem nicht gesetzt und wurden verliehen. In Chemnitz scheint es vom ersten Tag an zu passen. Was brauchen Sie, um sich in einem Verein so wohl zu fühlen und was war in Karlsruhe anders?
In Karlsruhe waren meine Perspektiven am Ende nicht so gut. Trainer Edmund Becker, der mich geholt hatte, wurde nach zwei Spieltagen entlassen, aber auch unter Markus Kauczinski und Markus Schupp bekam ich noch meine Einsätze. Als schließlich Uwe Rapolder übernahm, sagte er mir, dass er auf größere Spieler setze und er nicht wisse, wie oft ich mit meinen 1,74 m spielen würde. Da es mir wichtig ist zu spielen, habe ich dann gefragt, ob eine Leihe möglich ist und bin dann nach Aalen gegangen. Als ich zurückkam, war Rainer Scharinger Trainer, der wieder auf mich baute -doch auch er musste gehen. Bei Jörn Andersen war dann wieder dasselbe Problem wie unter Rapolder -deshalb wollte ich dann auch selbst den Wechsel. In Chemnitz kann ich spielen und ich bin froh, zeigen zu können, dass meine Leistung nicht unbedingt von der Größe abhängt.
Als Toptorjäger der 3. Liga haben Sie sicherlich Anfragen von höherklassigen Vereinen. Dennoch haben Sie gerade Ihren Vertrag in Chemnitz verlängert. Ist Ihnen das Umfeld wichtiger als der sportliche Rahmen?
Es gab schon auch Anfragen aus der 2. Liga, aber ich hatte wirklich das Gefühl, dass in Chemnitz etwas entstehen kann und wollte dazu gerne meinen Beitrag leisten. Ich glaube fest daran, dass wir in den kommenden Jahren sportlich erfolgreich sein werden, wir haben hier ein tolles Umfeld und der Verein entwickelt sich absolut positiv. Und ich kann einfach Fußball spielen und freue mich, wenn ich der Mannschaft helfen kann.
Sie sind in Dachau geboren, einem Ort, der an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte erinnert, und direkt im Nachbarort aufgewachsen. Spielt die Gedenkstätte als Kind oder Jugendlicher im Alltag bewusst eine Rolle?
Das stimmt, das war natürlich in der Schule ein Thema und wir haben die Gedenkstätte auch zweimal mit der Klasse besucht. Es ist ein Ort gegen das Vergessen, was ich sehr wichtig finde. Die Ausstellung ist sehr interessant und ich kann jedem, der dort in der Gegend ist, nur empfehlen, mal hinzufahren.
Schon als Neunjähriger haben Sie bei 1860 München gespielt. Wie ging das mit der Schule und den Fahrten zum Training? War damals schon für Sie klar, dass Sie Profifußballer werden wollten?
Nein, so bewusst war mir das damals noch nicht. Ich habe ja zuerst in einem kleinen Verein gespielt. Dann kam der Anruf an meinen Vater, ob ich ein Probetraining in München machen würde. Mein Vater hat mich gefragt und mir die Entscheidung überlassen, ob ich da hinwollte. Als ich dann wirklich dort war, wollten sie mich gleich dabehalten… Meine Mutter hat mich dann immer zum Training gefahren und in der Stadt auf mich gewartet. Ich kam auch oft erst nach 22 h wieder heim.
Wie beurteilen Sie die Situation und die Entwicklungen rund um 1860?
Ich kenne noch viele Leute dort, auch aus der Mannschaft. Die Situation ist sicherlich schwierig, denn die Spieler kriegen den Machtkampf ja schon mit. Das sollte sich zwar nicht auf den Fußball auswirken, aber das ist leichter gesagt als getan. Auch die zuletzt geführten Diskussionen um eine mögliche Verpflichtung von Sven-Göran Eriksson haben ja großen medialen Wirbel ausgelöst. Dennoch: Der Verein gehört in die Bundesliga, mich würde es freuen, wenn sie es packen.
Derzeit hat Chemnitz 15 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz und ist 14 Punkte über dem „Strich“. Wird es für Chemnitz eine Restsaison im Mittelfeld oder greifen Sie nochmal an?
Wir wollen natürlich eine gute Restrunde spielen und noch ein paar Pünktchen holen. Unsere Zielstellung sind 45 Punkte, um den Klassenerhalt sicher zu stellen. Dass müssen wir weiterhin mit vollster Konzentration angehen. Wenn das geschafft ist, dann sehen wir weiter.
Gerade im sportlichen Niemandsland wäre der Titel des Torschützenkönigs erneut etwas Besonderes. Spornt Sie der Zweikampf mit Fabian Klos an oder ist das nur eine Begleiterscheinung?
Ich schaue da gar nicht drauf, obwohl mir das alle andauernd unterstellen. Der Erfolg der Mannschaft steht immer im Vordergrund. Ein Tor ist zwar eine tolle Sache, aber ich bereite auch genauso gerne vor.
In Darmstadt ist die Situation noch etwas prekärer als in Chemnitz vor einem Jahr. Wie schätzen Sie die Mannschaft im Vergleich zu den anderen Teams im Tabellenkeller ein? Mit Aytac Sulu haben die Lilien einen neuen Verteidiger, der vielleicht gleich gegen Sie spielen wird…
Darmstadt hat eine hohe Qualität, diese aber leider in der Hinrunde nicht so auf den Platz gebracht. Ich kenne Aytac noch aus Aalen, er ist richtig gut, auch mit Latza habt Ihr einen starken Sechser. Eigentlich müsstet Ihr von der Qualität her den Klassenerhalt packen, aber manchmal will es halt nicht laufen…
Wer war in dieser Saison Ihr unangenehmster Gegenspieler und gegen wen spielen Sie besonders gerne?
Ha, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich spiele einfach mein Spiel und habe eh keinen Einfluss darauf, wen der Gegner gegen mich stellt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die insgesamt eher weniger gerne gegen mich spielen… (lacht)
Mit Sascha Pfeffer fehlt am kommenden Dienstag ein wichtiger Mittelfeldspieler gelbgesperrt. Wie schwer wiegt sein Ausfall?
Sascha ist auf der rechten Außenbahn ein ganz wichtiger Spieler, von dessen Vorlagen gerade wir Stürmer besonders profitieren. Wir haben aber einen ausgeglichenen Kader, und alle, die für seinen Ersatz in Frage kommen, brennen darauf, sich zu zeigen.
Was für ein Spiel erwarten Sie und tippen Sie ein Ergebnis?
Ich tippe nicht so gerne, aber ich glaube, es wird ein hart umkämpftes Spiel. Obwohl Ihr derzeit Vorletzter seid, wird das ein Duell auf Augenhöhe mit sicherlich einem knappen Ausgang.
Vielen herzlichen Dank, Anton Fink, für das ausführliche Interview. [MS]