FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Sebastian Pelzer Sebastian Pelzer (31) ist Kapitän von Hansa Rostock. Der Linksverteidiger steht seit 2010 bei den Ostseestädtern unter Vertrag und hat sowohl deren Aufstieg 2011 in die 2. Bundesliga als auch den erneuten Abstieg 2012 miterlebt. Als gebürtiger Trierer spielte er in seiner Laufbahn für mehrere Vereine im Südwesten der Republik, u.a. den FSV Salmrohr, 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Trier und 1. FC Saarbrücken -zusätzlich noch für Dynamo Dresden und Rot-Weiß Ahlen. Ein 18-monatiges Intermezzo führte ihn ab Sommer 2002 zu den Blackburn Rovers nach England.
www.sv98.de: Hallo Sebastian Pelzer, wie fühlt sich ein Pfälzer an der Ostsee?
Sebastian Pelzer: Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl an der Ostsee. Mein jüngster Sohn ist in Rostock geboren und mein Großer spielt beim F.C. Hansa in der Jugend. Die Menschen in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern sind sehr freundlich und absolut Hansa-verrückt.
Hansa Rostock ist als Absteiger aus der 2. Liga als ein Favorit auf den Aufstieg gestartet, liegt aber mittlerweile mit recht großem Rückstand im Mittelfeld der Tabelle. Sind Sie dennoch froh, dass sich die Hansa-Kogge nach dem Umbruch im Kader und dem finanziellen Wirbel inzwischen in ruhigerem Fahrwasser befindet?
Nur weil man aus der 2. Bundesliga absteigt ist man aus meiner Sicht nicht gleich Favorit auf den Wiederaufstieg. 2010/2011 ist uns dieses Kunststück zwar gelungen, jedoch ist das kein Selbstläufer. Wir mussten auch vor dieser Saison sehr viele neue Spieler integrieren und uns als Mannschaft finden.
Sie sind bereits seit 2010 an der Ostsee und somit eine Konstante im Team, obwohl die Fluktuation der Spieler bei Auf- oder Abstiegen immer ziemlich groß ist. Was hat Sie bewogen, auch nach dem Gang in die Drittklassigkeit Hansa treu zu bleiben und den Weg mit zu gehen?
Ich bin Kapitän dieser Mannschaft und weiß wozu dieser Verein fähig ist. Diese Entwicklung will ich begleiten und dabei mithelfen, die Karre, die wir in der vergangenen Saison in den Dreck gefahren haben, wieder zu befreien.
Was sind sportlich die größten Unterschiede zwischen der 2. und der 3. Liga?
Die 3. Liga ist eine sehr physische Liga, die dir hinsichtlich Kraft, Kondition und Kampf alles abverlangt. Der Unterschied, gerade bei den Spitzenmannschaften der 3. Liga, ist im Vergleich zur 2. Bundesliga nicht sehr groß. In der 2. Bundesliga wird jeder kleine Fehler sofort bestraft und du musst deine wenigen Torchancen konsequent nutzen.
Sie führen Ihre Mannschaft als Kapitän auf das Spielfeld. Diese Rolle ist für Sie nicht neu, denn Sie haben auch schon in Dresden als Spielführer Verantwortung übernommen. Welche Eigenschaften braucht man Ihrer Meinung nach als Kapitän?
Natürlich ist es für mich eine Ehre dieses Amt ausführen zu dürfen. Das zeigt, dass die Mannschaft mir vertraut. Ich versuche immer mit gutem Beispiel voranzugehen -auf und abseits des Spielfeldes. Man ist verlängerter Arm des Trainers und gemeinsam mit dem Mannschaftsrat besonders dafür zuständig junge Spieler und Neuzugänge schnell zu integrieren.
Anfang September gab es einen Wechsel auf der Trainerbank, Wolfgang Wolf musste gehen, Marc Fascher übernahm. Unter dem neuen Coach gab es in den folgenden acht Spielen nur eine Niederlage. Was hat Marc Fascher geändert?
Grundsätzlich kann man Trainer nicht miteinander vergleichen, da jeder Trainer seine eigene Philosophie hat. Marc Fascher hat zunächst vor allem im mentalen Bereich mit der Mannschaft gearbeitet und die verunsicherte Mannschaft aufgerichtet.
Trotz der guten Serie kamen dann ab November sportliche Rückschläge, und Rostock konnte nur noch einen Punkt aus den vergangenen sieben Spielen holen. Was fehlt noch zur Konstanz?
Wir müssen versuchen weniger Tore zu kassieren und insgesamt als Mannschaft besser verteidigen, kompakter stehen. Außerdem haben wir auch offensiv noch Luft nach oben. Wir müssen die herausgespielten Chancen auch verwerten. Daran arbeiten wir täglich im Training.
In der Winterpause kamen mit Tommy Grupe, Maurice Trapp, Philipp Klement, Collin Quaner und Sargis Adamyan fünf sehr junge Spieler zu Hansa, nur Nico Zimmermann ist mit 27 schon erfahrener. Können diese Jungs sofort weiterhelfen oder sind sie mehr als Perspektive für die neue Saison gedacht?
Alle Neuzugänge und die aus der eigenen Jugend hochgeholten Spieler sind charakterlich einwandfrei, ziehen im Training hundertprozentig mit und ordnen sich dem Credo Teamgeist unter. Das ist das Wichtigste. Außerdem, haben wir jetzt eine gute Mischung aus Einzelspielern, die ein Spiel entscheiden können, aus Läufern und Kämpfern.
Mit Freddy Borg, Darmstadts neuem Stürmer, haben Sie in der letzten Saison noch zusammen gespielt. Wie haben Sie ihn erlebt und haben Sie noch Kontakt zu einander?
Freddy ist ein guter Typ, der immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Er kam in kurzer Zeit auch super bei unseren Fans an und wurde schnell zu einer Art Kultfigur. Ich wünsche ihm alles Gute in Darmstadt.
Zu Saisonbeginn gab es im DFB-Pokal das Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern, Ihrem Ex-Verein. War das ein besonderes Spiel für Sie, obwohl Sie nicht zum Einsatz kamen?
Natürlich ist ein Spiel gegen den 1. FCK immer noch etwas Besonderes. Allerdings ist die Zeit mittlerweile schon weit fortgeschritten und kaum noch jemand im Kader mit dem ich damals zusammengespielt habe.
Von Kaiserslautern wechselten Sie nach England zu den Blackburn Rovers. Viele Sportler empfinden Ihre Zeit im Ausland als besonders prägend. Was haben Sie aus Ihrer Zeit auf der Insel mitgenommen?
Ich war schon immer vom englischen Fußball fasziniert, von diesem körperbetonten Spiel und natürlich auch von der Atmosphäre in den Stadien. Dass mir bei Blackburn Rovers der Durchbruch nicht gelungen ist, hat lange und extrem an mir genagt. Trotzdem ist das eine Erfahrung die ich nicht missen möchte.
Bei den Rovers konnten Sie verletzungsbedingt nur ein Pokalspiel für die Profimannschaft bestreiten. Dafür kamen Sie häufiger in der Reserve-Mannschaft von Blackburn zum Einsatz. In Deutschland spielen die 2. Mannschaften im normalen Ligabetrieb mit, in England gibt es eigene Reserveligen. Wo sehen Sie Vor- oder Nachteile im englischen System?
Das System in England ist nicht schlecht. Dort spielen unheimlich viele Profis in den zweiten Mannschaften, die in der ersten Mannschaft nicht zum Zug kommen. Die Teams werden durch die besten Nachwuchsspieler ergänzt. Somit geht es dort sehr professionell zu und die Reservemannschaften haben eine hohe Qualität.
Der SV 98 kommt nun als Schlusslicht in die DKB-Arena. Wie schätzen Sie die Mannschaft der Darmstädter ein und was erwarten Sie vom Abstiegskampf in dieser engen Liga?
Ich gebe grundsätzlich keine Prognosen über andere Vereine ab. Meine Konzentration liegt voll und ganz auf die eigene Mannschaft und unsere Ziele.
Auswärtsreisen waren für die Lilien-Fans in dieser Saison sportlich eher frustrierend. Welche Orte sollte man bei einem Besuch in Rostock -gerade bei der weiten Reise -unbedingt gesehen haben?
Rostock hat sehr viele schöne Ecken. Auf jeden Fall würde ich empfehlen der Rostocker Innenstadt und Warnemünde einen Besuch abzustatten. Die Altstadt in Rostock und der Strand in Warnemünde mit seinem Leuchtturm und Dünen -das hat schon etwas.
Vielen herzlichen Dank, Sebastian Pelzer, für das ausführliche Interview. [MS]