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19.09.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den F.C. Hansa Rostock

Heute: Andreas Bergmann Andreas Bergmann (54) ist Cheftrainer des F.C. Hansa Rostock. Der im niedersächsischen Steinfeld geborene Fußball-Lehrer spielte in seiner aktiven Karriere beim 1. FC Köln, Wuppertaler SV, Bonner SC und VfB Remscheid. Nach seiner ersten Trainerstation beim SV Falke Steinfeld war er von 1994 bis 1997 beim Niedersächsischen Fußballverband in der Trainerausbildung tätig. Anschließend arbeitete er bis 2004 als Jugendkoordinator bzw. Amateur-Trainer beim Karlsruher SC und dem FC St. Pauli. Am Millerntor übernahm er dann im März 2004 den Cheftrainer-Posten. Auch später in Hannover war er zunächst Trainer der U23-Mannschaft, bevor er auch hier im August 2009 Cheftrainer wurde. Bergmann trainierte von September 2011 bis Oktober 2012 den VfL Bochum und kam nun zur neuen Saison an die Ostsee.

www.sv98.de: Hallo Andreas Bergmann, Sie sind seit ein paar Monaten beim FC Hansa. Wie haben Sie sich in der Stadt eingelebt und was ist für Sie das Besondere (bzw. der Reiz) beim letzten DDR-Meister, auch im Vergleich zu Ihren vorherigen Stationen?


Andreas Bergmann: So richtig viel von der schönen Innenstadt, dem traditionsreichen Stadthafen oder dem Warnemünder Strand habe ich aufgrund der sehr intensiven Arbeit mit der Mannschaft noch nicht gesehen, jedoch gefällt mir Rostock und seine Lage an der Ostsee ausgesprochen gut. Der FC Hansa Rostock ist für mich eine wahnsinnig spannende Herausforderung. Wir haben hier gemeinsam den sportlichen Umbruch vollzogen und wollen nun langfristig eine charakterstarke, erfolgshungrige Mannschaft entwickeln, die den vielen Hansa-Fans wieder Spaß macht.
Sie haben große Erfahrung im Bereich der Nachwuchs-Förderung. Hansa Rostock hat viele junge Spieler im Kader. Wie schafft man es, die zum Teil noch unerfahrenen Jungprofis an das Niveau in der 3. Liga heranzuführen?

Die jungen Talente unserer Nachwuchsakademie bringen schon ein ordentliches Niveau mit. Die U19 ist aktuell deutscher Vizemeister. Es kommt darauf an, dass die Jungs nach ihrer Ausbildung in den verschiedenen Leistungszentren den eigenen Anspruch haben, sich immer weiter zu verbessern und von den erfahrenen Spielern etwas lernen zu wollen. So wird man als einzelner Spieler besser und auch die Mannschaft profitiert davon.
Rostock ist mit Ihnen hervorragend in die Saison gestartet und hatte nach vier Spielen zehn Punkte auf dem Konto. Die beiden Heimniederlagen gegen Unterhaching und Dortmund II waren sehr unglücklich. Was fehlt Ihrem Team noch zur Konstanz?

Beide Spiele sind differenziert zu betrachten. In der Analyse haben wir gegen Unterhaching ein sehr gutes Spiel gemacht, uns aber in der Offensive für unseren Aufwand nicht belohnt. Die Niederlage gegen Dortmund II hat nur wieder bestätigt, dass wir uns in einem Lernprozess befinden. Wir müssen uns erarbeiten, spielentscheidende Fehler abzustellen. Weil die Mannschaft selbst sehr ehrgeizig ist, bin ich optimistisch, dass wir weiter aus unseren Fehlern lernen werden.
Ken Leemans, in der letzten Spielzeit eine zentrale Figur im Hansa-Mittelfeld, fällt noch weiterhin verletzt aus. Dennoch haben Sie z.B. mit Milorad Pekovic Erfahrung hinzu gewonnen. Wie beurteilen Sie die ersten Spiele Ihrer Neuzugänge?

Auch ich bin ja neu an Bord der Kogge, sodass alle Spieler für mich "Neuzugänge" waren. Wir haben grundsätzlich in der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass unsere Jungs neben der fußballerischen Qualität vor allem einen guten Charakter mitbringen. Ich denke man kann jetzt schon sagen, dass uns das ganz gut gelungen ist.
Der SV 98 ist am kommenden Samstag Ihr nächster Gegner. Wie schätzen Sie die neu formierte Lilien-Elf ein und was für ein Spiel erwarten Sie?

Ich erwarte ein sehr intensives, schweres Spiel. Der SV Darmstadt 98 hat durch den Erfolg im DFB-Pokal und nicht zuletzt mit dem Auswärtssieg in Duisburg gezeigt, welche Qualität die Mannschaft besitzt.
Bei der Tragödie um Robert Enke waren Sie Trainer von Hannover 96. Haben Sie das Gefühl, dass die Diskussion danach eine Veränderung im Fußball-Betrieb angestoßen hat? Entsteht ein Teil des Drucks auch dadurch, weil die Medien sich immer weniger für das Spiel an sich interessieren, sondern immer stärker für das Drumherum, der "kicker sich quasi an die Sport-Bild annähert -und nicht umgekehrt"? Kann man dem überhaupt entgegenwirken?

Das wird ja immer wieder nur dann thematisiert, wenn irgendwelche Todestage anstehen. Im Großen und Ganzen sehe ich einfach, dass es im Leistungssport nur noch Schwarz und Weiß gibt. 
Diese Tragödie lässt mich die Dinge richtig einordnen und einschätzen, wie schnelllebig und oberflächlich das Geschäft ist. Wichtig ist, dass man, wenn man mit jungen Spielern in diesem Geschäft arbeitet, ihnen das klarmacht. Dass sie da praktisch nur eine Rolle einnehmen, alles austauschbar ist. Es gilt, das richtig einzuordnen, dabei bodenständig zu bleiben und seine eigene Identität zu bewahren.
Herzlichen Dank, Andreas Bergmann, für das ausführliche Interview!
Die Fragen stellte Markus Sotirianos.

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