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16.11.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt

Heute: Nils Pfingsten-Reddig Nils Pfingsten-Reddig (30), Erfurts Kapitän, spielt nun in seiner dritten Saison bei den Rot-Weißen. Der defensive Mittelfeldspieler begann seine Karriere in der 2. Mannschaft von Hannover 96, anschließend folgten Stationen beim Wuppertaler SV, den Sportfreunden Siegen, Kickers Emden und dem OFC. In der aktuellen Saison hat er bislang alle Spiele von Beginn an bestritten und dabei ein Elfmetertor erzielt. Gemeinsam mit Marco Engelhardt (31) bildet er ein sehr erfahrenes zentrales Mittelfeld-Gespann im Spiel der Thüringer.

www.sv98.de: Hallo Nils Pfingsten-Reddig, RWE hat gerade vier Punkte aus den letzten beiden Spielen geholt. Fahren Sie jetzt mit breiter Brust zu unseren Lilien?

Nils Pfingsten-Reddig: Ja das tun wir. Allerdings wissen wir auch, dass wir ein hartes Spiel vor uns haben. Wir müssen Darmstadt auf jeden Fall ernst nehmen und werden sie sicherlich nicht unterschätzen.
Der Ausgleich gegen Babelsberg fiel in der Nachspielzeit. Ist das eine neue Qualität von RWE, niemals aufzugeben?

Das kann man schon sagen. Wir haben wirklich hart gearbeitet, und die letzten Ergebnisse bestätigen dies eindrucksvoll. Gegen Unterhaching, im Pokalspiel bei Carl Zeiss Jena und auch jetzt zu Hause gegen Babelsberg haben wir das Spiel in den letzten Minuten noch entschieden bzw. ausgeglichen gestaltet.
Sie waren in allen Ihren Teams bisher der Mr. Zuverlässig und haben neben vielen Einsätzen eine tolle Elfmeterquote (13 von 14 in den letzten zwei Spielzeiten). Auch gegen den VfB Stuttgart II haben Sie per Strafstoß getroffen. Jetzt sind sie sogar Spielführer bei RWE. Bindet Alois Schwartz Sie in seine Spielplanung ein?

Natürlich trifft der Trainer viele Entscheidungen allein. Er gibt Taktik und Aufstellung vor und wir versuchen es entsprechend umzusetzen. Bei manchen Überlegungen kommt es allerdings schon vor, dass er mich um meine Meinung fragt.
Niemand hat RWE im Tabellenkeller und auf den Abstiegsplätzen erwartet. Welche Gründe sehen Sie für die aktuelle Situation und wo sehen Sie sich am Ende der Runde?

Wir hatten einige Dinge zu verkraften. Zunächst haben einige Leistungsträger, wie z.B. Gaetano Manno (VfL Osnabrück), Marcel Reichwein (VfR Aalen), Oliver Caillas (FC Schalke 04 II) oder Denis-Danso Weidlich (Jahn Regensburg) den Verein verlassen. Rudolf Zedi hat seine Karriere beendet. Zusätzlich gab es großes Pech mit Verletzungen, auch bei Leistungsträgern wie Smail Morabit. Zum Dritten gab es einen Umbruch durch die Integration junger Spieler: Kevin Möhwald und Maik Baumgarten sind erst 19 Jahre alt. Dazu brauchen Neuzugänge immer Zeit, um sich zu integrieren, gerade, wenn sie so zentrale Rollen spielen sollen wie Mijo Tunjic im Sturmzentrum. Jetzt bin ich aber optimistisch. Die letzten Spiele liefen gut, gegen Babelsberg hätten wir eigentlich gewinnen müssen. Wir werden noch nach oben kommen.

Am 6. Oktober (13. Spieltag) verloren Sie zu Hause 0:3 gegen die Stuttgarter Kickers. Seither gab es fünf Punkte in vier Spielen. Damals haben Sie unter der Überschrift "Die Lage ist katastrophal" ein Interview für den "kicker" gegeben und gesagt, sie seien "keine richtige Mannschaft". Sieht es inzwischen besser aus?

Ja, wirklich, denn wir treten jetzt als Mannschaft auf und haben ganz viel gearbeitet. Diese drei Spiele mit jeweils 0:3, das war wirklich der Tiefpunkt. Inzwischen bin ich aber sicher, dass wir da hinten herauskommen.
Mit Olivier Caillas, Rudolf Zedi und Marcel Reichwein ging viel Erfahrung und der zentrale Torjäger. Fehlen Ihrem Team nun diese Qualitäten?

Natürlich haben wir eine Zeit gebraucht, um diese Abgänge zu kompensieren. Inzwischen sind wir allerdings zu einer Mannschaft geworden, die das verkraftet.

RWE hat sechs Platzverweise in 17 Spielen hinnehmen müssen. Auf was ist das Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Es ist wohl von allem ein bisschen zusammengekommen: Frust auf der einen Seite, natürlich spielt auch die Unerfahrenheit eine Rolle, manches war schlicht disziplinlos. Gerade diese häufige Unterzahl hat auch dazu beigetragen, dass wir so schlecht gestartet sind.

Ihr Präsident sagt, er will in der Winterpause drei neue Spieler holen. Was halten Sie als Spielführer davon?

Zunächst einmal haben wir tatsächlich einen relativ kleinen Kader. Schon aus diesem Grund macht es Sinn, Spieler dazu zu holen. Aber es belebt auch den Konkurrenzkampf untereinander. Das ist immer gut. Jetzt ist ja gerade Marko Kopilas zu uns gekommen, den Ihr Darmstädter ja bestens kennt. Ich kenne ihn noch aus Offenbacher Zeiten. Er kann uns mit Sicherheit helfen, wenn er ganz fit ist.

Mit dem SV 98 treffen Sie nun auf Ihren Tabellennachbarn. Wie schätzen Sie die Truppe vom Böllenfalltor ein?

Ich erwarte eine sehr kampfstarke Lilienelf. Das wird ein offenes Spiel. Persönlich kenne ich Benjamin Baier aus meiner Offenbacher und Cem Islamoglu aus meiner Siegener Zeit.
In Kellerduellen wie diesem steht die Heimelf meist unter größerem Druck. Sehen Sie es als Vorteil, als Gast abwartender agieren zu können?

Eigentlich haben wir in den letzten Spielen nicht abwartend gespielt. Aber natürlich, wenn man es schafft den Gegner schlecht aussehen zu lassen und die Zuschauer zu pfeifen beginnen, hat man einen kleinen psychologischen Vorteil.
Als Fußballspieler steht man enorm unter Druck. Was tun Sie um abzuschalten? Welche Hobbies haben Sie?

Mein Ausgleich ist meine Familie, meine Frau und mein kleiner Sohn. Außerdem habe ich eine deutsche Dogge, die bewegt werden will…

Per Mertesacker ist ein Kumpel aus der Zeit bei der 2. Mannschaft von Hannover 96. Was denken Sie, wenn Sie ihn wie letzten Mittwoch im Spiel gegen Holland sehen?

Zunächst mal wünsche ich ihm und der Mannschaft immer ein gutes Spiel. Per ist der einzige aus unserem damaligen Team, der so weit gekommen ist. Da kann man manchmal fast neidisch werden…
Vielen Dank, Herr Pfingsten-Reddig, für das ausführliche Interview. [HK]

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