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25.04.2014 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt

Heute: Christopher Drazan Christopher Drazan, der am 02.10.1990 in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren wurde, begann seine Karriere in der Jugend des VfB Admira Wacker Mödling. Während sich sein Vater Friedrich "Fritz" Drazan als aktiver Fußballer vor allem bei der Wiener Austria einen Namen machen konnte, zog es den jungen Christopher 2007 zum Stadtrivalen Rapid Wien. In sechs Jahren bei den Rapidlern, kam der gelernte Linksfuß auf 144 Einsätze, bei denen er in erster Linie seine Scorerpunkte als Torvorbereiter sammeln konnte. Während seiner Zeit in Hütteldorf beim Wiener SK Rapid, durfte der dreimalige österreichische Nationalspieler auch Erfahrungen in der Europa-League und der CL-Qualifikation sammeln. Bei seinem Europa-League-Debüt gegen den Hamburger SV, gelang ihm gleich der Treffer zum 3:0-Endstand. Nach seinem Wechsel im Winter 2013 zum Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, folgte im Winter 2014 die Leihe zum kommenden Gegner Rot-Weiß Erfurt. Hier ist dem Linksaußen sofort der Sprung zum Stammspieler geglückt.

www.sv98.de: Herr Drazan, Sie sind gebürtiger Wiener. Besitzen Sie den sogenannten „Wiener Schmäh“ und wenn ja, wie äußert sich dieser?
Christopher Drazan: Ich denke schon von mir behaupten zu können, dass ich den „Wiener Schmäh“ in mir habe und ihn auch oft zur Anwendung bringe. Entweder man hat ihn oder man hat ihn eben nicht. Ich habe ihn von meinem Vater geerbt; bei uns zu Hause haben wir immer Spaß gehabt. Konkrete Beispiele kann ich Ihnen jedoch nicht nennen, da er meist spontan aus mir herausbricht. Das ist situationsbedingt.
Sie stammen aus einer Fußballerfamilie. Ihr Vater Friedrich "Fritz" war zu aktiven Zeiten eine Austria-Legende, währenddessen Sie das Rapid-Trikot überstreiften. Gab es im Hause Drazan da nie den Konflikt zwischen Violett und Grün?
Nein, als Streitpunkt diente die Rivalität zwischen der Austria und dem SK Rapid zwischen uns nie. Als ich damals mit 16 Jahren zu Rapid kam, boten sich mir dort die bestmöglichen Perspektiven. Das Umfeld bei den Grünen in Hütteldorf war hervorragend, bot mir alles, um mich weiterentwickeln zu können. Insofern riet mir auch mein Vater, der mir heute auch noch mit Rat und Tat zur Seite steht, damals zu diesem Schritt. Übrigens ruft man mich heute gerne auch „Fritz“, ich habe diesen Spitznamen aufgrund meines Vaters erhalten. 
Sie wechselten 2013 vom SK Rapid zum 1. FC Kaiserslautern in die 2. Bundesliga. Lauterns damaliger Coach Franco Foda bemühte sich ausgiebig um Sie, bezeichnete Sie als seinen Wunschspieler. Sahen Sie den Wechsel damals als karrierefördernd? Immerhin konnten sich die Rapidler auf internationaler Bühne präsentierenâ…
Für mich war es nur allzu logisch, dass ein Verein in Deutschland der nächste Schritt in meiner Karriere sein würde. Da war der 1. FC Kaiserslautern eine hervorragende Adresse. In der deutschen Bundesliga steht man mehr im Fokus, gleichwohl Rapid Wien international spielte.
Auf Foda folgte Kosta Runjaic als Trainer auf dem Betzenberg. "Coach Kosta" führte den SV Darmstadt 98 2011 von der Regional- in die 3. Liga. Sie machten unter dem Darmstädter Aufstiegstrainer nur ein einziges Zweitligaspiel über drei Minuten, wechselten im Winter daher zum FC Rot-Weiß Erfurt. Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit Runjaic beschreiben?
Um eines vorweg zu schicken: Als ich die "roten Teufel" im Winter verließ, hatte ich eine verletzungsbedingte Zeit hinter mir. Um wieder Spielpraxis zu erlangen und um zu alter Form zu finden, gingen der FCK und Rot-Weiß Erfurt das Leihgeschäft ein. In der Zeit, die ich mit Kosta Runjaic zusammenarbeitete, führten wir deshalb auch sehr viele Gespräche miteinander. Das war hilfreich. Meiner Meinung nach erlangte ich in dem halben Jahr in Thüringen meinen Spielrhythmus wieder.
Sie bestritten zudem bislang drei Länderspiel für die österreichische Fußballnationalelf, u.a. 2009 ein EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen. Inwieweit besteht weiterhin noch Kontakt zum ÖFB, oder sind Sie aus dem Fokus von Nationaltrainer Marcel Koller gerückt? Wie ist Ihr persönlicher Fahrplan ins Nationaltrikot zurückzukehren?
Kontakte zum ÖFB sind durchaus vorhanden, ich bin nicht vergessen. Das alleine lässt mich durchaus positiv nach meiner Verletzungsphase in die Zukunft blicken. Allerdings weiß ich auch, dass ich nur durch gute Leistungen auf mich aufmerksam machen kann. Das bedarf stetiger und akribischer Arbeit, wie z.B. schnell individuelle Schwächen ausmerzen.
Beim FC RWE spielt mit Marco Engelhardt ebenfalls ein ehemaliger Nationalspieler. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie bestimmt schon einmal mit ihm über "Die Schmach von Cordoba (D)" bzw. "Das Wunder von Cordoba (AUT)" gefrotzelt haben (Anm. d. Red.: WM 1978, Deutschland vs. Österreich 2:3)â…
(lacht) Auch wenn dieses Spiel natürlich in der Fußballhistorie beider Länder einen ganz speziellen Stellenwert aufweist, werden Sie es kaum für möglich halten, dass wir darüber tatsächlich noch nicht geredet haben. Wohl aber über vergangene Zeiten beim 1. FC Kaiserslautern, denn auch Marco Engelhardt spielte einstmals auf dem Betzenberg. Meiner Meinung nach ist solch ein Erfahrungsaustausch äußerst wichtig und sinnvoll.
Die 3. Liga war sicherlich weitestgehend unbekanntes Terrain für Sie, als Sie im Winter nach Thüringen wechselten. Kann man das Niveau der 3. Liga tatsächlich mit Österreichs Bundesliga vergleichen, wie oftmals behauptet wird?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Niveau der 3. Liga außerordentlich gut ist. Lässt man derzeit einmal die drei Erstplatzierten außen vor, sieht man am breitgefächerten Mittelfeld, dass jeder jeden schlagen kann. Dennoch ist ein Vergleich zwischen der österreichischen Bundesliga und der 3. Liga in Deutschland nur sehr schwer vorzunehmen. Anhand der durchaus achtbaren Erfolge der drei, vier österreichischen Vertreter in den internationalen Wettbewerben ist dort zumindest in der Spitze eine höher zu bewertende Qualität vorhanden. Dadurch wächst natürlich auch die Popularität am Fußball in Österreich.  
Und was wissen Sie über den SV Darmstadt 98 zu berichten?
Um ehrlich zu sein, stellte der SV Darmstadt 98 bei meiner Ankunft in Deutschland keine Begrifflichkeit dar. Dass ist nicht despektierlich oder böse gemeint, sondern alleine der Tatsache geschuldet, dass in meiner Heimat sehr wohl regelmäßig über die 1. und 2. Bundesliga berichtet wird, aber nicht über die darunter angesiedelten Ligen. Nunmehr sagt mir der SV 98 natürlich etwas. Ich muss sagen, dass sie verdientermaßen so weit oben in der Tabelle stehen und um den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga spielen. Wer drei Spieltage vor Ende auf dem Relegationsplatz steht, hat es schlussendlich auch verdient. Allerdings werden wir es den Lilien so schwer wie möglich machen, die drei Punkte am Böllenfalltor zu behalten. Für uns Erfurter geht es noch immer darum, das bestmögliche aus dieser Saison zu machen -und das wären 55 Punkte am Saisonende.
Vielen Dank für das Interview, Christopher Drazan! [PH & PRG]

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