FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Sven Köhler Sven Köhler (47), Trainer des Halleschen FC, wurde in Darmstadts Partnerstadt Freiberg in Sachsen geboren. Seine aktive Karriere verbrachte der Abwehrspieler von 1984 bis 2001 beim FC Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitzer FC, nur unterbrochen von einem kurzen Abstecher zu Erzgebirge Aue im Jahr 1995. Höhepunkte waren dabei sicherlich die Auftritte im UEFA-Cup 1989/90, als der CFC erst im Achtelfinale an Juventus Turin scheiterte und seine zwei Einsätze für die Nationalmannschaft der DDR. Zum Abschluss seiner Spielerlaufbahn wechselte er nochmals zu Dynamo Dresden, wo er schließlich als Co-Trainer und A-Jugend-Trainer arbeitete. Seit Juli 2007 ist er Trainer beim Halleschen FC -damit der dienstälteste Coach in Liga 3 -und führte die Saale-Städter zuerst in die Regionalliga und zu dieser Saison als Meister in die 3. Liga.
www.sv98.de: Hallo Sven Köhler, Ihre Spieler haben Ihnen am vergangenen Samstag mit dem Sieg gegen Ihren Ex-Verein, für den Sie so lange aktiv waren, sicherlich ein ganz besonderes Geschenk zu Ihrem Geburtstag am Sonntag gemacht…
Sven Köhler: Ich war zunächst einmal froh, dass wir überhaupt spielen konnten und bedanke mich nochmals bei den zahlreichen Helfern. Es war schon ein besonderer Sieg, gerade weil ich in Chemnitz wohne. Zudem konnten wir dadurch die 30-Punkte-Marke knacken. Die Tabelle ist ja ziemlich verschoben, deshalb sind wir froh über jeden Punkt Abstand, den wir zu den letzten drei Plätzen haben.
Die Hinrunde haben Sie mit 18 Punkten abgeschlossen, in der Rückrundentabelle liegen Sie nach acht Spielen mit 13 Punkten auf Rang 6. Ist diese Leistungssteigerung tatsächlich allein durch die fünf Winterneuzugänge zu erklären?
In den letzten Spielen der Vorrunde haben wir die Notwendigkeit für Verstärkungen gesehen, gerade offensiv waren wir nicht so wirkungsvoll. Einerseits steigern unsere Neuverpflichtungen insgesamt die Qualität, andererseits merken aber auch die Spieler, die schon hier waren, dass alles besser funktioniert. Mit kleinen Erfolgserlebnissen kommt dann auch der Glaube an die eigene Stärke zurück. So wollen wir auch in Darmstadt auftreten und etwas mitnehmen.
Die Tabelle der 3. Liga ist durch die Witterungsverhältnisse derzeit ziemlich „schief“. Was sagen Sie zu den Überlegungen, die Fußballsaison an den Kalender anzupassen und hauptsächlich im Sommer zu spielen?
Bis jetzt habe ich mir dazu wenig Gedanken gemacht, aber als Trainer würde ich sicherlich in diese Überlegungen mit eingebunden. Ausgangspunkt wird aber immer die 1. Liga sein, die restlichen Profiligen werden danach angepasst. Was allerdings wirklich wünschenswert wäre, ist eine Belohnung für die Teams, die so in ihre Infrastruktur investieren, dass im Winter gespielt werden kann. In der 3. Liga bleibt manchmal eine vorhandene Rasenheizung aus finanziellen Gründen ausgeschaltet -durchaus nachvollziehbar. Da könnte der DFB den Vereinen helfen.
Halle ist zur Zeit bester Aufsteiger in Liga 3. Wenn Sie auf die vergangenen knapp sechs Jahre zurückblicken, die Sie nun in Halle sind, ist die Entwicklung, die der Verein genommen hat, schier unglaublich. Was haben Sie damals vorgefunden und was hat zu dem jetzigen Zustand geführt?
Wir leisten in der Gesamtheit eine kontinuierliche Arbeit, viele Gremien wirken hier schon im 10. Jahr. Von den Strukturen her war Halle schon in meiner Anfangszeit gut geführt. Wichtig war natürlich der Aufstieg in die neu geschaffene Regionalliga. Dort waren wir dann immer oben mit dabei, so konnten Wünsche wachsen. Mit dem Stadionneubau waren wir -insbesondere für Viertliga-Verhältnisse -hervorragend aufgestellt. Die Stadt hat dabei unser Potenzial erkannt, trotz finanzieller Schwierigkeiten, die es überall gibt. Für diese Entwicklung sind wir schließlich mit dem Aufstieg in die 3. Liga belohnt worden.
Welches Konzept verfolgt Halle und welche mittelfristigen Ziele hat der Verein?
Ausgangspunkt soll in Zukunft immer die 3. Liga sein. Unsere A-Jugend spielt zur Zeit in der Bundesliga, wird es aber schwer haben, sich dort zu halten. Wir möchten gerne unseren Nachwuchsspielern die Chance geben, sich in der 3. Liga zu zeigen -aktuell haben mit Marco Hartmann, Toni Lindenhahn und Dennis Mast drei Spieler schon in unserer Jugend gespielt. Um das Niveau der 3. Liga zu halten, werden wir aber immer auch punktuell Qualität von außen holen müssen, nur mit Nachwuchstalenten wird es nicht gehen. Wenn wir uns dann in der 3. Liga so stabilisiert haben, würden wir -wie viele andere Vereine auch -gerne an der 2. Bundesliga schnuppern…
Wann war Ihnen klar, dass Sie Trainer werden wollten, was reizt Sie an diesem Beruf besonders? Von welchem Ihrer Trainer haben Sie am meisten gelernt?
Ich bin -seit ich 12 Jahre alt war -in der „Mühle Fußball“ drin, zunächst im Ausbildungssystem der DDR, dann als Spieler -jetzt als Trainer. Ich habe zwar neben meiner Laufbahn auch einmal andere Bereiche ausprobiert, aber Fußball macht mir am meisten Spaß. Der Einstieg kam über Christoph Franke in Dresden -er war schon mein Jugendtrainer, dann Co-Trainer unter Hans Meyer, der lange Jahre Trainer in Chemnitz war und von dem ich auch viel mitgenommen habe. Außerdem habe ich zwei Söhne, die auch Fußball spielen und mich schon von daher mit dem Nachwuchsbereich beschäftigt.
Wie würde der Trainer Sven Köhler heute den ehemaligen Spieler Sven Köhler sehen?
Als Spieler war ich sehr ehrgeizig. Ich finde, dass man als Profi nach der Karriere von sich sagen können sollte: „Das was möglich war, habe ich erreicht.“ Ich denke, das stimmt so für mich, wenn man bedenkt, dass ich schon mit 18 Jahren einen Kreuz- und Innenbandriss hatte…
Darmstadt und Ihre Geburtsstadt Freiberg sind Partnerstädte. Eines Ihrer ersten Auswärtsspiele nach der Wende bestritten Sie in Darmstadt. Wie haben Sie die erste Spielzeit nach der Wende erlebt und welche Erinnerungen haben Sie an Darmstadt?
Die erste Saison war schon besonders: Wir waren zudem in der zweigeteilten 2. Bundesliga sehr erfolgreich und konnten uns für die Aufstiegsrunde qualifizieren. Die ganze Atmosphäre, die neuen Stadien, das war schon beeindruckend. Allerdings sind die Erinnerungen konkret an Darmstadt etwas verblasst…
Es war wohl auch nicht besonders spektakulär, das erste Aufeinandertreffen endete 0:0… -Mit Chemnitz standen Sie im Jahr zuvor im Achtelfinale des UEFA-Cups -ein Jahr später fanden sich viele Traditionsteams der ehemaligen DDR in der 2. Liga oder noch tiefer wieder, auch konnten sich zunächst wenige Vereine im Profifußball halten. In der Rückschau: Wurden die Vereine aus dem Osten vom DFB nicht ausreichend integriert?
Man hat das zum damaligen Zeitpunkt vielleicht tatsächlich als nicht ganz korrekt empfunden. Im Nachhinein, wenn man sich die Verteilung heute anschaut, war die Entscheidung vielleicht doch richtig. Keiner der Ost-Clubs spielt derzeit in der Bundesliga, in der 2. Liga sind es mit Aue, Cottbus und Dresden gerade einmal drei. Wir wären heute wahrscheinlich froh über eine solche Quotenregelung…
Die Lilien haben in den letzten Wochen endlich die rote Laterne abgeben können und sind wieder in Reichweite zu den Nichtabstiegsplätzen. Wie schätzen Sie Darmstadts Kader und die Neuzugänge ein?
Die Situation in Darmstadt ist sicherlich mit uns vergleichbar. Darmstadt ist ein Jahr vor uns aufgestiegen und versucht sich zu etablieren, was in dieser Liga nicht einfach ist. Die Trainerwechsel haben viel Unruhe gebracht, auch unverschuldet durch den Wechsel von Kosta Runjaic nach Duisburg. Ähnlich wie wir haben die Darmstädter in der Winterpause offensiv und defensiv nachgerüstet. Dirk Schuster lässt mit den Lilien -ähnlich wie zuvor mit den Stuttgarter Kickers -aktiven Fußball spielen. In dieser engen Liga kann jeder jeden schlagen und es ist gut möglich, dass sich Darmstadt noch aus dem Keller befreien wird.
Im Hinspiel führte Halle lange Zeit mit 2:0. Dann kam Michael Stegmayers Sonntagsschuss und das Spiel endete noch 2:2. Ein Paradebeispiel für die "Psychologie", die im Fußball oft eine so große Rolle spielt… Wie kann man das trainieren, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren?
Das war schon ein verrücktes Spiel. Es war ein richtig gutes Heimspiel von uns und wir hatten nicht das Gefühl, dass da noch etwas passieren könnte. Nach Stegmayers Treffer begannen wir zu wackeln und kassierten noch ein Tor, von dem die Trainer immer sagen, dass "es so nicht hätte fallen dürfen". Natürlich hofft man als Trainer auf einen Lerneffekt und dass die Mannschaft dadurch einen Entwicklungsschritt macht. Aber diese Gegentore lassen sich auch auf höchstem Niveau nicht verhindern, wie man gerade im Pokalspiel zwischen Mainz und Freiburg gesehen hat. Davon lebt der Fußball ja auch…
Halle hat schon etwas Abstand zu den Abstiegsrängen und kann relativ befreit aufspielen. Was erwarten Sie von der Partie?
Wir erwarten einen unheimlich motivierten Gegner, der mit allen Mitteln versuchen wird, sein Heimspiel zu gewinnen. Unsere 31 Punkte sind trügerisch, weil wir schon zwei Spiele mehr haben als die meisten anderen Teams. Unser Ziel ist, dass der Abstand auf Darmstadt nicht kleiner wird -und sollten wir den Abstand weiter vergrößern können, wäre das natürlich optimal. Aber wir wissen, dass Darmstadt sehr kampfstark ist und alles in die Waagschale werfen wird. Da müssen wir genauso dagegenhalten.
Vielen herzlichen Dank, Sven Köhler, für das ausführliche Interview. [MS]