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05.11.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den Karlsruher SC

Heute: Elia Soriano Elia Soriano (23), Stürmer beim Karlsruher SC, ist ein Darmstädter Eigengewächs. Seine Jugendzeit verbrachte er im Leistungszentrum der Lilien. Er wechselte bereits zur U13 von der TSG 46 Darmstadt ans Böllenfalltor. Mit nur 18 Jahren wurde er bereits eine Stütze unserer 1. Mannschaft in der damaligen Oberliga-Spielzeit 2007/08. Als dann der Aufstieg in die neu gegründete Regionalliga Süd geschafft war, kam er mit zwei weiteren Spielzeiten auf insgesamt 83 Einsätze und 32 Tore für die Lilien.

Nach zwei Saisons Abstiegskampf nahm er das Angebot des Drittliga-Aufsteigers VfR Aalen an. Dort konnte er sich leider verletzungsbedingt nicht durchsetzen. So kam es zum Wechsel zurück in heimatliche Regionen zur 2. Mannschaft von Eintracht Frankfurt, wo er in der vergangenen Saison durch gute Leistungen kurzzeitig sogar Bestandteil der Profimannschaft wurde.
Seit dieser Spielzeit stürmt er für den KSC und hatte sein persönliches Highlight im Pokalspiel gegen den Hamburger SV, als er kurz vor Schluss den Treffer zum 4:2-Endstand erzielte.
www.sv98.de: Hallo Elia Soriano, im Duell am Samstag triffst Du auf den Club, für den Du die ersten drei Jahre deiner Karriere gespielt hast. Wie kalt lässt das einen Profi?
Elia Soriano: Ich freue mich auf das Spiel. Die Lilien waren mein erster Verein und ich habe ja dort auch schon in der Jugend gespielt. Aber Fußball ist Fußball und ich bin heute beim KSC, auch wenn ich noch ein bisschen an Darmstadt hänge und auch immer schaue, wo sie gerade in der Tabelle stehen. Doch so ist der Job, wir müssen auf uns schauen, wollen das Spiel natürlich gewinnen und haben das Ziel, am Ende der Saison aufzusteigen.
Wenn Du an Deine Zeit im Liliendress denkst, hast Du den Verein in seiner schwierigsten Phase erlebt -Insolvenz, Abstiegskampf in der vierten Liga. Was war trotzdem Dein bestes Erlebnis -und schmunzelst Du noch über die "Taschentuch-Aktion" mit Ermin Melunovic?
Ach, es war insgesamt eine tolle Zeit, ich war ja drei Jahre da, sehr jung und wollte einfach Fußball spielen. Das mit dem Ermin war schon witzig… Gerade, wenn man so jung ist, macht man sich wegen dem Drumherum aber vielleicht noch weniger einen Kopf. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass Fans, Mannschaft und Verein insgesamt diese schwere Lage gemeinsam gemeistert haben.
Du bist neu beim KSC, wie wurdest Du aufgenommen? Bist Du nach KA gezogen? Mit wem hast Du am meisten zu tun?
Ich habe mit Simon Brandstetter, der ja auch neu im Club ist, eine WG gegründet, ich verstehe mich mit allen gut, fühle mich rundum wohl und versuche, mich hier voll reinzuknien.
Wie kam der Wechsel nach Karlsruhe zustande, nachdem Du bei der Eintracht eine gute Saison gespielt hast und sogar bei den Profis im Kader warst? Würdest Du sagen, dass der Aufstieg der Profis „Pech“ für Dich war, weil in der 2. Liga die Perspektiven zu spielen vielleicht größer gewesen wären?
Zwar habe ich oben mittrainiert, aber es ist schon schwer, wenn die Sturmpartner Hoffer oder Idrissou heißen. Mir hat es auf jeden Fall total viel gebracht, dabei zu sein. Mit dem Aufstieg war aber klar, dass meine Perspektiven nicht so gut sein würden. Als dann die Anfrage aus Karlsruhe kam, hatte ich gleich das Gefühl, dass es passt. Trainer Markus Kauczinski hat mich oft beobachtet, ich verstehe mich sehr gut mit ihm -außerdem ist es ja nicht so weit weg von Darmstadt…
Vor der Saison gab es Spekulationen, dass auch ein Wechsel zurück zum SV 98 möglich gewesen wäre…
Naja, gerade mit dem alten Verein gibt es ja immer mal Kontakt, wir haben mal geredet, aber es wurde dann nicht konkret…
Von Darmstadt bist Du nach Aalen in die 3. Liga gewechselt. Wie sauer bist Du auf Christoph Metzelder, der Dich im DFB-Pokalspiel so unglücklich gefoult hat? Nach einem halben Jahr bist Du von dort wieder weg…
Das war wirklich unglücklich. Ich kam rein, Metzelder erwischt mich. Zwar gab es Elfmeter für uns, aber wir hatten schon dreimal gewechselt und ich bin in den letzten Minuten nur noch gehumpelt. Sauer bin ich nicht, so ist Fußball, aber ich bin dann einen Monat ausgefallen -und dann ist es schwer, sich wieder heranzukämpfen. Außerdem hat mir die Entfernung doch mehr zu schaffen gemacht als gedacht. Meine WG mit Sascha Herröder war allerdings sehr cool. Schlussendlich hat es dann aber mehr Sinn gemacht, in der Winterpause zurück nach Südhessen zu gehen.
Dein Bruder Roberto hat letztens mit einem Traumtor im Freundschaftsspiel gegen Barca für Furore gesorgt. Habt Ihr oft Kontakt und wäre irgendwann einmal ein Wechsel nach Italien für Dich denkbar?
Das ist schon krass, wenn Dein Bruder vor 80.000 Zuschauern im Camp Nou so ein Tor schießt, ich war unglaublich stolz auf ihn! Klar haben wir häufig Kontakt. Die italienische Kultur, Mentalität und auch die Art zu spielen kommt mir sicherlich entgegen, obwohl ich es natürlich hier in Deutschland auch total gut finde. Aber, wenn’s klappt, wäre das bestimmt eine tolle Sache, auch wenn es dann vielleicht nicht Inter Mailand, mein Lieblingsverein, wäre…
Welche Kontakte hast Du noch ans Böllenfalltor? Mit Ugur Albayrak spielt ja Dein letztjähriger Sturmpartner bei uns…
Uwe Hesse treffe ich ab und zu mal, wenn ich in Darmstadt bin, ansonsten kenne ich aus dem jetzigen Kader tatsächlich nur noch Ugur persönlich.
Im Endspurt unserer Aufstiegssaison gastierten die Lilien bei Eintracht Frankfurt II. Die Lilien führten schnell 3:0, aber mit Deinem Gegentreffer begann das große Zittern. Sicherlich eine skurrile Situation… Wie hast Du dieses Spiel in Erinnerung?
(grinst) Naja, ich wusste ja, dass es für Darmstadt noch um etwas ging… Vorher hab ich mir schon überlegt, wie das sein würde, wenn ich ein Tor schieße… Aber so ist halt Fußball, ich mache da einfach meinen Job und habe mich auch über mein Tor gefreut. Am Ende haben wir nochmal richtig Druck gemacht, aber dann 2:3 verloren. Da war ich schon sauer drüber, aber insgesamt hat mich der Aufstieg der Lilien natürlich sehr gefreut.
Beim letzten Spiel in Chemnitz bist Du eingewechselt worden, hast aber seit dem 9. Spieltag nicht mehr gespielt. Warst Du angeschlagen oder liegt das am sicherlich harten Konkurrenzkampf mit Koen van der Biezen, Rouven Hennings, Karim Benyamina und Simon Brandstetter?
Ich hatte eine kleinere Verletzung und war dann noch zwei Wochen lang ziemlich erkältet. In dieser Zeit lief es für den KSC aber ganz gut, die Stürmer haben getroffen. So langsam arbeite ich mich wieder heran, der Einsatz letzte Woche hat mir gezeigt, dass ich auf einem guten Weg bin. Und ich hoffe natürlich, dass ich morgen spiele…
In Darmstadt hast Du häufiger auch auf den Außenbahnen gespielt, wenn mit einem zentralen Stürmer gespielt wurde. Wäre das auch heute eine Option oder siehst Du Dich selbst eher im Zentrum?
Stimmt, in der Oberliga war ich ein paar Mal auf der Außenbahn. Aber ich sehe mich schon eher vorne, egal, ob wir mit einem oder mit zwei Stürmern spielen. Dort fühle ich mich am wohlsten.
Mit Hakan Calhanoglu habt Ihr einen Spieler, der künftig in der Bundesliga für den HSV spielen wird. Wie ist das, vor ihm zu spielen?
Es ist unglaublich, was er mit seinen 18 Jahren mit dem Ball anfangen kann. Wie er die Freistöße versenkt, Wahnsinn! Das sieht oft so aus, als ob er die Erfahrung von 5 Jahren Bundesliga hätte. Dafür hab ich riesigen Respekt und freue mich für ihn, dass er bald die Chance haben wird, sich beim HSV zu zeigen. Aber auch insgesamt, wenn ich mir unsere Mannschaft so anschaue, bin ich begeistert über unsere Qualität, gerade im technischen Bereich.
Obwohl Du in Deiner Zeit am Böllenfalltor noch sehr jung warst, wurden an Dich als Stammstürmer besonders hohe Ansprüche gestellt. Wie kann man Fans und Medien dazu bringen, mehr Geduld gerade mit jungen Spielern zu haben?
Wie gesagt, man darf sich da nicht so einen Kopf drum machen -und man kriegt das auch noch nicht so mit. Als Junger willst Du Fußball spielen, da ist das Vertrauen des Trainers sehr wichtig. Er hat immer gesagt: „Elia, spiel einfach Dein Spiel!“. Manchmal trifft man mehrere Spiele lang nicht, dann wird man komisch angeschossen und der Ball zappelt im Netz. Da steckt man nicht drin und es gibt einfach gute und schlechte Phasen.
Ihr habt zum Saisonstart Zeit gebraucht, um Euch als Mannschaft zu finden und hattet nach 6 Spieltagen nur 3 Punkte. Seitdem habt Ihr aber nur noch einmal verloren und aus den letzten 6 Partien 14 Punkte geholt. Wie seid Ihr aus der Mini-Krise rausgekommen?
Wir waren ja ein zusammengewürfelter Haufen nach dem Abstieg, da mussten wir erst einmal die Laufwege der anderen kennen lernen, Stärken und Schwächen. Das braucht eben Zeit und manchmal muss man auch mal etwas mit der Aufstellung testen. Wir wussten allerdings um unser Potenzial und jetzt haben wir uns gefunden. Es ist zwar etwas schade für mich, weil ich in den letzten Spielen draußen war, aber für uns und unsere Ziele ist das ganz wichtig. Jetzt brauchen wir noch die Konstanz, dann geht sogar noch mehr…
Durch den Derby-Sieg gegen Offenbach kommen die Lilien mit Rückenwind in den Wildpark. Was für ein Spiel erwartest Du und wie schätzt Du die Lilienelf ein?
Bei einigen Niederlagen haben die 98er richtig gut gespielt und hatten Pech im Abschluss. Wir werden nicht den Fehler machen, die Lilien zu unterschätzen, sie kämpfen, laufen viel und sind auch spielerisch stark. Es wird ein ganz schweres Spiel für uns.
Was meinst Du, wie geht es aus?
Ich gönne Euch ein Tor, aber wir gewinnen 3:1…
Vielen herzlichen Dank, Elia Soriano, für das ausführliche Interview. [MS]

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