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02.05.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den Karlsruher SC

Heute: Manuel Bölstler Manuel Bölstler (*26.4.1983) ist in Darmstadt kein Unbekannter, trug er das Trikot der Lilien doch in der Regionalligasaison 2005/06 selber für ein Jahr. Beim SV 98 brachte es der in Tübingen geborene Mittelfeldakteur auf 28 Einsätze unter Coach Bruno Labbadia. Manuel Bölstler schnürte in seiner Karriere bislang für zehn Vereine seine Fußballschuhe, wobei zwei Clubs besonders herausstechen: Cambuur Leeuwarden (NED) und Happoel Kfar Saba (ISR). Bemerkenswert ist, dass Bölstler neben 21 Zweitligaeinsätzen auch in allen drei Regionalligen (Nord / West / Süd) Erfahrungen sammeln konnte. Seit dem 1.7.2012 steht der 30-Jährige nunmehr beim Karlsruher SC unter Vertrag.

www.sv98.de:  Hallo Herr Bölstler! Zunächst einmal dürfen wir Ihnen noch einmal nachträglich alles Gute zum Geburtstag wünschen!
Manuel Bölstler: Herzlichen Dank, das freut mich, dass Sie an mich gedacht haben!
Haben Sie als Geburtstagsgeschenk zwei Finalkarten für das Championsleague-Finale am 25.5.2013 im Londoner Wembleystadion zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund erhalten? Mit Marco Reus und Kevin Großkreuz im BVB-Trikot greifen ja zwei ehemalige Mannschaftskameraden von Ihnen nach der europäischen Krone im Vereinsfußballâ…
(lacht) Nein, mir wurden keine Endspieltickets geschenkt. Ich habe die beiden auch nicht darum gebeten, gleichwohl ich gelegentlich zu Marco Reus noch Kontakt pflege.
Neiden Sie den beiden den Erfolg?
Keineswegs! Ich gönne sowohl Kevin (Großkreuz) als auch Marco (Reus) den Erfolg. Es war ja damals bei LR Ahlen schon absehbar, dass sie es in die Bundesliga schaffen. Da waren der unbändige Wille, der Ehrgeiz und nicht zuletzt das große Talent vorhanden, bei dem ich von vorneherein nicht mithalten hätte können.
Zu einem gestandenem Zweitligaprofi hätte ich es allerdings schon schaffen können, wären mir da nicht immer wieder schmerzhafte Verletzungen dazwischengekommen. Alleine neunmal musste ich in meiner Karriere am Knie operiert werden. Zum Glück bin ich aber ein Stehaufmännchen und lasse mich nicht unterkriegen, so dass ich mich immer wieder zurückkämpfen konnte. Auch eine Eigenschaft, auf die man stolz sein darf.
Und gleich nach der Vertragsunterschrift bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber dem KSC, ereilte Sie erneut das Verletzungspech in Form eines Kreuzbandrissesâ…
Leider ja. Unmittelbar nach Saisonbeginn erlitt ich einen Kreuzbandriss. Kurz nach der erfolgreichen Operation entzündete sich das Knie aber aufgrund eingefangener Keime erneut und vernarbte. Der diagnostizierende Arzt prognostizierte mir gar, dass ich nie mehr Fußballspielen könnte. Zum Glück lag er falsch, so dass ich seit Februar wieder trainieren konnte. Seitdem bestritt ich zwei Freundschaftsspiele mit der 2. Mannschaft und eines mit den Profis. KSC-Coach Markus Kauczinski gab mir auf Anhieb das Gefühl, dass er nie an meiner Rückkehr zweifelte. Bedauerlicherweise erlitt ich Anfang März einen Muskelfaserriss, so dass ich derzeit wieder pausieren muss. Zur neuen Saison bin ich aber sicherlich zurück im Kaderâ… im Zweitligakader!
In der Saison 2005/06 trugen Sie selbst das Trikot des SV Darmstadt 98. Am Ende belegte der SV 98 den 5. Tabellenplatz, schnupperte zwischenzeitlich immer mal wieder am Aufstieg. Was sind Ihre Erinnerungen an Darmstadt?
Auch wenn es letztendlich für mich nur ein Jahr in Darmstadt war, habe ich positive Erinnerungen an diese Zeit. Es machte Spaß in dieser Mannschaft zu spielen, die hochtalentierte und erfahrene Spieler in ihren Reihen hatte. Nicht zuletzt Bruno Labbadia als Trainer lässt mich positiv auf meine südhessische Zeit zurückblicken. Einziger Wermutstropfen war nur der nicht erreichte Zweitligaaufstieg.
â…und das 2:7 beim Jahn aus Regensburg.
Oh ja, das war ein Match, das man als Spieler nicht vergisst. Gleich zu Beginn sah Zivo (Juskic) nach einer Notbremse die Rote Karte, der anschließende Freistoß landete zum 0:2 im Netz. Daraufhin rückte ich aus dem defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung und leistete mir einen katastrophalen Fehler. Auf Höhe der Mittellinie erhielt ich das Leder und dribbelte in Richtung eigenes Tor. Ein Regensburger setzte nach, ich vertändelte den Ball und er stürmte mutterseelenallein auf unser Gehäuse zu -Tor, 1:3 aus unserer Sicht. In der Halbzeit faltete mich unser Trainer Bruno Labbadia nach allen Regeln der Kunst zusammen. So eine Standpauke bleibt insbesondere als junger Spieler bei einem haften, so einen Fehler begeht man daraufhin nie wieder. Weitreichende Konsequenzen hatte mein Fauxpas aber nicht, denn Bruno (Labbadia) verzieh mir wenig später und setzte weiterhin auf mich. Eine Eigenschaft, die einen guten Trainer auszeichnet.
Aus jenem Team schafften mit Benjamin Kern, Mergim Mavraj, Ivo Ilicevic, Stefan Leitl, Matias Cenci und Ihnen ein halbes Dutzend Spieler über die folgenden Spielzeiten verteilt mindestens den Sprung in die 2. Bundesliga. Was hätte Ihrer Meinung nach geschehen müssen, um jene Mannschaft weiterentwickeln zu können?
Vielleicht wäre ein Zusammenhalten der Mannschaft bei einem Aufstieg mittelfristig möglich gewesen. So aber war absehbar, dass die überaus talentierten Spieler wie bspw. Mergim (Mavraj) oder Ivo (Ilicevic) nicht zu halten sein würden. Und auch die anderen hatten sich aufgrund ihrer Leistungen den Sprung in eine höhere Klasse redlich verdient.
Ich wäre übrigens gerne ein weiteres Jahr in Darmstadt geblieben. Allerdings hatte ich nach dem Trainerwechsel von Bruno Labbadia zu Gino Lettieri kein wirklich gutes Bauchgefühl. Das Gespräch vor Rundenbeginn mit Lettieri weckte nicht unbedingt zwingend den Eindruck, dass er auf mich setzt.
Folgerichtig wechselten Sie also 2006 zunächst zum Wuppertaler SV in die Regionalliga West. Nach weiteren Stationen verschlug es Sie im Jahr 2011 dann überraschend nach Israel zu Happoel Kfar Saba. Mit diesem Wechsel sorgten Sie für einiges Aufsehen in der fußballfachkundigen Szene. Israel war neben Ihrer Spielzeit bei Cambuur Leeuwarden in den Niederlanden Ihr zweites Auslandsengagement. Was haben Sie aus jenen Jahren mitgenommen?
Als ich 2002 vom VfB Stuttgart nach Holland wechselte, war ich gerade einmal 19 Jahre alt. Für meine Selbstständigkeit war dieser Schritt aber enorm wichtig. Ich lebte dort nicht so, wie man sich das Leben als Fußballprofi vorstellt. In meiner Vierer-Wohngemeinschaft, die ich mir mit einem Holländer, einem Schotten und einem Amerikaner teilte, war am Monatsende oftmals das Geld knapp. Daraus habe ich aber durchaus den Umgang mit Geld gelernt.
Israel indes war eine überragende Erfahrung, ich würde diesen Schritt jederzeit wieder machen. Ohne Ressentiments gegenüber den Deutschen aufgrund der Geschichte wurden meine heutige Ehefrau Franzi und ich dort regelrecht mit offenen Armen empfangen. Die positive Grundeinstellung der Israelis, die Mentalität und die stets vorhandene Lebensfreude sind beneidenswert. Hier in Deutschland herrscht oftmals ein "negativer Trott", ganz anders als in Israel, wo die Menschen offen und freundlich miteinander umgehen. Als meine Frau eines Tages traurig durch den Supermarkt schlenderte, fiel das sofort ein paar uns unbekannten Einheimischen auf, die sie sofort ansprachen und trösten wollten. In Deutschland ist so ein Verhalten fast undenkbar. Angst vor dem Krieg hatten wir übrigens zu kaum einem Zeitpunkt. Übrigens legte mir mitunter Michael Anicic den Wechsel nach Israel nahe.
Und heuer spielen Sie beim Karlsruher SC, werden wahrscheinlich den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga bewerkstelligen können. Wie viele Punkte aus den verbleibenden drei Partien benötigen Sie noch um ganz sicher einen der ersten beiden Plätze zu belegen?
Ich denke, dass sechs Punkte reichen sollten, zumal wir das beste Torverhältnis der Aufstiegsaspiranten aufweisen. Andererseits gingen wir in der Winterpause davon aus, dass 72 Zähler zum Aufstieg reichen würden. Diese Marke haben wir derzeit erreicht und sind trotzdem noch nicht durch. Insofern wäre das Optimum von neun Punkten aus den verbleibenden drei Partien erstrebenswert und sind unser Ziel.
Das würde bedeuten, dass Sie am Sonntag Ihren Ex-Club Darmstadt schlagen müssten und diesen in noch größere Abstiegsnöte schießenâ…
Leider ja. Da ich trotz aller Sympathien für die Lilien allerdings mit Leib und Seele mit dem Karlsruher SC fühle, drücke ich uns logischerweise die Daumen. Um den SV 98 mache ich mir trotz aller Brisanz "weniger" Sorgen, denn durch die unangenehme Spielweise und der stabilisierten Abwehr, werdet ihr in den letzten beiden Partien die fehlenden Punkte zum Klassenerhalt noch einfahren. Da bin ich mir sicher!
Vielen herzlichen Dank, Manuel Bölstler, für das ausführliche Interview. [PRG]

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