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20.11.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SC Preußen Münster

Heute: Amaury Bischoff Amaury Bischoff (25) ist einer der Sommer-Zugänge bei Preußen Münster, der mit seinen hervorragenden Leistungen in der Vorrunde der 3. Liga für Furore gesorgt hat. Mit sieben Treffern und ebenfalls sieben Torvorlagen bildet der offensive Mittelfeldspieler gemeinsam mit Matthew Taylor (11/5) und Dimitri Nazarov (4/5) eines der torgefährlichsten Angriffs-Trios der Liga. Seinen ersten Saisontreffer erzielte er dabei im Hinspiel am Böllenfalltor mit einem direkt verwandelten Freistoß kurz vor Schluss.

Der gebürtige Colmarer (Elsass) hat sowohl portugiesische als auch französische Wurzeln und erhielt seine fußballerische Ausbildung bei mehreren renommierten Vereinen: Nach seiner Jugendzeit bei Racing Straßburg holte ihn Klaus Allofs zum SV Werder Bremen. Dort spielte er von 2005-08 in der 2. Mannschaft, anschließend wechselte er zu seinem elsässer "Landsmann" Arsène Wenger zu Arsenal London. Nach Stationen in Portugal bei Academica Coimbra und CD Aves kam er nun zu Saisonbeginn nach Münster.
Im Duell am kommenden Samstag fehlt er allerdings wegen einer Gelbsperre.
www.sv98.de Hallo Amaury Bischoff, mit 25 Jahren sind Sie bereits ein weit gereister Profi und waren schon in vier Ländern aktiv. Wie kam der Wechsel nach Münster zustande und wie fühlen Sie sich wieder zurück im Norden Deutschlands -vor allem als Halb-Portugiese bei diesen Temperaturen?
Amaury Bischoff: Die drei Jahre, die ich in Portugal gespielt habe, waren toll, das Wetter traumhaft. Aber ich wollte unbedingt zurück nach Deutschland, weil der Fußball, der hier gespielt wird, mir sehr gefällt. Meinen Trainer Pavel Dotchev kenne ich schon sehr lange. Wir haben zu meiner Zeit bei Werder Bremen häufig gegen Teams gespielt, die er trainierte. Er kannte meine damalige Situation und holte mich nach Münster. Jetzt freue ich mich riesig, unter ihm in Münster zu spielen. Der Winter ist im Gegensatz zu Portugal natürlich hart für mich – unglaublich, wenn man an die Verhältnisse beim Spiel am letzten Wochenende in Chemnitz denkt. Aber ich kämpfe mich durch und bin einfach froh, wieder in Deutschland Fußball zu spielen.  


Mit einer kicker-Durchschnittsnote von 2,79 sind Sie zusammen mit Sven Sökler (Saarbrücken) und Marc Schnatterer (Heidenheim) der beste Mittelfeldspieler der 3. Liga. Ist das Ihre sportlich bisher beste Saison?
Das mit der Statistik wusste ich gar nicht! Es ehrt mich natürlich und ich freue mich darüber. Rein von den Daten her ist es sicherlich meine beste Saison, aber ich bin lediglich ein Spieler dieser großartigen Mannschaft und mache nur meinen Job. Ohne meine Mitspieler könnte ich nicht so spielen, wie die Daten es aussagen.


Gemeinsam mit Matthew Taylor und Dimitri Nazarov haben Sie 22 von 33 Preußen-Toren erzielt. Verstehen sie sich besonders gut oder was macht Sie so stark? In Stuttgart sprach man mal von einem "magischen Dreieck"…
Das Zusammenspiel zwischen uns passt wahrscheinlich so gut, weil wir Freunde sind. Zu Saisonbeginn sind wir alle neu nach Münster gewechselt und wohnten gemeinsam im Hotel. Demnach haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Matthew und Dimitri sind zudem natürlich beide großartige Fußballer. Dimitri begeistert mich mit seiner Technik und den Torinstinkt von Matthew hätte ich auch gerne.

Als offensiver Mittelfeldspieler braucht man herausragende Fähigkeiten, um ein Spiel zu lenken. Medien bezeichneten Sie sogar als den "Herrscher des Preußen-Spiels". Worin liegt Ihrer eigenen Meinung nach Ihre größte Stärke?
Ich rede nur ungern über meine eigene Person. Meine fußballerischen Stärken würde ich in den  technischen Fähigkeiten sowie meiner Spielintelligenz sehen. Zudem kann ich ganz gute Pässe spielen und gebe keinen Ball verloren.
Preußen Münster hat elf seiner Tore in der Schlussviertelstunde erzielt, gerade haben Sie in der Nachspielzeit zum Ausgleich in Chemnitz getroffen. Wir Darmstädter haben in den letzten Wochen die umgekehrte Erfahrung gemacht und kurz vor dem Abpfiff Punkte verloren. Woher kommt diese Qualität? Ist das ein Zeichen von guter Kondition oder auch zum Teil einfach das "Glück des Tüchtigen"?
Ich glaube nicht, dass es nur Glück ist. Unsere Kondition ist super, da arbeiten wir sehr hart. Außerdem machen die Trainer einen spitzen Job und impfen uns ständig ein, dass ein Spiel so lange dauert, bis der Schiedsrichter abgepfiffen hat. Die Vielzahl der Spiele, in denen wir zum Schluss noch getroffen haben, zeigt das.
Sollte das Spiel am Samstag stattfinden, werden Sie und auch Matthew Taylor gesperrt fehlen. Wie hart treffen die Mannschaft diese Ausfälle? Andererseits könnten Sie schon früher in den Weihnachtsurlaub gehen, verdient hätten Sie es ja sicherlich…
Wir haben in unserem Kader viele gute Spieler, die uns ersetzen und ihre Chance nutzen werden. Ich hätte sehr gerne gespielt, habe aber auch vollstes Vertrauen in den Kader dieser Mannschaft und hoffe auf ein gutes und erfolgreiches Spiel von uns.
Wie ordnen Sie die Stärke der 3. Liga in Deutschland im Vergleich zu erster und zweiter Liga in Portugal ein?
Im Vergleich der beiden Länder wird ein ganz anderer Fußball gespielt. In Deutschland ist viel mehr Härte im Zweikampf als in Portugal, da hat auch die dritte Liga denen in Portugal einiges voraus. Unsere Liga ist sehr stark, ich glaube, dass bis zu zehn Mannschaften noch die Möglichkeit haben, aufzusteigen. Zudem bin ich mir sicher, dass es zwischen zweiter und dritter Liga in Deutschland keine gravierenden Unterschiede gibt. Dennoch ist die erste Liga in Portugal mit ihren Spitzenteams wie Benfica Lissabon und dem FC Porto natürlich stärker anzusehen, als die dritte Liga in Deutschland.
Viele Spieler schwärmen von Ihrem Landsmann Arsène Wenger als einem außergewöhnlichen Trainer. Sie haben 2008/2009 in London unter ihm gearbeitet. Wie war Ihr Eindruck?
Ich kenne ihn schon sehr lange, denn wir sind beide im Elsass geboren. Er ist für mich weltweit der beste Coach für Spieler im Alter zwischen 14 und 22 Jahren. Er hat eine immense Erfahrung, ist ein fantastischer Typ und geht stets das Risiko ein, jungen Spielern eine Chance zu geben.

Gegen Darmstadt gab es seit dem gemeinsamen Aufstieg in den drei Aufeinandertreffen jeweils eine 1:2-Niederlage. Gibt es das Phänomen des "Angstgegners" im Fußball wirklich oder sind das nur statistische Spielereien der Medien?
Diese Statistiken interessieren mich ehrlich gesagt nicht. Wir wollen am Wochenende unbedingt gewinnen, egal wie. Mit unseren Fans im Rücken zu Hause kennen wir keine Angstgegner.

Mit hervorragenden Verpflichtungen in der Sommerpause und durch das Halten vieler Leistungsträger sind Sie und Ihr Klub ganz vorne in der Tabelle dabei, was sicherlich nicht jeder so erwartet hätte. Jetzt, da die Chance relativ groß ist, kann das Saisonziel doch nur "Aufstieg" heißen…
Wir haben uns bisher eine sehr gute Position erarbeitet und wollen unbedingt um den Aufstieg mitspielen. Es gibt aber viele Teams, die ebenfalls oben angreifen wollen. Demnach ist es noch zu früh für Spekulationen.

Darmstadt hat in der Vorrunde zum Teil recht unglücklich gespielt, aber dennoch gegen Münster einen der bislang drei Siege einfahren können. Wie schätzen Sie unsere Lilienelf ein und wie haben Sie die Atmosphäre am Böllenfalltor im Hinspiel -und auch Ihr erstes Tor -erlebt?
Beim Hinspiel kam ich nach einer Verletzung erst von der Bank in die Partie. Im Stadion herrschte eine gute Atmosphäre mit anfeuernden Fans. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen direkten Freistoß, den ich im Training immer wieder übe. Ich habe mich über das Tor sehr gefreut, gerade weil es das erste von mir für Preußen Münster war.

Sie spielten bisher sowohl für Frankreich (U18) als auch für Portugal (U20/U21) in Jugend-Nationalmannschaften. Ihr Vater ist Elsässer ihre Mutter Portugiesin. Es scheint, Sie haben sich für Portugal entschieden. Welche Gründe führten zu dem Wechsel?
Für die Jugendnationalmannschaft von Frankreich spielte ich zu der Zeit, als ich dort für Racing Straßburg tätig war. Der damalige Trainer sagte zu mir, dass ich nur weiter für die Nationalmannschaft spielen könnte, wenn ich in Frankreich bliebe, doch ich wollte unbedingt nach Deutschland zu Werder Bremen wechseln und wurde daraufhin nicht mehr für Frankreich berufen. In Bremen spielte ich dann mit Hugo Almeida zusammen, der für Portugal spielte. Er setzte sich sehr für mich ein und vermittelte mich an den damaligen Nationaltrainer Portugals. Somit spielte ich fortan aufgrund meiner Wurzeln für die portugiesische Elf. 
Sie sind mit 25 Jahren im besten Fußballer-Alter. Was ist Ihr größtes sportliches Ziel?
Mein sportliches Ziel ist es, dieses Jahr mit Preußen Münster in die zweite Liga aufzusteigen.
Als Fußballspieler steht man enorm unter Druck. Was tun Sie um abzuschalten? Welche Hobbies haben Sie?
Ich verbringe meine freie Zeit am liebsten mit der Familie. Zudem gehe ich gerne ins Kino, spiele an der Playstation oder Billard und gehe gerne in Münsters Innenstadt spazieren.
Vielen herzlichen Dank, Amaury Bischoff, für das ausführliche Interview. [HK/MS]

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