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25.10.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SC Preußen Münster

Heute: Matthew Taylor Matthew Taylor (32) ist Preußen Münsters Topstürmer. Der erfahrene US-Amerikaner kam mit 26 Jahren nach Deutschland und ging seitdem für die TuS Koblenz, den FSV Frankfurt, Rot-Weiß Ahlen und den SC Paderborn 07 auf Torejagd. Zu Beginn seiner Karriere war er bei den Orange County Blue Stars für einige Spiele Sturmpartner eines gewissen "Jay Goppingen", der Pseudonym-Name von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Im Interview spricht er über die Situation bei den Preußen, erlebte Highlights und künftige Ziele.

www.sv98.de: Hallo Matthew Taylor. Sie sind in Columbus, Ohio geboren und spielen nun seit 2008 in Deutschland Fußball. Ihre erste Station in Deutschland war die TuS Koblenz, die damals noch in der zweiten Liga spielte. Wie lange hat es damals gedauert bis Sie sich in Deutschland eingelebt haben und was sind aus Ihrer Sicht die elementaren Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Fußball?
Matthew Taylor: Das ist schwer zu sagen. Die Eingewöhnung beim Fußball ging relativ schnell. Für die Sprache brauchte ich circa zwei Jahre. Zu Beginn meiner Zeit in Koblenz spielte ich oft in der ersten Elf und machte auch ein paar Tore, deshalb gelang mir die Integration recht schnell.
Die Unterschiede? Die Athletik ist in Amerika viel wichtiger. Die Robustheit und Schnelligkeit hat dort einen anderen Wert. Hier in Deutschland bestimmen die Taktik und die Technik das Fußballspiel.  Aber Allgemein ist der Fußball in den USA noch nicht so weit. In Sachen Fußball ist Deutschland viel weiter.
Wie kam Ihr Wechsel nach Europa zustande?           
Ich wollte eine neue Herausforderung. Ich habe zu Hause studiert und in der College League gespielt. Dann bin ich drei Jahre lang für Chivas in der MLS aufgelaufen und wollte etwas Neues kennen lernen. Durch Kontakte kam ich dann nach Australien und habe dort Paul Agostino kennen gelernt. Durch seine Kontakte kam ich dann nach Deutschland.
Im Laufe Ihrer Karriere durften Sie sich auch bereits drei Mal das Trikot der amerikanischen U-20-Nationalmannschaft überstreifen. Wie sehr sind Sie noch mit Ihrem Heimatland verbunden und was für ein Gefühl war es, für die Vereinigten Staaten auflaufen zu können?
Einsätze in der U 20 sind immer noch etwas anderes. Ich habe noch nie für die A-Nationalmannschaft gespielt. Dennoch bin ich stolz auf mein Land und spiele gerne als Amerikaner in Europa.
Sie konnten sich in Ihrer Laufbahn als Fußballprofi bereits auch in höheren Klassen beweisen und haben lange in der 2. Bundesliga gespielt. Wo sehen Sie persönlich Ihre Zukunft und was sind Ihre näheren sportlichen Ziele?
Ich spiele jetzt beim SC Preußen Münster und möchte alles geben, um dem Verein zu helfen. Über die Zukunft kann man spekulieren. Ich konzentriere mich auf die Gegenwart und nicht auf die Zukunft. Und meine Vergangenheit hat mir bewiesen, dass ich immer wieder neue Wege gefunden habe. Ich fühle mich wohl in Münster und weiß nicht was in zwei oder drei Jahren ist.
Seit 2012 spielen Sie nun für den SCP. Nach einem etwas holprigen Start in die Saison zeigt die Formkurve Ihrer Mannschaft nun wieder nach oben. Letzte Woche gab es im Heimspiel gegen die Amateure der Dortmunder Borussia sogar ein glorreiches 4:0 zu bestaunen und auch Sie konnten zum zwischenzeitlichen 2:0 einnetzen. Auch das Spiel zuvor in Chemnitz gewannen die Preußen mit 4:0. Was sind in dieser Saison die Ziele der Preußen und wo sehen sie die Mannschaft am Ende der Runde?
Die Ziele für uns haben sich definitiv durch unseren Saisonstart geändert. Wir sind mit einem hohen Anspruch in die Saison gegangen. Jetzt wollen wir unsere Leistung stabilisieren. In den letzten drei Spielen haben wir eine gute Leistung gezeigt. Deshalb sind wir auf einem guten Weg. Ich schaue von Spiel zu Spiel und das Nächste wollen wir gewinnen.
Letzte Saison hat Preußen Münster den Aufstieg nur knapp verpasst. Es fehlte nur ein einziger Punkt, dann hätte man auf dem Relegationsplatz gestanden. Ihr Team war dennoch die Überraschungsmannschaft der Vorsaison. Vor der aktuellen Saison wurde Preußen Münster dann zum Aufstiegsfavoriten erklärt und die Ambitionen innerhalb des Vereins sind mit dem Erfolg natürlich auch gestiegen. Was hat sich durch diese Favoritenrolle im Verein geändert und inwiefern spielt dieser vermeintliche "Druck" vielleicht auch eine Rolle für den schwierigen Saisonstart?
Wir haben neue Spieler bekommen und jetzt auch einen neuen Trainer. Außerdem hatten wir zu Beginn der Saison höhere Ziele als in dem Jahr zuvor. Jeder wollte einen besseren Start und jeder wollte aufsteigen. Wir hatten uns das Ziel gesetzt attraktiven und schönen Fußball zu spielen, das ist uns aber leider nicht gelungen. Ich weiß nicht, ob es an dem Druck lag oder es ein schlechter Lauf war. Das ist einfach schwer zu erklären.
Im Laufe der Saison hat die Vereinsführung auf die sportliche Talfahrt reagiert und Pavel Dotchev, durch Ralf Loose ersetzt. Was macht der neue Trainer anders als sein Vorgänger und wie profitieren Sie persönlich von Ralf Loose?
Die Gegner bekommen weniger Chancen und wir bekommen weniger Gegentore. Wir versuchen von hinten nach vorne kompakter zu stehen. Dadurch bekommen wir unsere eigenen Chancen. Die taktischen Veränderungen waren wichtig für uns. Meiner Meinung nach läuft es jetzt besser. Für mich hat es der neue Trainer bisher sehr gut gemacht.
Schauen wir auf das Spiel am kommenden Samstag. Die beiden letzten Aufeinandertreffen am Böllenfalltor-Stadion waren sehr umkämpft und endeten jeweils mit 2:1 für die Lilien. Was für ein Spiel erwarten Sie nun in dieser Saison und wie schätzen Sie die aktuelle Truppe der Darmstädter ein?
Darmstadt ist gut gestartet. Ich kann aber nicht viel sagen, weil ich sie -bis auf das Spiel gegen Schalke -nicht oft gesehen habe, dort standen sie aber sehr kompakt. Auf den Außen haben sie mit Heller und Ivana sehr schnelle und wendige Spieler. Mit Stroh-Engel vorne haben sie einen Stürmer, der zurzeit oft getroffen hat. Ich erwarte einen harten Kampf und hoffe auf ein gutes Fußballspiel mit drei Punkten für uns.
Der Kicker nannte Sie kürzlich in einem Artikel "Matthew Taylor -Der Fußballgott" und spielte damit auf Ihre hervorragenden Leistungen im DFB-Pokal an. Was waren die bisherigen Highlights in Ihrer Profikarriere?
Mein Hattrick für Koblenz im Derby gegen Kaiserslautern war etwas Besonderes für mich. Natürlich waren auch die beiden DFB-Pokalspiele gegen Werder Bremen und St. Pauli etwas Einmaliges. Aber auch meine College-Meisterschaft war ein besonderes Highlight für mich.
Sprechen wir nochmals über Ihre Zeit in Amerika. Mit Ihrem Klub CD Chivas USA haben Sie am 6. August 2006 im Stab Hub Center vor der rekordverdächtigen Kulisse von 92.650 Zuschauern gegen New England gespielt. Wie groß ist mittlerweile die Fußballbegeisterung in den Staaten und welche Erinnerungen haben Sie persönlich an das Spiel gegen New England?
Das war ein Vorspiel für das große Spiel der Chivas gegen den FC Barcelona. Die Zuschauer waren nicht wegen uns da, sondern um Messi und Ronaldinho zu sehen. Aber trotzdem war es ein schönes Erlebnis. Es war riesiges Stadion mit so vielen Zuschauern -ein wahres Fußballfest.
Für kurze Zeit stürmten Sie gemeinsam mit Jürgen Klinsmann, der nun amerikanischer A-Nationaltrainer ist. Wie haben Sie ihn damals erlebt und haben Sie noch Kontakt?
Er war ein guter Mitspieler, war immer positiv drauf und hat immer Gas gegeben. Ein sehr netter Mensch. Der Kontakt ist in den letzten Jahren ein bisschen verloren gegangen, aber wenn ich in Kalifornien bin, dann sehe ich ihn mal am Strand oder so.
Zum Abschluss des Interviews noch eine persönliche Frage: Wie stellen Sie sich Ihr Leben nach der Karriere als Profifußballer vor und ziehen Sie es auch in Erwägung wieder in die USA zurückzukehren?
Ich werde definitiv in meine Heimat, die USA, zurückkehren. Ich möchte in die Nähe meiner Eltern ziehen, wo der Strand und das schöne Wetter sind. Natürlich will ich immer weiter was mit dem Fußball zu tun haben, aber ich möchte vor allem viel Freizeit mit meiner Familie verbringen.
Vielen herzlichen Dank, Matthew Taylor, für das ausführliche Interview!
Die Fragen stellte Chris Schneider.

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