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20.11.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SV Babelsberg 03

Heute: Oliver Heil Für Oliver Heil (24) und den SV Babelsberg 03 läuft es in den letzten Wochen ziemlich gut. Die Filmstädter haben sich mit nur einer Niederlage aus den letzten sieben Spielen etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. Die Ex-Lilie brachte es dabei bislang auf zwölf Einsätze und ein Tor. Wir haben per Facebook-Chat nachgefragt, wie sein Fazit nach einem halben Jahr vor den Toren Berlins ausfällt.

www.sv98.de: Hallo Oli, wie hast Du Dich nach nun einem halben Jahr eingelebt? Wohnst Du noch im Hotel?
Oliver Heil: Ich wohne immer noch im Hotel und werde da auch während der Saison weiter wohnen bleiben. Aufgrund der Entfernung wäre es ziemlich stressig, jetzt noch einen Umzug durchzuführen. Ich habe im Hotel aber auch alles, was ich brauche -inklusive Sporthalle, Fitnessraum und Sauna. Die meiste Zeit verbringe ich tagsüber sowieso mit meinen Mannschaftskollegen. Berlin ist schon eine Nummer größer als zu Hause, langweilig wird es einem hier nie. Trotzdem vermisse ich die Heimat ein wenig.
Nutzt Du den Fitnessraum im Hotel auch regelmäßig? Schiebst Du Zusatzeinheiten zum Training?
Den Fitnessraum lasse ich meistens geschickt links liegen und laufe direkt durch in die Sporthalle um ein paar Körbe zu werfen. Das liegt aber auch daran, dass wir in Sachen Kraft sehr viel im Training arbeiten, weshalb es kaum möglich ist, zu Hause nochmal zusätzlich zu trainieren. Basketball und Sauna haben deshalb hier im Hotel Priorität.
Du hast beim Interview zum Hinspiel gesagt, dass Du überlegst ein Studium aufzunehmen. Du bist 24, planst Du jetzt schon die Zukunft für die Zeit nach dem Profifußball?
Natürlich denkt man an die Zeit nach dem Profifußball und macht sich Gedanken, wie es danach weiter geht. Studieren ist immer noch eine Option, jedoch mache ich mir da keinen Stress. Im Fußball geht es sehr schnell nach oben und nach unten, deswegen versuche ich, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren und noch möglichst viel zu erreichen. Denn ein Leben ohne Fußball kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.
Du meinst also im Sinne von Loriot: ein Leben ohne Fußball ist denkbar, aber nicht sinnvoll?
Mit Loriot habe ich zwar wenig am Hut, aber mit dem Zitat kann ich mich anfreunden. Auch nach meiner Karriere werde ich mit Sicherheit dem Fußball erhalten bleiben -und wenn es als meckernder Fan am Böllenfaltor ist (lacht). Als "Knodderer" bist Du am "Bölle" ja immer richtig -egal wo im Stadion…
Kommst Du dazu Deinem Hobby Basketball nachzugehen? Wie verfolgst Du die NBA, schreibst Du noch Deinen Blog? Schaffst Du es, ab und zu Spiele live zu sehen, gerade in Berlin?

Ich versuche schon, so oft es geht selbst Basketball zu spielen. Das mit der eigenen Sporthalle ist schon recht praktisch, ich vermisse aber schon extrem mal ein paar Runden Basketball im Bürgerpark mit meinen Kumpels zu spielen. Die werden sich aber im Sommer wundern, wie ausgefeilt meine Wurftechnik geworden ist. Die NBA verfolge ich täglich, leider ist es aber nicht möglich viele Spiele live zu sehen, da meistens um 9 Uhr das Training angesetzt ist. Zu einem Spiel von Alba Berlin habe ich es leider noch nicht geschafft -dafür schaue ich mir aber viele Spiele eines guten Kumpels an, der in Heidelberg in der 2.Bundesliga spielt.
Babelsberg und Darmstadt sind beide überschaubare, traditionsreiche Vereine. Was haben für Dich in Deinem persönlichen Umgang und Befinden Darmstadt und Babelsberg gemeinsam?
Also bei "überschaubar" fällt mir direkt eine Gemeinsamkeit ein: Die Trainingsbedingungen -die sind hier wie da äußerst überschaubar was die Qualität des Trainingsplatzes betrifft. Ansonsten ist sicherlich einiges eine Nummer kleiner wie vielleicht bei anderen Vereinen -ich denke an Aachen oder andere Großclubs. Trotzdem wird sowohl in Babelsberg als auch in Darmstadt für die vorhandenen Verhältnisse sehr professionell gearbeitet. Und auch die beiden Fanlager sind schon irgendwie vergleichbar. Beiden liegt der Verein sehr am Herzen, was man nicht so sehr in Zeiten des Erfolgs sieht, sondern eher dann, wenn es mal nicht so läuft. In unserer schwierigen Phase zu Saisonbeginn waren die Fans auch hier äußerst kritisch, haben uns aber trotzdem immer unterstützt. Ich denke, das ist am Böllenfalltor ja ähnlich -vielleicht noch einen Tick kritischer als hier, doch der harte Kern steht immer bedingungslos hinter dem Verein und der Mannschaft. Ich denke, das ist etwas, dass nicht alle Teams in der 3. Liga vorweisen können.
Du lebst sehr von den Emotionen beim Spiel. Es gibt Spieler, die behaupten, dass sie Stimmungen im Stadion nicht wahrnehmen oder ausblenden. Andere sagen, dass ein lauter, kräftiger Support sie pusht. Oder, je nach Spielstand, sie auch mal belastet. Welcher Typ bist Du? Hilft Dir der Support auch mal im Spiel aus einem Loch rauszukommen?
Ich denke, wer keine Emotionen hat, der ist im Fußball fehl am Platz. Für mich ist es jedoch wichtig konzentriert zu bleiben, und sich so wenig wie möglich vom Geschehen außerhalb des Platzes ablenken zu lassen. Daher versuche ich die Emotionen weitestgehend auszublenden. Außerdem wurde ich als C-Jugendlicher in Darmstadt mal für über 20 Wochen gesperrt. Seitdem halte ich mich generell aus allen Diskussionen mit dem Schiedsrichter und Gegenspielern raus. Das Gegenteil dazu wäre etwa mein Freund Sascha Amstätter, der seine Emotionen mit auf den Platz nimmt und diese dann mit seinen teils heftigen Tacklings auch auf die Ränge überträgt. Solche Spieler tun einer Mannschaft auch gut, doch braucht man eben auch ruhige Typen als Gegenpart -die richtige Mischung macht es aus. Besonders war dann aber doch die Stimmung der letzten Spiele in der Aufstiegssaison. Etwa gegen Worms, Kassel oder Memmingen -da haben die Fans dermaßen Stimmung gemacht, dass man sie überhaupt nicht ausblenden konnte. Das fühlte sich dann doch irgendwie besonders an und hat mich persönlich auch extrem beflügelt.
Du hast in Darmstadt immer den direkten Kontakt zu Fans gesucht. Das wird in Babelsberg gewiss auch so sein. Kann man sich als öffentliche Person dort unbeschwert und offen verhalten, oder muss man zu sehr auf Fettnäpfchen achten? Kann man vertrauensvolle Freundschaften mit Fans knüpfen während der laufenden Karriere? In Zeiten von Facebook und Handy kann man doch schnell mal ins falsche Licht gerückt werden… Helfen jungen Spieler ihre Berater oder der Verein in Fragen der Außendarstellung?
Mein Verhältnis zu den Fans ist definitiv ein ganz anderes als in Darmstadt. Ich denke, ich könnte mich hier ganz unbeschwert verhalten, da mich kaum jemand erkennen würde. Das ist übrigens auch der Hauptgrund, weshalb ich alle zwei Wochen meine Frisur verändere – so kann mich hier niemand zuordnen… Aber Spaß beiseite, ich bin vom Charakter auch nicht der Typ Rampensau, der sich irgendwo in den Mittelpunkt bei den Fans stellen will. In erster Linie geht es darum, seinen Job zu machen, und das erkennen die Fans dann auch an. Persönliche Freundschaften zwischen Spielern und Fans sind natürlich eine grenzwertige Angelegenheit, vor allem, wenn man mal den Ball frei vor der Hütte daneben haut -da musste ich mir immer viel anhören von meinen Kumpels im Fanblock. Ich schreibe dennoch mit recht vielen Fans öfter per Facebook oder Whatsapp und habe auch so sehr viele Freunde, die regelmäßig im Stadion sind. Nach einem Sieg wurde dann auch schon einmal im A5 zusammen gefeiert. Auch die Playstation-Turniere in der Lilienschänke habe ich immer sehr genossen -und auch dominiert… Dennoch muss man mit so etwas natürlich vorsichtig sein, denn wenn die Leistung irgendwann einmal nicht stimmt, kann das schon zu Problemen führen. Hilfe vom Berater oder Verein in Sachen Außendarstellung gibt es eigentlich so gut wie keine. Das ist aber auch nicht nötig, denn jeder sollte selber wissen, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht total daneben benehmen sollte. Dennoch sind auch Profisportler nur Menschen, deswegen sollte man auch mal ein Fehlverhalten nicht so sehr auf die Goldwaage legen.
Spieler zelebrieren und inszenieren den Torjubel. Über einiges kann man schmunzeln, über manches kann man den Kopf schütteln. Aber eine Geste, die sich ewig lange hält, ist das Küssen des Vereinswappens auf dem Trikot. Oli, ist das im Zeichen des Profitums nicht daneben, wenn Spieler berufsbedingt gerade in den Verein gewechselt sind und bis dahin auch keinen regionalen Bezug zum aktuellen Arbeitgeber haben?
Spätestens wenn ein Spieler irgendwann das zweite oder gar dritte Vereinslogo küsst, wird es doch lächerlich. Aber gut, Show gehört heutzutage eben im Fußball dazu und wenn jemand mal aus der Emotion heraus das Wappen küsst, sollte man ihm da nicht gleich böse sein. Ich denke, die Fans haben da meist ein ganz gutes Gespür, welchem Spieler sie so etwas abnehmen und welchem nicht.
Zur Zeit wird viel über das DFL-Sicherheitspapier gesprochen. Es gibt bundesweite und ligaübergreifende Aktionen der Fans. Wird das auch unter euch Spielern diskutiert?
Unter den Spielern ist dies eigentlich kein Thema. Natürlich hat jeder Spieler seine Meinung dazu, doch wir können das ganze Thema sowieso nicht beeinflussen. Solche Aktionen wie an den vergangenen Wochenenden zeigen, welchen Teil die Fans zum Fußball beitragen, denn ohne Fangesänge ist es schon sehr merkwürdig. Am Ende sitzen jedoch DFB und DFL am längeren Hebel und ich gehe mal davon aus, dass sie ihre Forderungen auch durchsetzen werden -egal welche Aktionen sich die Fans noch einfallen lassen. Ich selbst kann beide Seiten ein Stück weit verstehen. Natürlich sorgt z.B. Pyrotechnik für eine bessere Stimmung, ich selbst bin immer wieder beeindruckt, wie es zum Beispiel im griechischen Basketball bei Panathinaikos zugeht. Doch die Sicherheit der Fans soll eben trotzdem immer im Vordergrund stehen.
Welches sportliche Ziel hast Du persönlich für die Rückrunde? Gibt es schon Pläne über Vertragsverlängerung in Babelsberg?
Da sich das doch sehr intensive Training hier nun langsam bezahlt macht und mein Fitness-Level deutlich gestiegen ist, setze ich mir auch hohe Ziele für die Rückrunde. Vorausgesetzt ich bleibe verletzungsfrei, möchte ich zumindest meine Tor-Quote aus dem Vorjahr verdoppeln. Dazu fehlen mir noch sieben Treffer, soviel sollten es schon werden. Über eine Vertragsverlängerung wurde noch nicht geredet, dazu ist es auch noch zu früh. Erstmal gilt es, weiter hart zu arbeiten und Leistung zu bringen, danach kann man sich darüber Gedanken machen, wie es ab Sommer weiter geht.
Du wirst doch aber Deine Torquote erst nach dem Spiel gegen uns ausbauen?
(Da schickt Oli nur einen Grins-Smiley zurück…)
Der SV Babelsberg 03 hat sich durch viele knappe, aber positive Ergebnisse ein kleines bisschen von der Abstiegszone entfernt. Beim SV Darmstadt 98 fehlen diese Ergebnisse und man hat Schwierigkeiten den Anschluss zu halten. Was macht Babelsberg anders oder besser? Was kannst Du Deinem alten Verein oder den Fans für Tipps geben?
Zu Beginn der Saison hatten wir uns sicher noch nicht so als Team gefunden, aber auch teilweise ein wenig Pech gehabt. Das hat sich nun etwas gedreht, wir erzielen öfter das Führungstor und danach ist es unheimlich schwer, gegen uns das Spiel nochmal zu drehen. Wir verteidigen als Team sehr kompakt und unsere Defensivspieler machen dahinten einen super Job. Was wir anders oder besser als die Lilien machen, kann ich schwer sagen. Ich bekomme ja auch nur mit, dass Ihr Euch regelmäßig in der Nachspielzeit einen fangt. Vielleicht sollte der Trainer diese Woche vor jeder Trainingseinheit erst mal eine Stunde in den Wald gehen?
Zum Schluss die unausweichliche Frage: Was ist Dein Tipp für das Spiel?
Da bin ich mir ziemlich sicher: Frühes 1:0 durch Tatara… Und der Babelsberger Ausgleich in der Nachspielzeit.
Vielen herzlichen Dank, Oli, für das offene und ausführliche Interview! [JK]

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