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22.07.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SV Babelsberg 03

Heute: Oliver Heil Oliver Heil ist ein echtes Darmstädter "Eigengewächs" und spielte bereits in der Jugend für den SV 98. Sechs Jahre lang schnürte er dann die Fußballschuhe für den FSV Mainz 05 und durchlief dort mehrere Jugend-Teams und die 2. Mannschaft. Nach einem halben Jahr bei Waldhof Mannheim wechselte er im Winter 2010 zurück ans Böllenfalltor. Seine 12 Tore in der vorletzten Saison trugen maßgeblich zum umjubelten Aufstieg in die 3. Liga bei. Insgesamt hat Oli 66 Ligaspiele für die Lilien bestritten und dabei 20 Tore erzielt. Zur neuen Saison sucht er beim SV Babelsberg 03 eine neue Herausforderung.

www.sv98.de: Hallo Oli, ist es Ironie des Schicksals, dass Dein erstes Heimspiel für Deinen neuen Club aus Babelsberg gleich gegen Deinen Ex-Verein geht?
Oliver Heil: Naja, da macht man sich schon Gedanken, sowas gibt’s nur im Fußball. Das Spiel gegen die Lilien kommt wirklich ziemlich früh, ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es später gewesen wäre. Die Ironie ist sogar zweifach: Mein letzter Einsatz für die Lilien war am 36. Spieltag -gegen Babelsberg!
Im letzten Testspiel gegen St. Pauli konntest Du nicht mitmachen, weil Du angeschlagen warst, bist Du wieder fit?
Ich war erkältet und hatte leichte Grippe-Symptome. Deshalb habe ich in den letzten Tagen nur leicht trainiert und ein Einsatz gegen Chemnitz wäre zu früh gekommen. Ich hoffe aber, dass es dann gegen Darmstadt klappt.
Wie ist der Umzug gelaufen und hast Du Dich schon in Potsdam etwas einleben können?
Zurzeit wohne ich in Potsdam in einem Hotel, ob ich mir eine Wohnung suchen werde, weiß ich noch nicht, hatte dafür auch noch keine Zeit -wir waren ja gleich unterwegs im Trainingslager. Ich kann mir aber auch vorstellen, eine Zeit im Hotel zu wohnen, das ist ganz angenehm.
Wie hat Dich die Mannschaft aufgenommen und mit wem unternimmst Du etwas, wenn Ihr Freizeit habt?
Im Fußball geht das mit dem Kennenlernen ja immer recht schnell, die Jungs hier sind insgesamt etwas jünger -also in meinem Alter -und wir verstehen uns alle gut. Mit Niko Opper spielt ein Seeheimer bei uns, mit ihm bilde ich die Darmstädter Fraktion und nutze gern mal die Mittagspause für eine Runde FIFA.
Mit Dir ist ein Gesicht der Aufstiegself von 2011 gegangen. Die Kommentare zu Deinem Wechsel in den diversen Fanforen der Darmstädter zeigen, dass auf Seiten der Fans viel Wehmut herrscht. Wie geht es Dir damit und mit welcher Motivation gehst Du in das Spiel am Samstag? Ehemalige Lilien-Spieler treffen ja ganz besonders gerne gegen uns…
Bei den Lilien hatte ich bis jetzt definitiv die schönste Zeit in meiner Karriere -der SV 98 ist mein Heimatverein und ich habe auch noch viel Kontakt mit Fans. Es gibt keinen Gedanken, jemandem etwas beweisen zu müssen, ich bin aber auch nicht unglücklich, dass es nun so gekommen ist. Ich will einfach meine Leistung bringen, auch wenn ich jetzt einen Teil der Vorbereitung gefehlt habe.
Mit dem Aufstieg verbinden sich viele große Momente. Was war für Dich rückblickend das größte Highlight?
Eigentlich waren das die kompletten letzten vier bis fünf Wochen der Aufstiegssaison, diesen Zusammenhalt in der Mannschaft habe ich selten erlebt, die Atmosphäre war absolut einmalig. Als Highlights würde ich sagen, das Spiel gegen Kassel, als wir da noch zurück gekommen sind, und das Spiel in Worms. Damit war klar, dass wir es packen würden. Für mich persönlich war dann das Spiel gegen Memmingen, mit drei Toren vor 17000 Zuschauern, die Krönung.
Du bist ja schon im Winter 2010 zu den Lilien gewechselt und hast auch die Tiefpunkte mit dem Abstiegskampf in der Regionalliga miterlebt. Wenn Du die letzten zweieinhalb Jahre überblickst, wie findest Du die Entwicklung der Lilien?
Rasend schnell -wobei man sagen muss, dass es "zu schnell" im Fußball nicht gibt. Es wird immer schwerer, nach oben zu kommen, auch durch die Reform der Regionalliga, da muss man die Gunst der Stunde nutzen. Wie schwer das ist, sieht man zum Beispiel an Waldhof Mannheim. Deshalb bin ich heilfroh, dass es für uns so gut gelaufen ist, was aber auch das Resultat von harter Arbeit aller Beteiligten war -Mannschaft, Trainerteam und Umfeld.
Du hast bei uns die 43 gehabt, jetzt in Babelsberg die 16, gibt es eine besondere Beziehung zu diesen Zahlen, etwa, weil beide einzeln zusammengezählt 7 ergeben?
Das ist mir noch gar nicht aufgefallen… Nein, die 43 hatte ich, weil im Winter 2010, als ich zu den Lilien kam, alle niedrigeren Nummern schon vergeben waren und die 20er- und 30er-Zahlen für die zweite Mannschaft reserviert waren. Da hab ich halt die 43 genommen. Die hätte ich jetzt in Babelsberg auch gerne behalten, aber da gibt es Regularien, die das nicht erlauben.
Bisher hast Du bei Vereinen gespielt, die höchstens 60 km von Darmstadt entfernt sind. Wie ist es, so weit weg von "daheim" zu sein?
Ich hatte ja schon in Mainz und Mannheim meine eigenen Wohnungen, aber der Weg nach Hause ist jetzt natürlich weiter…
Wie kam der Wechsel nach Babelsberg zustande und warum hast Du Dich für die Filmstädter entschieden?
Es stand schon länger fest, dass ich nicht in Darmstadt bleiben werde und ich habe zuerst mit einem Angebot aus Zypern geliebäugelt. Einen Wechsel ins Ausland kann ich mir irgendwann in meiner Karriere schon vorstellen. Mit Babelsberg bestand schon loser Kontakt, da ich aber nicht mehr unter die U23-Regelung falle, war es zunächst wenig konkret. Doch als die Babelsberger sich nochmals intensiver um mich bemüht haben, ging es dann ganz schnell. Die Aussicht, weiter in der 3. Liga zu spielen, ist da natürlich verlockend und Babelsberg -vor den Toren Berlins -eine gute Adresse.
Die letzte Saison in Darmstadt ist insgesamt nicht mehr so optimal für Dich persönlich gelaufen wie die Aufstiegssaison. Welche Gründe siehst Du dafür?
In der Vorbereitung zur Drittliga-Saison hab ich mich so fit gefühlt wie noch nie. Umso bitterer war dann, dass ich kurz vor dem ersten Spiel -aus dem Nichts -Probleme mit meiner Achillessehne bekommen habe und dann zunächst einmal draußen war. Gleich in meinem ersten Spiel von Beginn an habe ich mich dann am Ellbogen verletzt. Und wie das dann so ist: Man will so schnell wie möglich in die Mannschaft zurück, aber auf diesem Niveau merkt man es sofort, wenn die Probleme mit dem Arm nicht hundertprozentig weg sind. Das war eigentlich die ganze Rückrunde noch der Fall.
Ist Babelsberg mit dem Darmstädter Umfeld vergleichbar?
Was ich bis jetzt mitbekommen habe, finde ich das Umfeld ziemlich ähnlich. Vor allem den Fans sagt man hier nach, "besonders" zu sein und ich freue mich extrem darauf, das zu erleben.
Was macht Christian Benbennek anders als Kosta Runjaic?
So komisch es klingt, ich finde die Trainingsintensität ein bisschen höher als in Darmstadt, das kann aber auch an der Vorbereitung liegen. Wir trainieren viel mit Ball, wie auch in Darmstadt -Christian Benbennek und Kosta Runjaic sind beide gute Trainer, die mich voran gebracht haben bzw. mich voran bringen werden. Große Unterschiede sehe ich da nicht.
Was sind Deine Eindrücke von der Leistungsfähigkeit Deiner Mannschaft und was ist in dieser Saison möglich?
Was man in den Medien so mitbekommt, gelten wir ja als Abstiegskandidat Nummer eins. Ich habe aber überhaupt nicht das Gefühl, dass wir etwas mit dem Abstieg zu tun haben werden. Wir haben eine gute Qualität in der Mannschaft, unsere junge Truppe will Fußball spielen und hat auch das Potenzial dazu. Alle Mannschaften in der Liga müssen sich erst beweisen, auch die vermeintlichen Favoriten. Die Liga ist so ausgeglichen, da ist alles möglich.
Mit wem aus dem Team der Lilien hast Du noch Kontakt?
Mit Uwe Hesse habe ich ja lange zusammen gespielt, wir schreiben uns immer mal wieder. Aber die Jungs wie Benjamin Baier dürften sich ruhig auch mal wieder melden…
Was machst Du in Deiner freien Zeit, hast Du Hobbies oder machst noch etwas anderes neben dem Sport?
Vor allem spiele ich sehr gerne Basketball und interessiere mich für die NBA. Als "zweites Standbein" habe ich überlegt, ein Studium anzufangen, warte jetzt aber erst einmal die mittelfristige Entwicklung ab, weil das schwierig zu planen ist.
Wenn man verschiedene Berichte über Dich liest, wirst Du mal als Mittelstürmer, hängende Spitze oder offensiver Mittelfeldspieler bezeichnet. Wo siehst Du Dich denn selbst am stärksten?
Ich spiele nun schon seit etwa zehn Jahren auf recht hohem Niveau, aber welche Bezeichnung am besten zu mir passt, das weiß ich selbst nicht so genau. Jede Position zwischen Mittelfeld und Sturm kann ich spielen und fühle mich in dieser Schnittstelle am wohlsten. Ich spiele einfach dort, wo mich der Trainer hinstellt und versuche, diese Flexibilität zu meinem Vorteil zu nutzen.
Zum Schluss noch die gewohnten Fragen: Wer steigt auf und wo landen die Lilien?
Ich denke, die größten Chancen hat Heidenheim. Dort gibt es eine eingespielte Mannschaft und große Qualität, auch wenn sie als Verein nicht so ganz den großen Namen haben, wie zum Beispiel Karlsruhe, Rostock oder Aachen. In Darmstadt wartet das Umfeld ja immer sehnsüchtig auf den "Kracher", der bis jetzt ja noch nicht da ist. Aber ich denke, wir haben in der letzten Saison gezeigt, dass es auch ohne geht. So wie ich das jetzt aus der Ferne sehe, haben die neuen Jungs Qualität und mit Danny Latza und den anderen sind viele von der alten Stammelf noch da. Die Fans sollten sich also keine Gedanken machen, dass es mit dem Klassenerhalt nicht klappen könnte.
Was ist Dein Tipp für den Samstag?
Da tippe ich mal auf ein taktisch geprägtes 0:0.

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