FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Frank Pfauth Frank Pfauth (44) ist der Pressesprecher der Stuttgarter Kickers. Durch die Ablösung von Trainer Dirk Schuster durch Guido Buchwald herrschte in den letzten Tagen einiges an Unruhe beim Traditionsverein im Stuttgarter Stadtteil Degerloch, was besonders für Pfauth ein Vielfaches an Öffentlichkeitsarbeit bedeutet. Seit 2002 ist der Sportredakteur als Stadionsprecher die Stimme im GAZi-Stadion auf der Waldau, seit 2008 betreut er bei den Kickers die Medien. Vor dem brisanten Kellerduell stand er uns dennoch für unsere Freitagsrubrik zur Verfügung.
www.sv98.de: Hallo Herr Pfauth, ein Trainerwechsel bringt immer viel Wirbel mit sich. Wie haben Sie die vergangene Woche erlebt und wie wirkt sich das aus, wenn ein Weltmeister von 1990 den Trainerjob übernimmt?
Frank Pfauth: Die zurückliegende Woche bei den Stuttgarter Kickers war natürlich geprägt vom Trainerwechsel und damit verbunden mit sehr viel Arbeit für alle Beteiligten. Vor allem, weil das Medieninteresse sehr hoch ist, wenn ein ehemaliger deutscher Fußball-Weltmeister ein Traineramt in Deutschland übernimmt.
Wird Guido Buchwald möglicherweise eine langfristige Lösung auf der Trainerbank sein oder ist dies als Interims-Engagement gedacht?
Das Engagement von Guido Buchwald als Kickers-Trainer ist definitiv zeitlich angedacht, wie er selbst betont. Im Hintergrund läuft bei den Kickers die Suche nach einem Nachfolger für Dirk Schuster, diese hat allerdings erst nach der vollzogenen Trennung am Montag begonnen.
Die Stuttgarter Kickers waren seit über drei Jahren nicht mehr in der Situation, eine Entlassung vornehmen zu müssen. Mit Dirk Schuster schafften Sie letzte Saison den Aufstieg aus der Regionalliga. War die Trennung nach nur einem Punkt aus den letzten sechs Spielen unausweichlich?
Die Verantwortlichen unseres Vereins sahen nach den negativen Ergebnissen in den vergangenen Wochen und dem Abrutschen auf den 18. Tabellenplatz Handlungsbedarf und haben entsprechend agiert. Das formulierte Ziel der Stuttgarter Kickers ist in dieser Saison der Klassenverbleib, dem alles untergeordnet wird. Ein Trainerwechsel ist für alle Beteiligten nie eine leichte Situation, dementsprechend war die vorgenommene Entscheidung gewiss keine einfache. Vor allem, weil Dirk Schuster und sein Co-Trainer Alexander Malchow hier in den vergangenen dreieinhalb Jahren den sportlichen Weg sehr geprägt hatten und über weite Strecken ihrer Tätigkeit sehr erfolgreich waren.
Die Stuttgarter Kickers sind als Meister der Regionalliga Süd ein Jahr nach dem Aufstieg der Lilien in die 3. Liga gefolgt. Bereits in der Saison 2010/11 lieferten sich Darmstadt, Kassel und die "Blauen" ein heißes Rennen um den Aufstieg. Wie haben Sie die letzten Wochen jener Saison in Erinnerung?
Als ein spannendes Fernduell zwischen den beiden Teams bis zum letzten Spieltag, dass auch die Fans beider Clubs in Atem hielt. Schlussendlich hatten die Lilien trotz einer tollen Aufholjagd unserer Mannschaft das bessere Ende für sich gehabt und waren deshalb verdient aufgestiegen.
Der Aufstieg glückte nun mit neun Punkten Vorsprung und nur zwei Niederlagen letztlich sehr souverän. Wie bewerten Sie das Niveau der 3. Liga im Vergleich zur Regionalliga? Alle Aufsteiger tun sich derzeit schwerâ…
Der Unterschied zwischen 3. Liga und Regionalliga ist ein relativ großer. Als gravierendsten Unterschied zur vierten Liga sehe ich neben den finanziellen Möglichkeiten der Clubs das sportliche Niveau in der 3. Liga -alle 20 Mannschaften begegnen sich dort auf Augenhöhe, sodass eigentlich jeder jeden schlagen kann.
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich in der RL Süd durchgesetzt haben?
Der Teamgeist und damit verbunden der unbedingte Wille der gesamten Mannschaft, den Weg nach oben zu schaffen.
Am kommenden Wochenende geht es leider nicht mehr um ein Aufstiegsduell. Beide Teams haben derzeit große Probleme. Letztes Wochenende unterlag Darmstadt als Heimelf dem damaligen Tabellenletzten Erfurt. Wie schätzen Sie in dieser leistungsmäßig sehr engen Liga die Rolle der mentalen Einstellung ein?
Es ist wichtig für alle Beteiligten, gerade in sportlich eher schwierigen Zeiten den Kopf oben zu behalten und sich so auf die nächsten Aufgaben konzentrieren zu können.
Gerade, wenn es sportlich bei einem Team nicht rund läuft, wird schnell der Ruf nach "Typen mit Ecken und Kanten" laut, die es "früher" immer gegeben habe. Sie sind als Pressesprecher zuständig für die Außendarstellung des Vereins. Gibt es diese "Typen" immer seltener oder muss man in der Öffentlichkeit seine Worte heutzutage tatsächlich mit mehr Bedacht wählen?
Natürlich gibt es auch heute noch im Fußball die sogenannten Typen. Allerdings fährt eine Mannschaft meines Erachtens deutlich besser und am Ende auch erfolgreicher, wenn diese Typen, die im Sport den Unterschied machen können, den Teamgeist leben und sich so für den gemeinsamen Erfolg einbringen.
Das Amt des Pressesprechers ist sicherlich ein Fulltime-Job. Wie schaffen Sie es, vom Fußball und der Medienwelt abzuschalten?
Auf Knopfdruck abzuschalten ist nicht einfach, da gebe ich Ihnen recht. Doch neben dem Fußball und den Medien gibt es ja zum Glück noch viele andere schöne Dinge, auf die man sich in seiner Freizeit konzentrieren kann.
Wenn am Samstag zwei Kellerkinder aufeinander prallen, werden beide nicht verlieren wollen. Müssen wir uns auf eines dieser berühmten „taktisch geprägten 0:0“-Spiele einstellen?
Das glaube ich nicht. Für beide Mannschaften steht am Samstag in den 90 Spielminuten im GAZi-Stadion angesichts der aktuellen Tabellensituation natürlich viel auf dem Spiel. Es ist aber auch gleichzeitig eine gute Chance, sich mit einem Erfolg neues Selbstvertrauen zu erarbeiten und dementsprechend erwarte ich eine Partie, in der von Beginn an mit offenem Visier gekämpft werden wird.
Vielen herzlichen Dank, Herr Pfauth, für das ausführliche Interview. [MS]