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08.08.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SV Wacker Burghausen

Heute: Youssef Mokhtari Youssef Mokhtari (33) wurde im marokkanischen Beni Sidel geboren, schnürte aber bereits als Jugendlicher die Fußballschuhe in Südhessen: Zunächst für den SV Raunheim aktiv, wechselte er im Alter von 17 Jahren zum FSV Frankfurt. Weitere Stationen in seiner Karriere waren Jahn Regensburg, Energie Cottbus, 1. FC Köln, MSV Duisburg und die SpVgg Greuther Fürth. Für Köln und Duisburg bestritt er 20 Bundesligaspiele. Zwei weitere Engagements führten ihn ins Ausland: 2008 zum Al-Rayyan Sport-Club nach Katar und 2010 zum FC Metz (Frankreich). Als Nationalspieler für Marokko absolvierte er 23 Partien, unter anderem das Finale des Afrika-Cups 2004. Seit letzter Saison spielt er erneut für Wacker Burghausen, wo er bereits von 2002-04 unter Vertrag stand. Der offensive Mittelfeldspieler erzielte in der vergangenen Spielzeit 8 Tore und traf letzten Samstag gegen Chemnitz zum ersten Mal in der noch jungen Saison.

www.sv98.de: Hallo Herr Mokhtari, Wacker Burghausen ist wie der SV Darmstadt 98 nicht optimal in die Saison gestartet. Woran hakt es derzeit noch im Spiel von Wacker?
Youssef Mokhtari: Wir haben eine neue Mannschaft und mussten die Abgänge einiger wichtiger Spieler verkraften. Das größte Manko ist aber, dass wir für unseren ersten Fehler immer sofort bestraft werden und einem Rückstand hinterherrennen müssen.
Mit Sebastian Glasner, der früher u.a. auch für Darmstadt gespielt hat, ist ein Abnehmer für Ihre Pässe aus dem Mittelfeld nach Cottbus gewechselt. Wie sehr schmerzt sein Abgang?
Er hat einige wichtige Tore in Burghausen gemacht, das ist unbestritten. Aber grundsätzlich halte ich nichts davon jemanden nachzutrauern. Wir haben in unserer jetzigen Mannschaft auch viele Spieler, die Tore machen können. Nur der Knoten muss halt platzen.
Die vergangene Saison beendete Wacker Burghausen auf dem 6. Platz und spielte dank einer starken Rückrunde bis zum Ende um den Aufstieg mit. Ist dieser Erfolg in dieser Saison wiederholbar?
In der letzten Saison sind wir über unser gestecktes Ziel hinausgeschossen. In dieser Saison wird es mit Sicherheit schwerer. In dieser Spielzeit zählt nur der Klassenerhalt. Alles andere ist schon Geschichte.
Sie selbst kennen den SV 98 aus vielen Duellen, für den FSV Frankfurt (99/00), Jahn Regensburg (2001) und Wacker Burghausen letzte Saison. In den letzten vier Begegnungen gegen die Lilien haben Sie immer getroffen. Liegen Ihnen die Darmstädter besonders?
Eigentlich bin ich mir dessen nicht bewusst, aber die Statistik sagt ja scheinbar etwas anderes aus. Vielleicht liegt es daran, dass ich auch Hesse bin.
Wie beurteilen Sie von außen die Entwicklung der Lilien in den letzten Jahren?
Der Verein hat eine sehr positive Entwicklung genommen. Darmstadt hat ein sehr großes Potenzial. Ein Blick auf die Tradition des Vereins und die Fans verrät, dass sich hier etwas Großes entwickeln kann.
Damals, bei den Spielen mit dem FSV Frankfurt (Trainer war Michael Blättel) standen Sie mit einigen ehemaligen, späteren und sogar einem aktuellen Lilienspieler gemeinsam auf dem Platz. Haben Sie noch Kontakt zu Andreas Rüppel, Steffen Bury, Michael Klein, Yilmaz Örtülü -oder Elton da Costa und wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?
An die Jungs habe ich nur positive Erinnerungen. Das waren allesamt sehr nette Kollegen, mit denen ich mich immer noch gerne über Facebook austausche.
Sie sind zwar in Marokko geboren, haben aber in der Jugend für Raunheim gespielt. War statt dem FSV Frankfurt auch der SV 98 eine Option für einen Wechsel?
Der FSV war bei uns in der Region der erste Verein, der im Jugendbereich in der höchsten Klasse vertreten war. Daher habe ich damals ihr Angebot dankend angenommen. Für meine Entwicklung war dies der richtige Schritt.
In ihrer Karriere haben Sie für viele Vereine in Deutschland gespielt, für den FSV Frankfurt (1996-2000 und 2008/09) und Wacker Burghausen (2002-04 und seit 2011) sogar zweimal. Welche Station behalten Sie besonders gerne in Erinnerung und welche Trainer haben Sie am meisten geprägt?
Ich habe von jedem Trainer etwas mitgenommen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich überall herzlich aufgenommen wurde und ich mich wohlfühlte. Das war mir auch immer besonders wichtig.
Wie kam der neuerliche Transfer zu Wacker Burghausen zustande?
Rudi Bommer hatte damals den Kontakt hergestellt. Mir gefiel der Gedanke hier in Burghausen etwas aufzubauen. Die erste Mission war der Klassenerhalt, diesen Schritt haben wir erfolgreich gemeistert. Es bewegt sich etwas in Burghausen. Nur müssen wir alle weiter hart an uns arbeiten.
Sie haben für Köln und Duisburg insgesamt 20 Spiele in der Bundesliga bestritten. Anfang 2008 wechselten Sie als Stammspieler beim MSV überraschend zum Al-Rayyan Sport-Club nach Katar. Was waren die Gründe die gegen eine Fortsetzung der Karriere in der Bundesliga sprachen?
Der einzige Grund war eigentlich damals, dass mein Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre und die Verhandlungen über eine Verlängerung ins Stocken geraten waren. Dann kam das Angebot aus Katar und der Verein wurde mehr als großzügig entschädigt. Deshalb hat man mich vorzeitig gehen lassen.
Wie müssen wir Europäer uns die Unterschiede zum Fußball am Persischen Golf vorstellen?
Zunächst ist es dort wahnsinnig heiß und es fällt einem schwer bei den Temperaturen die volle Leistung abzurufen. Zudem ist der Fußball nicht so von Disziplin geprägt. Das kann man mit Europa nicht vergleichen. Von der Qualität her würde ich die dortige 1. Liga mit unserer Dritten Liga vergleichen. Allerdings gibt es aus ein bis zwei Vereine, die sicherlich in der 2. Bundesliga mitspielen könnten.
In Marokko sind Sie eine sehr bekannte Persönlichkeit -und wären mit Ihrem Treffer zum 1:1 im Finale des Afrika-Cups 2004 fast zum Volkshelden geworden. Leider ging das Spiel gegen Tunesien mit 1:2 verloren. Wie haben Sie das Turnier damals erlebt?
Selbstredend war die Erfahrung eine der schönsten in meinen Leben. Ich bin froh, dass ich dies miterleben durfte. Für das eigene Land zu spielen ist immer etwas Besonderes. Mir wurde viel Respekt und Liebe von meinen Landsleuten entgegengebracht. Dafür bin ich auch heute noch dankbar.
Was machen Sie als offensiver Mittelfeldspieler lieber? Tore vorbereiten oder selbst erzielen?
Als offensiver Spieler macht man gerne beides.
Wird Burghausen Ihre letzte Station als Profi sein und was planen Sie für die Zeit nach Ihrer Karriere? Könnten Sie sich eine Rückkehr ins Rhein-Main-Gebiet vorstellen?
Grundsätzlich kann ich mir alles vorstellen. Aber das Fußballgeschäft ist sehr schnelllebig. Ich fühle mich in Burghausen gut aufgehoben und habe einen langen Vertrag unterschrieben, den ich sehr gerne erfüllen werde. Danach sehen wir weiter.
Wie lautet Ihr Tipp für das Duell am kommenden Samstag?
Ich wünsche Darmstadt nur das Beste und hoffe, dass sie eine ähnlich gute Rolle in der Liga spielen wie vergangene Saison. Doch die Punkte bleiben in Burghausen!

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