FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Michael Feichtenbeiner Michael Feichtenbeiner (*09.07.1960) fand seine Berufung schon früh im Trainer- und später auch im Sportdirektorenwesen. Bereits im Alter von 23 Jahren schlug der gebürtige Stuttgarter den Weg auf die Trainerbank ein und betreute eine Jugendmannschaft des VfB Stuttgart. Im Laufe der Jahre wuchs die Reihe namhafter Vereine, die Michael Feichtenbeiner engagierten. So finden sich in seiner Vita u.a. die Stuttgarter Kickers, mit denen er als Zweitligist im Jahr 2000 immerhin das DFB-Pokalhalbfinale erreichte. Auch beim SV Darmstadt 98 nahm Michael Feichtenbeiner als sportlicher Übungsleiter die Geschicke zwischen 2000 und 2002 erfolgreich in die Hand. Mit den Lilien gewann der seit 1989 diplomierte Fußballlehrer den Hessenpokal 2001 und qualifizierte sich somit für den DFB-Pokal. Mit Siegen über die Bundesligisten des FC St. Pauli und den Freiburger SC erreichten die 98er das Achtelfinale und scheiterten nur unglücklich am späteren Pokalsieger Schalke 04 mit 0:1 in der Verlängerung.
Auffallend bei der Durchsicht von Feichtenbeiners Vereinen sind die Engagements in Malaysia und Indonesien. Seit dem 01.01.2013 bekleidet der 52-Jährige nunmehr das Amt des Sportdirektors beim SV Wehen Wiesbaden.
www.sv98.de: Hallo Herr Feichtenbeiner! Kürzlich wurde das Unwort des Jahres gewählt. Die Wahl fiel auf "Opfer-Abo". Beim SV Wehen Wiesbaden heißt das Unwort sicherlich "Unentschieden"â…
Michael Feichtenbeiner: Ja, damit liegen Sie leider nicht ganz daneben. Mit 15 Punkteteilungen in 25 Partien kann man das Glas als halbvoll oder eben halbleer ansehen. Einerseits beweisen nur fünf Niederlagen, dass wir extrem schwer zu schlagen sind, andererseits kann man mit so einer stattlichen Anzahl von Unentschieden auch keine großen Sprünge in der Tabelle machen. Generell sehe ich Punkteteilungen in Auswärtsspielen durchaus als Erfolg an. Spielt man in der Fremde Remis und gewinnt seine Heimspiele steht man am Saisonende ganz vorne. Insofern ist lediglich die Heimbilanz mit 4-5-3 verbesserungswürdig.
Das heißt also, dass Sie nicht besonders erpicht darauf sind, Burghausen als bisherigen Remiskönig mit 18 Unentschieden aus der vergangenen Saison abzulösen?
Wenn man zehnmal auf gegnerischem Platz unentschieden gespielt hat, ist das bei noch verbleibenden sechs Gastspielen durchaus möglich. Glauben Sie mir aber, dass wir es nicht darauf absehen werden den Rekordhalter aus Burghausen ablösen zu wollen. Wir wollen möglichst alle Spiele gewinnen!
Für viele kam es überraschend, als Sie beim SV Wehen Wiesbaden den Posten als Sportdirektor angetreten haben. Wie kam der Kontakt zustande?
Der Kontakt kam über Wolfgang Gräf zustande, dem heutigen Geschäftsführer des SVWW. Ich kenne ihn bereits seit mehr als 15 Jahren, als er damals noch bei der SpVgg Greuther Fürth in der Funktion des Vizepräsidenten fungierte.
Als die Anfrage von Wolfgang Gräf kam, hatte ich diverse Angebote vorliegen. Da waren einerseits verschiedene Anfragen von Vereinen aus der Regionalliga oder aus dem Ausland, ob ich sie als Trainer betreuen würden wolle. Ich hätte auch meine Funktion als Scout von Celtic Glasgow weiterhin ausüben können. In meiner derzeitigen Entwicklung sehe ich mich aber am ehesten auf dem Posten eines Sportmanagers. Das Amt des sportlichen Leiters bekleidete ich ja bereits 2010 bei Energie Cottbus und habe an der Lausitz Erfahrungen sammeln können. Die Anfrage aus Wiesbaden war daher genau das richtige Angebot.
Durch die Medien geistert seit fast zwei Wochen die Horrormeldung für jeden Fußballfan, dass eine Vielzahl von Spielen durch die Wettmafia manipuliert worden ist. Sie hatten u.a. auch Engagements in Malaysia und Indonesien. Asien gilt gemeinhin als besonders anfällig wenn es um Wettmanipulationen geht. Welchen Standpunkt vertreten Sie zu diesem Thema?
Generell muss man tatsächlich eingestehen, dass die asiatischen Ligen angreifbar und empfänglich für Schiebung sind. Ich möchte aber gleich sagen, dass ich nicht persönlich in Kontakt mit dieser Thematik gekommen bin.
Ich denke, dass es in Asien eher zum "guten Ton" gehört gewissen Leuten Gefallen zu tun, das liegt einfach in der Mentalität. In diesen Breitengraden werden die Korruption und das Schmieren oftmals als Kavaliersdelikt wahrgenommen und ist somit leichter umzusetzen. Das gilt nicht nur in Bereichen des Sports sondern auch im gesellschaftlichen und im beruflichen Leben.
Die Spieler meiner Teams von PMMJ Selangor und Bintang Medan kamen oft auf mich zu und bedankten sich bei mir in tiefer Demut, dass ich nach dem Leistungsprinzip aufstellen würde. Mir wurden Geschichten zugetragen, dass einige Spieler einen gewissen Prozentsatzes ihres Gehaltes an den Trainer abtreten, nur um im Kader zu stehen oder eine Vertragsverlängerung zu erhaltenâ…
Dennoch haben Sie auch positive Eindrücke aus Fernost mit nach Deutschland gebracht. Welche Eigenschaften schätzten Sie an den malaysischen und indonesischen Kickern?
Insbesondere den Respekt im Umgang mit Personen in einer Funktion. Selten habe ich als Trainer einen solch respektvollen Umgang und wertgeschätzten Stellenwert meiner Spieler mir gegenüber empfunden. Zudem sind sie willig, lernfähig und wissbegierig, sowie äußerst motiviert. Sie saugen förmlich alles fußballerische auf, was ihnen in den Trainingseinheiten beigebracht bekommen, sind mit Begeisterung bei der Sache.
Dennoch glaube ich nicht, dass ein Malaie oder Indonesier in absehbarer Zukunft den Sprung in eine deutsche Profiliga schaffen wird. Dafür sind die klimatischen Bedingungen und die Kulturen als Grundvoraussetzung dann doch zu verschieden.
Zum Schluss unseres Gespräches möchte ich Sie noch bitten, einige Worte über den SV Darmstadt 98 zu verlieren.
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass meine Zeit am Böllenfalltor zu den schönsten meiner sportlichen Karriere gehörte. Folgerichtig hege ich Sympathien für die Lilien. Daher gönne ich den 98ern auf alle Fälle den Klassenerhalt und hoffe, dass sie am Saisonende über dem Strich stehen werden. Andererseits sollte jedem klar sein, dass ich derzeit mit dem SV Wehen Wiesbaden fühle und natürlich darauf hoffe, dass wir am Sonntag die drei Punkte aus Darmstadt mitnehmen. Wenn am Saisonende sowohl der SV Wehen Wiesbaden, Darmstadt 98 und die Offenbacher Kickers die Drittligazugehörigkeit sichern, bin ich zufrieden. Dadurch wäre gewährleistet, dass wir in der Saison 2013/14 sechs weitere tolle Derbys in der Region hätten -und das wollen schließlich alle Fußballfans!
Vielen herzlichen Dank, Michael Feichtenbeiner, für das ausführliche Interview. [RP]