Widget
09.02.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden

Heute: Michael Feichtenbeiner Michael Feichtenbeiner (*09.07.1960) fand seine Berufung schon früh im Trainer- und später auch im Sportdirektorenwesen. Bereits im Alter von 23 Jahren schlug der gebürtige Stuttgarter den Weg auf die Trainerbank ein und betreute eine Jugendmannschaft des VfB Stuttgart. Im Laufe der Jahre wuchs die Reihe namhafter Vereine, die Michael Feichtenbeiner engagierten. So finden sich in seiner Vita u.a. die Stuttgarter Kickers, mit denen er als Zweitligist im Jahr 2000 immerhin das DFB-Pokalhalbfinale erreichte. Auch beim SV Darmstadt 98 nahm Michael Feichtenbeiner als sportlicher Übungsleiter die Geschicke zwischen 2000 und 2002 erfolgreich in die Hand. Mit den Lilien gewann der seit 1989 diplomierte Fußballlehrer den Hessenpokal 2001 und qualifizierte sich somit für den DFB-Pokal. Mit Siegen über die Bundesligisten des FC St. Pauli und den Freiburger SC erreichten die 98er das Achtelfinale und scheiterten nur unglücklich am späteren Pokalsieger Schalke 04 mit 0:1 in der Verlängerung.

Auffallend bei der Durchsicht von Feichtenbeiners Vereinen sind die Engagements in Malaysia und Indonesien. Seit dem 01.01.2013 bekleidet der 52-Jährige nunmehr das Amt des Sportdirektors beim SV Wehen Wiesbaden.
www.sv98.deHallo Herr Feichtenbeiner! Kürzlich wurde das Unwort des Jahres gewählt. Die Wahl fiel auf "Opfer-Abo". Beim SV Wehen Wiesbaden heißt das Unwort sicherlich "Unentschieden"â…
Michael Feichtenbeiner: Ja, damit liegen Sie leider nicht ganz daneben. Mit 15 Punkteteilungen in 25 Partien kann man das Glas als halbvoll oder eben halbleer ansehen. Einerseits beweisen nur fünf Niederlagen, dass wir extrem schwer zu schlagen sind, andererseits kann man mit so einer stattlichen Anzahl von Unentschieden auch keine großen Sprünge in der Tabelle machen. Generell sehe ich Punkteteilungen in Auswärtsspielen durchaus als Erfolg an. Spielt man in der Fremde Remis und gewinnt seine Heimspiele steht man am Saisonende ganz vorne. Insofern ist lediglich die Heimbilanz mit 4-5-3 verbesserungswürdig.
Das heißt also, dass Sie nicht besonders erpicht darauf sind, Burghausen als bisherigen Remiskönig mit 18 Unentschieden aus der vergangenen Saison abzulösen?
Wenn man zehnmal auf gegnerischem Platz unentschieden gespielt hat, ist das bei noch verbleibenden sechs Gastspielen durchaus möglich. Glauben Sie mir aber, dass wir es nicht darauf absehen werden den Rekordhalter aus Burghausen ablösen zu wollen. Wir wollen möglichst alle Spiele gewinnen!
Für viele kam es überraschend, als Sie beim SV Wehen Wiesbaden den Posten als Sportdirektor angetreten haben. Wie kam der Kontakt zustande?
Der Kontakt kam über Wolfgang Gräf zustande, dem heutigen Geschäftsführer des SVWW. Ich kenne ihn bereits seit mehr als 15 Jahren, als er damals noch bei der SpVgg Greuther Fürth in der Funktion des Vizepräsidenten fungierte.
Als die Anfrage von Wolfgang Gräf kam, hatte ich diverse Angebote vorliegen. Da waren einerseits verschiedene Anfragen von Vereinen aus der Regionalliga oder aus dem Ausland, ob ich sie als Trainer betreuen würden wolle. Ich hätte auch meine Funktion als Scout von Celtic Glasgow weiterhin ausüben können. In meiner derzeitigen Entwicklung sehe ich mich aber am ehesten auf dem Posten eines Sportmanagers. Das Amt des sportlichen Leiters bekleidete ich ja bereits 2010 bei Energie Cottbus und habe an der Lausitz Erfahrungen sammeln können. Die Anfrage aus Wiesbaden war daher genau das richtige Angebot.
Durch die Medien geistert seit fast zwei Wochen die Horrormeldung für jeden Fußballfan, dass eine Vielzahl von Spielen durch die Wettmafia manipuliert worden ist. Sie hatten u.a. auch Engagements in Malaysia und Indonesien. Asien gilt gemeinhin als besonders anfällig wenn es um Wettmanipulationen geht. Welchen Standpunkt vertreten Sie zu diesem Thema?
Generell muss man tatsächlich eingestehen, dass die asiatischen Ligen angreifbar und empfänglich für Schiebung sind. Ich möchte aber gleich sagen, dass ich nicht persönlich in Kontakt mit dieser Thematik gekommen bin.
Ich denke, dass es in Asien eher zum "guten Ton" gehört gewissen Leuten Gefallen zu tun, das liegt einfach in der Mentalität. In diesen Breitengraden werden die Korruption und das Schmieren oftmals als Kavaliersdelikt wahrgenommen und ist somit leichter umzusetzen. Das gilt nicht nur in Bereichen des Sports sondern auch im gesellschaftlichen und im beruflichen Leben.
Die Spieler meiner Teams von PMMJ Selangor und Bintang Medan kamen oft auf mich zu und bedankten sich bei mir in tiefer Demut, dass ich nach dem Leistungsprinzip aufstellen würde. Mir wurden Geschichten zugetragen, dass einige Spieler einen gewissen Prozentsatzes ihres Gehaltes an den Trainer abtreten, nur um im Kader zu stehen oder eine Vertragsverlängerung zu erhaltenâ…
Dennoch haben Sie auch positive Eindrücke aus Fernost mit nach Deutschland gebracht. Welche Eigenschaften schätzten Sie an den malaysischen und indonesischen Kickern?
Insbesondere den Respekt im Umgang mit Personen in einer Funktion. Selten habe ich als Trainer einen solch respektvollen Umgang und wertgeschätzten Stellenwert meiner Spieler mir gegenüber empfunden. Zudem sind sie willig, lernfähig und wissbegierig, sowie äußerst motiviert. Sie saugen förmlich alles fußballerische auf, was ihnen in den Trainingseinheiten beigebracht bekommen, sind mit Begeisterung bei der Sache.
Dennoch glaube ich nicht, dass ein Malaie oder Indonesier in absehbarer Zukunft den Sprung in eine deutsche Profiliga schaffen wird. Dafür sind die klimatischen Bedingungen und die Kulturen als Grundvoraussetzung dann doch zu verschieden.
Zum Schluss unseres Gespräches möchte ich Sie noch bitten, einige Worte über den SV Darmstadt 98 zu verlieren.
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass meine Zeit am Böllenfalltor zu den schönsten meiner sportlichen Karriere gehörte. Folgerichtig hege ich Sympathien für die Lilien. Daher gönne ich den 98ern auf alle Fälle den Klassenerhalt und hoffe, dass sie am Saisonende über dem Strich stehen werden. Andererseits sollte jedem klar sein, dass ich derzeit mit dem SV Wehen Wiesbaden fühle und natürlich darauf hoffe, dass wir am Sonntag die drei Punkte aus Darmstadt mitnehmen. Wenn am Saisonende sowohl der SV Wehen Wiesbaden, Darmstadt 98 und die Offenbacher Kickers die Drittligazugehörigkeit sichern, bin ich zufrieden. Dadurch wäre gewährleistet, dass wir in der Saison 2013/14 sechs weitere tolle Derbys in der Region hätten -und das wollen schließlich alle Fußballfans!
Vielen herzlichen Dank, Michael Feichtenbeiner, für das ausführliche Interview. [RP]

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Lilien Team-Marathon geht in die nächste Runde
17.04.2026

Lilien Team-Marathon geht in die nächste Runde

Am 27. September 2026 geht der Lilien Team-Marathon nach seiner erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr in die zweite Runde am Bölle. Laufbegeisterte können sich erneut in Teams von fünf bis zehn Läufer*innen zusammenschließen und gemeinsam eine Marathon- oder Halbmarathon-Distanz absolvieren.

Texanische Lilien
29.03.2026

Texanische Lilien

Nach den ereignisreichen Tagen in San Antonio beendet die Lilien-Delegation ihren Trip nach Texas in Beaumont. Und das Bild, das sich den Südhessen dort bietet, wirkt zunächst wie ein verrückter Traum. Fernab der Heimat und unter der texanischen Sonne trägt ein Verein die Lilie auf der Brust und den Darmstadt-Schriftzug auf dem Rücken.

Marseiler erleidet Kreuzbandriss
23.03.2026

Marseiler erleidet Kreuzbandriss

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Luca Marseiler hat im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 einen Kreuzbandriss erlitten. Der 29-Jährige hatte sich die Verletzung ohne Einwirkung eines Gegenspielers in der 23. Minute zugezogen. Marseiler wird den Lilien damit monatelang fehlen. Über das weitere Vorgehen und den Zeitpunkt der Operation wird in den kommenden Tagen entschieden.

Lilien testen gegen Saarbrücken
23.03.2026

Lilien testen gegen Saarbrücken

Am kommenden Donnerstag (26.3.) um 13 Uhr steht für den SV Darmstadt 98 ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken auf dem Programm.

Patric Pfeiffer auf internationaler Reise
23.03.2026

Patric Pfeiffer auf internationaler Reise

Patric Pfeiffer ist erstmals für die ghanaische Nationalmannschaft nominiert worden. Der 26-jährige Innenverteidiger steht im Aufgebot für die anstehenden Testspiele, in denen Ghana am Freitag zunächst auf Österreich (27.3./18 Uhr) und am Montag auf Deutschland (30.3./20.45 Uhr) trifft.

FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
20.02.2026

FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio

Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.

USA-Reise: Lilien verschieben Testspiel auf den 29. September
20.02.2026

USA-Reise: Lilien verschieben Testspiel auf den 29. September

Der SV 98 hat sich mit Blick auf die anstehende März-Reise nach San Antonio (Texas) dazu entschieden, das geplante Testspiel gegen Kooperationspartner San Antonio FC auf den 29. September 2026 zu verschieben. Die Delegationsreise mit Vertretern aus Präsidium und Geschäftsführung findet weiterhin statt.

Fruchtbare Stimmungsdiskussion mit 200 Lilienfans und Marcel Schuhen
20.01.2026

Fruchtbare Stimmungsdiskussion mit 200 Lilienfans und Marcel Schuhen

Am gestrigen Montagabend kamen in der ENTEGA VIP-Lounge im Merck-Stadion am Böllenfalltor etwa 200 Lilienfans zusammen, um über die Stimmung am Böllenfalltor zu diskutieren. Der SV 98 bot in erster Linie die Plattform zur Diskussion der Fans untereinander.

Orga-Hinweise zum Weihnachtssingen
20.12.2025

Orga-Hinweise zum Weihnachtssingen

Am Montagabend (22.12.) findet im Merck-Stadion am Böllenfalltor das große Darmstädter Weihnachtssingen statt. Veranstalter ist die SV Darmstadt 98 Stadion GmbH. In dieser Meldung bekommt Ihr alle wichtigen Orga-Hinweise für die von Merck präsentierte Veranstaltung.

„Müssen jedes Jahr versuchen, an unsere Grenzen zu kommen“
28.11.2025

„Müssen jedes Jahr versuchen, an unsere Grenzen zu kommen“

Markus Pfitzner ist seit dem 21. Oktober der neue Präsident des SV Darmstadt 98. Der 56-Jährige besuchte 1978 an der Hand seines Vaters erstmals ein Spiel am Bölle. Von da ab sollte der SVD ein fixer Bezugspunkt im Leben von „Fitze“ werden, wie er im Verein genannt wird. In einem ausführlichen Lilienkurier-Interview (veröffentlicht in der Ausgabe gegen die SpVgg Greuther Fürth) spricht er darüber, wie er seit 1993 viele verschiedene Funktionen im Verein ausgeübt hat, warum Geschlossenheit im Verein so wichtig sind und wie er die Rolle als oberster Vereinsrepräsentant angehen will.

Im März 2026: Lilien reisen nach San Antonio
17.10.2025

Im März 2026: Lilien reisen nach San Antonio

Der SV Darmstadt 98 wird die Länderspielpause im März 2026 für eine Reise nach San Antonio (Texas) nutzen. Die Lilien gastieren vom 22. bis zum 28. März in der Darmstädter Partnerstadt und bestreiten am Mittwoch (25.3.) ein Freundschaftsspiel gegen Kooperationspartner San Antonio FC. Im Vordergrund der Reise stehen insbesondere das Vertiefen der bereits bestehenden Verbindungen zur Stadt und dem SAFC, sowie der Aufbau neuer Partnerschaften und der gegenseitige Wissensaustausch in unterschiedlichen Themenbereichen.

Baumann in DFL-Aufsichtsrat benannt
03.09.2025

Baumann in DFL-Aufsichtsrat benannt

Anne Baumann ist ab sofort im Aufsichtsrat der Deutschen Fußball Liga (DFL) vertreten. Baumann, die beim SV 98 als Präsidiumsmitglied für den Bereich Finanzen tätig ist, ist im Rahmen der DFL-Generalversammlung (3.9.) von den Vertretern der 2. Bundesliga einstimmig in das Gremium benannt worden.