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08.03.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den VfB Stuttgart II

Heute: Daniel Vier Daniel Vier (30), Innenverteidiger beim VfB Stuttgart II, kam im Alter von 23 Jahren aus seiner Heimat Brasilien nach Hessen und spielte zunächst bei Eintracht Stadtallendorf. Von der Landesliga aus entwickelte er sich über die Stationen SC Waldgirmes, Viktoria Aschaffenburg und Eintracht Frankfurt II zu einem sehr guten Spieler im oberen Amateurbereich. Im Jahr 2009 holte ihn schließlich der VfB zu seiner 2. Mannschaft und machte ihn damit zum Profi. Mit seiner Erfahrung begleitet er die Nachwuchsspieler in ihrer Entwicklung maßgeblich.

www.sv98.de: Hallo Daniel Vier, Sie sind in Porto Alegre geboren, wieviel brasilianische Fußballkultur steckt in Ihnen?
Oh, sehr viel… Ich habe ja dort gelebt, bis ich 23 war, diese Art zu spielen hat mich schon sehr geprägt. Aber ich lebe nun seit acht Jahren in Deutschland und würde sagen, dass ich mittlerweile auf dem Platz doch eher deutsch denke als brasilianisch…
Sie haben einen deutschen Pass, wie sind denn die familiären Verbindungen hierher?
"Daniel Vier" könnte als Name ja auch kaum deutscher sein… Mein Urgroßvater kam aus Deutschland und in unserem Ort wurde sehr viel Wert auf unsere Herkunft gelegt, so dass ich mit dieser Kultur auch groß geworden bin.
Wie kam dann der Wechsel in die Heimat der Vorfahren zustande?
Da hat jemand eine Rolle gespielt, den Ihr in Darmstadt sehr gut kennt… – Fabio Eidelwein stammt nämlich aus demselben Ort wie ich und wir sind gut befreundet. In Brasilien konnte ich mich nicht mehr weiter entwickeln. Also hat Fabio, der schon in Nordhessen war, mich nach Stadtallendorf vermittelt. Und ich war glücklich, überhaupt in Deutschland zu sein, auch wenn es zunächst nur die Landesliga war und ich es auch nicht für möglich gehalten hätte, dass ich einmal Profi werde.
Nach Ihren Stationen in Waldgirmes und Aschaffenburg haben Sie bei Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart jeweils für die 2. Mannschaften gespielt. Sie waren dabei im "besten Fußballeralter", sonst spielen eher Talente, die aus der A-Jugend kommen, in diesen Teams. Welche Eigenschaft bringen Sie ein, wurden Sie extra als Führungsspieler geholt?
Ich denke, dass ich schon Führungsqualitäten besitze, auch wenn ich nie in der Bundesliga gespielt habe. Dafür habe ich die "andere" Seite kennen gelernt und mich aus dem Amateurbereich hoch gearbeitet. Vielleicht kann ich da die eine oder andere Erfahrung weiter geben, wenn ein Spieler den Sprung in den Profibereich am Ende nicht schafft.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit Kapitän Tobias Rathgeb aus?
Wir sind schon die beiden ältesten, Tobi hat dazu in der Bundesliga gespielt und er gibt auf dem Platz den Takt vor. Ich arbeite ihm dabei quasi zu. Diese Rolle hatte ich auch schon bei der Eintracht, als Tuncay Nadaroglu die Richtung vorgegeben hat. Ich denke, es ist wichtig, den Jungen diese Professionalität vorzuleben.
Während Ihrer Zeit in Aschaffenburg haben Sie häufiger im defensiven Mittelfeld gespielt, heute sind Sie eher Innenverteidiger. Welche Rolle spielen Sie lieber?
Ja, stimmt, früher habe ich öfter auf der "Sechs" gespielt. Aber durch das Älterwerden wird man langsamer. Man muss auch viel mehr laufen als in der Innenverteidigung, wo man mehr mit Auge lösen kann. Aber ich spiele natürlich dort, wo ich dem Team am meisten helfen kann und bevorzuge da keine Rolle…
Letzte Woche in Chemnitz kamen Sie wieder über 90 Minuten zum Einsatz, aber in den Spielen zuvor gehörten Sie nicht immer zum Stamm. Waren Sie verletzt?
Nein, ich war schon fit, aber es gibt die klare Absprache mit dem Trainerteam, dass ich nicht unbedingt jedes Spiel machen muss. Die Jungs, die für mich gespielt haben, waren gut drauf. Sie sollen sich entwickeln und ich habe dann überhaupt kein Problem, mich auch mal freiwillig auf die Bank zu setzen. Zu Trainer Jürgen Kramny habe ich ein super Verhältnis.
Sie sind in Stuttgart heimisch geworden -spielen jetzt dort bereits im vierten Jahr. Wie kam es überhaupt zu dem Wechsel?
Es gab da mal ein Turnier in der Nähe von Stuttgart mit der Eintracht damals. Die Stuttgarter suchten gerade einen Nachfolger für den damaligen Kapitän der "Zweiten", Marijan Kovacevic. Frank Leicht, mein Trainer bei der Eintracht, kommt aus Schwaben und hat ihnen den Tipp gegeben, dass ich vielleicht helfen könnte. Das hat dann geklappt…
Als Sie Ihr Debüt für den VfB in der 3. Liga gaben, spielten Sie auswärts bei Dynamo Dresden. Sie machten das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg. Ein absoluter Traumeinstand…
Das war ein Super-Erlebnis, gerade, weil ich aus einer unteren Liga kam. Und dann gleich in Dresden vor dieser Kulisse. Obwohl es "nur" ein Ligaspiel war, würde ich sagen, das war eines der größten Highlights in meiner Karriere.
Zweite Mannschaften können ja bekanntlich nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen. Wie hält man trotzdem die Motivation hoch, gerade, wenn man mal vorne mitspielt? Gibt es die Perspektive, auch in der 1. Mannschaft bei Bruno Labbadia gebraucht zu werden?
Für die Jungs muss das ja das Ziel sein. Für Tobi und mich eher weniger, wir freuen uns -wie jeder Fußballer -über Erfolgserlebnisse am Wochenende. Basis ist für uns, dass wir möglichst nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben, für die Spitze der 3. Liga hat es in den letzten Jahren aber noch nicht gereicht. Ein großer Erfolg ist es auch für uns, wenn wir junge Spieler so begleiten können, dass sie den Sprung nach oben schaffen, wie jetzt zum Beispiel Raphael Holzhauser oder Antonio Rüdiger.
Der VfB gehört auswärts zu den stärksten Teams der Liga, hat aber zu Hause eher Probleme. Was könnte diese Schwankungen erklären?
Es ist auch für uns ein Rätsel, tritt aber fast jedes Jahr auf. Viel hat sicherlich mit der Atmosphäre beim Spiel zu tun. Wenn man in Aachen, Osnabrück, Rostock, Karlsruhe oder Darmstadt vor dieser Menge Zuschauer spielen kann, ist das immer ein besonderer Ansporn. Bei uns zu Hause ist naturgemäß einfach weniger los. Dazu ist der Rasen im GAZI-Stadion durch die Doppelbeanspruchung durch uns und die Kickers nicht immer ganz optimal… (lacht)
Durch die verschobene Tabelle stehen dem VfB viele englische Wochen bevor. Wie gehen Sie damit um? Auch hier wird der Rasen sicherlich leiden…
Das werden sehr intensive Wochen. Zum Glück haben wir genug Punkte und können relativ ruhig in diese Zeit gehen. Wenn man weniger Spiele ausgetragen hat und hinten drin steht, kann der Zwang, unbedingt gewinnen zu müssen, mental schon sehr belasten. Die Teams, die noch zu uns kommen, müssen sich darauf einstellen, dass es mit Hackespitze in Stuttgart schwierig wird, was zu holen… (lacht)
Der VfB spielt nun seine fünfte Drittliga-Saison. Wie sehen Sie die Entwicklung der Liga?
Man hört immer wieder von finanziellen Problemen bei Traditionsvereinen, aktuell ja Aachen oder Offenbach. Das zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit verbesserungsfähig ist, was allerdings für uns nur schwer zu beurteilen ist. Von den Zuschauerzahlen und der Aufmerksamkeit ist die Entwicklung aber super, ein Ligaschnitt von 6000 ist ja wirklich gut. Auch sportlich wird das Niveau immer höher und damit für viele Spieler interessant. Für zweite Mannschaften kann es gar keine bessere Plattform geben, auch wenn die anderen Teams sich oft beschweren, gegen uns spielen zu müssen…
Als Spieler haben Sie schon sieben Ligaspiele und ein Hessenpokal-Finale gegen die Lilien absolviert. Gab es da etwas, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe immer gern gegen die Lilien gespielt. Die Atmosphäre am Böllenfalltor ist natürlich besonders und hat mir immer imponiert. Konkret erinnere ich mich noch an das Hessenpokal-Finale, als uns Michael Anicic zwei Freistöße eingeschenkt hat und wir leider verloren haben. Für die 98er stand da übrigens Fabio auf dem Platz…
Vor der Saison geisterte auch mal Ihr Name kurz durch die Gerüchteküche am Böllenfalltor…
Darmstadt ist eine schöne Stadt… Meine Frau lebt in Wetzlar, auf dem Weg dorthin komme ich immer an Darmstadt vorbei. Ich fühle mich schon sehr mit Hessen verbunden und kannte auch immer ein-zwei Leute, die gerade in Darmstadt spielten. Lose spricht man immer mal, aber das wurde nie konkret.
Der VfB hat in den drei Drittliga-Duellen noch nicht gegen die Lilien gewinnen können, das Hinspiel war die erste Auswärtsniederlage des VfB in dieser Saison. Wie haben Sie das Spiel erlebt?
Es war eigentlich ein gutes Spiel, beide Mannschaften haben mit einem hohen Aufwand gespielt. Darmstadt war durch den ersten Heimauftritt vom damaligen Trainer Jürgen Seeberger, der ja zuvor bei uns war, besonders motiviert. Der Elfer hat uns dann das Genick gebrochen, aber sonst war das ein ausgeglichenes Spiel. Kurz vor Schluss kam ich nochmal von der Bank rein, konnte aber nichts mehr an der Niederlage ändern.
Letzte Woche hat Darmstadt durch den späten Gegentreffer einen Rückschlag im Abstiegskampf hinnehmen müssen. Wie schätzen Sie die Lilienelf ein? Wie kommen wir aus dem Strudel heraus?
Die Qualität Eurer Einzelspieler ist hoch und ich hoffe sehr, dass Ihr den Klassenerhalt packt. Mit Aytac Sulu habt Ihr einen Spieler geholt, der locker in der 2. Liga mithalten könnte. Im Abstiegskampf kassiert man halt so blöde Tore. Wichtig ist, den Kopf oben zu behalten und sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Noch sind genügend Spiele…
Was erwarten Sie vom Duell am Samstag?
Ich hoffe, dass es ein gutes und faires Spiel wird, das wir natürlich gewinnen wollen. Danach könnt Ihr gerne alle Eure restlichen elf Spiele gewinnen…
Vielen herzlichen Dank, Daniel Vier, für das ausführliche Interview! [MS/PH]

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