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12.12.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den VfB Stuttgart II

Heute: Hanno Behrens Hanno Behrens (23) kam in der vergangenen Spielzeit ans Böllenfalltor und hat im Spiel bei Holstein Kiel ein kleines Jubiläum feiern dürfen: Beim Auswärtssieg an der Ostseeküste bestritt er sein 50. Ligaspiel für die Lilien! Der gebürtige Elmshorner wechselte 2005 von seinem Heimatverein in die Jugendabteilung des Hamburger SV und spielte anschließend in der 2. Mannschaft, trainierte aber auch bei den Profis mit. Bei uns am Böllenfalltor hat der defensive Mittelfeldspieler vier Tore in der Liga und den 1:1-Ausgleichstreffer im DFB-Pokal gegen Schalke erzielt. Im Interview zieht er Zwischenbilanz von seiner bisherigen Zeit in Darmstadt.

www.sv98.de: Hallo Hanno! Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum "50sten"!
Hanno Behrens: Oh, wirklich? Vielen Dank, das war mir bis jetzt gar nicht bewusst…! Wie die Zeit vergeht… (lacht)
Du hast Dich mittlerweile zum absoluten Stammspieler entwickelt und erlebst nach der vergangenen Spielzeit nun mit den Lilien einen sportlichen Höhenflug. Bei 50 Spielen hat man schon einiges in einem Verein erlebt. Wie denkst Du über die knapp 18 Monate bei den Lilien?
Auf jeden Fall waren sie sehr emotional. Als wir letzte Saison gegen den Abstieg gekämpft hatten, gab es kaum Zeit für Ruhe, weil wir jedes Spiel wie ein absolutes Endspiel angehen mussten. Für meine erste richtige Saison als Profi war das sehr aufregend -und am Ende sportlich mit dem eigentlichen Abstieg auch sehr traurig. Umso wichtiger ist es, dass wir uns  in dieser Saison von Beginn an ein kleines Polster nach unten erarbeiten konnten.
Für Dich, der Du ja beide Phasen miterlebt hast, muss diese Saison sehr befreiend wirken.
Absolut. Der Druck ist bei weitem nicht mehr so hoch und das Glück einer Spielzeit hängt nicht von einem Spiel oder sogar einer einzigen Aktion ab. Und natürlich wirkt sich das auf die ganze Stimmung im Verein aus. Wir freuen uns sehr, dass wir so weit oben stehen und die eine oder andere Überraschung landen konnten.
Wie hast Du Dich als "Nordlicht" mittlerweile im südhessischen Darmstadt eingelebt?
Ich fühle mich hier sehr wohl und komme sowohl mit der Stadt, den Fans und der "südhessischen Mentalität" sehr gut klar. Ein absoluter Pluspunkt ist das Wetter! Das ist ein Riesen-Unterschied zum Norden, vor allem im Sommer, und macht viel öfter gute Laune!
Du hast gleich in Deinem ersten Spiel für die Lilien ein Tor gemacht, kamst in Chemnitz während der 2. Halbzeit rein und trafst kurz vor Schluss. Allerdings ging das Spiel 1:3 verloren. Wie war das für Dich?
Persönlich habe ich mich natürlich sehr gefreut, aber das nützt natürlich nicht viel, wenn die Mannschaft verliert. Trotzdem hilft ein Treffer einem jungen Spieler, der auch noch neu im Verein ist, um noch mehr Teil der Mannschaft zu werden -und man zeigt, dass man ihr auch weiterhelfen kann.
Direkt in der folgenden Partie in Burghausen lief es anders herum: Kurz vor Schluss hattest Du erneut eine große Chance, die Du diesmal aber nicht nutzen konntest -Wacker erzielte quasi im Gegenzug das 1:0-Siegtor. Wie geht man als Sportler mit solchen Negativ-Erlebnissen um und wie befreit man sich davon gedanklich?
Das war schon eine Szene, an der ich eine ganze Zeit zu knabbern hatte und die oft kurz vorm Einschlafen wieder hochkam. Es war schon schwierig, das zu verarbeiten, denn ich hatte eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Ich musste mir dann im Training durch viele kleine gute Aktionen das Selbstvertrauen zurückholen. Misserfolg und Fehler gehören zum Sport dazu. Aber im Fußball gibt es auch immer eine nächste Chance, ein nächstes Spiel, in dem es besser laufen kann und das nichts mit den Ereignissen davor zu tun hat.
Dein 2. Tor fiel dann im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II, eine schöne Tempo-Kombination, die Du elegant abschließt.
Das war sehr befreiend, denn es war mein erstes Tor im heimischen Böllenfalltor! Vor allem, weil es das 3:1 war und wir damit quasi den Sieg in der Tasche hatten, denn es war nicht mehr so lange zu spielen. Natürlich hätte ich nichts dagegen, am Samstag wieder zu treffen…
Wie schätzt Du denn das Stuttgarter Team ein? Was wird Euch am Samstag erwarten?
Es ist eine typische 2. Mannschaft -technisch sehr stark, schnell und beweglich. Was bei jungen Teams manchmal fehl,  ist die Erfahrung und ein bisschen die Robustheit in den Zweikämpfen. Da hoffen wir, Pluspunkte zu haben und werden voll dagegen halten, um die 30-Punkte-Marke zu knacken!
Tor Nr. 3 hat Dich zu einer "Lilien-Legende" gemacht: Du darfst den Titel "Kickers-Killer" führen, als Du Dir im Heimspiel kurz vor der Halbzeit ein Herz fasstest und Robert Wulnikowski im OFC-Tor überwinden konntest. Welche Reaktionen gab es danach?
Das war überwältigend, ich hätte das nicht so erwartet: Leute kamen zu mir und bedankten sich für mein Tor mit Tränen in den Augen! Der letzte Heimsieg war ja auch etliche Jahre her. Auch über Facebook bekam ich danach viele Nachrichten, in denen sich Fans bedankt haben. Da habe ich gemerkt, dass das für die Fans etwas ganz Besonderes war -ein super Gefühl! Der Titel schmeichelt mir natürlich…
Das Rückspiel beim VfB Stuttgart II war in zweierlei Hinsicht besonders: Es war unser erster Auswärtssieg -und Du holtest Dir Deine 5. Gelbe Karte ab. Wie macht man das als Spieler: Geht man anders in Zweikämpfe, wenn eine Gelbsperre droht?
Nein, wenn ich im Spiel bin, denke ich da nicht drüber nach. Wenn ich im Sinne der Mannschaft ein Foul begehen muss, ist das eben so. Dass auf meiner Position dann irgendwann eine Sperre nicht unwahrscheinlich ist, damit muss man zurecht kommen.
Nach dem Saison-Finale gegen die Stuttgarter Kickers wart Ihr sportlich abgestiegen. Was ist in der Mannschaft passiert, dass Ihr ein paar Tage später so einen tollen Auftritt im Hessenpokal-Endspiel hinlegen konntet?
Nach dem Stuttgart-Spiel waren wir alle am Boden -es hatte sportlich nicht gereicht. Als wir nach Offenbach fuhren, hatten viele Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Als wir dann aber aus der Kabine kamen und von den Fans gefeiert wurden, die auch noch so zahlreich gekommen waren, haben wir uns als Team vorgenommen, auch für Euch Fans zu gewinnen. Das hat ja dann auch geklappt -und die DFB-Pokalspiele waren dann irgendwo die Belohnung dafür.
Wie hat Dich denn die Nachricht vom "Klassenerhalt am grünen Tisch" erreicht?
Ich war mit zwei Freunden im Urlaub auf Bali, wir sind ein wenig durch das Land gereist. Ich hatte aber über das Handy Kontakt, mein Vater hat mich mit allen Infos versorgt. Eines Abends, als ich mein Handy an machte, hatte ich plötzlich 15 SMS und 10 Anrufe in Abwesenheit. Da dachte ich mir schon, dass das vielleicht etwas Gutes bedeuten würde -und so war es dann auch. Das war eine riesige Freude und ein sehr schöner Abend!
Per Kopf trafst Du in dieser Saison gegen Rostock -und ein paar Tage darauf genauso gegen Schalke. Was ist Dir da durch den Kopf geschossen?
Zunächst gar nicht viel. Einfach ein großes Glücksgefühl, denn ich hatte den Eindruck, dass der Elfmeter kurz zuvor für Schalke nicht unbedingt zwingend war. Wir hatten bis dahin richtig gut gespielt und wenig Chancen zugelassen. Durch das Tor waren wir zurück im Spiel, den Jubel wollte ich dann auch richtig rauslassen. Dazu: Ein Flutlicht-Spiel, eine Live-Übertragung vor Millionenpublikum, viele Freunde im Stadion. Ein Moment, den ich sicher nicht vergessen werde.
Wessen Trikot hast Du Dir nach dem Spiel geschnappt?
Ein alter Kollege hatte mich gebeten, das Trikot von Timo Hildebrand zu besorgen. Das war dann doppelt passend, denn ich hatte ja gegen ihn getroffen…
Dein "Jubiläums-Spiel" am letzten Samstag war das erste der Lilien überhaupt gegen Holstein Kiel. Wie hast Du das Spiel zum Vorrunden-Abschluss erlebt?
Für uns war wichtig, dass wir nach den eigentlich guten, aber von den Ergebnissen her nicht so erfolgreichen Spielen zuvor endlich wieder einen Dreier einfahren. Damit haben wir nun 29 Punkte in der Vorrunde geholt, mit dem Sieg konnten wir diese Halbserie noch ein bisschen veredeln…
Was sagst Du zum aktuellen "Strohengel"-Verkauf?
Eine tolle Aktion -ich habe das schon gestern auf der Homepage gesehen, mit dem Bild habe ich das gleich durchschaut. Unten in der Kabine habe ich Benni Maas und Toni Sailer aber nur die Überschrift gezeigt… Die haben im ersten Moment ziemlich groß geguckt, beim Runterscrollen waren sie dann aber doch sehr erleichtert…
Was machst Du, wenn Du mal vom Fußball abschalten willst?
Ich unternehme gerne was mit Freunden und der Familie. Surfen ist meine zweite große Leidenschaft, ich freue mich das ganze Jahr darauf, dass ich in der Spielpause wieder auf das Brett darf…
Herzlichen Dank, Hanno, für das ausführliche Interview und alles Gute!
Das Gespräch führte Markus Sotirianos (FuFa).

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