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30.04.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den VfB Stuttgart II

Wie vor jedem bevorstehendem Punktspiel des SV Darmstadt 98 lassen wir einen Spieler, Trainer, Funktionär, Journalist oder eine ehemalige Lilie zu Wort kommen. Dabei liegt der Fokus natürlich auf dem des SV 98 und seinem jeweiligen Gegner.

Heute: Eddy Sözer
Erdinç "Eddy" Sözer (* 11. 7. 1968) ist untrennbar mit dem Namen Bruno Labbadia verbunden. Sowohl beim damaligen Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth (2007/08), als auch bei den Erstligisten Bayer 04 Leverkusen (2008/09) und dem Hamburger SV (2009/2010) assistierte der in Istanbul geborene Eddy Sözer seinem Vorgesetzten und Cheftrainer Bruno Labbadia als Co-Trainer. Seit Dezember 2010 ist das Duo auf der Trainerbank nunmehr beim VfB Stuttgart tätig. Eddy Sözer lernte Bruno Labbadia beim SV Darmstadt 98 kennen, wo er selbst von 2002 bis 2007 diverse Mannschaften im Nachwuchsbereich trainierte.
SV 98: Hallo Herr Sözer! Es scheint, als ob der VfB Stuttgart von ehemaligen "Lilien" unterwandert wird. Sie sind die rechte Hand von Bruno Labbadia, zeichnen sich für die sportlichen Geschicke des Bundesligateams mitverantwortlich. Jürgen Kramny hingegen trainiert die Zweitvertretung des VfB in der 3. Liga.
ES: In der Tat ist es schon erstaunlich, dass sowohl die Erstligamannschaft, als auch die U23 von Ex-98ern trainiert werden. Dennoch ist das reiner Zufall, obgleich es auch für den SV Darmstadt 98 als ein Sprungbrett in den höherklassigen Fußball spricht.
SV 98: Sie starteten Ihre Trainerkarriere einstmals auch bei einer zweiten Mannschaft, nämlich bei der des SV 98. Gibt es Unterschiede im Vergleich zu den Trainingseinheiten des ersten Teams?
ES: Die gibt es kaum. Aufgrund der altersspezifischen Entwicklung ist die Intensität ein wenig gegenüber den gestandenen Profis des Bundesligakaders zu beachten. Da die Zweitvertretung aber auch unter Profibedingungen arbeitet, verlangen wir natürlich auch dort das Maximale von den Jungs. Von der Spielphilosophie, die beim VfB offensiv ausgerichtet ist, stehen sich die Trainingsabläufe jedenfalls in nichts nach.
SV 98: Wie kann ich mir Ihre Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen rund um Stuttgarts U23 vorstellen? Gibt es wöchentliche Meetings, achten Sie auf Empfehlungen Jürgen Kramnys oder besuchen Sie gar selbst Partien der VfB-Nachwuchstalente?
ES: Zwischen Jürgen Kramny, Bruno Labbadia und mir herrscht regelmäßiger Kontakt. Das geschieht einerseits über Sitzungen. Oft suchen wir den gemeinsamen Austausch auch direkt auf dem Trainingsplatz. Sofern es die Spieltermine zulassen, schauen Bruno Labbadia und ich selbstverständlich auch die Spiele der U23 an.
SV 98: Wie integrieren Sie die Spieler, die zwar noch der Zweitvertretung zuzuordnen sind, aber bereits auf dem Sprung in den Erstligakader sind und bei Ihnen mittrainieren?
ES: Auch hier spielt der enge Kontakt zu Jürgen Kramny eine wichtige Rolle. Die Entwicklung eines jeden U23-Akteurs wird akribisch beobachtet, ehe darüber entschieden wird, ob er beim Training des Bundesligakaders teilnimmt. Mitunter holen wir  dann auch den ein oder anderen Spieler aus der U23, der auf dem Sprung ist, ins Trainingslager dazu. So akklimatisieren sich die jungen Talente peu à peu.
SV98: Der VfB kann getrost als Talentschmiede bezeichnet werden. In jüngster Vergangenheit schafften u.a. Julian Schieber, Daniel Didavi und Bernd Leno über Stuttgarts Drittligamannschaft den Sprung in die Bundesliga. Auffällig indes ist, dass Schieber und Didavi zunächst an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen wurden, Leno gar nach Leverkusen transferiert wurde. Ist der Sprung in das Bundesligateam des VfB möglicherweise doch ein bisschen zu groß?
ES: Nein, zu groß ist der Sprung mit Sicherheit nicht, das bestätigen ja die Leistungen des genannten Trios, aber auch ein Raphael Holzhauser oder Antonio Rüdiger, die bei uns ihr Bundesligadebüt gefeiert haben. Es ist wichtig, dass sich die jungen Spieler weiterentwickeln und Spielpraxis sammeln. Das geht mitunter wunderbar auch in solchen Ausleihgeschäften, bei denen alle Seiten profitieren. Abgebender Verein, aufnehmender Verein und der Spieler gewinnen auf diese Art und Weise ein Jahr, eine Triple-Win-Situation.
SV 98: Möglicherweise wird der VfB in der kommenden Saison das einzige Team im Profifußball sein, dass zwei Mannschaften innerhalb der ersten drei Ligen stellt. Wie wichtig ist es dem VfB, diese Monopolstellung inne zu haben?
ES: Die Monopolstellung spielt dabei eigentlich eine untergeordnete Rolle. Die Kontinuität und Qualität im Jugendbereich, die sich mit der Drittklassigkeit der U23 wiederspiegelt, ist viel höher zu bewerten und in den Fokus zu stellen. Es spricht für den VfB und die Leistungsdichte in unserem Nachwuchskonzept, dass die Spieler gut ausgebildet den Sprung in den Profibereich schaffen.
SV 98: Auf welchen Spieler dürfen sich die Zuschauer in Darmstadt am bevorstehenden Samstag freuen, den Sie möglicherweise in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga oder gar Europaliga wiedersehen können?
ES:  Generell dürfen sich die Zuschauer im Stadion am Böllenfalltor auf eine talentierte und spielstarke Stuttgarter Mannschaft freuen. Mit Christoph Hemlein, Raphael Holzhauser, Antonio Rüdiger oder Kevin Stöger schicken sich die nächsten Talente an im Profibereich Fuß zu fassen, wobei die Namensliste um ein Vielfaches erweitert werden könnte.
SV 98: Ein abschließendes Wort über den SV Darmstadt 98â…
ES: Darmstadt ist meine Stadt. Die Lilien sind mein Heimatverein, bei dem ich meine ersten Schritte im höherklassigen Fußball bestreiten durfte. Insofern schaue ich natürlich auch heute noch immer mit einem Auge aus der Ferne auf die Lilien. Die gesamte Entwicklung der vergangenen Jahre zeugt für die hervorragende Arbeit am Böllenfalltor. Ich bin froh, dass sich der Verein nach der abgewendeten Insolvenz im Jahr 2009 stabilisiert hat unter der sportlichen Regie von Kosta Runjaic ein guter Weg eingeschlagen werden konnte. Unter ihm und mit dem begeisterungsfähigen Lilienanhang wird der SV 98 sich weiterhin Schritt für Schritt auf dem Weg nach oben etablieren können.

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