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26.09.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen den VfL Osnabrück

Claus-Dieter „Pele“ Wollitz (47), Cheftrainer des VfL Osnabrück, ist ein Urgestein bei den Lila-Weißen. Bereits als Spieler verbrachte er einen großen Teil seiner Karriere an der Bremer Brücke und wurde dort als offensiver Mittelfeldspieler mit 43 Toren in 141 Spielen Sympathieträger (1989-1993). Als Trainer ist er dort nach seiner ersten Amtszeit (2004-2009) nun zum zweiten Mal aktiv und übernahm die Mannschaft in der letzten Saison unmittelbar nach dem Gastspiel der Lilien zu Beginn der Rückrunde. In seiner Spielerkarriere stand er außer in Osnabrück noch für sieben weitere Profivereine auf dem Feld: Schalke 04, Bayer Leverkusen, Hertha BSC, VfL Wolfsburg, 1. FC Kaiserslautern, KFC Uerdingen und 1. FC Köln (64 Erstliga-, 315 Zweitliga-Spiele). Seinen größten sportlichen Erfolg feierte er 1996 mit dem DFB-Pokalsieg der „Roten Teufel“, die aber damals gleichzeitig in die 2. Bundesliga absteigen mussten. Seine Karriere als Trainer begann beim KFC Uerdingen, zwischen den Engagements in Osnabrück arbeitete er bei Energie Cottbus.

Hallo „Pele“ Wollitz, mit 19 Punkten aus 10 Spielen ist der VfL recht gut gestartet und liegt mit Rang 4 in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen. Die Hälfte der Vorrunde ist nun vorbei -wie fällt Ihre Bilanz bis jetzt aus?
Wir sind mit dem Erreichten bisher ganz zufrieden. Wenn uns das vor der Saison einer gesagt hätte, dass wir so starten, hätten wir das gern angenommen. Da der Anfang aber sehr gut war und wir dann Punkte haben liegen lassen, sind wir natürlich nicht hundertprozentig zufrieden.
Vor allem in den Heimspielen konnte Osnabrück bislang überzeugen, auswärts fehlt diese Konstanz noch etwas. Macht die besondere Atmosphäre in der osnatel ARENA den Unterschied aus?
Selbstverständlich, die außergewöhnliche Atmosphäre in unserem Stadion trägt ihren Teil dazu bei. Auswärts wird sich die Konstanz noch einstellen, wir haben die drittjüngste Mannschaft der Liga, die braucht noch Zeit um sich zu finden. Ich glaube, dass wir uns noch verbessern werden.

Mit Kevin Kampl mussten Sie einen der spielstärksten Akteure der vergangenen Saison ziehen lassen. Er spielt nun bei RB Salzburg. Trauern Sie ihm nach oder freuen Sie sich, ihn in seiner Entwicklung begleitet zu haben?
Wir freuen uns immer, wenn Spieler über den VfL den Sprung in einen höherklassigen Verein schaffen. Wir kompensieren den Weggang einzelner Spieler über mannschaftliche Geschlossenheit.
Betrachtet man die Aufstellung im vorletzten Spiel gegen Preußen Münster, so waren mit Nils Zumbeel, Martin Hudec und Nils Fischer nur drei Spieler aus der letzten Spielzeit in der Startformation. Sind Sie überrascht, dass die Mannschaft trotz des Umbruchs bereits so gut harmonisiert?
In jedem Spiel der laufenden Saison haben fast immer 7 bis 8 neue Spieler in der Startformation gestanden. Es spricht für den Teamgeist der Mannschaft, dass sie so schnell zusammengefunden hat.
Vor der Saison wurde in den Medien von finanziellen Schwierigkeiten berichtet, dennoch hat der VfL gestandene Spieler verpflichten können und peilt den Aufstieg an. Geht der Verein nicht ein hohes Risiko, am Ende dieser Saison ähnliche Schwierigkeiten zu haben, falls es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte?
Das Ziel Aufstieg haben wir nie, weder intern noch öffentlich, genannt. Die finanzielle Situation ist angespannt, allein deswegen sprechen wir nicht über sportliche Ziele.
In der öffentlichen Wahrnehmung sieht man Sie als engagierten Trainer, der Fußball „lebt“. Wieviel Einfluss kann ein Trainer während des Spiels tatsächlich auf seine Mannschaft nehmen?
Es entspricht einfach meinem Charakter, eine Mannschaft in dieser Art zu begleiten. Inwieweit das während eines Spiels messbar ist, kann ich nicht sagen.
Sie kennen von vielen Stationen in Ihrer Spielerkarriere alle Facetten des Fußball-Geschäfts. Was machen Trainer heute im Umgang mit den Spielern anders als vor ca. 20 Jahren?
Der Umgang heute ist grundsätzlich ein anderer, die Aufmerksamkeit durch die erhöhte Medienpräsenz ist deutlich höher. Man passt sich der Zeit an, die heutige Generation muss anders angesprochen werden als die damalige.
Für welchen Verein aus Ihrer aktiven Zeit (außer dem VfL) schlägt Ihr Herz heute noch in besonderer Weise und warum?
Für Köln und Schalke. Schalke war meine erste Profistation, das ist für jeden Fußballer etwas Besonderes. Mit Köln hatte ich tolle Jahre mit Bundesliga-Aufstieg und Klassenerhalt. Außerdem freue ich mich über den guten Start von Energie Cottbus, weil es zum größten Teil noch die Mannschaft ist, die ich zusammengestellt habe.
Wann war für Sie klar, dass Sie Trainer werden wollten und von welchem Ihrer eigenen Trainer haben Sie sich am meisten abgeschaut?
Klar war es für mich eigentlich nicht. Aber Ewald Lienen hat mich als damaliger Trainer schon gefördert.

Wie würde der Trainer Wollitz heute mit dem Spieler Wollitz umgehen?
(lacht) Perfekt! Der Trainer Wollitz mag emotionale Spieler.
Der SV Darmstadt 98 und der VfL Osnabrück stiegen 1993 gemeinsam aus der 2. Bundesliga ab. Am 8. April kam es zum Duell an der Bremer Brücke, das der VfL durch einen Doppelpack von Ihnen -innerhalb von nur zwei Minuten (!) – mit 3:1 gewinnen konnte. War das ein besonderes Spiel für Sie?
Jedes Spiel, das ich bestreiten konnte und wir gewonnen haben, war etwas Besonderes für mich.

Ihre erste Amtszeit als Trainer in Osnabrück endete mit dem Abstieg aus der 2. Liga. Spieler aus dem Kader waren damals in den Wettskandal verstrickt. Für viele Fans in Deutschland war ein solcher Skandal hierzulande bis dahin kaum vorstellbar. Was kann man tun, um den Fußball „sauber“ zu halten? Wie bewerten Sie es, wenn Wettanbieter als Sponsoren auftreten können?
Es ist auch jetzt immer noch schmerzhaft und unfassbar, dass Spieler aus eigenen Reihen ihrem Verein, den Fans und Sponsoren so etwas antun konnten.

Anschließend wechselten Sie zu Energie Cottbus und belegten zweimal gute Mittelfeldplätze in der 2. Bundesliga. Energie hat sich mittlerweile etabliert und auch infrastrukturell entwickelt. Wie sehen Sie die Perspektiven der Lausitzer in den kommenden Jahren?
Energie hat Strukturen geschaffen, mit denen sie ein stabiler Zweitligist sein können. Erfolge aus den letzten Jahren mit Erfolgen im DFB-Pokal und Verkäufe wie die der Spieler Nils Petersen und Leonardo Bittencourt haben den Verein finanziell auf eine sichere Basis gestellt.

Ihre Familie blieb in Osnabrück wohnen, während Sie in Cottbus arbeiteten. Bei Ihrem Abschied von Energie gaben Sie an, dass Sie die Distanz zu Ihrer Familie belastet, unter anderem ist eine Ihrer drei Töchter schwerbehindert. In Osnabrück sind Sie nun immerhin vor Ort und können Leistungssport und die besondere familiäre Situation etwas besser miteinander verbinden. Spieler und Trainer werden heute in erster Linie danach bewertet, ob sie Leistung bringen, „funktionieren“ und ob das Ergebnis stimmt. Wie gehen Sie mit diesem Anspruchsdenken, das private Hintergründe völlig ausblendet, um?
Fußball ist schwarz-weiß, es geht nur um das Ergebnis. Privates hat da keinen Platz.

Im ersten Auswärtsspiel unter Jürgen Seeberger haben die Lilien in Halle nach einem 0:2-Rückstand noch kurz vor Schluss ein Unentschieden erreicht. Bislang gab es allerdings noch keinen Sieg auf fremdem Platz. Wie erwarten Sie den SV 98 am kommenden Mittwoch?
Es freut mich erst einmal für Jürgen Seeberger, den ich aus seiner Zeit als Trainer von Alemannia Aachen kennen und schätzen gelernt habe, dass er wieder als Trainer tätig ist. Ich erwarte eine leidenschaftlich und aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft, die alles tun wird, um den ersten Auswärtssieg einzufahren.

Vielen herzlichen Dank, Herr Wollitz, dass Sie uns für das Interview zur Verfügung standen.

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