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20.11.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen die SpVgg Unterhaching

Heute: Jonas Hummels Jonas Hummels (*5.8.1990) ist ein gebürtiger Hesse, erblickte das Licht der Welt in der Hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Bereits in frühester Kindheit zog seine Familie jedoch in die „Weltstadt mit Herz“ nach München. In der Vita des heute 22-Jährigen sucht man vergeblich nach einer Vielzahl von Vereinen. Der gelernte Innenverteidiger durchlief nahezu alle Jugendmannschaften des FC Bayern München, was seine hervorragende Technik und sein herausragendes Stellungsspiel erklärt. Zur Saison 2007/08 wechselte der beidfüssige Defensivspezialist vom Deutschen Rekordmeister ablösefrei zur SpVgg Unterhaching. Nach einer weiteren Spielzeit im Jugendbereich (U19) debütierte der talentierte Youngster fast auf den Tag genau vor vier Jahren im Seniorenbereich. Bezeichnenderweise zum heutigen Interview war der SV Darmstadt 98 Jonas Hummels’ Premierengegner -damals unterlag Unterhachings Zweitvertretung den Lilien auf heimischen Terrain in der Regionalliga Süd mit 1:3.

Seitdem brachte es der 1,87 große Innenverteidiger mit der Rückennummer 17 auf zwölf Drittliga- und vier Regionalligaeinsätze für die Blau-Roten aus Münchens Süden. Dazu absolvierte er noch eine Partie im DFB-Pokal.
www.sv98.de:  Hallo Jonas Hummels, wie nervig ist es für Sie, wenn Sie als der „kleine Bruder“ von Mats, dem Nationalspieler aus Dortmund, tituliert werden?
Jonas Hummels: Ach gar nicht. Wir sind gemeinsam aufgewachsen und üben denselben Beruf aus. Ich denke, Vergleiche liegen recht nahe.
Sicherlich möchten Sie es Ihrem großen Bruder eines Tages gleichtun und ebenfalls das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft tragenâ…
(lacht) Ich denke das ist dann doch etwas weit hergeholt. Momentan spiele ich in der Dritten Liga und hab da bisher knappe 10 Spiele bestritten. Man sollte da die Kirche im Dorf lassen.
Wenn man ein bisschen genauere Recherche über die Familie Hummels betreibt fällt auf, dass Sie -ebenso wie Ihr Bruder Mats -keinen Spielerberater haben, sondern diese Aufgaben in den Händen Ihres Vaters Hermann liegn. Was spricht für diese Konstellation und gegen einen "externen Spielerberater", wo liegen die Vorteile bei einem Berater aus der Familie? 
Da kann ich nur für mich sprechen. In meiner derzeitigen Situation sind Berater vielleicht auch etwas zu viel des Guten. Es gibt kaum Werbetermine und auch nicht wirklich viele Pressetermine, das sollte man in der Regel auch alleine hinkriegen. Das Sportliche steht doch in so einem jungen Alter im Mittelpunkt, und da sollte man nicht bei jedem Vertrag darauf schauen, das maximale Gehalt herauszuholen. Wir verstehen uns untereinander alle gut und haben -so weit wie ich das beurteilen kann -auch das nötige Know-How, um damit klar zu kommen.
Ihr Vater Hermann Hummels spielte u.a. auch in der 2. Bundesliga, schlug später den Weg eines Trainers ein (er trainerte damals u.a. den FSV Mainz 05 mit dem Spieler Jürgen Klopp). Und auch Ihre Mutter, Ulla Holthoff, kennt sich als gelernte Sportjournalistin bestens in Sachen Sport aus. Wenn man Ihnen nun nach Spielen bei Interviews und Analysen lauscht, dann fällt sofort der rhetorische Feinschliff in Ihren Antworten auf. Zumeist enthalten Ihre Aussagen dann auch noch Sichtweisen, die einem Trainer sehr nahe kommen. Inwieweit waren Ihre Eltern diesbezüglich prägend? Wieviel Prozent Spieler, Trainer und Journalist stecken in Ihnen?
Das ist schwer auszumachen. Das Elternhaus prägt natürlich immer viel, aber es wurde bei uns auch immer Wert auf eine Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gelegt. Wir durften in der Regel frei entscheiden und unsere Interessen ausleben. Wir wurden nie in die Ecke des Fußballers oder gar des Journalisten gedrängt. Das ist unsere freie Entscheidung gewesen und so wird es wohl auch in Zukunft bleiben.
Im Vereinslogo der SpVgg, das vor kurzem eine Neugestaltung erfahren hat, ist nach wie vor ein Viererbob zu sehen. Hatten Sie schon einmal das Vergnügen die Bobsportabteilung zu besuchen und Platz in einem solchen Schlitten zu nehmen?
Nein leider nicht. Unsere Bob-Vergangenheit ist mit einigen Olympiateilnahmen fast erfolgreicher als die fußballerische. Aber über das private Rodeln ist es bei mir nie weiter hinaus gekommen.
Nach dem Saisoneröffnungsspiel am Böllenfalltor gegen den SV 98 waren viele Fans im Darmstädter Umfeld enttäuscht, das torlose Remis schien ihnen gegen den durch selbsternannte Experten prognostizierten Abstiegsaspiranten aus Unterhaching zu wenig. Was würden Sie diesen kritischen 98er-Fans heute entgegnen?
Ein torloses Spiel ist aus Sicht des Zuschauers und Fans immer enttäuschend, aber in den ersten Saisonspielen ist alles etwas zaghafter und eher abwartend. Ein 0:0 spricht aber auch immer für zwei gute Defensivenâ…
Die SpVgg spielte eine überragende Hinserie und mischt kräftig im Aufstiegsrennen mit. Damit rechnete wohl keiner im Vorfeld dieser Spielzeit, zumal der Kader einer der jüngsten ist und auch die finanzielle Situation stets angespannt ist. Versuchen Sie uns doch bitte den Erfolg zu erklären.
Wir hatten von Anfang an nichts zu verlieren. Es gibt natürlich immer Druck, aber der wird auch viel von außen hereingetragen. Bei uns war dies nicht der Fall. Es wurde ja eigentlich der Abstieg erwartet. Vor allem ist bei uns alles etwas familiärer. Wir haben zwei richtig gute Trainer, die aus der Region kommen und dazu die passenden Spieler und das Vertrauen der Verantwortlichen. Da greifen viele Rädchen in einander.
Mit Alemannia Aachen droht einem Traditionsverein die Insolvenz. Wie betroffen würde Sie das persönlich machen, auch im Hinblick darauf, dass Sie ihren bislang einzigen Profitreffer im Spiel gegen die Aachener erzielten. Dieses Tor würde dann aus den Annalen getilgt werdenâ…
Es wäre schade um die drei Punkte, aber das Tor wird wohl immer präsent bleiben in meinem Gedächtnis. Da geht es ja nicht im das Tor an sich, sondern die damit verbundenen Emotionen.
Vielen herzlichen Dank, Jonas Hummels, für das ausführliche Interview. [RP]

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