FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Michael Stegmayer Michael Stegmayer (28), ist Darmstadts große Konstante auf der linken Verteidigerposition. Der gebürtige Heidenheimer hat, seitdem er im vergangenen Sommer aus Unterhaching zu den Lilien kam, nicht eine einzige Pflichtspiel-Sekunde verpasst. An sein Volley-Traumtor in den Winkel beim Auswärtsspiel in Halle erinnern sich die Lilienfans mit Begeisterung. Mit 16 Jahren wechselte der Spezialist für Standards und Flanken vom SSV Ulm 1846 in die Jugendabteilung des FC Bayern München und wurde dort 2004 deutscher A-Jugend-Meister. In diese Zeit fallen auch 33 Einsätze für verschiedene Nachwuchs-Nationalteams des DFB. Erstligist VfL Wolfsburg sicherte sich 2006 seine Dienste, dort kam er in 11 Bundesliga-Spielen zum Einsatz. Anschließend wechselte er zu Carl Zeiss Jena in die 2. Bundesliga, wo er mit seiner Mannschaft zum DFB-Pokalschreck wurde und erst im Halbfinale bei Borussia Dortmund ausschied. Weitere Stationen waren der VfR Aalen und der FC Vaduz (Liechtenstein), bevor er für zwei Spielzeiten erneut in München, diesmal bei der SpVgg Unterhaching, aktiv war.
www.sv98.de: Hallo Michael, Du gehst mittlerweile in Deine zweite Saison beim SV 98. Was sind Deine bisherigen Eindrücke von der Leistungsstärke unserer Mannschaft? Wo sind die Stärken des Teams und was kann in den nächsten Wochen noch verbessert werden?
Michael Stegmayer: Grundsätzlich haben wir uns qualitativ sehr gut verstärkt. Ich denke, dass besonders unsere Offensive besser aufgestellt ist als noch in der letzten Saison. Ansonsten liegen unsere Stärken mit Sicherheit in der mannschaftlichen Geschlossenheit und in einer stabilen, kompakten Defensive. Klar muss auch unser Offensivspiel noch reifen und besser werden. Allerdings denke ich, dass es normal ist, wenn die Spieler noch ein bisschen Zeit brauchen um sich besser kennenzulernen um das Zusammenspiel zu perfektionieren.
Deine erste Saison bei den Lilien war sehr turbulent. Insgesamt wurde die Mannschaft in der Saison von drei Trainern betreut, es gab die drei Derbysiege gegen die Offenbacher Kickers zu bejubeln, den sportlichen Abstieg zu betrauern und wenige Tage darauf den Triumph im Hessenpokal zu bewundern. Es war also eine Saison mit verdammt vielen Höhen und Tiefen, welche letztendlich aber noch darin geendet ist, das wir auch dieses Jahr noch in der Dritten Liga vertreten sind. Wie hast Du diese Zeit erlebt und wie hast Du versucht nach der Saison erst einmal runter zu fahren und abzuschalten?
Natürlich war letztes Jahr alles dabei. Überwogen haben allerdings ganz klar die negativen Aspekte. Nach dem sportlichen Abstieg waren die Derbysiege gegen Offenbach egal, und auch der Gewinn des Hessenpokals konnte nicht über unseren Abstieg hinwegtrösten. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich mit dieser Situation umgehen konnte und bis sich das alles so langsam gesetzt hatte. Gleich nach dem Pokalfinale bin ich dann erst mal mit meiner Familie in den Urlaub gefahren. Ich wollte abschalten, einen freien Kopf bekommen und bewusst keine Zeitungen bzw. Online-Nachrichten über unseren Abstieg lesen. Klar war mir im Hinterkopf bekannt, dass es eventuell den ein oder anderen Verein aus der Dritten Liga geben könnte, der mit der Lizenzierung ein Problem bekommen würde, aber mit diesen Aspekten habe ich mich im Urlaub erst mal nicht großartig befasst. Bis mich dann eines Tages mein Vater anrief und mir davon erzählte, dass die Offenbacher Kickers wohl tatsächlich keine Lizenz erhalten sollten. Das war dann natürlich eine riesige Erleichterung.
Trotz der relativ vielen Trainerwechsel warst Du eigentlich immer in der Mannschaft gesetzt und konntest Dich mittlerweile als echte Führungsperson beim SV 98 etablieren. Wie würdest Du selbst Dein eigenes Spiel charakterisieren und was muss aus Deiner Sicht ein Außenverteidiger heutzutage besonders gut können?
Ich versuche in jedem Spiel alles zu geben und komme vor allem über meinen Kampfgeist zum Erfolg. Dabei versuche ich wirklich alles für den Erfolg der Mannschaft zu tun und bin mir auch für keinen Weg zu schade. Ich interpretiere die moderne Position eines Außenverteidigers so, dass es natürlich seine Primäraufgabe ist, seine Seite dicht zu machen und so wenig wie möglich Torchancen zu zulassen. Allerdings habe ich persönlich auch den Anspruch vorne für Gefahr zu sorgen und die Stürmer mit präzisen Flanken zu füttern.
Du bist bei uns Experte für die ruhenden Bälle. Konntest Du das schon immer und worauf kommt es bei Freistößen und Ecken an?
Ja, ich war bereits bei meinen früheren Stationen oft der Mann für die Standards. Wichtig ist natürlich, dass der Ball genau in die Räume geschlagen wird, die vorher mit der Mannschaft abgesprochen wurden. Ebenso müssen die Laufwege der Mitspieler stimmen, und dann kommt sicherlich auch manchmal ein Quäntchen Glück dazu, dass beispielsweise ein gegnerischer Spieler einen Fehler macht oder falsch zum Ball steht. In Stuttgart hat das mit den Standards ja schon mal sehr gut geklappt und ich denke, dass wir mit unserem Sturm auch immer wieder gut für ein Kopfballtor sind.
Betrachtet man Deinen fußballerischen Karriereweg, so kann man erkennen, dass Du bereits einige interessante Stationen kennengelernt hast. So durftest Du beispielsweise Bundesligaluft beim VfL Wolfsburg schnuppern, mit dem FC Carl Zeiss Jena im DFB-Pokal-Halbfinale in Dortmund spielen oder aber auch erste Erfahrungen im Dress der Nationalelf sammeln. Was ist für Dich persönlich Dein bisheriger Karriere-Höhepunkt?
Wenn man von einem Höhepunkt meiner Karriere sprechen will, ist das mit Sicherheit die Saison beim VfL Wolfsburg, in welcher ich insgesamt elf Bundesligaspiele absolvieren durfte. Das Highlight war dabei definitiv das Heimspiel gegen Bayern München, welches wir 1:0 gewinnen konnte. Ich durfte dabei die vollen 90 Minuten spielen und dieses Spiel war wirklich ein ganz tolles Erlebnis für mich!
Zur Saison 2009/2010 hast Du Dich zu einem Wechsel ins Ausland entschlossen und bist vom VfR Aalen zum liechtensteinischen Hauptstadtclub FC Vaduz gewechselt. Wie denkst Du heute über diese Zeit und welche Erfahrungen konntest Du von dort mitnehmen?
Damals hatte ich eine sehr schwierige Zeit zu durchleben. Nach den beiden Abstiegen mit Carl Zeiss Jena und dem VfR Aalen wollte ich einfach mal etwas Neues versuchen, und da kam das Angebot vom FC Vaduz gerade recht. Unter dem damaligen Trainer vom FC Vaduz, Pierre Littbarski, hatte ich eine wirklich tolle Zeit. Wir spielten damals in der zweiten Liga der Schweiz, und es war eine tolle Möglichkeit für mich, Auslandserfahrungen sammeln zu dürfen. Allerdings war ich dann nach einem Jahr auch wieder froh, zurück in Deutschland zu sein. Hier ist die Begeisterung für den Fußball größer, die Stadien schöner und einfach insgesamt die Professionalität im Fußball weitaus höher einzuschätzen.
Sprechen wir über das kommende Spiel gegen die SpVgg Unterhaching: Ist es für Dich, nachdem Du 2012 von Unterhaching nach Darmstadt gewechselt bist, ein besonderes Spiel an alter Wirkungsstätte und hast Du noch viel Kontakt mit Spielern aus der Unterhachinger Truppe?
Kontakt zur Unterhachinger Mannschaft habe ich keinen mehr, was daran liegt, dass mittlerweile eine komplett neue Mannschaft in Unterhaching zusammengestellt wurde und ich vielleicht noch eins, zwei Spieler aus dem Kader kenne. Nichtsdestotrotz besteht weiterhin Kontakt zum Umfeld des Vereins. Die Menschen auf der Geschäftsstelle oder auch die medizinische Abteilung des Vereins sind mir alle noch bekannt, und ich freue mich auch schon darauf, sie am Samstag wiederzusehen. Insofern ist das sicherlich ein besonderes Spiel für mich, und es ist auch schön mal wieder dorthin zurück zu kehren. Allerdings werden dort keine Geschenke von uns verteilt, und die drei Punkte nehmen wir wieder mit nach Darmstadt!
Letzte Saison waren die Spiele gegen Unterhaching äußerst eng und vor allem von zwei sehr starken Defensivreihen geprägt. Das Hinspiel endete zum Saisonauftakt am Böllenfalltor-Stadion 0:0. Im Rückspiel kamen die Unterhachinger dann in der vierten Minute der Nachspielzeit zum glücklichen Ausgleich, die Partie endete nach zweimaliger Darmstädter Führung schließlich 2:2. Was für ein Spiel erwartest Du nun am kommenden Samstag?
Ich denke, dass das Spiel am Samstag wieder sehr eng werden wird. Unterhaching hat eine noch jüngere Truppe als letztes Jahr, die sich vor allem durch großen Kampfgeist und einer hohen spielerischen Qualität auszeichnet. Ich habe ein paar Spiele von ihnen gesehen und bin der Meinung, dass wir am Samstag über Laufbereitschaft und auch einem gewissen Maß an Härte in das Spiel kommen müssen, um den Hachingern somit von Beginn an die Lust am Fußballspielen zu nehmen.
Die ersten Spiele der neuen Saison sind nun gespielt und das kurze Zwischenfazit, was man nach drei Saison- und einem Pokalspiel ziehen kann, ist durchaus als schwankend zu betrachten. Noch fällt es äußerst schwer die Leistungsmöglichkeiten der Mannschaft einzuschätzen. Was sind Deine persönlichen Ziele für diese Saison und wo siehst Du den SV 98 am Ende der Runde stehen?
Nach der letzten Saison, welche, wie wir alle wissen, im sportlichen Abstieg geendet hat, wäre es vermessen, wenn wir von irgendetwas anderem als den Klassenerhalt sprechen würden. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu knacken, und danach können wir einfach mal sehen was noch möglich ist. Aber ganz klar, der Klassenerhalt hat oberste Priorität und alles, was dann eventuell noch dazu kommt, ist Zubrot. Ich weiß, dass im Darmstädter Umfeld sehr schnell Euphorie rund um die Lilien aufkommt, aber ich denke, dass unsere Mannschaft mit den vielen Neuzugängen vor allem zu Beginn der Runde vielleicht noch ein wenig Zeit benötigt, um sich einspielen zu können und die richtige Abstimmung zu finden.
Die Pokalsensation gegen Gladbach ist in aller Munde. Dieses Fußballfest hat eine enorme Euphorie rund um den DFB-Pokal entfacht. Nächster Gegner in der 2. Runde ist nun der FC Schalke 04, was die Begeisterung rund um die Lilien nicht schmälern dürfte. Wie hast Du das Gladbach-Spiel erlebt und wie hast Du vom „Traumlos“ FC Schalke 04 erfahren?
Die 120 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach und das anschließende Elfmeterschießen waren einfach nur zum Genießen. So sind wir auch in das Spiel gegangen. Wir haben uns gesagt, dass wir einfach mal schauen, wie das Spiel wird und die Atmosphäre im Stadion und den großen Gegner dazu einfach nur genießen wollen. Allerdings haben wir gleich in den ersten paar Minuten gespürt, dass da an diesem Tag gegen Gladbach was möglich ist. Jeder von uns hat in diesem Spiel einen Riesen-Job gemacht und dann kam beim Elfmeterschießen natürlich auch das nötige Glück dazu. Auf jeden Fall war es ein ganz großes Highlight für die gesamte Mannschaft!
Die Auslosung zur zweiten Runde habe ich live im Fernsehen gesehen und mich natürlich sehr über unser Los gefreut. Aber wir sollten jetzt bitte nicht den Fehler machen und schon an Schalke denken. An oberster Stelle steht die 3. Liga. Das ist unser Tagesgeschäft, und hier müssen wir schnellstmöglich die nötigen Punkte einfahren. Wenn wir am Ende im Viertelfinale des DFB-Pokals stehen, aber nur zehn Punkte in der Liga geholt haben, wäre das keine gute Situation für uns. Deshalb gilt unsere Fokussierung ganz klar der 3. Liga.
Was ist Dir auf dem Weg zum Elfmeter gegen Marc-André ter Stegen durch den Kopf gegangen?
Als ich von der Mittellinie zum Strafraum gelaufen bin, ging mir eigentlich nicht sehr viel durch den Kopf. Als ich dann allerdings den Ball auf den Punkt legte, ter Stegen im Tor sah und Anlauf nahm, dachte ich mir schon: "Verdammt, das Tor wird ja immer kleiner". Aber trotzdem war ich von mir durchaus überzeugt, und es war mir auch von Anfang an klar, dass ich im Elfmeterschießen antreten werde. Ich weiß dass ich ein sicherer Schütze bin und hab dann dazu auch das nötige Selbstbewusstsein.
Zum Abschluss des Interviews noch eine persönliche Frage: Du lebst in Darmstadt mit Deiner Frau und Deinen beiden Kindern. Habt Ihr Euch mittlerweile gut in Darmstadt eingelebt und unternimmst Du in Deiner Freizeit eigentlich viel gemeinsam mit Mannschaftskollegen? Was sind die Orte, die Du an der Stadt am meisten schätzt?
Klar, die Heimat vermisst man ja irgendwo immer. Trotzdem haben wir uns hier super eingelebt und fühlen uns auch sehr wohl hier. Die Leute in Darmstadt nehmen einen sehr gut auf und machen es uns wirklich sehr leicht, sich hier wohl zu fühlen. In meiner Freizeit bin ich sehr oft und sehr gerne bei meiner Familie. Die Mannschaftskameraden sehe ich ja täglich und bin wirklich froh um jede Minute, die ich mit meiner Familie verbringen kann. Deshalb gefallen mir in Darmstadt auch besonders die Orte, an welchen man schöne Ausflüge oder ruhige Spaziergänge unternehmen kann. Wir sind zum Beispiel oft am Großen Woog oder im Herrengarten unterwegs, diese Orte gefallen uns schon sehr gut.
Vielen herzlichen Dank, Michael Stegmayer, für das ausführliche Interview!
Das Interview führte Chris Schneider.