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04.10.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen die Stuttgarter Kickers

Heute: Jerôme Gondorf Jerôme Gondorf (25) spielt seit dieser Saison für den SV Darmstadt 98. Davor war der gebürtige Karlsruher dreieinhalb Jahre für die Stuttgarter Kickers aktiv, für die er in 104 Spielen elf Tore erzielte. Im Interview spricht der zentrale Mittelfeldspieler über die bisherige Saison, das Verhältnis zu Dirk Schuster und seinen Lieblings-Gegenspieler aus den Partien im DFB-Pokal.

www.sv98.de: Jerôme, du hast mit Trainer Dirk Schuster bereits bei den Stuttgarter Kickers zusammengearbeitet. Wie würdest Du euer Verhältnis beschreiben?
Jerôme Gondorf: Unser Verhältnis ist hoch professionell und wir arbeiten sehr gut miteinander. Es ist ein großer Vorteil im Fußball, wenn man weiß, was man vom anderen erwarten kann. So ist es bei uns.
Als beide Vereine noch in der Regionalliga Süd gespielt haben, wart ihr in der Saison 2010/11 Konkurrenten um den Aufstieg. Wie hast Du die spannende Rückrunde erlebt?
Für uns war das eine krasse Runde. Wir haben eine schwache Hinrunde gespielt und waren dann mit Darmstadt die Überraschungsmannschaft in der Rückserie, weil Kassel so viele Punkte liegen ließ. Es war sehr emotional. Als wir in Frankfurt gegen die zweite Mannschaft des FSV gespielt haben, waren wir kurzzeitig für acht Minuten Erster, weil Darmstadt gegen Worms hinten lag. Das war schon brutal für uns, als wir es dann doch nicht geschafft haben. Aber so ist der Fußball, da sind so viele Emotionen mit im Spiel, die Dich erst beflügeln und im nächsten Moment so grausam sein können. Aber das ist das Schöne daran und deshalb betreibe ich diesen Sport sehr gerne.
Was ist denn der Unterschied zwischen Viert- und Drittliga-Fußball?
In der Dritten Liga ist die Qualität allein wegen der vielen ehemaligen Zweit- oder Erstligaspieler höher. Auch die Trainerteams sind sehr gut ausgebildet. Traditionsvereine wie Rostock tragen dazu bei, dass die Liga eine andere Nummer ist, Rostock oder Duisburg haben ewig in der Bundesliga gespielt. Da ist die Infrastruktur natürlich eine andere. Außerdem ist die mediale Plattform größer, Du wirst mehr wahrgenommen.
Kannst Du den Unterschied im Spiel erklären?
Die Teams sind taktisch sehr gut eingestellt. Was die Spieler im Verbund drauf haben, ist beeindruckend. Die individuelle Klasse auf dem Platz ist höher, auch weil sich der Wettbewerb über ganz Deutschland erstreckt, während die Regionalliga geteilt ist.
Ihr habt nun elf Saissonpiele absolviert. Wie bist Du denn persönlich mit Deiner bisherigen Runde zufrieden?
Das Wort zufrieden mag ich nicht, denn wer zufrieden ist, kommt nicht mehr voran. Aber ansonsten denke ich, dass es bisher ganz gut gelaufen ist. Man sagt ja, dass sich eine Mannschaft nach zehn Spielen gefunden hat. Das kann man auch bei uns sehen. Wir haben viel Potential, wir müssen nur schauen, dass wir es konstant abrufen. Davon hängt es ab, ob wir eine gute Runde spielen. Für mich persönlich ist auch alles gut. Ich wurde sehr schnell in die Mannschaft integriert, wurde herzlich aufgenommen.
Jetzt mal zu den besonderen Verhältnissen in Darmstadt: Hier gibt es praktisch drei Fanblöcke: A-Block, Block1898 und ab und an auch die Gegengerade. Wie nimmst Du das wahr und was hältst Du davon?
Ich find’s gut! Die Stimmung kommt dadurch von allen Seiten. Aber die pushen sich auch gegenseitig und die Stimmung allgemein ist hier in Darmstadt sehr gut.
Wenn man Auswärtsspiele beispielsweise in Duisburg hat, wo alles neu ist, ist das ein Riesenunterschied zum Stadion in Darmstadt. Doch viele Fußball-Romantiker mögen das Böllenfalltor, gerade weil es so „oldschool“ ist. Kannst Du das nachvollziehen?
Allgemein hat das Stadion seine Tradition, man kann es nicht mit modernen Stadien vergleichen. Ich finde es aber besser, wenn die Tribünen direkt am Spielfeld sind, das heizt noch mal mehr an und das Stadion kann leichter zum Hexenkessel werden. Aber das Böllenfalltor hat definitiv seine Reize.
Wie siehst Du Deine Mannschaft, was könnt Ihr besonders gut?
Besonders gut gefällt mir, dass wir einen klaren Plan auf dem Platz haben und dass wir viele Dinge spielerisch lösen, aber auch kämpfen können. Es ist oftmals so, dass man entweder nur das eine oder das andere kann, aber wir können beides. Dafür, dass wir noch nicht lange zusammen sind, sind wir auch schon ein eingeschworener Haufen, das gefällt mir. Außerdem haben wir viel individuelle Klasse in der Offensive, aber die arbeiten auch alle nach hinten mit. Deshalb haben wir die zweitbeste Abwehr der Liga.
Dirk Schuster lässt trotz der bisher sehr starken Saison keine Euphorie aufkommen. Das musst Du jetzt mal begründen. Was fehlt denn noch zu den Spitzenteams wie Heidenheim oder Osnabrück?
Der erste Unterschied sind die Rahmenbedingungen: Die finanziellen Mittel sind nicht zu vergleichen. Aber jedes Spiel geht bei 0:0 los, man kann gegen jeden gewinnen, wie es Heidenheim auch erleben musste (lacht). In Osnabrück beispielsweise ist die Erwartungshaltung auch eine ganz andere, wir haben diesen Druck nicht. Aber Leidenschaft schlägt Klasse, von daher können wir vielleicht viel bewegen in dieser Saison.
Jetzt, wo ein paar Tage vergangen sind: Wie war der DFB-Pokal im Rückblick?
DFB-Pokal allgemein ist ein geiles Gefühl, weil man weiß, dass viel mehr Leute zuschauen. Und dann noch gegen zwei Bundesligisten zu spielen, die beide zu den besten Mannschaften Deutschlands zählen, das ist schon super. Der Erfolg gegen Gladbach lässt sich nicht krönen, das wäre nur mit einem Sieg gegen Schalke gegangen. Wichtig war uns, dass wir uns gut präsentieren. Wir wollten Fußball-Deutschland zeigen, dass in Darmstadt wieder guter Fußball gespielt wird und das haben wir geschafft.
Und wie war es für Dich persönlich? Wer waren Deine Gegenspieler und welcher war besser?
Allgemein war Schalke besser, obwohl es vermessen ist, so etwas zu sagen. Die wollten unbedingt weiterkommen und uns keine Chance lassen. Da war es wichtig, dagegen zu halten, aus solchen Spielen kann man sehr viel Erfahrung mitnehmen. Gegen Gladbach habe ich es meist mit Max Kruse, Granit Xhaka und Raffael zu tun gehabt. Der Raffael ist ganz schwer vom Ball zu trennen, der hat eine sehr gute Ballbehandlung. Den kann man kaum ohne Foul zur Strecke bringen (lacht). Gegen Schalke hat mich der junge Max Meyer überrascht, der hat sich super eingefunden. Aber das Highlight für mich war, gegen Jermaine Jones zu spielen, weil ich ihn als Fußballer mag. Seine aggressive Art, das gefällt mir. Ich habe auch einen blauen Fleck abbekommen (lacht).
Am Samstag kommen die Stuttgarter Kickers ans Böllenfalltor. Was bedeutet das Spiel gegen Deinen alten Verein?
Ich freue mich, meine Ex-Mitspieler zu sehen, da sind viele zu guten Freunden geworden. Ich war fast vier Jahre dort, das ist allein deshalb kein Spiel wie jedes andere. Wir haben viel zusammen erreicht, wie den Aufstieg in die Dritte Liga, damit verbinde ich viel. Ich hoffe aber ganz klar, dass wir einen Dreier holen. Nach dem Spiel kann man dann mit den alten Jungs quatschen, aber währenddessen wird das alles ausgeblendet und alles für den SV 98 gegeben.
Jerôme Gondorf, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Colin Mahnke.

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