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24.03.2014 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen die Stuttgarter Kickers

Heute: Vincenzo Marchese Vincenzo Marchese (30), Kapitän der Stuttgarter Kickers, wurde in Böblingen vor den Toren Stuttgarts geboren und war schon als kleiner Junge bekennender Kickers-Fan. So wechselte er im Jahr 2000 bereits zu den Degerlochern und hat bis auf ein dreijähriges Intermezzo von 2006-2009 seine gesamte Laufbahn auf der Waldau verbracht. So stieg er unter anderem gemeinsam mit dem damaligen Trainer Dirk Schuster 2012 in die 3. Liga auf. Der torgefährliche Offensivmann hat in dieser Spielzeit bereits zehn Treffer erzielt und liegt damit ligaweit auf Platz 7 der Torjägerliste. Im Interview blickt er auf das Abstiegsfinale letzte Saison zurück und spricht über die Beziehung zu "seinem" Verein.

www.sv98.de: Hallo Vincenzo Marchese, bei bislang acht absolvierten Partien gegen den SV Darmstadt 98 können Sie ja direkt als Experte für Spiele gegen die "Lilien" gelten. Das 1:1 am letzten Spieltag im vergangenen Sommer war sicher das aufregendste Aufeinandertreffen (Darmstadt stand damit als sportlicher Absteiger fest, Anm. d. Red.). Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Tag?
Vincenzo Marchese: In diesem Spiel ging es um alles oder nichts. Darmstadt musste unbedingt gewinnen, um die Klasse zu halten und uns hätte ein Unentschieden gereicht. Nach unserer Führung haben wir nur noch defensiv agiert und wollten mit Kontern zum Erfolg kommen. Kurz vor Schluss fiel dann der Ausgleich und es wurde nochmal richtig hektisch mit zwei Lattentreffern auf beiden Seiten. Beim Schlusspfiff waren wir dann nicht mehr zu halten.
Sie haben nicht nur im letzten Mai vor großer Kulisse in Darmstadt gespielt, sie waren auch 2009 beim damaligen "Rekordspiel" gegen den SSV Ulm dabei. Der Zuschauerrekord wurde zwar verpasst, dennoch fanden sich 11.100 Zuschauer im Stadion am Böllenfalltor ein. Das Spiel ging dann jedoch mit 0:4 gegen Sie und ihre Mannschaftskollegen verloren. Sie erzielten damals die Führung. Hatten Sie von der Zuschaueraktion im Vorfeld etwas mitbekommen und war Ihr Team deshalb besonders motiviert?
Ich kann mich an dieses Spiel noch genau erinnern. Den Führungstreffer erzielte ich damals aus gut 35 Metern. Der Ball sprang an den Innenpfosten und dann ins Tor. Die Kulisse war unglaublich und natürlich haben wir im Vorfeld davon gehört, weil bei uns in den Zeitungen darüber berichtet wurde. Das war aus unserer Sicht ein wirklich geiles Spiel.
Zurück zur Gegenwart: Hätten Sie Darmstadt 98 nach der letzten Saison eine solche Entwicklung zugetraut?
Ehrlich gesagt, war damit nicht zu rechnen. Ich habe der Mannschaft schon eine gute Saison zugetraut, aber das es so gut läuft, das war nicht abzusehen. Allerdings kenne ich Dirk Schuster und mir war klar, dass er irgendetwas mit der Mannschaft auf die Beine stellen wird. Wer so konstant spielt, steht zu Recht ganz oben in der Tabelle. Davor kann ich nur den Hut ziehen.
Mit Trainer Dirk Schuster und Jerôme Gondorf, Ihrem ehemaligen Partner im zentralen Mittelfeld, sind zwei Ex-Kickers bei den "Lilien" angestellt. Was verbinden Sie mit den beiden?
Wir sind damals gemeinsam von der Regionalliga in die 3. Liga aufgestiegen und sowas verbindet natürlich. Mit Dirk Schuster habe ich regelmäßig Kontakt. Wir telefonieren ab und an, und mit Jerôme Gondorf schreibe ich hin und wieder per Whatsapp. Wir verstehen uns hervorragend und respektieren uns. Ich schätze beide als Menschen und Sportler. Sie gehören zur Aufstiegsmannschaft und darum lasse ich nichts auf sie kommen.
Kommen wir zu Ihrer Mannschaft, den Stuttgarter Kickers. Nach einer schwierigen Hinrunde sind Sie nun hinter Darmstadt und Leipzig die beste Rückrundenmannschaft, mussten erst eine Niederlage einstecken. Wie haben Sie es geschafft, den sprichwörtlichen Hebel umzulegen?
Das ist ein Verdienst des Trainerteams um Horst Steffen in Verbindung mit der gesamten Mannschaft. Jetzt greift ein Rädchen wieder ins andere und wir haben einen Plan, wie wir die Spiele angehen wollen. Darüber hinaus rufen wir wieder unsere Tugenden ab, die uns schon immer stark gemacht haben. Wir spielen wieder Fußball und legen noch eine große Portion Leidenschaft mit ins Spiel. Der tolle Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft tut sein übriges.
Stürmer Elia Soriano, gebürtiger Darmstädter und Ex-Lilie, ist in Ihrem Team zum unumstrittenen Stammspieler geworden. Was zeichnet ihn aus?
Elia ist ein Spieler mit ganz besonderen Fähigkeiten. Manchmal wandelt er zwischen Genie und Wahnsinn. Er ist mit seiner spielerischen Stärke unheimlich wichtig fürs Team. Auch menschlich ist Elia ein super Typ, der in der Kabine für gute Stimmung sorgt. Elia ist ein absoluter Glücksfall für die Kickers, mit dem ich mich auch außerhalb des Platzes sehr gut verstehe.
Sie haben bis auf drei Spielzeiten in Ulm Ihre ganze Karriere bei den Stuttgarter Kickers verbracht. Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins seit Beginn der nuller Jahre und wie würden Sie Ihre Beziehung zum Verein beschreiben?
Die Kickers sind mein Verein. Ich stand schon als kleiner Junge im Stadion und habe die Kickers angefeuert. Für mich ist es eine Ehre, den Verein als Kapitän zu repräsentieren und Woche für Woche die Mannschaft aufs Feld zu führen. Selbst während meiner dreijährigen Zeit in Ulm ist der Kontakt zu den Kickers nie abgebrochen. Ich fühle mich unheimlich wohl in Degerloch und habe deswegen auch meinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.
In der Hinrunde konnten die 98er das Spiel durch ein Tor von Dominik Stroh-Engel mit 1:0 für sich entscheiden. Was erwarten Sie für das Rückspiel am Dienstag unter Flutlicht?
Das wird ein ganz anderes Spiel als in der Vorrunde. Unsere Mannschaft hat mittlerweile ein anderes Gesicht und die Qualität im Kader ist gestiegen. Es wird ein heißer Tanz und wir werden alles dafür tun, um als Sieger den Platz zu verlassen. Das sind wir unseren Fans schuldig. Wir freuen uns auf das Spiel und werden unserem Gegner Paroli bieten.
Vielen herzlichen Dank, Vincenzo Marchese, für das ausführliche Interview.
Die Fragen stellte Colin Mahnke (FuFa).

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