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20.12.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen Elversberg

Heute: Dietmar Hirsch Dietmar Hirsch (42) ist seit Anfang September Cheftrainer der SV 07 Elversberg. Der ehemalige Bundesliga-Profi spielte während seiner aktiven Karriere für Borussia Mönchengladbach, den MSV Duisburg, SpVgg Unterhaching, Hansa Rostock und den VfB Lübeck. Anschließend blieb er beim VfB Lübeck als Sportdirektor, im Zuge der Insolvenz der Lübecker endete dort aber sein Engagement und er wechselte auf die Trainerbank. Mit dem Verbandsligisten SV Schackendorf stieg er 2011 in die Schleswig-Holstein-Liga auf. Nach einem kurzen Intermezzo beim FC Sylt kehrte er nach Schackendorf zurück. Durch den Rücktritt von Elversbergs Aufstiegstrainer Jens Kiefer leitet er nun die sportlichen Geschicke des Vereins aus dem Saarland.

Hallo Herr Hirsch! Seit nunmehr 14 Spieltagen sind Sie verantwortlicher Trainer der SV Elversberg. Was sind Ihre persönlichen Ziele für diese Saison und wie schätzen Sie generell die Stärke dieser Liga ein?
Die Liga ist sehr ausgeglichen, alle Spiele sind sehr eng. Für uns zählt dieses Jahr nur der Klassenerhalt, den wir mit harter Arbeit im Team erreichen wollen.
Blicken wir zurück auf das erste Saisonspiel der SVE. Zur Premiere in Liga Drei war Ihre Mannschaft zu Gast am Böllenfalltor. Bei sommerlichen Temperaturen trennte man sich damals 0:0. Was erwarten Sie von dem Spiel am kommenden Freitag und wie beurteilen Sie die momentane Entwicklung der 98er?
Darmstadt hat sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt. Und da die Tabelle nach 20 Spielen nicht lügt, gehört der Verein auch da oben hin. Wir werden auf einen sehr starken Gegner mit sicherlich viel Selbstvertrauen treffen. Meine Mannschaft wird im letzten Spiel des Jahres alles versuchen, um Zählbares in Elversberg zu behalten.
In der Presse wurden kürzlich Auszüge einer relativ ungewöhnlichen und durchaus originellen Ansprache von Ihnen kurz vor dem Dortmund-Spiel publiziert. Wie würden Sie sich selbst als Trainer charakterisieren?
Ich bin sicher eher ein emotionaler Trainer. Aber man darf dabei nie überziehen. Fußball hat für mich viel mit Emotionen, Wille, Einstellung und Leidenschaft zu tun. Neben der wirklich harten Arbeit mit dem gesamten Trainerteam möchte ich diese Dinge meinen Spielern vorleben. Es gibt bei insgesamt 56 Mannschaften der ersten drei Profiligen in Deutschland halt nur 56 Cheftrainerposten, und einer davon darf ich sein. Man muss jeden Tag mit dieser Verantwortung leben und alles dafür tun, um seine Position zu halten und möglichst auszubauen.
Nachdem Sie im Winter 2008 beim VfB Lübeck als Sportdirektor eingestellt waren, entschieden Sie sich im darauffolgenden Jahr dazu, die Seite zu wechseln und zukünftig als Trainer zu arbeiten. Wie kamen Sie damals zu Ihrer Entscheidung und wie würden Sie die Unterschiede zwischen diesen beiden Aufgaben charakterisieren?
Ich saß als Sportdirektor mit Sakko im Büro und sah, wie die Spieler zum Training auf den Platz gingen und verschwitzt wieder kamen. Die Arbeit auf dem Platz fehlte mir, der Umgang mit den Spielern, der Geruch von frischgemähtem Gras und der Geruch in der Kabine, eben diese besondere Atmosphäre. Und ich wollte meine eigene Idee von Fußball vermitteln, die jeder Trainer hat. Die Funktion des Trainers und des Sportdirektors kann man schwer vergleichen, da die Aufgaben unterschiedlich sind. Wenn beide aber Hand in Hand arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit erfolgreich zu sein groß.
Elversberg ist Ihre erste Trainerstation im Profifußball. Welche Art von Fußball bevorzugen Sie? Gibt es national oder auch international eine Mannschaft, welche Sie als Vorbild für Ihre Vorstellungen vom perfekten Fußball ansehen?
Ich möchte, dass meine Mannschaft sehr aggressiv gegen den Ball arbeitet und schnell in alle Richtungen umschaltet. In den letzten Jahren hat das Borussia Dortmund fast perfekt umgesetzt. Als Trainer muss man aber auch immer beachten, welche Spieler man zur Verfügung hat. Davon hängt die Art, wie man spielt, auch ab.
Als aktiver Spieler können Sie insgesamt 196 Bundesligaeinsätze für sich verzeichnen und standen mit dem MSV Duisburg im Jahr 1998 sogar im DFB Pokalfinale gegen den FC Bayern München, welches Sie knapp mit 1:2 verloren. Was war das für ein Gefühl im Berliner Olympiastadion gegen den großen FC Bayern spielen zu dürfen?
Das war sicher mein schönstes und wichtigstes Spiel, auch wenn wir leider knapp verloren haben. So was erlebt man als Spieler eben meist nur einmal, außer man spielt bei einem Verein wie den Bayern. Die Atmosphäre eines Pokalfinales in Berlin kann man mit Worten schwer beschreiben. Man spielt fast das ganze Spiel mit einer Gänsehaut. Eben ein unbeschreibliches Erlebnis.
Wenn Sie den professionellen Fußball von heute mit der damaligen Zeit vergleichen, als Sie noch aktiver Bundesligaprofi waren: Was hat sich in diesem Zeitraum verändert und wo sehen Sie vielleicht auch negative Aspekte in der Entwicklung zum modernen Fußball, so wie wir ihn heute kennen?
Ob das Spiel schneller oder athletischer geworden ist weiß ich gar nicht so genau. Sicher steht der Fußball noch mehr in der Öffentlichkeit durch noch mehr Medienpräsenz. Und es ist auch viel mehr Geld im Spiel als früher. Trotzdem spielen wir immer noch 11 gegen 11, es gewinnt immer noch die Mannschaft, die mehr Tore erzielt als der Gegner. Negativ sehe ich die Entwicklung nicht, denn ich freue mich jeden Tag als Trainer im Profibereich arbeiten zu können und selber Teil des modernen Fußballs der heutigen Zeit zu sein.
Im November einigten Sie sich mit der SV Elversberg auf eine Vertragsverlängerung bis 2016. Das Stadion der SVE befindet sich im Umbau und rund um den Verein herrscht nach dem Aufstieg eine große Euphorie. Was sind die langfristigen Ziele des Vereines und welche Vision verfolgen Sie bei der SVE?
Visionen setzt man sich selber und legt sie dann zur Seite, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Um diese Vision zu erreichen, muss man sich dann Ziele setzten, die man mit harter Arbeit erreicht. Der Verein und ich haben sicher auch eine Vision und stecken dabei bestimmte Ziele ab. Dies machen wir intern, ohne alles nach außen zu kommunizieren. Das nächste Ziel ist das Spiel gegen Darmstadt, das wir möglichst erfolgreich bestreiten möchten. Wenn man sich auf die kurzfristigen Ziele konzentriert, wird man auch langfristig Erfolg haben. Wohin der Weg dann geht, wird man sehen.
Vielen herzlichen Dank, Dietmar Hirsch, für das ausführliche Interview.

Die Fragen stellte Chris Schneider (FuFa).

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