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21.08.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen Heidenheim

Heute: Frank Schmidt Frank Schmidt (38) kann man getrost als Vater des sportlichen Erfolges beim 1. FC Heidenheim bezeichnen. Er ist bereits seit 2003 im Verein, der damals noch Heidenheimer Sportbund hieß, zunächst als Spieler und seit 2007 als Cheftrainer. Als Tabellenvierter der Oberliga Baden-Württemberg gelang seinem Team die Qualifikation für die neu gegründete Regionalliga Süd. In der Folgesaison fing der FCH den KSV Hessen Kassel kurz vor Saisonende noch ab und stieg direkt in die 3. Liga auf.

Vor seiner Zeit auf der Ostalb schnürte er für den SSV Ulm 1846, den 1. FC Nürnberg, TSV Vestenbergsgreuth bzw. SpVgg Greuther Fürth die Fußballstiefel. Nach einer kurzen Zeit in Österreich (Wiener SC, First Vienna FC) spielte er noch fünf Jahre für Alemannia Aachen und ein halbes Jahr für Waldhof Mannheim.
www.sv98.de: Hallo Frank Schmidt, staunen Sie manchmal darüber, wie rasend schnell sich Ihr 1. FC Heidenheim in den letzten Jahren entwickelt hat?
Frank Schmidt: Es ist auf jeden Fall eine einmalige Geschichte, die jedoch kein Zufall ist, sondern das Ergebnis von intensiver und harter Arbeit. Der Verein hat eine klare Philosophie und Vision, die von allen Beteiligten getragen wird.
Der Endspurt in der ersten Saison der neu gegründeten Regionalliga Süd (2008/09) war elektrisierend. Der 1. FC Heidenheim und der KSV Hessen Kassel kämpften verbissen um die Meisterschaft. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Wir waren ja nach dem Aufstieg kein Favorit, das war Kassel. Damals konnten wir als Mannschaft ruhig arbeiten und je erfolgreicher wir waren, desto größer wurde der Glaube und unser Selbstbewusstsein. Zum Schluss konnte uns dann niemand mehr die Meisterschaft nehmen. Wir sind natürlich froh, es damals geschafft zu haben, denn in den Folgejahren wäre es um einiges schwerer geworden.
In der letzten Saison hat der FCH nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga verpasst. Die Medien halten Sie mit für den größten Aufstiegsfavoriten. Nehmen Sie diese Rolle gerne an oder stört sie das eher?
Dagegen kann man sich nicht wehren, wir sind ja in der letzten Saison Vierter geworden. Dazu konnten wir viele Leistungsträger halten, dann kommt man automatisch in diese Rolle. Klar ist: Wir wollen angreifen, aber ein Aufstieg ist nicht selbstverständlich. Den größten Druck haben die Absteiger, weitere 7-8 Teams haben ähnliches Niveau. Die Liga ist so ausgeglichen, da können viele Teams überraschen.
Die Favoritenrolle liegt sicherlich auch an den größeren finanziellen Möglichkeiten im Vergleich zu vielen anderen Vereinen.
In Heidenheim wird seit Jahren solide gewirtschaftet und es gehört zur Philosophie des Vereins, keine Luftschlösser zu bauen. Wir sind nicht Krösus, haben aber solide Säulen.
Ist es heutzutage überhaupt noch möglich, als kleinerer Verein ohne einen größeren Sponsor solch eine strukturelle und sportliche Entwicklung zu nehmen?
Bei uns gibt es eine vielfältige Landschaft von großen und kleinen Partnern. Ohne diese würde es nicht gehen und bei unserer Euphorie ziehen alle gerne mit.
Dass es in der Vorsaison leider nicht mit dem Aufstieg geklappt hat, lag sicherlich mit an der Auswärtsschwäche -vor allem in der Rückrunde. Warum hat sich Heidenheim so viel schwerer in fremden Stadien -unter anderem ja auch im Duell beim SV 98 -getan?
In der Rückrunde hatten wir zwei Probleme: Zum einen haben wir in der Winterpause z. B. mit Michael Thurk, Dennis Malura und Patrick Mayer unseren Kader verändert. Jeder Gegner war damit im Spiel gegen uns besonders motiviert, damit sind wir nicht so gut klar gekommen. Zum zweiten hatten wir 15 zum Teil schwere Verletzungen und damit keine Stabilität. Zu Hause haben wir es meistens mit großen Anstrengungen geschafft, die Punkte zu behalten, auswärts ist uns das dann nicht gelungen.
Heidenheim überrascht -als kleinerer Ort -mit einem konstant hohen Zuschauerschnitt (letzte Saison: 6742). Ist das Einzugsgebiet so groß oder lockt der aktuelle Erfolg so viele Fans ins Stadion?
In der laufenden Saison liegt er sogar bei knapp 8500, das ist Wahnsinn! Auch dafür gibt es aber zwei Gründe: Zunächst natürlich die sportliche Entwicklung, die Identifikation der Fans mit dem Team und die Begeisterung, die bei uns herrscht. Dann aber auch unsere Voith-Arena: Die ist ein Schmuckkästchen, die Atmosphäre dort ist fantastisch, jeder Zuschauer sitzt nah am Feld. Damit zeigen wir, dass wir die Nähe zu den Fans wollen und keine Scheu vor diesem nahen Kontakt haben.
Mit Marc Schnatterer haben Sie einen der überragenden Akteure der letzten Saison in Ihren Reihen. Sicherlich hat er sich mit seinen Leistungen bei Vereinen aus höheren Ligen ins Blickfeld gespielt. Wie konnten Sie Ihn überzeugen, weiter in Heidenheim zu bleiben?
Er glaubt an das "Projekt 1. FC Heidenheim". Alle Beteiligten glauben daran, dass wir den nächsten Schritt tun können. Marc weiß, dass er hier einen extrem hohen Stellenwert besitzt, er ist Publikumsliebling und spürt unser aller Vertrauen. Ohne diese sportliche Perspektive wäre es natürlich schwer, ihn zu halten. Ich bin froh, dass ich ihn im Kader habe. Dazu trägt er als Kapitän nun noch mehr Verantwortung. Es gibt also viele Punkte, weil er auch selbst spürt, dass der Verein alles dafür tut, sich weiter zu entwickeln.
Ihre Offensive ist mit bekannten und erfahrenen Spielern besetzt und sehr breit aufgestellt. Wie schaffen Sie es, Michael Thurk, Nico Frommer, Bastian Heidenfelder, Patrick Mayer, Marco Sailer, Andreas Spann und Nicolai Groß bei Laune zu halten, wenn meistens nur wenige von ihnen spielen können?
Momentan, durch die Verletzungen von Nico Frommer, Bastian Heidenfelder, Patrick Mayer und Andreas Spann, stellt sich die Frage zwar nicht -da ist die Laune, bei denen, die spielen, automatisch gut. Aber klar ist: Wenn alle fit sind, sind es vielleicht ein oder zwei Leute, die nicht im Kader stehen können. Aber auch da zählt das Leistungsprinzip. Jeder hat gute Chancen, wenn er alles gibt. Wichtig ist dabei, dass man mit den Spielern ehrlich umgeht.
Nur zwei Saisons nach Ihnen hat der SV Darmstadt 98 ebenfalls den Aufstieg aus der RL Süd in die 3. Liga geschafft. Hätten Sie das so schnell erwartet und wie haben Sie die Entwicklung der Lilien seit Ihrem Aufstieg beobachtet?
Die Lilien haben Tradition und eine große Fanbasis, die ich am Mittwoch beim Spiel in Wiesbaden hautnah erlebt habe. Mein Kollege hat ein gutes sportliches Konzept und es geschafft, dass sich die Fans mit den Spielern identifizieren. Mit Christian Beisel, der ja auch schon bei uns gespielt hat, und Elton da Costa haben sie Erfahrung in ihren Reihen, aber auch starke junge Spieler. In der letzten Saison hat das Team mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und guter Mentalität die Klasse gehalten und ich gehe davon aus, dass das auch in dieser Saison so sein wird.
Als Aktiver haben Sie in den 90ern mehrfach für Vestenbergsgreuth bzw. Greuther Fürth gegen die Lilien gespielt. In zwei Spielen haben Sie als Abwehrspieler sogar jeweils per Elfmeter getroffen. Erinnern Sie sich noch an diese Duelle und waren Sie in Ihren Vereinen häufig Strafstoß-Schütze?
Ja, ich habe tatsächlich immer die Elfmeter geschossen und erinnere mich noch an ein Spiel am Böllenfalltor unter der Woche, in dem ich kurz vor Schluss per Elfmeter getroffen habe. Für uns in Vestenbergsgreuth, damals ein ganz kleiner Verein, war es natürlich etwas ganz Besonderes, in so großen Stadien wie dem Böllenfalltor zu spielen.
Nach Ihrer Zeit in Franken sind Sie nach Österreich gewechselt. Was hat Sie an der Aufgabe im Nachbarland gereizt?
Als junger Spieler ist man natürlich oft unzufrieden, wenn man nicht spielt. Mein Berater hatte mir das Angebot übermittelt. Die Wiener, damals Zweitligist, wollten durch die Verpflichtung von drei Spielern aus Deutschland neue Impulse setzen und aufsteigen, unter anderem wechselte Lothar Sippel mit mir dorthin. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass es sportlich die falsche Entscheidung war, für meine persönliche Entwicklung aber sehr wichtig. Auch, um den Stellenwert von Fußball richtig einzuordnen. Anschließend bin ich aber sehr gerne nach Aachen gewechselt und hatte dort fünf schöne Jahre.
Sie sind in Heidenheim geboren und in Giengen an der Brenz aufgewachsen, keine 10 km Luftlinie von Heidenheim. Nicht viele Profitrainer können in Ihrem heimatlichen Umfeld arbeiten. Ist das ein großer Vorteil oder hat diese Nähe auch Nachteile?
Es ist auf jeden Fall eine besondere Kostellation. Wir reden ja immer von Identifikation… So gibt es das mit Sicherheit nicht im Profifußball. Aber trotzdem: Es geht nicht um einen Kredit, den ich mir erarbeitet habe, sondern tagtäglich darum, ob man Leistungen erbringt und die Erwartungen erfüllen kann. Die Fans sehen zwar: Das ist einer aus dem „eigenen Stall“, aber ohne Erfolge wäre das nicht so. Deshalb lasse ich mich auch lieber daran messen.
Mit 38 Jahren sind Sie noch ein junger Trainer und sind in Heidenheim als Spieler auf den Trainerstuhl gewechselt. Wurden Sie sofort problemlos in der neuen Rolle akzeptiert?
Ja, auf jeden Fall. Dazu kommt, dass ich das am Anfang gar nicht machen wollte. Ich war nur für 2 Spiele als Interimstrainer vorgesehen. Dann gewannen wir auswärts das Derby in Gmünd und anschließend folgte der höchste Heimsieg der Vereinsgeschichte… So sollte ich dann bis zur Winterpause weiter machen -und da waren wir dann auf einem Aufstiegsplatz… Ich habe schon als Spieler oft wie ein Trainer gedacht. Irgendwann ist mir dann klar geworden, dass dies etwas ist, was ich gut kann und habe nach und nach meine Trainerscheine gemacht. Akzeptanz hängt auch vom Charakter ab. Wie man mit Menschen umgeht, so kommt das meistens auch zurück.
Können Sie uns eine Übung aus dem Training schildern, die Sie besonders gerne anwenden?
Natürlich ist unser Anspruch Aktualität. Wir machen immer eine Analyse von Stärken und Schwächen und versuchen diese dann gezielt anzugehen. Darüber hinaus gibt es auch eine halbjährliche Planung. Gerne mache ich aber unsere „Donnerstags-Übung“ zum Spannungsaufbau, die einzige Übung, von der die Spieler wissen, dass sie auf alle Fälle kommt: Das ist eine Spielform auf engem Raum (40x20m, 5 gegen 5, mit Spielern außerhalb des Feldes), bei der man viele Zweikämpfe, Torabschlüsse, Defensivverhalten, Überzahl- und Unterzahlspiel trainieren kann, also fast alles, was den Fußball ausmacht.
Mit dem Spiel in Darmstadt endet bereits die zweite englische Woche in der noch jungen Saison. Danach ist wieder zwei Wochen Pause. Was halten Sie von den vielen Unterbrechungen zu Saisonbeginn?
Die 2. Unterbrechung kommt uns jetzt eigentlich entgegen, denn wir spielen ja auch noch im Verbandspokal. Die Spieler können da auch mal ein bis zwei Tage durchatmen, denn in der 3. Liga sind die Saisonstarts immer sehr intensiv.
Am kommenden Sonntag gastiert der FCH erneut in Darmstadt. Wie schätzen Sie die Lilienelf ein und was erwarten Sie von dieser Partie?
Die Mannschaft verteidigt kompakt und geschlossen und startet mit den schnellen Außen gerne in die tiefen Räume. Mit Gorka und Islamoglu gibt es baumlange Abwehrspieler, die fast alle Kopfballduelle gewinnen. Wir müssen gegen diese gut harmonierende Mannschaft 90 Minuten intensiv arbeiten, das ist die Grundvoraussetzung. Dazu wollen wir natürlich unsere fußballerischen Möglichkeiten einbringen. Wir wissen, dass die Trauben in Darmstadt sehr hoch hängen, wollen aber natürlich ein gutes Ergebnis erzielen.
Vielen herzlichen Dank, dass Sie für das Interview zur Verfügung standen.

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