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26.04.2013 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen Kickers Offenbach

Heute: Mathias Fetsch Mathias Fetsch (*30.9.1988) wechselte zu Saisonbeginn von Eintracht Braunschweig zu den Offenbacher Kickers. Der im badischen Malsch geborene Stürmer bestritt bislang 33 von 34 Partien für den OFC in der laufenden Runde, in denen ihm zehn Treffer glückten. Der Kapitän des Tabellenfünfzehnten vom Main wechselte bereits im frühen Jugendalter von seinem Stammverein SC Bulach zum Karlsruher SC. Als weitere Stationen finden sich der TSV 1860 München und - wie eingangs bereits erwähnt -die Braunschweiger Eintracht in der Vita des 24-Jährigen. Neben fünf Einsätzen in der U19- und U20-DFB-Auswahl kann Mathias Fetsch u.a. auch auf 17 Zweitligaeinsätze zurückblicken.

www.sv98.de:  Hallo Herr Fetsch! Wann und worüber haben Sie das letzte Mal gelacht?
Mathias Fetsch: Worüber ich mich genau amüsiert habe, kann ich Ihnen nicht mehr sagen. Dass das allerdings im Kreise meiner Familie war, weiß ich genau. Nach unserem letzten Auswärtsspiel am vergangenen Samstag in Chemnitz hatten wir anderthalb Tage frei, die ich im Kreise meiner Lieben verbracht habe. Ich fühle mich wohl zu Hause, dort kann ich abschalten -und als humorvoller Mensch eben auch lachen!
Bei Kickers Offenbach gibt es  – nüchtern betrachtet – derzeit wenig zu lachen. Sportlich sind sie noch immer im erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten. In der Presse ist die Rede von Verbindlichkeiten des OFC in Höhe von neun Millionen Euro, ein Lizenzentzug oder gar die Insolvenz drohen als Horrorszenario. Die Kickers wurden zudem in der laufenden Saison wegen eines Verstoßes im Rahmen des wirtschaftlichen Zulassungsverfahrens für die Saison 2012/13mit einem Punktabzug von zwei Zählern bestraft. Des weiteren gab es auf den Positionen des Cheftrainers und des Präsidenten einen personellen Wechsel. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, durfte ihr Mannschaftskamerad Jan Washausen bei der 0:2-Niederlage beim Chemnitzer FC am vergangenen Samstag kurzfristig aus unerklärlichen Gründen nicht eingesetzt werden, was einen möglichen Einspruch des OFC nach sich ziehen könnte. All das bietet eine Menge Gesprächsstoff für dieses Interviewâ…
Ja, da gebe ich Ihnen Recht.
Fangen wir mit dem Trainerwechsel von Arie van Lent zu Rico Schmitt an. Wie kann man die beiden sportlichen Übungsleiter miteinander vergleichen, was macht der eine besser als der andere?
Trainer untereinander zu vergleichen fällt mir persönlich unheimlich schwer. Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen Arie van Lent und Rico Schmitt, der Mitte Februar sein Amt als neuer Cheftrainer angetreten hat. Das spiegelt sich in der Spielphilosophie wieder. Aber auch die Planungen rund um die Spiele variieren. Die Liste kann man beliebig fortführen, von der Art des Trainingsaufbaus über persönlich gestellte Anforderungen bis hin zum Auftreten der Mannschaft. Es handelt sich eben um verschiedene Charaktere.
Gleichwohl die letzten Partien nicht zufriedenstellend verliefen, kann ich sagen, dass sich die Mannschaft unter Rico Schmitt perspektivisch entwickelt. Er brachte einen positiven Schub ins Team, wir konnten seine Vorstellungen des Fußballs in kurzer Zeit umsetzen.
Rico Schmitt ernannte Sie alsgleich zum Kapitän. Wie kam es dazu?
Die Binde zu tragen ist für mich eine große Ehre, zumal ich der jüngste Kapitän in der 3. Liga bin. Ich denke, dass sich unser Trainer sehr schnell ein Bild unserer Mannschaft gemacht hat und die Charaktere richtig einzuschätzen weiß. In den Gesprächen mit mir gewann er wohl den Eindruck, dass ich einen guten Draht zu den jungen und den alten, erfahrenen Spielern habe, was ein ausschlaggebender Punkt für die Vergabe des Kapitänsamts war. Zudem stimmte die Leistung und das vorhandene Potential, sowie die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen bei mir. Ich werde unseren Coach nicht enttäuschen mit seiner Wahl!
Immer wieder geistert der Schuldenstand des OFC durch die Medien und die daraus möglich resultierenden Folgen. Ist diese Situation für Sie belastend?
In gewisser Art und Weise schon, ich mache mir tatsächlich Sorgen um den Verein. Man kann die gegenwärtige Lage nicht ausblenden oder verdrängen. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass die Verantwortlichen versuchen die Situation zu meistern, da kann ich persönlich wenig zu beitragen. Insofern konzentriere ich mich auf meine primären Aufgaben und versuche möglichst erfolgreich Fußball zu spielen und somit die sportlichen Geschicke positiv zu gestalten. Das gilt übrigens für alle Spieler!
Es ist auffällig, dass gerade Vereine, die ein neues Stadion gebaut haben, in finanzielle Nöte geraten. Als Beispiele seien Alemannia Aachen und der MSV Duisburg genannt. Ist ein neues Stadion daher eher als Fluch oder als Segen zu bewerten?
Ob die momentane finanzielle Situation in Offenbach etwas mit dem Stadion zu tun hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Generell bewerte ich eine neue, moderne Spielstätte jedoch eher als Segen, denn mitunter lockt dies neue Zuschauer. Das beste Beispiel bietet ja der Bieberer Berg, von dem die Besucher schlichtweg begeistert sind. Dabei ist auch der Spagat zwischen Moderne und Tradition gelungen; ich denke an den Erhalt der Stehplatzgegengerade.
Zum Sportlichen: Der OFC ist derzeit nur fünf Zähler vom ersten Abstiegsrang entfernt. Wenn Alemannia Aachen tatsächlich noch im Laufe der Saison die Insolvenz eröffnet, werden die Spiele gegen die Kaiserstädter annulliert und ihr Polster würde auf  vier Punkte schmelzenâ…
Wie Sie sich vorstellen können, schauen wir mit großem Interesse nach Aachen. Meiner Meinung nach darf ein solches Horrorszenario nicht eintreten, denn der gesamte Auf- und Abstiegskampf würde dadurch zur Farce verkommen. Die Tabelle der 3. Liga würde damit wild durcheinandergewürfelt, was nicht im Sinne des sportlichen Wettkampfs sein kann.  Andererseits halten wir alle Karten im Abstiegskampf in der eigenen Hand und wenn wir unsere restlichen Spiele erfolgreich gestalten, müssen wir nicht nach Aachen schauen.
Womit wir beim Derby gegen die Lilien wären: Welche Erwartungen hegen Sie?
Ich freue mich auf die beiden Partien in Liga und Pokal gegen den SV Darmstadt 98. Diese Paarung ist hochemotional geführt, die Kulisse ist gigantisch, die Stimmung auf den Rängen folgerichtig auch. Auf solche Spiele fiebert man logischerweise besonders hin, zumal das Aufeinandertreffen zweier Nachbarn auch über den regionalen Fokus hinausgeht. Dazu geht es im Ligaspiel um wichtige drei Punkte, die sowohl die Lilien als auch die Kickers mehr als gut gebrauchen können. Ich gehe von einem packendem Derby aus!
Und nur drei Tage später, am Montag, dem 29.4. um 19 Uhr, stehen sich beide Kontrahenten schon wieder im Halbfinale des Hessenpokals gegenüber. Kann man aus dem Drittligaspiel Lehren für das darauffolgende Pokalspiel ziehen?
Ich denke, dass sich beide Teams ohnehin bestens aus dem Effeff kennen und man aufgrund des Ligaspiels kaum irgendwelche neuen Erkenntnisse gewinnen kann. Die Pokalpartie ist eine Alles-oder-Nichts-Partie, dem Sieger steht die Tür zur ersten Runde im DFB-Pokal ganz weit offen. Für beide Vereine ein finanziell lukrativer Anreiz, vom sportlichen Prestige ganz zu schweigen.
Vor einem Jahr standen sich der OFC und die Lilien bereits im Hessenpokal-Viertelfinale gegenüber. Die Kickers siegten in einem dramatischen Elfmeterschießen mit 8:7. Es ist durchaus denkbar, dass es auch am Montag wieder zu der Entscheidung vom Strafstoßpunkt kommen könnte. Sie wären mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit unter den Schützen. Verraten Sie uns schon die Ecke, in die Sie zielen?
(lacht) Nein, natürlich nicht. Aber davon abgesehen habe ich keine fest anvisierte Ecke, ich entscheide das innovativ aus dem Bauch heraus.
Vielen herzlichen Dank, Mathias Fetsch, für das ausführliche Interview. [PRG]

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