FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Heute: Benjamin Baier Benjamin Baier (25) spielt seit der Saison 2011/12 für den SV Darmstadt 98. In 60 Spielen erzielte der technisch starke Mittelfeldspieler drei Tore und gab acht Vorlagen. Davor war der gebürtige Aschaffenburger für Kickers Offenbach und RB Leipzig, den nächsten Gegner der Lilien, am Ball. Aufgrund einer Knieoperation und der darauffolgenden Reha konnte "Beni" in dieser Spielzeit noch kein Spiel für die erste Mannschaft absolvieren. Im Interview spricht er über die aktuelle Saison, seine Zeit bei RB Leipzig und warum er dem OFC den Aufstieg gönnen würde.
www.sv98.de: Hallo Beni, wie geht’s Dir denn nach deiner Verletzung?
Mir geht’s wieder gut! Ich hatte mir einen Knorpelschaden zugezogen und musste deshalb operiert werden. Es war eine lange Leidenszeit, aber jetzt bin ich wieder fit und voll im Training. Die Heilung ist optimal verlaufen.
Du hast die bisherigen Spiele quasi als Fan auf der Tribüne verfolgt. Wie schätzt Du die Saison ein?
Ich bin absolut begeistert, das ist echt überragend, was wir bisher gezeigt haben. Ich hoffe, dass es am Samstag so weiter geht.
Was ist denn der zentrale Unterschied zur vergangenen Saison?
Es ist schwer, die aktuelle Saison mit der letzten zu vergleichen. Da ging alles drunter und drüber. Wir hatten insgesamt drei Trainer, aber seit Dirk Schuster im Winter zu uns kam, haben wir uns stetig verbessert. Der große Unterschied zu letztem Jahr ist, dass wir Qualität in der Offensive dazu gewonnen haben. Die neuen Spieler haben uns extrem weitergeholfen. Außerdem machen wir hinten weiterhin einen guten Job, bekommen wenig Gegentore. Wir führen die Arbeit weiter, die wir im Winter begonnen haben. Und außerdem machen wir vorne die Tore, die wir letzte Saison noch nicht gemacht haben. Wir hatten so viel Pech, wenn ich da nur an die Heimspiele gegen Dortmund II oder Halle denke (Beide Spiele gingen in den Schlussminuten verloren, Anm. d. Red.).
Wie ist denn deine persönliche Situation? Bist Du am Samstag im Kader?
Ich habe zwei, drei Spiele in der zweiten Mannschaft absolviert, die sind auch ganz gut gelaufen. Die letzten drei Spiele war ich auch wieder im Kader der ersten Mannschaft. Aber im Moment gibt es für den Trainer keinen großen Grund die Mannschaft zu verändern, es läuft einfach sehr gut. Ich muss mich im Training anbieten und hoffen, dass er mich bald wieder aufstellt. Nur weil ich die letzten Jahre gespielt habe, kann ich jetzt nicht sagen: "Hier bin ich wieder, stellt mich sofort auf!"
Kommen wir zu RB Leipzig, wo Du ein Jahr gespielt hast (Saison 2010/11). Der Verein steht aufgrund seines Hintergrundes bundesweit bei den Fans in der Kritik. Wie nimmt man das als Spieler wahr?
Speziell bei Auswärtsspielen ist uns da viel Abneigung entgegengebracht worden. Da hat man schon gemerkt, dass es viel Vorbehalte gegen dieses Projekt gibt. Es war immer viel Polizei dabei, die uns und unsere Fans geschützt haben. Für mich war es gut, diese Erfahrung gemacht zu haben.
Sonst hat eine Mannschaft vielleicht drei, vier Spiele pro Saison, die emotional besonders aufgeladen sind. War das bei RB Leipzig die Regel?
Ja, fast jedes Auswärtsspiel war bei uns so brisant wie mancherorts ein Derby. Da wurde unser Bus beschmiert und wir beschimpft. Bevor ich nach Leipzig gekommen bin, habe ich so etwas in diesem Maße nicht gekannt. Da dachte ich mir, was ist hier denn los. Aber ich denke, dass man das alles nicht überbewerten darf, es geht immer noch um Fußball.
Kannst Du die Vorwürfe vieler, gerade aktiver Fans verstehen, dass RB benutzt wird und es sich lediglich um eine große Werbekampagne handelt?
Ich kann das schon verstehen, dass es Fans gibt, die RB kritisch sehen. Aber so ist nun mal die heutige Zeit. Wenn wir mal herüber nach England blicken, in der Premier League haben alle Vereine Investoren. Aber ich konnte die Sache in Leipzig genauer kennenlernen und kann sagen, dass da schon etwas dahinter steckt: RB hat viele Zuschauer, erfährt einen großen Zuspruch. Schon als ich in der vierten Liga dort gespielt habe, kamen meist 6.000 – 8.000 Fans.
Du hast den großen Zuspruch angesprochen. Leipzig ist eine Stadt mit großer Fußballvergangenheit. Du hast dort ein Jahr gelebt, wie hast Du die Stimmung in der Stadt wahrgenommen?
Die Leute sehnen sich nach gutem Fußball. Lok Leipzig und Sachsen Leipzig hatten jahrelang die Chance, etwas aus den vielversprechenden Voraussetzungen zu machen, aber sie haben es nicht hingekriegt. Die Menschen haben es satt, diese Grabenkämpfe und Skandale zu ertragen, deshalb kann RB auch so gut in Leipzig funktionieren. Die Stadt ist fußballverrückt, zu einem Freundschaftsspiel gegen Schalke kamen damals über 20.000 Zuschauer, auch jetzt haben Sie mit den höchsten Schnitt. Ich glaube, dass der Standort perfekt gewählt wurde, beide Seiten profitieren.
RB hat schon seit Beginn immer gute Fußballer geholt, die für die Regional- oder auch jetzt die Dritte Liga außergewöhnlich gut sind. Warum hat es damals bei euch mit dem Aufstieg nicht geklappt?
Wir hatten enorme Qualität im Team, aber ich muss sagen, dass es in der Regionalliga nicht leicht ist. Da steigt am Ende nur der Erste auf. Chemnitz, der damalige Aufsteiger, hatte den Vorteil, dass die Mannschaft schon länger zusammenspielte und wir über zehn Neuzugänge hatten. Da muss schon sehr viel stimmen, wenn Du da aufsteigen willst. Jetzt mit der Relegation ist es noch schwerer geworden, da heraus zu kommen. Wir haben damals einfach zu lange gebraucht, um uns zu finden. Letztlich hat der Verein ja auch drei Jahre gebraucht, um aufzusteigen.
Hast du noch Kontakt mit ehemaligen Mitspielern?
Mit Matthias Morys, Daniel Frahn, Carsten Kammlott oder Christian Müller spreche oder schreibe ich recht regelmäßig. Ich freue mich, sie am Samstag wiederzusehen.
Wieso bist Du nach einem Jahr aus Leipzig weg und nach Darmstadt gewechselt?
Der damalige Trainer Kosta Runjaic wollte mich schon zur Saison 2010/11 haben, aber da hatte ich mich für Leipzig entschieden. Ein Jahr später hat er sich dann wieder sehr um mich bemüht, hat mich frühzeitig angerufen. Da hat dann alles gepasst.
Du bist ja ein Kind der Region, wie war es denn nach diesem Jahr in Leipzig, wieder zurückzukehren?
Ich denke, es war die richtige Entscheidung wieder in die Nähe der Heimat zu kommen. Hier sind meine Familie, meine Freunde. Ich habe den Wechsel noch nie bereut, da ich meist gespielt habe, bei Darmstadt 98 Verantwortung übernehmen konnte und mich weiterentwickelt habe.
Dein Bruder Daniel spielt in der Bundesliga beim FC Augsburg. Kommt er öfter mal zu Spielen der "Lilien"?
Letztes Jahr war er bei einigen unserer Auswärtsspiele dabei, z.B. in Stuttgart und Heidenheim. Wenn es zeitlich passt, kommt er immer vorbei, zum Beispiel wenn Augsburg mal freitags spielt. Ansonsten telefonieren wir mehrmals die Woche und freuen uns auf die Länderspielpausen, da kommt er dann nach Hause.
Du hast lange Zeit beim OFC gespielt, wie hast Du die Ereignisse rund um den Verein wahrgenommen?
In Offenbach bin ich zum Profi geworden, konnte in der Zweiten Liga spielen. Ich spiele mit vollem Herzen für Darmstadt, aber ich finde es sehr traurig, was da abgelaufen ist. Die Derbys gegen die Kickers sind immer was Besonderes und einfach geile Spiele. Die fehlen uns und auch den Fans. Ich hoffe deshalb, dass es dort bald wieder bergauf geht. Der Verein gehört mindestens in die Dritte Liga und es ist ja immer so, dass es gerade die großen Rivalen sind, die man am Ende am meisten vermisst. Außerdem sind die letzten Begegnungen ja auch ganz gut für uns ausgegangen (lacht).
Benjamin Baier, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Colin Mahnke