www.sv98.de: Hallo Thorsten Burkhardt! Zu Beginn Ihrer Karriere waren Sie in Leverkusen, sammelten erste Erfahrungen als Profi, gleichwohl Sie nie ein Pflichtspiel für die erste Mannschaft der Werkself bestritten. Das Jahr 2002 war die Saison, als Bayer 04 sich einen Namen als „Vizekusen“ machte und auf tragische Art und Weise in die Fußballgeschichtsbücher einging. Welche Erinnerungen sind von damals hängen geblieben, besonders an das mit 1:2 verloren gegangene CL-Finale gegen Real Madrid?
Thorsten Burkhardt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre und ich als ganz junger Profi war einfach nur froh dabei zu sein. Natürlich hätte ich gerne auch gerne einmal auf dem Platz gestanden, dennoch wäre es vermessen gewesen in irgendeiner Art und Weise Ansprüche zu stellen. Man betrachte sich nur den damaligen namhaft gespickten Kader von Bayer: Ballack, Zé Roberto, Neuville, Kirstenâ…
Um ein Haar wäre es dann doch dazu gekommen, dass mich der damalige Coach Klaus Toppmöller zumindest in den Kader des Champions-League-Finales gegen Real Madrid berufen hätte. Ein Teamkollege war angeschlagen, meldete sich aber kurz vor dem Endspiel im Glasgower Hampden Park doch wieder fit. Mein Pech, denn damit blieb ich leider draußen und musste auf der Tribüne Platz nehmen. Dennoch bleibt diese Saison, als wir in sämtlichen Wettbewerben ein Dauerabonnement auf 2. Plätze hatten, für mich unvergessen. Wenn auch nur als Zuschauer, aber Spiele in Stadien wie Turin, Manchester oder Liverpool mitzuerleben ist nahezu unbeschreiblich!
Mittlerweile spielen Sie beim SV Wacker in Burghausen. Wieder , muss man sagen, denn Sie trugen bereits zwischen 2005 und 2007 das Trikot der Schwarz-Weißen. Was hat sich während Ihrer Abwesenheit seitdem verändert?
Offensichtliche Änderungen sind zunächst einmal in punkto Personal zu nennen. Das betrifft logischerweise den Spielerkader, aber auch die Gesichter der Verantwortlichen und des Vorstandes haben sich im Laufe der Jahre geändert. Ansonsten haben sich natürlich die Zielsetzungen des Vereins verändert. Vor neun Jahren, bei meinem ersten Engagement beim SV Wacker, waren wir noch ein Zweitligist. Mittlerweile ist der SVW „nur noch“ ein Drittligist. Die Infrastruktur des Vereins indes ist gleichbleibend gut geblieben und bietet somit hervorragende Rahmenbedingungen. Kurzum: Meine Familie und ich fühlen sich wohl in Burghausen!
Der SV Wacker steckt im Abstiegskampf. Was spricht Ihrer Meinung nach dennoch dafür, dass in der kommenden Saison Drittligafußball in Burghausen zu sehen sein wird?
Grund für unseren derzeitigen Tabellenstand ist der fatale Saisonauftakt. In den ersten zehn Partien konnten wir lediglich vier Zähler auf der Habenseite verbuchen. Danach haben wir uns aber mit dem 2:2 gegen Heidenheim ab dem 11. Spieltag kontinuierlich stabilisiert. Das beweist, dass wir es können! Wir haben es schlichtweg verdient in der Liga zu bleiben! Insbesondere die Defensive hat sich zunehmend stabilisiert, in den vergangenen zwölf Partien mussten wir lediglich ein Dutzend Gegentreffer hinnehmen. Wenn wir nun auch konsequent vor dem gegnerischen Gehäuse zuschlagen, dann können wir den Klassenerhalt doch noch schaffen.
Im Hinspiel gewannen Sie gegen den SV Darmstadt 98 -nicht zuletzt dank eines Treffers von Ihnen -mit 2:1. Haben Sie den Schlüssel zu einem weiteren Erfolg am Samstag über die Lilien erneut gefunden?
Wir werden unsere Hausaufgaben erledigen, wissen durchaus wie die Lilien auftreten und spielen. Wenn wir entsprechend dagegen halten und konzentriert auftreten, können wir auch am Böllenfalltor punkten!
Sie behaupteten einmal, dass Ihr damaliger Trainer bei der SpVgg Greuther Fürth Bruno Labbadia in Ihrer Karriere die wichtigste Rolle gespielt hat. Warum?
Von Bruno Labbadia konnte ich sehr viel lernen! Er war es übrigens auch, der mich von der Position des Zehners ins defensive Mittelfeld zurückschob, mir diese Rolle zutraute. Er vermittelte einem mit seiner Art Selbstvertrauen, traute mir diese Aufgabe zu, so dass ich sie auch heute noch ausfülle.
Ich weiß, dass Sie, hätte es nicht mit dem Profifußball funktioniert, gerne die Laufbahn eines Sportjournalisten eingeschlagen hätten. Wenn Sie nunmehr am Saisonende eine kurze Saisonzusammenfassung über den SV Wacker schreiben müssten, wie würde die Überschrift Ihres Artikels ausfallen?
(überlegt lange) "Trotz aller Widrigkeiten – Happyend geglückt!"
Gibt es zum Abschluss noch irgendetwas, was Sie diesem Interview hinzufügen möchten?
Bezogen auf Darmstadt? Ja, gerne! Ich freue mich besonders auf das Wiedersehen mit Marco "Toni" Sailer, mit dem ich ja in Wiesbaden zusammengespielt habeâ…
Vielen herzlichen Dank, Thorsten Burkhardt, für das aufschlussreiche und tiefblickende Interview! [PRG]