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21.08.2012 / Allgemein

Das Interview zum Spiel gegen Wehen Wiesbaden

Heute: Marcus Mann Marcus Mann (28) ist den Lilienfans noch gut in Erinnerung: Zur Saison 2006/07 wechselte er vom Karlsruher SC, für den er zwei Einsätze in der 2. Bundesliga hatte, ans Böllenfalltor und bestritt für die Lilien 31 Ligaeinsätze (3 Tore) und ein DFB-Pokalspiel (gegen Hertha BSC Berlin). Am Ende jener Spielzeit stieg der SV 98 allerdings ab und so trennten sich die Wege. Der Defensivmann spielte anschließend jeweils zwei Jahre für die Stuttgarter Kickers und den 1. FC Saarbrücken. Seit letzter Saison trägt er nun das Trikot des SV Wehen Wiesbaden.

www.sv98.de: Hallo Marcus Mann, mit dem KSC, dem SV 98, den Stuttgarter Kickers, dem 1. FC Saarbrücken und dem SV Wehen Wiesbaden spielen nun alle Deine (Ex-)Vereine in der 3. Liga. Wie ist es, so häufig gegen Vereine anzutreten, deren Innenleben Du so gut kennst?
Marcus Mann: Es ist natürlich immer etwas Besonderes, wenn es zum Duell mit einem Ex-Verein kommt. Auch wenn die Fluktuation im Fußball relativ hoch ist, kennt man immer noch den einen oder anderen Spieler bzw. Vereinsverantwortlichen. Aber mit Beginn des Spiels dürfen die alten Bekanntschaften für 90 Minuten keine Rolle mehr spielen.
Wie ordnest Du Deine Zeit am Böllenfalltor innerhalb Deiner Karriere ein?
Der SV 98 war mein erster Verein nach elf Jahren beim KSC. Es war der erste Schritt weg aus der Heimat und zu Beginn natürlich eine Umstellung. Aber ich habe mich im Verein und der Umgebung relativ schnell wohlgefühlt. Es war die bisher wohl lehrreichste Zeit in meiner Laufbahn. Ich habe innerhalb kurzer Zeit alle Facetten des Fußballgeschäfts kennen gelernt. Positiv und negativ.
Wie kam es zum Wechsel vom KSC zu den Lilien?
Für meine persönliche Weiterentwicklung musste ich den nächsten Schritt machen, raus aus dem behüteten Umfeld. Und die Lilien haben mir mit ihrem Umfeld und Fans imponiert. Es war die richtige Entscheidung, ich war sehr gerne bei den Lilien.
Am Ende der Saison damals sind die 98er abgestiegen. Warum hat es Deiner Meinung nach nicht zum Klassenerhalt gereicht?
Wir hatten sehr viel Unruhe im Verein. Es lief einiges schief. Machtkämpfe in der Mannschaft und im Verein waren keine Basis für sportlichen Erfolg. Wir hatten aber keine schlechten Spieler, von daher hätten wir, mit ein bisschen mehr Charakterstärke innerhalb der Mannschaft, den Klassenerhalt schaffen müssen. Aber leider war dem nicht so.
Unvergessen ist sicherlich das Spiel beim TSV 1860 München II. Torwart Bastian Becker sah in der 80. Minute die rote Karte. Die Lilien hatten schon dreimal gewechselt und Du musstest ins Tor. Den anschließenden Elfer von Berkant Göktan hast Du aber gehalten. Wie hast Du das Spiel in Erinnerung?
So etwas passiert einem natürlich nicht jede Woche und von daher vergisst man das auch nicht. Man spricht von Zeit zu Zeit immer mal wieder darüber oder wird darauf angesprochen.
Du bist dann nach dem Abstieg zu den Stuttgarter Kickers gewechselt. Wäre auch ein Verbleib in Darmstadt eine Option gewesen?
Es gab ein Gespräch mit Tom Eilers. Zu diesem Zeitpunkt wusste allerdings noch keiner, wie es weitergehen würde. Ich war damals 23 und entschied mich, zu den Stuttgarter Kickers zu gehen, zurück in die Heimat, und natürlich wollte ich auch in der neu gegründeten 3.Liga dabei sein.
Zwei Jahre später bist Du nach Saarbrücken -damals Regionalligist -gewechselt. Der 1. FCS wurde dann Meister, stieg in die 3. Liga auf und spielte dort auch gleich eine gute Saison. Sind die Kickers und der 1. FCS mit den Lilien vergleichbar? Was ist dort anders?
Die Vereine sind alle absolut miteinander vergleichbar. Es sind Traditionsvereine, die in der Vergangenheit meistens in der 2. Liga waren und so auch ein gewachsenes Umfeld haben. Sobald der Erfolg da ist, sieht man welches Potenzial diese Vereine bei den Zuschauerzahlen haben. Natürlich gibt es auch kleine Unterschiede, aber im Großen und Ganzen vereint sie alle der große Wunsch in die 2. Liga zurückzukehren.
Wie kam dann der Wechsel in die hessische Landeshauptstadt zustande? Hat Gino Lettieri, der Dich bereits in Darmstadt trainiert hat und letzte Saison in Wehen Wiesbaden Coach war, dabei eine besondere Rolle gespielt?
Ich hatte zwei super Jahre in Saarbrücken, aber ich entschied mich nochmal zu einem Wechsel. Natürlich ist es anfangs leichter, wenn man den Trainer schon kennt und weiß, was er erwartet und wie er tickt. Aber im Endeffekt entscheide ich mich für den Verein und nicht für eine einzelne Person.
Die letzte Saison ist für den SV Wehen Wiesbaden nicht gut gelaufen. Als Aufstiegsaspirant spieltet Ihr bis zum Schluss gegen den Abstieg. Woran hat es gelegen, dass Ihr Euer Potenzial nicht so auf den Platz bekommen habt?
Richtig ist, dass wir als großer Favorit gestartet sind, wobei uns diese Rolle hauptsächlich von außen zugeschrieben wurde. Allerdings hatten wir uns selbst den Saisonverlauf natürlich auch anders vorgestellt. Wir haben es nicht geschafft, Kontinuität in unsere Leistung reinzubringen und haben zu viele Punkte verschenkt, bis wir uns im Abstiegskampf wiedergefunden haben. Und dann ist es bekanntlich schwer, plötzlich den Hebel umzulegen.
Du hast letzte Saison sowohl in der Innenverteidigung, als auch im defensiven Mittelfeld gespielt. In welcher Rolle fühlst Du Dich am wohlsten?
Wichtig ist, dass ich die Mannschaft weiterbringen kann. Von daher ist es sekundär, ob Innenverteidigung oder Mittelfeld.
In der laufenden Saison habt Ihr nach einem guten Start gegen Erfurt (3:1) zweimal nach 2:0-Führungen noch Punkte liegen lassen. Ist das ein konditionelles bzw. Konzentrationsproblem oder einfach nur Pech?
Wir haben zweimal völlig verdient 2:0 geführt, weil wir jeweils ein gutes Spiel gemacht haben und haben es dann nochmal aus der Hand gegeben. Die Chancenverwertung in der Offensive und Nachlässigkeiten in der Defensive haben uns innerhalb weniger Tage vier Punkte gekostet. Ein konditionelles Problem kann ich allerdings ausschließen. Wir sind fit, um unser Spiel über 90 Minuten durchzuziehen.
Als Du von den Lilien weggewechselt bist, sind sie abgestiegen. Wie hast Du die Entwicklung des SV 98 seitdem verfolgt, mit Insolvenzantrag und dem anschließenden überraschenden Aufstieg?
Ich habe die Entwicklung immer verfolgt und war über Christian Wiesner immer bestens informiert. Vor allem in der schlechten Phase sind alle zusammengerückt und man hat gesehen, welch tolle Anhänger der Verein hat. Ich freue mich, dass der Verein wieder in der 3.Liga ist.
Wird es wie in der letzten Saison für beide Mannschaften "nur" um den Klassenerhalt gehen? Wie schätzt Du die Perspektiven des SVWW und des SV 98 ein?
Wir haben beide sicherlich nicht den Anspruch, gegen den Abstieg zu spielen. Aber vor allem nach unserer letzten Saison sollten wir vorsichtig mit Zielformulierungen sein. In dieser 3. Liga ist alles immer so eng beieinander, dass man immer höllisch aufpassen muss, nicht hinten reinzurutschen.
Auch letztes Jahr spielten der SVWW und der SV 98 Ende August und unter der Woche gegeneinander. Die Atmosphäre war eines Nachbarschaftsduells absolut würdig. Was erwartest Du vom kommenden Aufeinandertreffen und gibst Du einen Tipp ab?
Die Stimmung war wirklich sehr gut. Leider war unsere Leistung genau das Gegenteil und der Sieg für die Lilien absolut verdient. Es wird sicherlich wieder ein heißer Tanz, nur dieses Mal wollen wir gewinnen.

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