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31.05.2026 / Profis

„Das macht mich sehr glücklich und stolz“

Barcelona, Spanien. Eine Weltstadt direkt am Mittelmeer. Über 1,7 Millionen Menschen leben hier. Und einer davon ist Clemens Riedel. Der 22-jährige ehemalige Darmstädter wechselte im vergangenen Sommer vom SV 98 zu Espanyol Barcelona – von der Junglilie zum Profi in der ersten spanischen Liga also. Wir haben mit Riedel über sein erstes Jahr in Barcelona, die zurückliegende Saison und seinen immer noch engen Draht nach Darmstadt gesprochen.

sv98.de: Clemens, wie gut ist dein Spanisch?

Clemens Riedel: „Es wird immer besser (lacht). Ich bin fleißig am Lernen mit einem deutschsprechenden Spanischlehrer. Wir machen das ganze meist zweimal die Woche online. Das hilft mir sehr und ich will in der kommenden Saison definitiv weiter dranbleiben. Wenn man sich dazu immer mehr traut, auch mit den Jungs in der Kabine Spanisch zu reden, kommt man ganz gut rein.“

Wenn du zurückblickst auf den vergangenen Sommer: Wie waren gerade die ersten Tage und Wochen für dich?

„Das war schon eine riesige Umstellung. Es war ohnehin schon alles neu für mich: Ein neues Land, eine neue Stadt, ein neues Umfeld. Ich bin beispielsweise hier im Verein in ein Umfeld gekommen, in dem die große Mehrheit Spanier sind. Aber ich bin ein offener Mensch. Daher denke ich, dass ich mich von Beginn an gut integrieren konnte.“

Wer waren gerade am Anfang deine Bezugspersonen innerhalb der Mannschaft?

„Allen voran Charles Pickel, ein Schweiz-Kongolese, der jetzt im Sommer mit dem Kongo zur WM fährt. Mit ihm hatte ich direkt einen guten Draht und konnte mit ihm das ganze Jahr über Deutsch reden. Er ist zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie ich zu Espanyol gekommen, was es für uns beide sehr angenehm gemacht hat. Aber ansonsten hat uns Espanyols zuvor langjähriger Kapitän Leandro Cabrera gut an die Hand genommen und uns immer wieder seine Hilfe angeboten.“

Apropos Bezugspersonen. Deine Eltern spielen in deinem Leben ein enorm wichtige Rolle. Wie war ihre Reaktion, als du zuhause erzählt hast, dass du nach Barcelona gehst?

„“Boah, wie… Barcelona…!?“ Das war ihre erste Reaktion (lacht). Als sie gehört haben, dass ich ins Ausland gehe, waren sie im ersten Moment natürlich erst einmal überrascht. Aber sie haben direkt gesagt, dass sie mich unterstützen und immer hinter mir stehen werden – egal, wohin es für mich geht. Die ersten Eindrücke von Barcelona haben ihnen dann auch sehr gut gefallen. Ich habe ohnehin einen sehr engen Draht zu meiner Familie – meine Oma und meine Eltern waren im vergangenen Jahr oft da. Meine Eltern kommen mich alle fünf bis sechs Wochen besuchen. Und vor allem meine Mutter hat sich mittlerweile in Barcelona verliebt (grinst).“

Ich bin ein Typ, der vom Dorf kommt. Selbst Darmstadt war für mich immer schon eine größere Stadt.

Clemens Riedel lachend über Größenunterschiede

Wie ist es für dich, in einer Metropole wie Barcelona zu leben? Wie wohl fühlst du dich dort?

„Ich fühle mich sehr wohl. Dabei bin ich ein Typ, der vom Dorf kommt. Selbst Darmstadt war für mich immer schon eine größere Stadt (lacht). Barcelona ist riesig. Hier findet man alles, hier kann man alles machen. Alle Ecken der Stadt haben ich noch nicht gesehen. Aber ich habe eine schöne Wohnung in guter Lage in der Nähe des Strandes gefunden. Es gibt definitiv schlechtere Städte, die man erwischen kann.“

Lass uns gerne über Espanyol Barcelona sprechen. Warum passt der Verein so gut zu dir?

„Der Spielstil passt vor allem sehr gut zu mir. Unsere Struktur und die Taktik speziell mit dem Ball sind schon vergleichbar mit dem Fußball in Darmstadt unter Florian Kohfeldt. Espanyol ist zudem ein traditionsreicher Klub mit sehr vielen und treuen Fans. Die Stimmung im und rund um den Verein ist sehr familiär, so wie ich es aus Darmstadt bereits kenne. Daher fühle ich mich sehr wohl.“

In LaLiga und im spanischen Pokal kommst du insgesamt auf 21 Einsätze. Wie blickst du auf die zurückliegende Saison?

„Ich bin zufrieden, wie mein erstes Jahr bei Espanyol gelaufen ist. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass es so laufen wird, hätte ich das wahrscheinlich direkt unterschrieben. Klar gab es Phasen im letzten Jahr, in denen ich mal nicht so viel gespielt habe. Mit Blick auf die Konkurrenzsituation bei uns Innenverteidigern war das aber sicherlich auch ein Stück weit normal. Insgesamt blicke ich mit sehr gutem Gefühl auf das Jahr zurück. Wir haben eine super Hinrunde gespielt. Am Anfang, wo alles für mich in Spanien sehr neu war, hatte ich direkt ein paar gute Spiele, in denen ich mich beweisen konnte. Ab Winter hatten wir dann eine ergebnistechnisch sehr lange Durststrecke. Umso schöner war es, dass wir hintenraus den Klassenerhalt perfekt machen konnten.“

Du sprichst es an: Mit den Siegen gegen Bilbao und Osasuna habt ihr kurz vor Saisonende zwei wichtige Spiele gewonnen. Und du hast in beiden über 90 Minuten gespielt.

„In der Situation war schon ordentlich Druck drauf – auf mir, auf der Mannschaft. Ein große Anspannung war auf jeden Fall da. Deswegen bin ich erleichtert, dass ich diese beide entscheidenden Spiele von Beginn an spielen konnte und wir als Team am Ende den Klassenerhalt fix gemacht haben. Es war sehr wichtig für mich, noch einmal mit einem sehr guten Gefühl aus meiner ersten Saison in LaLiga zu gehen.“

Du hattest auf deiner Position sehr erfahrene LaLiga-Innenverteidiger als Konkurrenten. Wie hast du den Konkurrenzkampf erlebt?

„Ich habe einen sehr fairen Konkurrenzkampf erlebt. Wir Innenverteidiger haben alle einen sehr guten Draht zueinander. Von Leandro Cabrera, der weit über 200 Spiele für den Verein und in LaLiga gemacht hat, konnte ich viel lernen. Gleiches gilt für Fernando Calero, der sieben Jahr im Verein war und über 180 Spiele für Espanyol absolviert hat. Aber egal, wer von uns gespielt hat: Wir haben uns jedes Spiel unterstützt.“

Wie hast du die Stimmung gerade bei euch im Stadion wahrgenommen?

„Bei uns bei Espanyol Barcelona passen knapp 38.000 Fans ins Stadion. Und ich muss sagen: Es ist ein sehr gutes Stadion mit einer sehr guten Atmosphäre. In Spanien ist es oftmals sehr entscheidend, was die Mannschaft auf dem Platz abliefert und wie sehr sie in Vorleistung tritt. Wenn es läuft oder das Spiel hitzig wird, dann sind wirklich alle im Stadion extrem lautstark dabei.“

Eure Heimspielstätte ausgenommen: Welches Stadion hat dich in LaLiga besonders beeindruckt?

„Ganz klar das Estadio Santiago Bernabeu von Real Madrid. Ich saß dort nur auf der Bank und habe dieses Stadion betrachtet. Es war atemberaubend und in meiner Karriere schon eine Art „Wow-Moment“ – und das, obwohl ich nicht mal gespielt habe. Aber auch in Bilbao oder in Sevilla war die Stimmung sehr gut, das waren alles schon sehr coole Erfahrungen. Das Estadio Metropolitano von Atletico Madrid oder das Camp Nou des FC Barcelona waren auch krass. Zwar konnte ich gegen den FC Barcelona aufgrund einer Gelbsperre nicht spielen, so habe ich die Mannschaft aber mit meinen Eltern von der Tribüne aus unterstützt.“

Themenwechsel. Denn kein Interview mit einer ehemaligen Lilie, ohne über die 98er gesprochen zu haben. Wie oft bist du noch in Deutschland – speziell natürlich in Darmstadt?

„Ich bin eigentlich jede Länderspielpause in der Heimat. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie schon sehr, wir haben wie gesagt einen sehr guten Draht. Während wir übrigens gerade telefonieren, sitze ich bei ihnen auf der Terrasse. Letzte Saison war ich auch einmal am Bölle und habe das 0:0 gegen Magdeburg geschaut. Ich wurde sehr gut von den Fans empfangen, was ich als sehr schön empfunden habe. Ich durfte nach dem Spiel auch in die Kabine und habe mich gefreut, alle ehemaligen Mitspieler wieder zu sehen.“

Welche Rolle spielen die Lilien in deinem aktuellen Leben?

„Ich versuche, schon viele Spiele von Darmstadt zu schauen – gerade auf Auswärtsreisen, wenn wir viel im Hotel sind. Weil unsere Spiele mit Espanyol meist abends sind, kann ich mittags schon immer mal wieder reinschauen und meine Freunde spielen sehen.“

Es bedeutet mir viel, dass die Fans des SV 98 mich auch nach dem Wechsel noch verfolgen und sogar wegen mir hier ins Stadion kommen. Das macht mich sehr glücklich und stolz.

Clemens Riedel über die Fans der Lilien

Während unseres Wintertrainingslagers nahe Valencia waren bei einem eurer Auswärtsspiele in Levante ein paar Lilien-Fans im Stadion, um dich zu supporten. Was macht es mit dir, wenn Lilien-Fans extra wegen dir in Spanien ins Stadion gehen?

„Das war ein sehr schönes Gefühl. Mir haben viele der Fans, die da waren, dann auch persönlich nochmal geschrieben. Das hat mich sehr gefreut. Es bedeutet mir viel, dass die Fans des SV 98 mich auch nach dem Wechsel noch verfolgen und sogar wegen mir hier ins Stadion kommen. Das macht mich sehr glücklich und stolz. Auch bei unserem letzten Heimspiel war ein Darmstadt-Fan im Stadion: Ein kleiner Junge, dem ich dann auch mein Trikot gegeben habe. Das war schon echt schön.“

Wie steht es um deine Kontakte nach Darmstadt? Zu wem hast du noch am meisten Kontakt?

„Ich habe zum Glück immer noch einen engen Draht zu vielen Jungs. Vor allem Fynn Lakenmacher ist ein sehr enger Freund geworden. Fynn hat mich beispielsweise zweimal in Spanien besucht. Als ich nach dem Magdeburg-Spiel in der Kabine war, habe ich mit Sergio Lopez versucht, Spanisch zu reden. Aber da muss ich noch ein bisschen üben (lacht). Der Kontakt zu vielen Jungs ist auf jeden Fall noch da.“

 Wie sehen deine Sommerpläne aus?

„Ich verbringe jetzt ein paar Tage zuhause in der Heimat. Da ich aus einem schönen Reiseziel wie Barcelona komme, verspüre ich gar nicht so den Drang, in den Urlaub zu fliegen. Deswegen freue ich mich aktuell sehr, zuhause zu sein und ein paar Tage mit der Familie zu verbringen. Geplant ist weiter, dass ich mit Fynn noch einmal ein paar Tage wegfahre. Aber sonst steht erstmal nichts Größeres an.“

Clemens, vielen Dank für deine Zeit und das Gespräch. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und privat sowie sportlich alles Gute!

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