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07.08.2019 / Allgemein

„Das macht nicht jeder“

"Ich bin kein Kaffeetrinker", gesteht Mathias Honsak direkt zu Beginn des Interviews im Kaffeehaus im Carree. Dass er damit nicht unbedingt in das vorgefertigte Bild eines gebürtigen Wieners passt, ist dem 22-Jährigen bewusst. Über seine Heimatstadt, österreichische Einflüsse und über sportliche Ziele spricht der Neuzugang trotzdem mit uns. Nur eben bei einer heißen Schokolade.

sv98.de: Mathias, ein Wiener im Kaffeehaus. Das erfüllt viele Klischees. Bist du mit dieser Kultur aufgewachsen?
Die Kultur kenne ich natürlich sehr gut, selbst sitze ich aber nicht so häufig in einem Kaffehaus, weil ich überhaupt kein Kaffee-Trinker bin. Deswegen habe ich mir jetzt auch eine heiße Schokolade bestellt (lacht)
sv98.de: Du hast Wien auch bereits mit 17 Jahren Richtung Salzburg verlassen. Hattest du also gar nicht die Möglichkeit, zum passionierten Kaffee-Liebhaber zu werden?
(lacht) Kaffeehäuser gibt es ja überall. Ich bin einfach nie auf den Geschmack gekommen.
sv98.de: Bist du den generell jemand, der auswärts isst und trinkt oder bleibst du lieber in den eigenen vier Wänden?
Meine Freund in und ich kochen sehr regelmäßig und auch gerne. Wir gehen nicht so häufig essen, da nehmen wir uns lieber die Zeit und versorgen uns selbst.
sv98.de: Sportlergerecht oder mit der Küche deines Heimatlandes?
Unterschiedlich, aber österreichische Spezialitäten eher selten. Natürlich gehen wir auch mal ein Schnitzel essen. Sonst sind wir sehr vielfältig unterwegs, aber schon auf den Sport ausgelegt.  
sv98.de: 17 Jahre hast du in Wien verbracht. Wie prägt einen diese Stadt, wie bist du generell aufgewachsen?
Wien ist wunderschön und natürlich auch eine große Stadt mit fast zwei Millionen Einwohnern. Ich bin dort mit meinen Eltern und meiner größeren Schwester aufgewachsen und habe insbesondere Höflichkeit und Bescheidenheit mit auf den Weg bekommen. Mir ist es auch sehr wichtig, bodenständig zu bleiben und den Menschen mit Respekt zu begegnen. Das haben mir meine Eltern immer vorgelebt.
sv98.de: Wie war das Verhältnis zu deiner Schwester?
Wir haben einen sehr engen Zusammenhalt in der Familie, so ist es auch zwischen mir und meiner Schwester. Natürlich haben wir uns auch gestritten, aber insgesamt ist es schon sehr harmonisch zugegangen. Meine Schwester lebt noch in Wien und ich habe generell täglich Kontakt zu meiner Familie. Das ist mir auch sehr wichtig.
sv98.de: Mit 17 hast du Wien verlassen, Österreich dann mit 21. Gibt es Dinge, die dich als typischen Österreicher ausweisen?
Insgesamt ist die Kultur in Österreich der deutschen sehr ähnlich. Natürlich verrät mich mein Dialekt, da muss ich immer ein wenig aufpassen und ich bemühe mich, verständlich zu reden (lacht)
sv98.de: Gibt es Dinge, die du vermisst?
Ich bin zwar nicht in den Bergen aufgewachsen, aber spätestens nach meiner Zeit in Salzburg habe ich eine Vorliebe dafür. Das fehlt mir schon ein wenig.
sv98.de: Stichwort Dialekt. Deine Teamkollegen verstehst du aber problemlos?
Da gibt es überhaupt keine Schwierigkeiten, die Jungs müssen umgekehrt eher mal bei mir nachfragen. Wenn wir beispielsweise Kreis spielen, würde ich sagen: ‘Wir spielen Hösche.‘ Manchmal rutscht mir ein Begriff raus, dann fragen die Mitspieler nach, finden es aber auch lustig.
sv98.de: Sportlich waren die vergangenen Jahre sehr abwechslungsreich für dich. Ried, Altach und Kiel hießen die Stationen seit 2016. Bist du froh, nun keine erneute Leihstation eingegangen zu sein?
Natürlich ist es schön, einen Dreijahresvertrag unterschrieben zu haben. Meine Freundin und ich wissen definitiv, wie ein Umzug funktioniert. Vielleicht gründen wir nach der Karriere ein Umzugsunternehmen. (lacht) Aber die zurückliegenden Stationen haben mir auch Spaß gemacht und mich weiter gebracht, diesen Weg würde ich wieder einschlagen.
sv98.de: Die zweite Liga kennst du bereits aus deiner Saison mit Kiel. Was hat dir so gut gefallen, dass du weiterhin in dieser Liga spielen wolltest?
Die Liga ist nochmal eine andere Hausnummer als die Liga in Österreich. Es ist mehr Tempo im Spiel, es geht in den Duellen immer zur Sache. Die Fans und die Stimmung in den Stadien sind überragend, das hat mich absolut gepackt, auch deswegen wollte ich in Deutschland bleiben.
sv98.de: Nun stehst du bei den Lilien unter Vertrag. Warum ist deine Entscheidung für den SV 98 gefallen.
Ich hatte sehr gute Gespräche mit dem Trainer und auch mit Carsten Wehlmann. Die Inhalte und Ideen haben mir sehr gut gefallen und überzeugt, deswegen habe ich mich für diesen Schritt entschieden. Zumal der Trainer extra seinen Familienurlaub für mich unterbrochen hat, um sich mit mir zu treffen. Das macht sicherlich nicht jeder, das hat mir schon eine besondere Wertschätzung verdeutlicht und mir gezeigt, dass der Verein mich unbedingt verpflichten möchte.
sv98.de: Deinen Sommerurlaub musstest du aus einem anderen Grund unterbrechen. Du hast mit Österreich an der U21-EM in Italien teilgenommen. Ein Turnier, für das du gerne auf die freien Tage verzichtet hast?
Eine Europameisterschaft ist natürlich etwas einzigartiges, Österreich hat sogar erstmals überhaupt in dieser Altersklasse an der Endrunde teilgenommen. Da war mir der Urlaub egal (lacht). Ich durfte mich auf dieser Bühne zeigen und die Erfahrung wird mich mit Sicherheit weiterbringen.
sv98.de: Bereits in der Qualifikation hattest du auf dich aufmerksam gemacht. 7 Spiele, 6 Tore. Eine bärenstarke Quote. Trifft es sich im Trikot der Nationalmannschaft leichter?
Das würde ich nicht sagen. Natürlich habe ich mich über die Tore für Österreich gefreut, aber diese Qualität möchte ich jetzt auch in Darmstadt zeigen.
sv98.de: Im Vorjahr waren es vier Treffer und fünf Vorlagen. Bist du denn eher der Typ Torjäger oder Vorlagengeber?
Vielleicht sogar eher Vorbereiter. Aber ich kann Tore machen, das möchte ich auch unter Beweis stellen und meine Statistik aus dem Vorjahr gerne verbessern. Damit wir vielleicht doch auch vom Torjäger sprechen können (lacht).
sv98.de: Mittlerweile kannst du auf Scorer-Jagd gehen, nachdem du dich gegen Arnheim verletzt hattest. Zeit zum Durchstarten?
Das hoffe ich doch! (grinst) Es war natürlich unglücklich gegen Arnheim, da bin ich blöd umgeknöchelt (umgeknickt). Glücklicherweise war es nicht so schlimm und ich habe nur das Spiel gegen Hamburg verpasst.
sv98.de: Das erste Pflichtspiel im neuen Dress, ein volles Stadion, dazu der Heimsieg. So stellt man sich seine Premiere sicherlich vor.
Ein Sieg ist immer gut mit einem eigenen Treffer wäre es dann das perfekte Debüt gewesen (lacht). Ich war begeistert von der Stimmung, auch von der Gegengerade. Ich freue mich auf die nächsten Spiele.
sv98.de: Zunächst müsst ihr zwei Mal auswärts antreten. Der nächste Gegner ist der FC Oberneuland im Pokal. Ein unangenehmes Spiel bei einem unterklassigen Verein?
Natürlich neigt man in diesen Spielen auch mal dazu, zu locker an die Sache heranzugehen. Das dürfen wir auf keinen Fall tun, das wissen aber auch alle Spieler und dementsprechend bereiten wir uns auch vor. Das müssen wir dann am Sonntag auch zeigen.

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