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04.12.2024 / Profis

Das Pokal-Aus in der Analyse

Strittige Szenen, leidenschaftliche Defensivarbeit und ein Gegentreffer in letzter Sekunde. Das 0:1 der Lilien bei Werder Bremen im Pokal-Achtelfinale sorgte für Gesprächsstoff. Wir beleuchten das Pokal-aus des SV 98 in unserer Analyse zum Spiel.

Foto: Eibner

Szene des Spiels:

Die 35. Minute: “Auswärts in Bremen gewinnt Werder wahrscheinlich neun von zehn Spielen. Aber neun von zehn heißt nicht zehn von zehn.“ Mit diesen Worten hatte Florian Kohfeldt im Vorfeld die Ausgangslage der Lilien vor dem Pokalspiel beim Bundesligisten skizziert. Der SV 98 wusste vorab, dass an diesem Pokalabend viel passen muss, um Werder aus dem Wettbewerb zu kegeln. Neben der eigenen Leistung braucht es in solchen Spielen häufig auch ein wenig Fortune bei den Dingen, die eine Mannschaft nicht selbst in der Hand hat.

Diese Text-Passage soll keineswegs Schiedsrichter Martin Petersen an den Pranger stellen oder als Hauptverantwortlichen für das Pokal-Aus der Lilien abstempeln, sie soll viel eher darauf hinweisen, dass die berühmten Kleinigkeiten an diesem Dienstagabend nicht in den Schoß der Lilien fielen. 35 Minuten waren im Weserstadion gespielt, als Isac Lidberg auf dem Weg zu einem möglichen Führungstreffer vom herauseilenden Werder-Keeper Michael Zetterer gefoult und damit an einem freien Torabschluss gehindert wurde. Schiedsrichter Petersen entschied sich für Gelb und gegen einen Platzverweis. „Zetterer hatte viel Glück“, schreibt der Kicker in seinem Spielbericht, der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe äußerte sich ebenfalls via X: „Stürmer wäre einschussbereit direkt aufs leere Tor-> ist Rot!“ Kohfeldt sprach diplomatisch von einer „Grauzone“ und ergänzte: „Er hat so entschieden. Das müssen wir akzeptieren.“ Selbstredend hätten sich die Chancen der Lilien in Überzahl erhöht, im Elf gegen Elf blieb Werder über weite Teile das spielbestimmende Team. „Wenn diese Kleinigkeiten nicht auf unserer Seite sind, wird es noch schwerer als sowieso schon“, resümierte Marcel Schuhen und erwähnte auch den fragwürdigen Freistoßpfiff, der dem Bremer Siegtreffer in der 94. Minute vorrausging. 

Das lief gut:

Die Defensive über 93 Minuten: Aleksandar Vukotić köpfte unzählige Flanken aus dem Strafraum, immer wieder warf sich ein Lilien-Spieler in die Abschlussversuche der Werderaner, Matej Maglica (72. Minute) und Kai Klefisch (85. Minute) verhinderten so sichergeglaubte Gegentreffer. Der SV 98 verteidigte mit einer unglaublichen Leidenschaft und hoher Konzentration, die Umstellung auf eine Dreier- respektive Fünferkette füllten die Südhessen von Beginn an mit Leben und der Lust am Verteidigen. Klefisch sprach von einer „aufopferungsvollen“, sein Cheftrainer gar von einer „herausragenden“ Leistung. Im Vergleich zu den Partien im Liga-Alltag hatte Kohfeldt seiner Mannschaft eine defensivere Herangehensweise an die Hand gegeben, mit Maglica einen dritten Innenverteidiger aufgeboten. Der Plan ging auf. „Wir glauben an das, was uns der Trainer mitgibt“, verriet Marcel Schuhen, der bei den wenigen direkten Torschüssen der Gastgeber ebenfalls stets auf dem Posten war. Die Stabilität der Lilien an diesem Dienstagabend war ein weiterer Nachweis dafür, dass sich der SV 98 unter Kohfeldt nicht nur offensiv, sondern auch defensiv klar entwickelt hat. Die Spielidee von Bremen dürfte in der Liga zwar eher die Ausnahme bleiben, dennoch hilft das Pokal-Erlebnis auch auf dem weiteren Weg, wie Klefisch verdeutlichte: „Wir haben 90 Minuten lang einem Bundesligisten Paroli geboten. Daraus nehmen wir viel Positives mit.“

Das lief nicht gut:

Offensiv zu zögerlich: Zu den Kleinigkeiten, die ein Fußballspiel entscheiden, gehört auch die richtige Entscheidungsfindung innerhalb von Sekundenbruchteilen. Gewiss, die Bremer hatten  mehr Spielanteile, chancenlos waren die Südhessen jedoch definitiv nicht. Die Lilien agierten bei ihren offensiven Möglichkeiten jedoch oft zu umständlich. Exemplarisch dafür die 93. Minute, als  Fynn Lakenmacher energisch in den Bremer Strafraum eindrang, einen Haken schlug und dann sogar ein freies Schussfeld hatte. Doch der Angreifer entschied sich für eine weitere Finte und verpasste so den richtigen Moment für einen aussichtsreichen Abschluss. „Wenn Fynn schießt, wer weiß, was passiert“, so Paul Fernie über die Szene wenige Augenblicke vor dem Lucky Punch der Bremer. „Gegen so einen Gegner bekommst du nicht so viele Torchancen. Die, die du hast, musst du dann nutzen. Leider ist er nicht reingerutscht“, fasste Kai Klefisch zusammen, bevor er dem Abend mit drei Adjektiven eine Überschrift gab: „Bitter, ärgerlich und traurig.“

Die 94. Minute: Unabhängig davon, ob dem Freistoß von Marvin Ducksch tatsächlich ein Foul von Guille Bueno vorrausging: Der Bremer Last-Minute-Treffer war vermeidbar. „“Ich entscheide mich dafür, auf der Linie zu bleiben, zwei oder drei Spieler bleiben stehen, ein unfassbar blödes Gegentor. In allen Bereichen“, so beschrieb Marcel Schuhen auf Nachfrage den späten Knock-Out. Der Gegentreffer war ein weiterer Beweis für die altbekannte Fußballer-Weisheit, dass nur ein Moment der Unachtsamkeit ausreichen kann, um schlussendlich ein Spiel zu verlieren. Insbesondere gegen einen Gegner mit der Qualität von Werder Bremen. So sorgte Anthony Jung zum „maximal ungünstigsten Zeitpunkt“ (Kohfeldt) für großen Jubel auf der einen und Frustration auf der anderen Seite. Und dennoch konnte Sportdirektor Paul Fernie dem Pokalabend wenig später schon wieder etwas Positives abgewinnen: „Dieses Spiel wird uns stärker machen.“

Diese Stärke werden die Lilien am kommenden Sonntag brauchen. Wenn es erneut in den Norden der Republik geht. Zum Auswärtsspiel beim HSV.  

Zitat des Tages

Dieses Spiel wird uns stärker machen.

Paul Fernie, Sportdirektor des SV 98

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